Ohne Panik

Aufrechnung

In Tagebuch, Ted on 21. Januar 2018 at 16:35

Ted und ich haben weiter keinen Kontakt. Meine Freundinnen helfen mir. Aber dennoch habe ich Durchhänger. Es sind – Gott sei Dank – immer nur Momente und keine Stunden oder gar Tage.

Heute, beim Spaziergehen, fiel mir ein Fensterschmuck ins Auge, und da musste ich an all die Dinge denken, die ich immer für Ted getan habe und wurde traurig: Allen voran der Adventskalender, den ich ihm seit 4 Jahren bastele. Aber auch viele andere Dinge. Kleine Geschenke zwischendurch. Natürlich Geburtstagsgeschenke, Jahrestagsgeschenke. Abschiedsgeschenke wie das Heft, in das ich für jeden Tag meiner Abwesenheit eine Liebeserklärung geschrieben habe. Oder Fotos mit Zahlen der Anzahl an Tagen, die wir noch voneinander getrennt sein würden. All das Bier, das ich ihm immer wieder gekauft habe, damit er bei mir zu Hause etwas zu trinken hat, allein wegen der Mengen ist das eine Erwähnung wert. Und da fragte ich mich, was Ted eigentlich je für mich  getan hat.

Letztendlich wurde mir klar, dass es hier vor allem um materielle Dinge ging – materielle Dinge, die von Herzen kommen, aber dennoch materielle Dinge. Und wenn es darum geht, da gewinne ich jeden Wettbewerb. Ich habe ihm ständig Dinge gegeben, von ihm kam wenig bis gar nichts. Nur… gibt es überhaupt einen Wettbewerb? Wie ist es mit den Nicht-so-materiellen-Dingen?

Teds größtes Geschenk an mich – seiner Meinung nach – war seine Zeit für mich: Zeit weg von seinen Kids und Delilah. Aber seien wir mal ehrlich, ist das wirklich ein Geschenk? Er wollte doch Zeit mit mir verbringen, das ist doch auch normal in einer Beziehung. Verbringt man keine Zeit miteinander, dann hat man keine Beziehung. Zeit, die für mich wirklich wichtig gewesen wäre – nachmittags, an den Wochenenden, an Feiertagen, die habe ich von ihm nur selten bekommen.

Ted hat mir immer wieder Rubbellose geschenkt – die ich aber meist nicht wollte. Ich rubbele gerne mal ein oder zwei Lose, aber wenn ich dann immer nur verliere ist es auch gut. Er hatte immer viel zu viele Lose. Er verschenkte diese Dinge an alle, und das ist wirklich eine nette Geste. Aber es war für mich schon fast eine Spielsucht. Aber es waren echte Geschenke.

Ted wollte auch immer wieder mit mir verreisen: Er ist ein paar mal mit mir nach Pennsylvania zu seinen Eltern geflogen, wir haben uns in London getroffen, er kam nach Deutschland, er wollte mich in Irland treffen. Sehr häufig waren wir in St. Pete. All diese Reisen zählt er immer wieder auf, wenn es darum geht, was er alles für mich tut, aber ich kann sie nicht wirklich als Bemühungen wertschätzen: