Höllenwoche

Ich habe eine Höllenwoche hinter mir. Und ich glaube, das lag unter anderem auch am Venlafaxin: Schlaflosigkeit, Depression (Anfangsverschlimmerung), Angst morgens.

Letzten Mittwoch hatte es seinen Höhepunkt erreicht: Ich stand morgens mit dem Gedanken auf: „Heute versuche ich es (das Leben) noch mal.“ Aber keine Angst, niemand muss einen Einsatztrupp in meine Wohnung schicken. Ich habe angefangen, nach einem Psychiater (und damit letztendlich auch nach Therapie) zu suchen, und heute geht es mir auch besser.

Am Mittwoch dachte ich, ich werde verrückt. Ich wache immer (!) mit furchtbarer Angst (vor nichts Konkretem) auf, die dazu führt, dass ich am ganzen Körper zittere. Ich kann das dann im Laufe des Morgens durch „Gedankenkontrolle“ in Griff bekommen, aber es wird immer schwerer und dauert auch immer länger. Da ich keine konkrete Angst vor irgendwas habe, kann ich die Ursache der Angst auch nicht beseitigen (oder mir schönreden). Ich habe es ja schon mal gesagt, ich nehme an, dass es an meinem Gesamtzustand liegt: Unbearbeitete komplexe posttaumatische Belastungsstörung, Corona, die innere Leere nach erfolgreicher Beseitigung der Panikattacken, Existenzangst …

Mein gesamter Körper ist angespannt. Es ist so, als würde ich alles zusammenziehen, was ich zusammenziehen kann. Ich beiße tatsächlich die Zähne aufeinander, spanne meine Nackenmuskulatur an, und sogar meine Füße sind verkrampft. Nachdem ich im Laufe des Mittwochs immer wieder Entspannungs- und Meditationsübungen gemacht hatte, wurde es besser, und abends fiel mir dann auch endlich auf, dass das wahrscheinlich eine Nebenwirkung des Antidepressivums war. Ich habe es ja schon mal erzählt, als ich Venlafaxin das erste Mal genommen habe, habe ich am zweiten oder dritten Tag den Notarzt angerufen, weil ich das Gefühl hatte, innerlich zu explodieren. Venlafaxin ist ein potentes Antidepressivum und hatte mir auch damals meine Angst völlig beseitigt. Ich hoffe also, dass es auch dieses Mal helfen wird.

Ich muss aber erst mal einen ausreichenden „Spiegel“ aufbauen. Zurzeit nehme ich 37,5 mg, das ist viel zu wenig. Die normale Dosis ist 150 mg. Ich möchte das Zeugs einschleichen, seit einer Woche bin ich also bei der „ganzen“ Tablette mit dieser Mini-Dosis, in den nächsten Woche werde ich die Dosis dann langsam auf 75 mg aufbauen (damals hatte ich damit schon eine positive Wirkung gespürt) und hoffe, dass das dann auch reicht. Ich habe also noch einen langen Weg vor mir.

Meinem Bauch geht es auch ziemlich schlecht. Wenn ich morgens aufwache, ist der „Druck“ im Bauch so schlimm (manchmal mit echt fiesen, schneidenden Schmerzen), dass ich nicht mehr einschlafen kann. Und wenn es dann zufällig erst 5.30 Uhr ist, dann ist das eben so. Ausschlafen kann ich schon lange genau deshalb nicht mehr, sodass ich aufgrund meiner sowieso vorhandenen Schlafstörungen auch unter chronischem Schlafmangel leide. Es dauert dann zwischen 20 und 120 Minuten, bis sich das Problem erledigt hat, und danach kann ich dann oft einen mehr oder weniger unbeschwerten Tag erleben. Manchmal ist der ganze Tag mies (mit starken Blähungen und ständigem Stuhldrang, sodass ich 10 Mal am Tag länger als 5 Minuten auf dem Thron sitze), an manchen Tagen fangen die Probleme erst gegen 21 Uhr wieder an. Das sind die guten Tage. Vorgestern war so einer. Gestern allerdings war es wieder besonders fies. Die Vermutung liegt nahe, dass Psyche und Darm hier zusammenspielen, nur leider finde ich überhaupt keine Korrelation. Auch nicht mit der Ernährung. Ich weiß nur, dass es umso schlimmer wird, je mehr ich esse. Also esse ich tagsüber kaum etwas. Da mir die nicht-retardierte Form von Venlafaxin ja ganz schlimmen Durchfall beschert hat gehe ich davon aus, dass auch die Version, die ich jetzt nehme, irgendwas mit meinem Bauch macht.

Dazu nehme ich ja weiterhin meine „Notlösung„. Das Schöne daran ist, dass sich mein „Reizdarm“ sofort beruhigt, wenn ich es nehme. Viele Leute nehmen es auch genau aus diesem Grund. Das Doofe ist aber, dass meine „Notlösung“ eben (genau aus diesem Grund) auch Verstopfung verursacht. Die Kunst ist es, die richtige Dosis herauszufinden. Und da es sich um einen nicht-regulierten Stoff handelt, ist auch jedes „Batch“ anders, sodass man also ständig am Probieren ist. Es nimmt mir morgens übrigens auch zuverlässig die Angst. Das habe ich letzte Woche erst herausgefunden. Ich wusste, dass es angstlösend wirkt, aber mir war nicht bewusst, dass es so zuverlässig und gut ist. Beruhigungsmittel machen mich ja müde, sodass ich sie morgens nicht nehmen kann. Dieses Kraut jedoch macht das nicht. Es scheint die Lösung (fast) aller Probleme zu sein. Aber ganz so einfach ist es natürlich auch nicht…

Von meiner OP am 22. Dezember letzten Jahres habe ich mich völlig erholt. Ich merke überhaupt nichts mehr – leider auch nichts Positives. Ich mach ja seit Anfang Februar auch wieder Sport, allerdings bin ich, was mein Herz-Kreislauf-System anbelangt, noch lange nicht wieder da, wo ich vor der OP war. Ich glaube, dass auch das ein wenig an Venlafaxin liegt: Dienstag hatte ich versucht, ein Workout mit meiner Lieblingstrainerin Yvette Bachman (Youtube) zu machen. Vor der OP habe ich locker 90 Minuten geschafft. Am Dienstag musste ich nach 20 Minuten aufgeben, da mir schwindelig vor Anstrengung war. Auch sehr frustrierend. In der Woche davor hatte ich mich schon bis 40 Minuten hochgearbeitet. Seither habe ich auch nichts Anstrengendes mehr gemacht. Den zu viel Anstrengung führt ja zu – tada – Schlafmangel. Heute versuche ich es aber noch mal.

Tja, das ist alles nichts Neues. Aber so ist mein Leben eben gerade. Nicht schön. Aber ich arbeite daran.

Zwischenmeldung zu den 3-Wort-Vorschlägen: Danke schön!

Zunächst mal vielen Dank Euch allen für Eure 3 Worte, aus denen ich eine Kurzgeschichte basteln darf. Ich habe mich über jeden einzelnen Vorschlag gefreut und bin tatsächlich schon bei der Arbeit. Da ich es mir nicht zu einfach machen will, möchte ich die Vorschläge chronologisch abarbeiten. Somit ist der Vorschlag von Lebensfilm als Erster an der Reihe: „Großzügigkeit – Hilflosigkeit – Sinnhaftigkeit“.

Als Zweites werde ich mich an den Vorschlag von Träumerin machen: „Berlin – Wunsch – Sehnsucht“,
gefolgt von Alex: „Genuss – Zuversicht – Einbahnstraße“,
Heidi Neumann: „Aufbruch – Lebensdesigner – Frühling“ und dann
Karin1210: „Selbstbetrug – Lebenslust – Vermeidung“

Es ist schwieriger, als ich gedacht habe. Jedes Eurer Worte verursacht ein Kopfkino bei mir, und die Handlung ist viel zu komplex passt keinesfalls in eine Kurzgeschichte. Wenn Ihr meine Beiträge kennt, könnt Ihr Euch das bei bestimmten Worten sicher vorstellen. So verrenne ich mich immer wieder beim Schreiben und beginne eher einen Roman als eine kurze, knackige Story. Dennoch sind diese Versuche natürlich nicht vergebens: Ich denke über Dinge nach und beleuchte sie von einer anderen Seite. Genau das ist ja auch einer der Zwecke dieser Übung.

Also, habt noch etwas Geduld, die Geschichten werden kommen. Und falls Ihr in der Zwischenzeit weitere Vorschläge habt, nur raus damit. Ich bin dankbar für jede Anregung!

Mies drauf – Ziele

Unglaublich, wie schlechte Laune ich habe. Am liebsten würde ich mich wieder ins Bett legen und dort heulen. Aber erst mal musste ich mein Arbeitspensum für heute absolvieren (überhaupt kein Bock), denn (noch) habe ich nicht den Mut dazu, alles hinzuschmeißen und aufzugeben. Morgen könnte es mir ja vielleicht besser gehen.

Ich könnte einfach so wegen gar nichts losheulen. Aber nicht nur meine Seele fühlt sich elend. Das Antidepressivum führt zu niedrigem Blutdruck, obwohl ich nicht mal 10 mg nehme (normale Dosis 150 mg). So wird mir jedes Mal schwindelig, wenn ich von der Couch oder dem Schreibtischstuhl aufstehe. Venlafaxin hatte mir in der nicht-retardierten Form ja Durchfall beschert. Ich hatte das letzten Sonntag, als ich die halbe un-retardierte Tablette geschluckt habe, billigend in Kauf genommen, denn ich wollte ja, dass es mir besser geht. Ausßerdem ging (gehe?) ich davon aus, dass das Problem mit der retardierten Version, die ich jetzt seit 3 Tagen schlucke, verschwinden würde. Nun, es ist besser geworden, aber nicht gut. Ich habe immer noch ständigen Stuhldrang, das ist furchtbar unangenehm. Außerdem ist mir dauerhaft übel, so als würde ich Karussell fahren. Ich hatte noch ein paar Vomex im Arzneimittelschrank, damit wird es etwas besser. Medikamente mit Medikamenten bekämpfen, das ist ist völlig absurd.

Ich schlafe auch weiterhin mies. Gestern bin ich nur 90 Minuten auf dem Laufband spaziert (einen Film lang), aber auch dabei konnte ich mich nicht zurückhalten und habe gleichzeitig Übungen mit den Armen (mit Gewichtshandschuhen) gemacht. Die erreichte Kaloriengesamtzahl von 600 deutet darauf hin, dass es nicht einfach ein Spaziergang war. Statt eine Schlaftablette zu nehmen habe ich gestern meine letzten Beruhigungsmittel-Tropfen geschluckt, und sie haben auch einigermaßen gewirkt. Allerdings hatte ich einen (schon vergessenen) Albtraum. Ich weiß aber noch, dass mir die Verfolgungsjagd in Brüssel (dort habe ich mal gelebt) irgendwann zu viel wurde und ich versuchte, um Hilfe zu schreien. Wie so oft in Träumen konnte ich aber nicht wirklich schreien. Heraus kam nur ein mühevolles Krächzen. Das aber wohl auch außerhalb meines Traumes, denn mein Kater kam angerannt und miaute kläglich. Also, die letzte Nacht war trotz Beruhigungsmittel sehr anstrengend.

Jetzt allerdings bin ich mit meiner Arbeit fertig und habe frei, falls sich der eine Kunde, der sich Freitagnachmittags für Aufträge, die bis Montagmorgen zu erledigen sind, nicht meldet. Die Sonne scheint und ich habe vor, eine Runde um meinen See zu machen und hoffe, dass die Sonne meine Laune heben wird. Morgen treffe ich mich mit Petra. Das hatte ich letzte Woche aufgrund von Unlust und Kopfschmerzen abgesagt, aber dieses Mal freue ich mich regelrecht auf das Treffen. Ich kann das auch mit Petra nicht machen, absagen, weil ich keinen Bock habe. Zumindest nicht wiederholt.

Jetzt aber zum Thema von gestern. Meine Ziele:

Ich bin sicher nicht die einzige auf der Welt, die sich fragt, warum sie auf der Welt ist und was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Viele Menschen wenden sich der Religion zu und hoffen damit auf „Erlösung“. Damit hatte ich mich damals, zu Scottys Zeiten, viel beschäftigt. Ich wollte herausfinden, warum er, warum man, gläubig ist. Das Ergebnis war vorhersehbar: Ich halte es für erbärmlich, sein eigenes Leben als „erlösenswert“ zu betrachten. Man muss etwas aus seinem Leben im Hier und Jetzt machen, eine Erlösung durch einen Gott gibt es nicht, und falls es wider Erwarten doch so sein sollte, macht man nichts falsch, wenn man trotzdem versucht, ein glückliches Leben zu leben und nicht einfach abzuwarten, bis es vorbei ist und man hoffentlich in den Himmel kommt. Also, Religion, „in den Himmel zu kommen“, kann für mich kein Lebensziel sein.

Gestern, als ich versuchte einzuschlafen, kam mir der Gedanke, dass es vielleicht gar kein Ziel geben muss. Dass das Ziel vielleicht einfach sein könnte, um Hier und Jetzt glücklich zu sein. Ohne irgendetwas zu erreichen. Das allein ist ja (zumindest zurzeit) für mich eine große Aufgabe. Aber das hilft mir nicht, mit dem fehlenden Silberstreif am Horizont klarzukommen.

Was also kann ich mir vornehmen, auf das ich mich freuen kann? Womit kann ich mein Dasein wertvoller (für mich) gestalten?

  1. Schreiben

Ich habe eine Bitte an die Leser, die bis hierhin gelesen haben: Kommentiert diesen Beitrag mit 3 Stichworten. Ich möchte sie gerne verwenden, um daraus eine Kurzgeschichte zu schreiben. Ich habe in der Vergangenheit festgestellt, das sich so etwas gut kann. Mir fehlt nur die Motivation, mich aufzurappeln. Wenn ich jedoch hier etwas verspreche und mein Versprechen angenommen wird, dann hätte ich einen Grund, es durchzuziehen. Macht Ihr das? Carlos A. braucht übrigens nicht mitmachen, seine Nachrichten bekomme ich eh nicht mehr.

Das wäre also das erste Ziel: Ich möchte mehr kreativ schreiben und in den nächsten 5 Jahren mindestens eine Kurzgeschichte veröffentlichen.

2) Ich möchte älteren Leuten helfen

Ich habe das in Florida bemerkt: Der Kontakt zu älteren Leuten, die einsam oder hilfsbedürftig sind, macht mich glücklich. Ich helfe grundsätzlich gerne, und ich finde den Kontakt zu Menschen, die schon so viel erlebt haben, äußerst anregend. Deswegen möchte ich in den nächsten Jahren eine ehrenamtliche Tätigkeit aufnehmen, bei denen ich älteren Leuten in irgendeiner Form helfe.

Zurzeit wird das mit Corona nicht ganz so einfach sein. In meinem Viertel befindet sich jedoch ein Seniorenstift, und die Leute sitzen hier oft auf einer Bank an einer stark befahrenen Straße. Das scheint für viele eine „Unterhaltung“ zu sein und macht mir klar, dass sie wohl wirklich Unterhaltung brauchen. Sobald das Wetter es zulässt und die Leute dort wieder sitzen möchte ich Kontakt mit ihnen aufnehmen. Indem ich mich dazu setze und mit ihnen rede. Was daraus wird, wird sich zeigen. Eventuell kann ich, nach Corona, auch in diesem Seniorenstift offiziell aushelfen.

Das würde meinem Leben einen Zweck geben: Andere Leute glücklicher machen. Und mich gleich mit.

3) Ich möchte mich in Sachen künstlicher Initelligenz weiterbilden

Künstliche Intelligenz hat auch in meinem eher kreativen Bereich Einzug gehalten. Ich habe Spaß an Technologie und befasse mich schon jetzt damit, verwende sie sogar. Aber all das tue ich eher passiv. Ich möchte Kurse/Weiterbildungen belegen, um hier für meine Kunden bessere Arbeit leisten zu können. Und vielleicht auch, um meine Arbeit zu rationalisieren und effektiver zu werden.

Das wäre ein Beitrag zur Erhaltung meines Geschäfts, der dazu führt, dass ich weniger Angst um meine Zukunft haben muss. Also nicht wirklich ein Silberstreif, sondern eher ein Wolkenwegpuster 😉

4) Ich möchte mein Geschäft ausbauen

Ich bin ziemlich kreativ und kann gut Marketingtexte schreiben. Eigentlich mache ich das mit am liebsten. Ich möchte, dass meinen Kunden das bewusst wird, indem ich ihnen diesen Dienst explizit anbiete. Zurzeit sind alle meiner Kunden ausländische Agenturen, also Vermittler. Für das, was mir vorschwebt, müsste ich Direktkunden anwerben. Das ist ein größeres Unterfangen, von dem ich noch nicht so genau weiß, wie ich es angehen soll. Es gibt aber zahlreiche Hilfsangebote im Internet in meinen beruflichen Themengruppen auf Facebook und LinkedIn, ich müsste mich „einfach“ nur mal damit befassen. Das ist etwas, was ich ungern tue – Kunden werben – aber wenn ich in Zukunft mehr von dem machen möchte, was mir Spaß macht, muss ich in diesen sauren Apfel beißen.

5) Florida

Ich wäre dumm und ignorant wenn ich nicht zugeben würde, dass Florida schon in der Vergangenheit ein Silberstreif am Horizont war. Florida fehlt mir. Um in Zukunft etwas zu haben, auf das ich mich freuen kann, muss ich also meine Florida-Reisen fortsetzen.

Ich glaube nicht, dass ich so weitermachen werde wie in der Vergangenheit, als ich immer nur knapp 6 Monate im Jahr in Deutschland war. Mein Leben wurde durch das ständige An- und Abreisen immer wieder unterbrochen, und das führte dazu, dass ich nirgendwo echte Freundschaften schließen konnte. Auch langwieriger Aktionen, wie Arzt-Besuche, Mitgliedschaften in Vereinen oder nebenberufliche Tätigkeiten waren damit praktisch nicht möglich. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum es mir jetzt so schlecht geht. Ich habe weder in Deutschland noch in Florida ein „Netz“, das mich auffangen kann.

Deswegen werde ich meine Florida-Reisen zwar fortsetzen, aber eher als Urlaube ein- oder zweimal im Jahr. Das Vermieten meiner Wohnung wird in Zukunft dank der AirBnB-Regelungen in Großstädten sowieso schwieriger sein, das heißt, dass ich meine Wohnung nicht mehr untervermieten werde. Damit fällt mir ein großer Stein vom Herzen, denn das war immer sehr aufwändig und führte auch dazu, dass ich mich nirgendwo so richtig heimisch machen konnte. Mit der Planung der Floridaurlaube also geht einher, dass ich es mir in meiner Wohnung auch gemütlicher einrichten werde. Das ist schön.

So, das waren fünf Ziele, die mal mehr, mal weniger schwer umzusetzen sind. Aber damit habe ich jetzt ein paar Silberstreifen am Horizont verschafft.

Sport als multifunktionale Droge

Seit Anfang Februar darf ich wieder Sport treiben. Ich bin schon vorher viel Spazieren gegangen, auch auf meinem Laufband. Seit Anfang Februar aber mache ich wieder die Workouts von Yvette Bachman, versuche mich an meiner Burpee & Squat Ladder und merke, dass meine Fitness besser wird. Ein Indikator dafür ist der VO2max, den mir mein Garmin-Fitnesstracker regelmäßig ausspuckt. Der VO2max gibt die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit meiner Zellen an, mehr Infos dazu hier. Zurzeit liegt er also wieder bei 39, angeblich liegt mein Fitness-Alter damit bei 20 Jahren und ich gehöre zu den oberen 15 % meiner Altersklasse. Natürlich bin ich stolz darauf. Das wurde mir übrigens auch mal von meinem Hausarzt nach ausgiebigen Tests letztes Jahr bestätigt. Mitte Januar, also 3 Wochen nach der OP, hatte meine Un-Fitness mit 35 ihren niedrigsten Wert erreicht. Klar, ich lag ja nur auf der Couch herum. Seither geht es stetig aufwärts und ich bin neugierig, wie hoch ich kommen kann. Mein Höchstwert letzten Sommer lag glaube ich bei 42, aber da ist sicher mehr drin ;-). Im Screenshot von meinem Fitness-Tracker kann man genau ablesen, wie sich meine Fitness entwickelt hat: Kurz vor der ersten OP (Ausschabung) Mitte September hatte ich an Motivation verloren – warum trainieren, wenn ich danach eh pausieren muss? Das ist der Abfall zu Beginn der Grafik Dann aber konnte ich mich aufraffen und habe bis einen Tag vor der OP noch trainiert, und auch das kann man sehen. Aber direkt mit der OP sinkt der Wert dann sichtbar. Man mag seine Zweifel haben, ob so eine Smart Watch tatsächlich den VO2max messen kann, und auch ich bin mir bewusst, dass das bestenfalls Schätzungen sind. Aber es ist doch erstaunlich, wie korrekt dieser Wert meine Motivation darstellt.

Das ist also zu einer Art Wettbewerb gegen mich selbst geworden. Ich brauche Ziele, deshalb muss ich meine Erfolge an so Dingen wie Gewichten, Ausdauer oder eben auch dem VO2max messen können. So weit so gut. Körperlich bin ich also wort-wörtlich wieder auf dem aufsteigenden Ast.

Wäre da nicht… Ja. Die Intensität meiner Fitness verhält sich umgekehrt proportional zu meiner Schlaffähigkeit. Je mehr ich trainiere, desto mieser schlafe ich. Gestern zum Beispiel habe ich 60 Minuten Cardio-Workout mit einem Video von Yvette Bachman gemacht, und trotz Schlaftablette habe ich mich von Minute zu Minute durch die Nacht gequält. Heute morgen habe ich mich auch genau so gefühlt: Als hätte ich die ganze Nacht durchtrainiert. Davor die Nacht hatte ich ebenso schlecht geschlafen, deswegen hatte ich ja überhaupt die Schlaftablette genommen. Wenn ich jetzt vergleiche, wie gut ich trotz Schmerzen geschlafen habe, als ich nach der Operation tagelang nur auf der Couch gelegen hatte, wird schnell klar, dass ich einen großen Teil meiner Schlaflosigkeit tatsächlich dem Sport zu verdanken habe.

Ich muss zugeben, dass ich mich gestern wohl tatsächlich übernommen hatte. Die 60 Minuten HITT waren meine größte sportliche Leistung seit der OP. Klar, vor der OP habe ich locker 2 solche Wokouts pro Tag absolviert. Aber für „so kurz nach der OP“ war es dann wahrscheinlich wirklich zu viel. Aber das ist nur eines der Puzzleteilchen. Der schlechte Schlaf wird ja nicht besser, wenn ich mich an die Anstrengung gewöhnt habe. Dann merke ich zwar die Anstrengung selbst nicht mehr als echte Anstrengung (gestern war ich ein paar Mal kurz vor dem Aufgeben, aber wenn ich nicht an meine Grenzen gehe, werde ich nicht besser, das habe ich schon vor langer Zeit gelernt), aber der Schlaf wird nur minimal besser. Wenn überhaupt. Neben der Überanstrengung selbst, die ich dadurch vermeiden könnte, dass ich es langsamer angehen lasse, scheine ich auch Probleme mit dem Cortisolabbau zu haben. Das wurde auch mal beim Diabetologen nachgemessen, und die Diabetologin vermutete damals, dass mein Diabetes durch den Dauerstress in den Jahren mit meinen Panikattacken entstanden ist. Bei Stress (Cortisol) produziert die Leber Glucose, damit der Körper im Zweifel genug Energie zum Kampf/Weglaufen hat, bei mir war das auf jeden Fall zu viel und zu lange.

Die Schlussfolgerung wäre also einfach: Mach einfach weniger Sport, dann schläfst Du auch besser. Ja. Logisch. Könnte ich machen. Aber damit nähme ich mir eine ganz wichtige „Droge“.

Ich mache diesen Sport ja aus einem Grund. Klar, damit ich fit bin, damit mein Körper schön aussieht, damit ich so viel essen kann, wie ich will. Aber das sind nur oberflächliche Gründe. Der wichtigste Grund ist der, wie ich mich beim und nach dem Sport fühle.

Während ich mich körperlich exzessiv anstrenge (und nur dann!) spüre ich mich selbst sehr deutlich. Ich spüre mich mit jeder Zelle meines Körpers. Ich muss mich völlig auf meinen Körper konzentrieren – und natürlich die Übung, die ich gerade mache. Während ich so heftig Sport treibe, haben meine Gedanken keine Zeit, sich mit den anderen Dingen zu beschäftigen, die in meinem Leben vielleicht auch wichtig wären. Ich bin völlig abgelenkt. Yoga, was mir immer wieder von allen empfohlen wird – das wäre ja auch viel altersgemäßer! – ist allein schon aus diesem Grund überhaupt keine Option. Ich muss mich beim Sport bis an meine körperlichen Grenzen treiben, nur dann bekomme ich, was ich will.

Und dann ist da noch das Gefühl nach dem Sport. Wenn ich mich so heftig angestrengt habe und dann völlig erschöpft und durchgeschwitzt auf der Couch sitze, bin ich glücklich. Manchmal bin ich sogar high. Ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe, ich bin froh, dass ich den fiesen Sport hinter mich gebracht habe, ich spüre nach der großen Anstrengung umso deutlicher, wie sich mein Körper entspannt. Das ist ein geiles Gefühl. Ich schwebe sozusagen. Ich kann zu keiner Zeit so gut entspannen wie nach dem Sport.

Deswegen höre ich nicht damit auf. Deswegen übertreibe ich es mit dem Sport. Sport ist für mich eine multifunktionale Droge, im wahrsten Sinne des Wortes.

Es gibt schon lange Dinge, die ich unbedingt machen möchte oder auch sollte, die ich aber nicht tue, weil ich nicht ausreichend Zeit dafür habe. Einer dieser Zeitfresser ist der Sport: Eben bin ich zum Beispiel 1 Stunde und 30 Minuten auf dem Laufband gelaufen. Ich bin stramm gegangen und war hinterher völlig durchgeschwitzt. 90 Minuten, die muss man erst mal haben. Und das mache ich fast täglich.

Ich würde gerne intensiver über meine Ziele nachdenken. Denn ich glaube, dass das einer der Gründe ist, aus denen ich so depressiv bin: Ich habe keine. Ich weiß eigentlich nicht, warum ich jeden Morgen noch aufstehe. Für meine Katze, für meinen Vater. Der Rest ist Routine. Jetzt, zu Coronazeiten ist es natürlich besonders schwierig, da sieht kaum jemand einen Silberstreif am Horizont. Aber ich hatte schon vor Corona keinen. Ich hatte mich mit meinen Floridatrips abgelenkt, das habe ich ja schon einmal erwähnt. Mein Ziel war es immer, nach Florida zu fliegen oder von Florida zurückzukommen. Ich glaube heute, dass ich auf diese Weise nur „weggelaufen“ bin. Was aber will ich wirklich vom Leben? Was will ich noch erreichen? Wie will ich alt werden (falls ich alt werden möchte). Oder aktueller vielleicht: Warum möchte ich alt werden?

Jetzt, wo es nicht mehr darum geht, Panik zu vermeiden, weiß ich nichts mehr mit meinem Leben anzufangen. Wie machen andere Menschen das? Warum, wofür möchten andere Menschen alt werden?

Ich träume (!) immer noch davon, mal als Schriftstellerin berühmt zu werden. Nicht mit einem dämlichen Tagebuch, sondern mit einem Roman. Ich hatte sogar schon mal einen zu etwa ein Drittel geschrieben, aber der ist mit einem alten Laptop abhanden gekommen. Das ist auch okay, heute würde ich etwas anderes schreiben. Ich könnte mich einfach hinsetzen und schreiben. Zumindest vielleicht Kurzgeschichten, aber nein, ich habe ja „keine Zeit“ dafür. Weil ich lieber Sport treibe. Oder auf der Couch hocke und darauf warte, dass ich mich – mit oder ohne „Hilfsmittel“ – entspanne.

Ich könnte auch meinen Job ausbauen. Die Tätigkeit, mit der ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Mein Job läuft super, wie von selbst. Aber wie alle Branchen zieht auch bei mir langsam aber sicher die Automatisierung in Form von künstlicher Intelligenz ein. Ich könnte mich in diesem Bereich fortbilden. Ich könnte vielleicht auch weitere modernere Aufgabenfelder zu meinem Portfolio hinzufügen. Ich kann so vieles, wenn ich mich nur richtig dahinter knien würde, könnte es gelingen. Nur dafür müsste ich es auch angehen.

Das „richtige Leben“ schiebe ich auf die Zeit, in der es mir dann mal besser geht. Es ist ein bisschen wie damals, als ich das Gefühl hatte, dass das Leben noch nicht richtig losgegangen sei und ich Pläne für „später“, wenn ich mal „groß“ bin, machte. Nun, mir ist mehr als bewusst, dass mein Leben losgegangen ist. Tatsächlich habe ich die Lebensmitte deutlich überschritten. Dennoch warte ich immer noch auf „irgendetwas“. Das ist dumm.

Vielleicht sollte ich mir täglich x Minuten Zeit nehmen, um am „Später“ zu arbeiten. Ja, ich glaube, das mache ich. Morgen fange ich an. (Klar, nicht heute, aufschieben kann ich immer noch am besten!). Nein, aber im Ernst. Morgen setze ich mich hin und schreibe auf, was ich in den nächsten 5 Jahren erreicht haben möchte. Ich kann gut mit Listen arbeiten. Wenn ich etwas auf eine Liste setzte, dann habe ich den Ehrgeiz, es auch abzuarbeiten. Das könnte also wirklich funktionieren.

Bis morgen!

Doch wieder depressiv

Im Laufe der letzten Woche wurde mir bewusst, dass ich mir nicht vorstellen kann, mein Leben normal zu Ende zu leben. Ich glaube nicht, dass ich einfach alt werden werde und dann an Altersschwäche oder irgendeiner der altersbedingten Krankheiten sterben werde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mein Leben vorher beenden werde.

Es wäre einmal interessant zu wissen, wie es anderen Menschen geht. Es geht nicht darum, was man sich für sich selbst erhofft, sondern es geht um dieses Gefühl der Gewissheit. Natürlich erhoffe ich mir, möglichst alt zu werden und dann im Alter von 105 eines Morgens einfach aufzuwachen und festzustellen, dass ich tot bin. Ich weiß jedoch, dass es nicht so sein wird. Es ist auch keine Angst. Es ist einfach ein Wissen.

Zunächst hat mich der Gedanke erstaunt, nach und nach hat er mich dann irgendwie gedämpft. Traurig war ich nicht. Einfach nur nicht-glücklich über meine hoffnungslose Erkenntnis. So als ob es nicht mich betrifft, sondern eine Bekannte. Dissoziation?

Letzendlich heißt das, dass ich selbstmordgefährdet bin. Eines Tages werde ich das alles einfach nicht mehr aushalten. Die Last meiner Existenz, die so schwer auf meinen Schultern wiegt. Meinen furchtbaren Bauch, der mich immer wieder vor Schmerzen innehalten lässt, vor allem morgens und abends, der mir aber grundsätzlich einfach mein Leben vermiest. Es ist so, als würde mir mein Bauch bei allem, was ich tue, langfristig die Freude mit einer zu großen Prise Salz verderben. So will ich einfach nicht weiterleben. Irgendwann werde ich es alles müde sein, und dann kommt vielleicht das eine zum anderen und ich beende mein Leben.

Hinzu kommt ja noch, dass es einfach überhaupt keinen Silberstreif am Horizont gibt. Es gibt nichts, auf das ich mich freue. Eigentlich gibt es nur sehr viel, das mir zuwider ist. Je älter ich werde, umso mehr schmerzt mein Körper, umso eigensinniger werde ich, umso weniger komme ich mit Menschen klar. Je älter ich werde, umso weniger spaßige Abwechslung kann ich mir holen, denn mir macht ja nichts mehr Freude. Eigentlich will ich in meiner Freizeit nur allein sein und runterkommen. Eigentlich will ich nur keine Angst haben, keine Schmerzen haben, keine Nervosität spüren. Es geht nur darum, Dinge zu vermeiden, Dinge loszuwerden. Das, was ich mir für die Zukunft wünschen würde, ist mit meinem doofen Bauch sowieso nicht möglich. Je älter ich werde, umso mehr und schneller stirbt meine Hoffnung auf Unbeschwertheit. Die habe ich einfach nicht (mehr). Mein Bauch beschwert alles.

Und wenn ich das Ganze weiter spinne, gibt es eigentlich keinen Grund, noch besonders lange zu warten, bis ich mein Leben beende. Jetzt ist es noch einigermaßen erträglich, warum sollte ich warten, bis es nicht mehr geht? Warum sollte ich warten, bis ich mir vielleicht selbst tatsächlich nicht mehr helfen kann?

Okay, da gibt es meinen 16 Jahre alten Kater, der braucht mich, und der bringt mich auch ab und zu zum lächeln. Gerade liegt er schnurrend neben mir, unser allabentliches Ritual. Für ihn werde ich auf jeden Fall noch weitermachen, aber seine Tage sind gezählt. Und dann gibt es meinen Vater, der mich ganz deutlich liebt, dem ich das Herz brechen würde, wenn ich mein Leben beendete. Aber allzu lange wird er sowieso nicht mehr leben, er ist ja jetzt schon fast 83. Das sind auch keine Gründe für ein Leben, das sind Gründe, die dagegen sprechen, das Leben zu beenden.

Gründe für ein Leben finde ich im Moment nicht. Ich muss zugeben, dass ich auch nicht besonders intensiv danach suche. Ich bin einfach müde. Lebensmüde. Aber das hatten wir ja schon mal.

Weil ich das alles genauso bedenklich finde wie ein möglicher Leser dieses Textes habe ich wieder angefangen, ein Antidepressivum zu nehmen. Venlafaxin. Das (in der nicht-retardierten Version) hatte mir bei der Minidosis 37,5 mg ja Durchfall beschert, deshalb hatte ich es abgesetzt. Eine normale Dosis ist 150 mg – nicht auszudenken, was da passiert wäre. Darmexplosion? Ich nehme jetzt also etwa die Hälfte, ich glaube mich zu erinnern, dass das noch problemlos ohne Durchfall ging. Dann werde ich im Laufe der Woche zu meinem Hausarzt gehen und mir das retardierte Venlafaxin besorgen, das kann man zwar nicht so gut teilen, aber bis dahin werde ich das Zeug genug eingeschlichen haben, um eine ganze 37,5 mg-Tablette zu nehmen. Ich hoffe, dass ich dann in ein paar Monaten etwas Erleichterung spüre und mich mal wieder über etwas freuen kann. Dass mein Wunsch, nicht mehr weiterzuleben, weniger intensiv wird und ich vielleicht sogar wieder etwas finde, was mir Lust auf das Leben macht. Parallel zu den Medikamenten werde ich auf jeden Fall versuchen einen Therapeuten zu finden. Das dauert hier in der Großstadt viele Monate, aber wenn ich mich nicht auf die Warteliste setzen lasse, werde ich auch nächstes Jahr nirgendwo einen Platz finden.

Ich empfinde meinen Zustand nicht wirklich als düster. Ja, ich bin traurig, wenn ich darüber nachdenke, aber nur dann. Es ist ehe alles grau. Ich bin einfach nur hoffnungslos.

Gestern kam dann abends noch eine traurige Botschaft aus Florida dazu, die die Tränen ins Rollen brachte. Diese Tränen waren jedoch vorher schon da gewesen, Bobs Tod war nur der Auslöser.

Bob ist gestern Morgen gestorben. Er war Mitte 90 und einer der „Snowbirds“, die ich vom Pier kannte. Er war lange Zeit so etwas wie mein lustiger, weiser Uropa gewesen. Natürlich hatte Ted mich mit ihm bekannt gemacht, und Bob kannte die Situation zwischen Ted , Delilah und mir sehr genau. Er war einer der wenigen, die tatsächlich eingeweiht waren. Er war auch einer der wenigen, die sich aus dem Klüngel und Getratsche der „Sandspurs“, der bitter-bösen Pier-Stammgäste, die versucht hatten, Ted und mir das Leben schwer zu machen, herausgehalten hatte. Bob war regelmäßig mit Ted und mir frühstücken gegangen, und ab und zu war er bei mir zu Hause vorbei gekommen, hatte Donuts mitgebracht und mit mir über das Leben im Allgemeinen, das letzte Buch, das er gelesen hatte oder die deutschen Sitten im Vergleich zu den amerikanischen diskutiert. Ich habe ihn sehr gern gehabt. Ein bisschen wie einen Ersatz-Opa.

Im letzten Jahr hatte ich den Kontakt zur Bob jedoch reduziert. Ich hatte einen Anruf bei ihm immer wieder herausgezögert, sogar vor Wochen noch, und ich wusste lange nicht, warum. Gestern, als ich dann die Nachricht von seinem Tod bekam, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich hatte Angst, mich zu sehr an ihn zu binden, weil mir klar war, dass er bald sterben würde. Ich hatte Angst vor dem Schmerz, den ich spüren würde, wenn er stirbt.

Das ist nicht das erste Mal, dass ich das bei mir beobachte. Und den Gedanken, sich vielleicht nicht zu eng an irgendeinen Menschen oder irgendein Tier zu binden, habe ich in meinem Leben schon häufig gehabt. Geht es anderen auch so? Was das anbelangt, so bin ich eindeutig sehr feige. Was für eine furchtbare Erkenntnis über mich selbst, wie grausam für die Sterbenden, die allein gelassen werden, weil sie sterben… Aber wenn ich mir die Menschen um mich herum ansehe, dann ist es recht wahrscheinlich, dass ich bei einem natürlichen Tod auch alleine sterben würde. Insbesondere jetzt.

Nun, jetzt weiß ich, dass man vor diesem Schmerz nicht weglaufen kann. Es hat mich hart getroffen, dass Bob gestorben ist. Und sehr schlimm schmerzt es mich auch, dass ich nicht mehr mit ihm geredet habe. Ich habe nicht nur keine Möglichkeit gehabt, mich von ihm zu verabschieden, ich habe ihn in den letzten Monaten, man kann schon fast sagen Jahren, aktiv ignoriert. Aus Angst. Aus purer, egoistischer Angst.

Also. Das Leben ist grau, sinnlos und wird nur zu weiterem Schmerz und Leid führen. Selber Schuld, wer das erträgt.

Statusbericht von der Crazy Cat Lady

In meinem Leben passiert nichts, deshalb schreibe ich hier auch nichts. Es gibt kaum etwas zu berichten.

Stimmt natürlich nicht ganz. Klar passiert was: Ich heile so vor mich hin, ich arbeite so vor mich hin, ich sportele so vor mich hin, ich atme vor mich hin …

Tatsächlich habe ich die Hysterektomie vom 22. Dezember so überstanden, als hätte man mir nur mal eben ein Muttermal weggeschnitten. Nach 2 Wochen habe ich wieder gearbeitet, nach 6 Wochen (das war letzten Mittwoch) habe ich wieder angefangen, Sport zu machen (Power-Walks mache ich bereits seit 3 Wochen), heute habe ich zum ersten Mal wieder meine Burpee-Routine, also die Burpee & Squat Ladder gemacht: 10 Burpees, 1 Squat, 9 Burpees, 2 Squats, bis runter auf Null. Ich habe nur eine Runde durchexerziert, in meinen Bestzeiten letzten Sommer waren es sechs. 15 Minuten haben gereicht. Jetzt muss ich erst mal schauen, was mein Körper in den nächsten Tagen dazu sagt, und wenn es okay war, wiederhole ich das nächste Woche. Langsam nährt sich das Eichhörnchen. Da ich aber in den Wochen der Untätigkeit genauso weitergegessen habe wie vorher, zeigt sich das deutlich an ziemlich heftigem Wabbel rund um meinen Bauchnabel. Dagegen muss ich was unternehmen.

Wenn man mir heute sagen würde, man hätte mir die Gebärmutter im Dezember gar nicht entfernt, würde ich zwar doof aus der Wäsche gucken, aber ich würde es glauben. Alles ist wie vorher, nur dass ich drei klitzekleine Schnittwunden auf dem Bauch habe, eine davon sogar im Bauchnabel, sodass sie gar nicht mehr sichtbar ist. Leider heißt das auch, dass die OP meine Probleme in keiner Weise behoben hat. Ich habe nach wie vor Darmkrämpfe und schreckliche Blähungen jeden Abend. Genauso wie vorher, in keiner Weise anders. Bei der OP wurde nicht nur die Gebärmutter entfernt, es wurde auch eine Verwachsung gelöst. Das heißt aber nicht, dass da nicht noch andere sind, die das Problem möglicherweise verursachen. Mein nächster Schritt ist also klar, denn natürlich hatte ich schon vor der Operation einen Plan B: Ich werde den anthroposophischen Arzt meines Vertrauens aufsuchen und im die Koordination der nächsten Diagnoserunde (die fünfte insgesamt in 12 Jahren?) übertragen. Vielleicht ist es ja doch irgendeine doofe Unverträglichkeit, auf die ich selbst nicht gekommen bin, oder vielleicht fehlen mir doch irgendwelche Darmbakterien. Zurzeit ist es so, dass ich jeden Tag mit der Hoffnung aufwache, dass der Spuk heute endlich vorbei ist. So geht es mir seit über 10 Jahren. Tagsüber ist dann auch alles gut, aber gegen Abend wird es schlimm. Und dann überlege ich, was ich gerade gegessen habe, und wenn mir eine Besonderheit auffällt, etwas, was ich gegessen oder nicht gegessen habe, hoffe ich, den Übel- bzw. Wohltäter gefunden zu haben. Seit 12 Jahren geht das so, und jedes Mal wird meine Hoffnung bitter enttäuscht. Das ist ultimativ frustrierend. So viel dazu.

Mein Kater Bob hat sich kurz nach meiner OP entschieden, auch krank zu werden. Er ist 16 Jahre alt und nimmt seit etwa 2 Jahren Schilddrüsenmedikamente. Eine Schilddrüsenüberfunktion ist wohl typisch für alte Katzen. Das funktioniert eigentlich ganz gut, Bob ist gut eingestellt, aber sein Alter bemerkt man einerseits daran, dass er sich nur noch behäbig bewegt, als hätte er Gelenkschmerzen (Schmerzmittel brachten nichts), andererseits aber auch daran, dass er sich bestimmte Stellen seines Fells nicht mehr richtig pflegen kann und diese dann zottelig werden. Quasi wie ein Kater mit kurzen Dreadlocks. Nicht so schön. Ich habe ihm diese Stellen kurzerhand abrasiert, weil ich befürchtete, dass ich darin vielleicht Keime vermehren könnten, aber richtig schön ist das natürlich auch nicht. Bob schnarcht seit jeher wie ein Mann, ähnlich wie der stark übergewichtige Luis, aber bei meiner Katze finde ich das süß. Manchmal frage ich mich aber, ob er nicht darunter leidet. Er hat, genau wie ein Mensch, Atemaussetzer, und oft hört sich sein Schnarchen auch sehr „wässrig“ an.

Lange rede kurzer Sinn, kurz nach Weihnachten fing Bob an, erbärmlich zu husten. Bei Katzen klingt das sehr seltsam, wenn man es nicht besser wüsste, würde man meinen, er würde niesen. Er hustet dann in einer Tour, 60 Sekunden hintereinander (oder länger), ohne dabei richtig zu Atem zu kommen. Dann macht er 20 Sekunden Pause, nur um sich erneut die Seele aus dem Leib zu husten. Und das mehrfach am Tag. Es sah furchtbar aus. Hinzu kam, dass er tatsächlich Atemnot zu haben schien, und dass sein Herz sichtbar viel zu schnell und heftig klopfte, selbst wenn er einfach nur auf dem Sofa bei mir saß. Sobald es mein Gesundheitszustand nach der OP also zuließ, ging ich mit Bob zum Arzt. Die Diagnose war nicht so gut: Beim Röntgen stellte sich heraus, dass Bob Wasser in der Lunge und im Herz hatte, der Tierarzt verschrieb ihm Entwässerungspillen und überwies mich an einen Kardiologen. Mein Kater sollte zu einem Kardiologen! Eine Blutabnahme beim „Tier-Hausarzt“ war nicht möglich gewesen, da Bob sich schon beim Röntgen derart aufgeregt hatte, dass sein Herz dort fast explodiert wäre. Schon die Autofahrt war eine Qual für ihn (und mich) gewesen. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass er die einstündige Autofahrt zur Tierklinik lebend überstehen würde.

Auf dem Weg vom Tierarzt nach Hause brach der ganze Schmerz der letzten Wochen aus mir heraus, und ich konnte überhaupt nicht mehr aufhören zu weinen. Immer muss ich alles alleine bewältigen, das ist unglaublich schwer. Ich hätte so gerne jemanden, der mich in diesen Momenten in den Armen hält und tröstet. Aber da ist keiner, und da war auch schon lange keiner mehr da, der mich spontan hätte halten können. Auch jetzt treibt es mir die Tränen in die Augen zu wissen, dass ich auch in Zukunft derart schwere Momente alleine bewältigen können muss.

Ich dachte auch darüber nach, wie ich Bob ein möglichst schnelles, schmerzfreies Ende bereiten könnte. Ich wollte nicht, dass er sein Leben mit langen Qualen beendete. Das hatte ich mir schon damals, als ich meinen Freund Christoph im Hospiz vor sich hin sterben sah, geschworen. Ein kurzes Googeln ergab, das man in Deutschland Tiere nicht selbst einschläfern darf. Nicht, dass mich das moralisch/ethisch davon abhalten würde, aber tatsächlich besteht das Problem darin, dass man als Normalsterblicher keine sichere Methode findet, einen kurzen, schmerzfreien Tod zu gewährleisten. Wenn ich Pech hätte, würde ich Bob nur noch mehr quälen und müsste dann mit einem sterbenden Kater zum Tierarzt fahren, um ihn dort erlösen zu lassen. Nein.

Als ich Bob dann 5 Tage später dem Kardiologen eine Stunde von hier entfernt vorstellte, ging es ihm – oh Wunder – schon deutlich besser. Die Entwässerungspillen hatten angeschlagen! Bob hustete kaum noch, und war auch etwas munterer geworden. Zwar fand der Kardiologe weiterhin Wasser in Herz und Lunge (möglicherweise seien es auch Tumore, meinte er), aber Bob war mittlerweile sehr viel lebendiger geworden. Der Kardiologe erklärte mir, dass sein Herz zwar krank sei, aber dass er eher auf eine falsche Schilddrüseneinstellung tippte …

Bob war erst im Oktober frisch eingestellt worden, aber als der Kardiologe von der Schilddrüse sprach, kam bei mir ein böser Verdacht auf. Ich hatte im Dezember von Pillen auf eine Flüssigkeit umgestellt, da Bob die kleinen roten Dragees nicht mehr mit seiner Vitaminpaste nehmen wollte. Stattdessen hatte ich ihm diese klare Flüssigkeit mit einer Spritze ins Maul gespritzt. Nach dem Verabreichen ist sehr viel weniger gut nachzuvollziehen, ob Bob sein Medikament wirklich geschluckt hat. Ich vermute heute tatsächlich, dass ich Bob im Eifer des Gefechts (und es ist wirklich eins!) einfach nicht ausreichend Flüssigkeit ins Maul gespritzt habe.

Wie dem auch sei, heute, etwa 3 Wochen nach dem Besuch beim Kardiologen, ist Bob wieder der Alte. Ich muss ihn morgens und abends mit der Entwässerungspille (eine große Tablette, die ich ihm mit dem Finger in den Rachen schiebe) und der Flüssigkeit aus der Spritze „vergewaltigen“, und je fitter mein Kater wird, umso schwieriger ist das, aber offensichtlich mache ich es richtig, denn Bob hat aufgehört, sich unter dem Bett zu verstecken, schläft tagsüber wieder auf dem Bett oder neben mir und springt sogar nach seinen Leckerli, wenn ich es zulasse.

Nach all den Freunden, die ich in den vergangenen Jahren verloren habe, ist mein Kater mittlerweile mein engster Vertrauter. Ich habe ihn seit 16 Jahren und ich habe ihn sehr lieb. Es gibt zurzeit niemanden, dem ich ähnliche Gefühle entgegenbringe. Bob und ich sind „eine Familie“, wir stehen zusammen auf, wir gehen zusammen schlafen, ich möchte nicht ohne ihn sein. Mit 16 ist er allerdings schon sehr alt, und es wird eher früher als später so weit sein, dass er nicht mehr ohne Qualen leben kann. Aber noch ist es nicht der Fall, und darüber bin ich sehr glücklich.

Tja, statt über Männer schreibe ich jetzt über Katzen. Offensichtlich bin ich eine „Crazy Cat Lady“ geworden.

Und sonst? Ich arbeite viel, aber mir gelingt es immer besser, mir die Wochenenden freizuhalten. Das ist sehr viel wert, und ich bin stolz darauf, dass ich das nach 18 Jahren Selbstständigkeit endlich geschafft habe. Pausen müssen sein! Ich verdiene genug, und Corona hat mein Business eher beflügelt als gebremst.

Bei meiner Freundin Karin (die, die mir letztes Jahr sagte, ich solle mich doch umbringen) wurde leider Gebärmutterkrebs diagnostiziert. Sie hatte kurz nach mir eine Ausschabung und bekam die böse Diagnose letzte Woche. Da es mir schwerfällt, zu verzeihen, habe ich mich in den letzten Monaten nur wenig mit ihr befasst. Wir haben noch Kontakt, aber er ist sehr oberflächlich. Sie hat mir mehr als deutlich gesagt, dass sie nichts „Schwieriges“ von mir hören möchte, also halte ich mich zurück. Ich kann das nicht vergessen, auch wenn ich mich bemühe, ihr zu verzeihen. Also hält sich mein Mitgefühl hier im Moment auch in Grenzen. Ich habe letzte Woche länger mit ihr telefoniert, und natürlich geht mir ihr Leid nicht aus dem Kopf, sonst würde ich ja hier auch nicht darüber berichten. Aber ich weiß nicht so recht, wie ich damit umgehen soll. Karin tut mir nicht gut. Auch aus Mitleid sollte ich mich nicht weiter enger mit ihr befassen.

Zu Karins Freundin Petra hingegen habe ich immer engeren Kontakt. Wir sehen uns so alle 2 bis 4 Wochen einmal, und wir telefonieren viel. Petra ist die Frau, die mich nach der ersten OP, der Ausschabung Mitte September, aus dem Krankenhaus abgeholt hatte. Wir sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich, wobei ich das Gefühl habe, dass Petra noch mal doppelt so reflektiert ist wie ich. Das ist einerseits schön, denn so habe ich jemanden, der versteht, dass und warum ich meine Verhaltensweise immer wieder aufs Neue analysiere, aber das ist manchmal auch echt nervig. Wahrscheinlich spiegelt sie mich auch irgendwie. Sie ist aber tatsächlich der einzige Mensch, mit dem ich noch regelmäßig Kontakt habe.

Mit meinem Ex-Mann schreibe ich mir noch regelmäßig E-Mails, aber nachdem ich ihm vor 2 Wochen klipp und klar gesagt habe, dass ich ihn erbärmlich finde, hat mein Enthusiasmus, mich mit ihm auszutauschen, auch arg abgenommen. Worüber auch? Ich tausche mich gerne über Gefühle aus, reflektiere Verhaltens- und Denkmuster (wie mit Petra), mit meinem Ex-Mann geht das nicht. Darüber hinaus „betrügt“ er seine Frau ja durch den Kontakt zu mir, sodass „Diskretion“ geboten ist, was jegliche Spontanität, aber auch Nähe, killt. Eigentlich ist er kein guter Freund. Er ist nie physisch präsent, er ist nicht da, wenn man ihn braucht, und mittlerweile halte ich ihn ja auch für ein eierloses Männerwürstchen. Offenbar bin ich nicht in der Lage, den Kontakt völlig abzubrechen, aber ich gehe davon aus, dass er früher oder später einschlafen wird.

Depressiv bin ich nicht mehr, aber richtig gut geht es mir auch nicht. Aber wem geht es zurzeit schon richtig gut. Ich sehe keinen Silberstreif am Horizont, ich lebe so vor mich hin, einfach weil ich keine andere Wahl habe. Noch muss ich ja für meinen Kater weiter durchhalten.

Der Ex-Mann: Ein eierloses Männerwürstchen

Mein Ex-Mann hat mir gestanden, dass er seine Ehefrau 10 Jahre lang betrogen hat. An Silvester ist er damit rausgerückt, und ich habe bis vorgestern gebraucht, um das soweit zu verarbeiten, dass ich es verurteilen kann. Folgendes schrieb er mir zu Beginn eine seitenlangen E-Mail, indem er von seiner Beziehung zu Carla schwärmt, die jedoch Ende 2019 auf ihre Initiative endete:

„Ich habe nun lange überlegt und mit mir gerungen. Aber ich denke es hilft mir selber auch sehr wenn ich mir meine Beziehung zu Carla mal von der Seele schreiben kann. Es ist schon interessant – von allen Menschen auf dieser Welt bist Du der Einzige dem ich das bislang anvertraut habe und auch zukünftig anvertrauen werde. Ich denke bei Dir finde ich sowohl Verschwiegenheit als auch Verständnis und Du wirst damit auch umgehen können.“

Auf den ersten Blick hatte mir dieses Geständnis geschmeichelt. Auf den zweiten Blick dann nicht mehr so: Natürlich kann er mir sowas erzählen. Ich kenne keinem aus seinem Bekanntenkreis, beziehungsweise, ich habe den Kontakt zu seinen Freunden schon lange abgebrochen. Es käme komisch, wenn ich denen plötzlich von Stefans vergangener Affäre erzählen würde.

Mit den anderen Punkten hat er jedoch Unrecht: Verschwiegen bin ich nicht. Ich schreibe hier davon, und ich habe Petra davon erzählt. Seine Offenbarung ist so groß, dass ich davon reden muss. Verständnis habe ich ansatzweise, aber umgehen kann ich damit überhaupt nicht.

Natürlich habe ich in gewisser Weise Verständnis fürs Fremdgehen, schließlich habe ich genau das mit Ted, Luis und vorher einigen anderen Männern erlebt und intensiv darüber nachgedacht. Auch hier in diesem Tagebuch habe ich in ihrem Sinne argumentiert. Wenn man unglücklich in einer Beziehung ist, dann hilft es doch letztendlich der Beziehung, wenn man sich anderswo Glück sucht. So oder so ähnlich habe ich 2013 oder so zu Ted sinniert. Ich habe mir den Beitrag gerade noch einmal durchgelesen. Unglaublich, wie sehr sich meine Einstellung verändert hat. Und auch in meiner Beziehung mit Luis werde ich ähnliche Argumente vorgebracht haben. Heute denke ich einfach, dass das sehr kurz gedacht ist. Anfangs mag das vielleicht stimmen, aber auf Dauer macht man damit keine Menschen glücklich, sondern einfach nur unzufrieden und unglücklich.

Ich selbst bin einmal fremdgegangen, aber um das noch einmal deutlich klarzustellen: Es ist ein einiges Mal vorgekommen (in meiner Beziehung zu meinem Ex-Mann), und ich habe die Konsequenzen gezogen und mich von ihm getrennt. Danach habe ich es nie wieder gemacht. Außerdem habe ich ihn nicht 10 Jahre lang angelogen, sondern nur ein paar Wochen. Und ich war jünger. Ich will mein Verhalten nicht beschönigen, Betrug ist Betrug, gleichzeitig aber finde ich so etwas verzeihlich, wenn es ein einziges Mal vorkommt und man daraus lernt und sein Verhalten nicht wiederholt. Wenn man jedoch zehn (10!) Jahre mit derselben Frau fremdgeht, dann trifft das wohl eher nicht zu.

Also, Stefan hat sich geirrt. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal habe ich ihn getröstet. Er ist tatsächlich seit längerer Zeit eher depressiv, und die Tatsache, dass sich seine Carla vor einem Jahr von ihm getrennt hat, erklärt einiges. Wie Stefan mir erzählte, hatte sich Carlas Mann dann eines Tages (wann weiß ich nicht) von Carla getrennt, sodass er sie ganz für sich haben konnte. Er hatte viel mit ihr und ihren 3 Kindern unternommen, sie haben wohl Wochenendausflüge zusammen gemacht, die Kinder haben sich immer gefreut, wenn er aufgetaucht ist, und so weiter. Sie haben also eine (fast) vollwertige Beziehung geführt. Carla wusste, dass es Stefans Ehefrau gibt, denn der Kontakt war überhaupt erst über Beate zustande gekommen. Noch etwas unaussprechlich Brutales: Carla hatte sich mit Beate angefreundet, und so hatten die beiden Familien immer mehr miteinander unternommen, und so ist aus Stefans „Liebe auf den ersten Blick“ wohl mehr geworden. Getrennt hat sich Carla dann wohl, weil Stefan wiederholt seiner eigenen Meinung nach „idiotische“ (Stefans Wort) Dinge gesagt hatte, die sie verstört hatten.

Stefan hatte mir in letzter Zeit häufiger erklärt, dass er sich Frauen gegenüber oft „idoitisch“ ausdrückt. Als Beispiel kommt er immer wieder auf diese E-Mail aus dem letzten Jahr zurück, in der er mir erklärte, es sei so schade, dass er niemandem von mir erzählen könnte, denn ich sei doch eine so enge Vertraute. Wie auch bei dieser Mail hier hatte ich mich zunächst geschmeichelt gefühlt, und das war ja auch seine Absicht gewesen, bin dann aber wütend geworden, weil es seine eigene Entscheidung ist, nichts von mir zu erzählen. Weil mir plötzlich bewusst wurde, dass er mich behandelt wie eine geheime Geliebte. Da ich mit ihm überhaupt nichts Falsches mache, fällt es mir schwer, diese Nachteile zu akzeptieren. Stefan und ich schreiben uns regelmäßig E-Mails, ab und zu ruft er mich an. Und wenn seine Frau gerade wegschaut und er Zeit hat und nicht seine Geliebte fickt, kommt er mal auf einen Kaffee vorbei. Das ist nicht Schicksal oder die Missgunst seiner Frau, sondern es sind die fehlenden Eier in seiner Hose. Er könnte Beate von mir erzählen, er hat nur keinen Bock auf den Stress, den Beate dann verursachen würden. Also lügt er lieber. Genau das hatte ich ihm damals auch (etwas freundlicher) gesagt, und genau das hatte damals auch fast zum Bruch (durch mich) geführt. Er meint bis heute, er hätte etwas Falsches gesagt, aber das ist Bullshit. Er hat nicht etwas Falsches gesagt, sondern er hat etwas Falsche gemacht. Er hat sich so verhalten,wie auch schon in unserer Beziehung: Er will bestimmte Dinge, traut sich aber nicht, sie durchzusetzen, und macht deshalb alles gleichzeitig, aber nur halb-gut. Manchmal muss man sich entscheiden, und das bedeutet auch, dass man auf ein Element verzichten muss. Das erinnert mich an diesen Spruch, „he wants to have his cake and eat it too“, den Luis immer wieder zu Ted abgelassen hatte. Stefan ist extrem entscheidungsträge.

Ich habe Stefan also zunächst getröstet und ihm gesagt, dass er sich nicht „idiotisch“ ausdrückt. Und so erklärte ich ihm auch, dass Carla sich wahrscheinlich nicht wegen seiner idiotischen Aussagen von ihm getrennt hatte, sondern weil eine Beziehung zwischen einem verheirateten Mann und einer alleinstehenden Frau eben nicht ausgewogen und damit suboptimal ist. Ich sagte, dass Carla wahrscheinlich Streit gesucht hatte, um sich trennen zu können.

Nach und nach wurde mir aber klar, dass ich mit Stefan so jemanden wie Ted oder Luis tröstete, und dass ich so jemanden nicht unterstützen will. Erstens, weil genau diese fehlenden Eier unter anderem zu unserer Trennung geführt hatten, und andererseits eben auch, weil ich nicht möchte, dass Männer durch diese Welt spazieren und Frauen wie mich aus Feigheit verarschen können. Nein, die Welt werde ich nicht retten können, aber ich muss das Verhalten doch nicht auch unterstützen!!!

Stefan begründet seine Entscheidungsträgheit (wie Ted) damit, dass er sich verpflichtet hat, seinen Sohn großzuziehen.. Sein Sohn ist 14 (wie Teds Sohn damals, übrigens). Ich könnte mir vorstellen, dass er durchaus mit einer Scheidung klarkäme. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es ihm nach einer Scheidung besser ginge, denn dann wären endlich klare Verhältnisse geschaffen. Stefans Beziehung zu seiner Beate gleicht auffällig der, die Ted angeblich zu seiner Delilah geführt hat: Lieblos, ohne Berührung oder gar intime Kontakte, mit viel Streit. Stefan empfindet Beate als hässlich, übergewichtig, mag sich ihre Krampfadern nicht anschauen und empfindet ihre Stimme als keifend. Es ist fast, als würden die Fremdgänger alle auf das selbe Handbuch der Entschuldigungen zurückgreifen. Na und? Dann ist Beate eben hässlich und Carla die Schönheit in Person (so in etwa hat er mir sie übrigens geschildert, er sei geblendet gewesen von ihrer Schönheit), aber das rechtfertigt doch kein Fremdgehen? Schon gar nicht 10 Jahre lang? Auf Nachfrage erklärte mir Stefan dann, dass Carla aber nicht nur schön sei, sondern auch intelligent, und dass sie auch anpacken könne. Und dass sie emotional ausgesprochen stark sei, trotz ihrer ach so schlimmen Kindheit in Nordafrika. Kurz: Carla ist die Traumfrau schlechthin. Mich macht das nur noch wütender: Der arme Stefan konnte sich den erotisch-intellektuellen Reizen der strahlend schönen Carla nicht entziehen und ist deshalb 10 Jahre lang fremdgegangen. Und dann hat sich diese Frau auch noch wegen eines falschen Satzes von ihm getrennt. Wie unfair die Welt doch ist! (Okay, das war jetzt etwas überspitzt zusammengefasst).

Und bevor jemand fragt: Ich habe Fotos von Carla gesehen und ja, sie ist schön, aber sie strahlt für mich eine gewisse kalte Schönheit aus. Mir ist sie enorm unsympathisch, sie wäre nicht der Typ Frau, mit der ich eine Freundschaft anstreben würde. Aber wahrscheinlich spricht hier zum großen Teil auch meine Eifersucht und zu einem kleinen Teil die Entrüstung.

Aber was mache ich jetzt damit? Ich habe in den vergangenen Monaten mehrfach überlegt, den Kontakt zu meinem Ex-Mann zu reduzieren oder ganz einzustellen. Ich habe es nicht verdient, wie eine Geliebte behandelt zu werden, zumal ich ja nichts Falsches mache. Ich glaube jedoch, dass ich mich aufgrund der Vorfälle von damals Stefan gegenüber noch schuldig fühle und es wohl auch deswegen hingenommen habe.

Es fällt mir schwer, Stefan mein verheerendes Urteil über seine „Eierlosigkeit“ mitzuteilen. Schließlich hat er sich ja im Vertrauen an mich gewandt. Wenn ich ihm jetzt sage, dass ich sein Verhalten verurteile, dann ist das ein bisschen so wie ein Vertrauensbruch. Andererseits wäre das die Wahrheit. Und wenn ich gegen Eierlosigkeit bin, dann trifft das genauso auf mich zu: Offensichtlich kann er mir nicht der Freund sein, den ich gerne hätte, den ich auch meine, verdient zu haben. Er ist einfach nur ein weiteres eierloses Männerwürstchen, der Typ Mensch, mit dem ich eigentlich nichts mehr zu schaffen haben wollte und dessen Handeln ich keinesfalls unterstützen möchte. Ich muss also ebenso eine Entscheidung treffen, und sie kann nur gegen ihn ausfallen.

Dummer Weise habe ich kaum noch Freunde. Petra und ich sind mittlerweile sehr eng befreundet, aber die Freundschaft zu Karin ist nur noch extrem oberflächlich. Die Freundschaft zu Andrea ist ja im Frühjahr letzten Jahres auf ihren Wunsch völlig abgebrochen. Das war tatsächlich ein Grund, warum ich an Stefan festgehalten habe. Das und meine vielen sehr guten Erinnerungen an ihn.

Ich kann mich erinnern, dass ich (auch hier) gedacht habe, dass Stefan einer von wenigen vollkommen ehrlichen Männern auf dieser Welt ist. Ich habe gedacht, er wäre zu feige, um fremdzugehen. Offensichtlich habe ich mich auch da in ihm getäuscht. Und somit verschwindet auch ein weiteres positives Argument für ihn. Ich wiederhole mich: Er ist ein eierloses Männerwürschten.

Ich werde die Konsequenzen ziehen.

Antidepressiver Plan B

Das mit Venlafaxin ist ja buchstäblich in die Hose gegangen. Noch (?) geht es mir okay, die Traurigkeit von vor der OP ist noch nicht wieder zurückgekommen. Ob das nun aber die Wirkung der nur 37,5 mg Venlafaxin ist (die ich zum letzten Mal vor über einer Woche genommen habe, seitdem schleiche ich es aus) oder ob durch die überstandene OP auch meine Welt jetzt schon wieder weniger trostlos ist, kann ich nicht beurteilen. Oder anders ausgedrückt: Ich trau dem Braten nicht.

Im Moment habe ich nicht vor, Venlafaxin weiter zu nehmen. Dennoch ist es eine Möglichkeit für die Zukunft. Ich wollte es von Anfang an nicht wirklich, aber ich sah keine andere Möglichkeit. Am liebsten hätte ich eine Art „Happy Pill“, die man ab und zu bei Bedarf nehmen kann, aber so etwas gibt es ja nicht, zumindest nicht legal oder auf „normalem Weg“.

Ich habe aber einen Plan B. Der ist legal, sonst würde ich hier nicht so drüber reden können, aber ich kann nicht erwarten, dass mein Arzt ihn unterstützt. Es geht um Kratom in Kombination mit Phenibut. Beide Mittel sind in Deutschland legal erhältlich, Kratom als „Fußbad“ oder Färbemittel, Phenibut als Nahrungsergänzungsmittel. Beide werden also nicht als Medikamente verkauft, Kratom-Packungen erhalten sogar den Vermerk „Nicht für den Verzehr geeignet“. Also, konkret, es ist nicht illegal, aber so richtig legal ist es auch nicht.

Mit Kratom experimentiere ich seit einigen Jahren und kann mittlerweile ganz gut damit umgehen. Ich verwende das an Tagen, an denen ich große Schmerzen habe oder an denen ich aus irgendwelchen Gründen extrem gestresst bin. Aufgrund der OP habe ich es mir „abgewöhnt“, das war auch nicht wirklich schwer, und in der Regel komme ich mit 1 bis 2 Dosen pro Tag mit ca. 2 Gramm hin, was sehr wenig ist. Ich sammele seit Beginn Informationen in einschlägigen Foren und glaube, dass ich ziemlich genau weiß, was ich tue. Kratom kann physisch und psychisch abhängig machen, ich bin da sehr vorsichtig. Die Entzugserscheinungen bei Kratom sind jedoch im Vergleich zu „normalen Opiaten“ so gering (ein paar Tage leichte Grippegefühle), dass ich mir da keine große Sorgen mache). Bisher habe ich sie nur ansatzweise zu spüren bekommen, als ich mal von jetzt auf gleich von 9 Gramm regelmäßig jeden Tag auf 0 runterdosiert habe. Da hatte ich unruhige Beine und eine leicht verstopfte Nase – wobei ich aber noch nicht mal weiß, ob das tatsächlich vom Kratom kam.

Über Phenibut habe ich viel gelesen, aber leider gibt es nur spärliche Informationen dazu im Internet. Es wurde wohl ursprünglich in Russland entwickelt und die Studien sind hauptsächlich in russischer Sprache. Bis auf die üblichen Warnungen vor Drogenmissbrauch ist wenig wirklich Informatives zu finden. So habe ich mich in „meinen“ relevanten Foren informiert und habe vorgestern das erste Mal damit experimentiert. Bisher kann ich sagen, dass die Wirkung separat nicht überwältigend ist. Kurzzeitig hatte ich sogar das Gefühl, neben mir zu stehen, da muss ich definitiv eine andere Dosierung wählen. Da es offensichtlich sehr lange wirkt, war die Wirkung von Kratom am nächsten Tag dann aber phänomenal: Das ist die „Happy Pill“, die ich gesucht habe.

Keine Angst, ich bin niemand, der gerne die Kontrolle verliert, deswegen bin ich wohl prinzipiell weniger suchtgefährdet. Bisher bin ich noch an keiner Droge hängengeblieben, obwohl ich durchaus ab und zu regelmäßigen Zugriff darauf gehabt hätte. Dennoch ist mir bewusst, dass ich, mehr noch als der Durchschnittsmensch, ein hohes Bedürfnis habe, am Ende des Tages „runterzukommen“, und Kratom hat sich da als extrem zuverlässig und befriedigend erwiesen. Von Ted weiß ich, dass Abhängige oft meinen, nicht abhängig zu sein oder über der Abhängigkeit zu stehen, deswegen beäuge ich meine eigene Aussage hier durchaus kritisch. Schließlich gibt es neben der physischen auch eine psychische Abhängigkeit, und ist der Wunsch, sich diese „Happy Pill“ zu gönnen nicht auch schon eine Art Abhängigkeit? Andererseits, was ist so schlimm daran, sich selbst ein Wohlgefühl zu verschaffen? Andere trinken regelmäßig Alkohol oder kiffen. Die Folgen davon habe ich an Ted und einem anderen Ex deutlich zu spüren bekommen, ich finde sie deutlich schlimmer als das, was ich selbst hier erlebe oder von anderen höre. Ich bin Erwachsen, ich weiß, was ich tue, und ich darf das. 🙂

Also: Kratom, vielleicht mit Phenibut, wird mir in nächster Zeit als „Happy Pill“ dienen. Ich werde es nicht regelmäßig nehmen, denn genau das hat mich ja auch an Venlafaxin gestört: Die Abhängigkeit von der regelmäßigen Zufuhr dieses Medikaments.

Venlafaxin – volle Dröhnung an Nebenwirkungen

Frohes Neues erst mal. Ich bin in aller Ruhe total entspannt reingerutscht, ohne Feier, ohne alles, kurz vor dem Einschlafen. Ich hoffe, bei Euch war es ebenso friedlich.

Einige werden sich erinnern, nachdem ich im Dezember so „lebensmüde“ war, habe ich mir beim Hausarzt ein Antidepressivum besorgt: Venlafaxin. Das kenne ich schon von damals, als ich noch heftige Panikattacken hatte (wird so 2014 gewesen sein). Damals hatte ich die „normale“, retardierte Version. Etwa 6 Monate lang hatte ich 150 mg genommen. Außer Libidoverlust (falls das nicht einfach ein Verlust der Lust auf Ted war) und unruhigen Beinen hatte ich damals keine Nebenwirkungen, und die positiven Wirkungen waren so gut, dass ich das eine Weile in Kauf nahm. Meine Angst war damals durch die Tabletten völlig verschwunden. Da ich dieses Mal vorhatte, Venlafaxin einschleichen zu lassen und die Tabletten dafür zu teilen, hatte mir mein Arzt die nicht-retardierte Version in Tabletten à 37,5 mg verschrieben. Mitte Dezember war ich dann so weit, eine ganze Tablette zu nehmen, und ich hatte vor, diese Dosis erst nach der OP zu erhöhen (ab 75 mg spürt man eine Wirkung), da ich meine Genesung nicht die durch Nebenwirkungen erschweren wollte. Ein guter Plan, fand auch mein Hausarzt.

Etwa eine Woche vor der OP bekam ich heftigen Durchfall. So heftig, dass ich mir mehrfach in die Hose machte. Nicht schön. Ich schob es auf meine Nervosität, auch im Angesicht der, Operation. Hinzu kam das Gefühl, dass ich einfach nicht genug Sauerstoff bekam, deshalb musste ich dauernd gähnen. Nicht schlimm, auch nicht wirklich unangenehm, aber doch auffällig. Gerade der Durchfall ist etwas, was ich kenne. Als „Reizdarm“-Patientin habe ich so schlimmen Durchfall ein- oder zweimal im Jahr. Nicht jedoch alle 2 Tage, wie jetzt.

Auch nach der OP ging der Durchfall weiter. Durchfall ist ja nicht nur durch Sitzungen auf dem Klo gekennzeichnet. Durchfall äußert sich auch durch fiese Darmkrämpfe. So hatte ich also ab Heiligabend weiter heftigen Durchfall, gepaart mit Krämpfen in dem eh geschundenen Unterleib. Ich schob es auf die OP. Mein Hausarzt auch. Logisch.

Dann allerdings, letzte Woche, wurde es wieder so schlimm, dass ich anfing nachzudenken. Und ich studierte die Nebenwirkungen von Venlafaxin, das ich ja meinte, so gut zu kennen. Pustekuchen. Ich kannte die Nebenwirkungen der retardierten Version von Venlafaxin, nicht jedoch die der nicht-retardierten. Und es stellte sich heraus, dass ich den Jackpot der Nebenwirkungen gezogen hatte:

  • Durchfall, Übelkeit, Appetitlosigkeit: Bei mir jeden Morgen, sodass ich keine Lust mehr hatte, Kaffee zu trinken oder irgendetwas zu mir zu nehmen).
  • Gähnen: Das unbändige Bedürfnis, mir ständig mehr Sauerstoff zuzuführen, was zu ausgiebigem Gähnen und Seufzen führte, was nur selten die gewünschte Erlösung brachte.
  • Hautausschlag: Ich hatte überall am Körper, vor allem aber auf dem Rücken, extrem juckende Pusteln. Ich hatte das auf eine Reaktion auf die Medikamente bei der OP geschoben, in Kombination mit vermehrtem Schwitzen und dem ständigen Liegen.
  • Kopfschmerzen: Ich hatte jeden Morgen Kopfschmerzen, ein Problem, was ich eigentlich seit Beginn meiner Wechseljahre, als ich angefangen hatte, bioidentische Hormone zu nehmen, nicht mehr hatte.
  • Muskelzuckungen: Unwillkürliche Zuckungen, so wie man sie von vor dem Einschlafen kennt. Vor allem vor dem Einschlafen, auch nicht besonders unangenehm, aber doch recht extrem. Das kannte ich schon von meinen früheren Einnahmen.
  • Schwindel, niedriger Blutdruck: Immer beim Aufstehen. Wenn ich einfach mal kurz von der Couch in die Küche oder ins Bad ging, musste ich aufpassen, nicht zu stürzen, so schwindelig wurde mir immer wieder. Ich hatte dauerhaft kalte Füße, kaum auszuhalten. Ich schob das auf das ständige Liegen und die Operation.
  • Ungewöhnliche Träume: Diese Nebenwirkung kannte ich schon von meinen früheren Einnahmen, und eigentlich finde ich sie gut. Abends schlafen zu gehen war fast, als ob ich mir einen spannenden Thriller reinziehen würde. Selten hatte ich Albträume, meistens sind es nette Sexgeschichten 😉
  • Zähneknirschen: Das tue ich sowieso, und wenn ich nervös bin, wie vor einer Operation ist es wohl relativ normal. Dieses Mal war es aber so schlimm, dass ich morgens mit Zahnschmerzen aufwachte, sogar im Urlaub.

Das ist nur ein Auszug der Nebenwirkungen. Es ist einfach, all diese Nebenwirkungen auf die OP und meine innere Unruhe zu schieben, nichts davon wäre Grund genug, die Einnahme eines Antidepressivums abzubrechen, bis auf den Durchfall. Erstens waren meine Darmprobleme ein wichtiger Grund für die OP, zweitens ist es absolut frustrierend, so schlimmen Durchfall zu haben, dass man eigentlich Windeln tragen müsste, ganz zu schweigen von den damit einhergehenden Krämpfen im Darm.

Für mich war das Grund genug, mit der Einnahme von Venlafaxin zu experimentieren. Nachdem ich mir erneut in die Hose gemacht hatte (sorry) stand der Entschluss fest: Direkt am nächsten Tag nahm ich nur noch eine halbe Tablette. Und mittlerweile bin ich dabei, Venlafaxin ausschleichen zu lassen. In zwei bis 3 Tagen bin ich durch.

Und siehe da: Schon am ersten Tag, an dem ich nur die halbe Dosis nahm, war der Durchfall komplett weg. Mittlerweile habe ich drei Tage nur die halbe Dosis genommen, und bis auf ein paar einzelne Pupser ist heute nichts Gravierendes passiert: Venlafaxin ist eindeutig für den Durchfall verantwortlich.

Was die anderen Nebenwirkungen anbelangt, so sind sie fast alle weg. Die Pusteln heilen ab, der Schwindel ist weg, die kalten Füßen sind wieder warm. Nur das Gähnen ist noch da, aber auch das ist besser geworden.

Aber was ist jetzt mit dem Grund, aus dem ich überhaupt begonnen habe, Venlafaxin zu nehmen? Was ist mit der positiven, stimmungsaufhellenden Wirkung? Nun, mir geht es besser. Ob das schon die Wirkung des Antidepressivums ist oder ob es daran liegt, dass der Stress und die Angst vor der OP vorbei ist, das weiß ich nicht. Ich vermute, es ist eine Kombination von beiden. Geblieben ist das Zittern jeden Morgen beim Aufwachen, verbunden mit furchtbarer, nicht zuzuordnender Angst, auch einer der Gründe, warum ich ein Antidepressivum nehmen wollte. Dagegen hatte Venlafaxin bisher nichts anrichten können, aber um fair zu sein muss man auch sagen, dass 37,5 mg viel zu wenig ist, um irgendeine Wirkung erwarten zu können.

Ich werde jetzt erst mal abwarten und schauen, was passiert. Wenn ich wieder „lebensmüde“ werde, dann gehe ich zurück zum Arzt und lasse mir Venlafaxin in der retardierten Version verschreiben. Dann werde ich es noch mal probieren. Aber im Moment bin ich echt froh, dass meine Körpermitte jetzt nicht schlimmer ist als im letzten Jahr.

Krankenhaus überstanden

Frohe Weihnachten erstmal. Die Hysterectomie habe ich überstanden. Die Operation fand am Dienstag statt, und am Donnerstagmorgen durfte ich schon wieder nach Hause gehen. Ich war davon überzeugt gewesen, dass es nicht möglich sein würde, aber der Eingriff wurde lapraskopisch gemacht. Man entfernte die Gebärmutter, löste ein paar Verwachsungen und musste wohl den Harnleiter, der stark mit verwachsen war, freilegen. Das führte am Tag der Operation zu großen Schmerzen, außerdem trank ich aus Angst vor diesen Schmerzen nicht genug, sodass ich völlig dehydriert war. Dazu kam ein kleines Fieber, und so döste ich den ersten Tag nur so vor mich hin. Oxycodon ist guter Stoff ;-).

Die erste Nacht war die Hölle, nicht nur wegen der Schmerzen, sondern auch weil meiner Zimmernachbarin ohne Ende schnarchte. Auf der einen Seite lag der Tropf, auf der anderen Seite der Drainagebeutel, und so war jede Bewegung kompliziert und schmerzhaft. Ich habe gar nicht geschlafen. In der zweiten Nacht legte ich mir weißes Rauschen über Kopfhörer auf die Ohren, bekam auch eine Schlaftablette, und so schlief ich so gut wie schon lange nicht mehr. Am Morgen war ich fit, das Fieber war schon am Abend vorher weggegangen, es war Heiligabend und die Pflegekräfte wollten alle möglichst schnell nach Hause. So wurde ich in Windeseile zur Abschlussuntersuchung geschickt und durfte nach Hause.

Jetzt geht es mir ok. Ich bin innerlich wund und insgesamt noch sehr schwach. Aber ich bin zu Hause. Alles, was ich esse und trinke, muss durch mein System hindurch, und das tut weh, aber das ist nichts Neues, das habe ich ja fast immer. Ich kann also noch nicht sagen, ob die OP irgendetwas Positives bewirkt hat. Aber damit habe ich Geduld.

Emotional ist es okay, ich habe immer noch jeden Morgen beim Aufwachen schreckliche Angst. Ich hatte gedacht, dass es Angst vor der Operation war, aber da die jetzt überstanden ist, kann es das ja nicht sein. Die Traurigkeit ist aber Gott sei Dank weg. Ich verbringe den Tag mit Lesen, Netflix und Telefonieren. Gestern waren meine Eltern da, die mich am liebsten wieder mit zu sich nach Hause genommen hätten, aber da wäre es mir auch nicht viel besser als im Krankenhaus gegangen. Ich fühle mich eben zu Hause am wohlsten.

Schön ist, dass ich mir erlaube, absolut überhaupt nichts zu tun, zu faulenzen. Das ist ja sonst nicht so. Ich fühle mich getrieben, Sport zu treiben, wenn ich nichts zu arbeiten habe. Jetzt habe ich die beste Ausrede in der Welt, einfach im Bett herumzuhängen. Ich hatte mir überlegt, dass ich mich bei meinen Kunden vielleicht Montag wieder zurück melde, aber vielleicht nehme ich mir die nächste Woche auch noch frei. Dann fange ich, wie angekündigt, erst am 4. Januar wieder an zu arbeiten. Mal schauen, wie das Wochenende läuft.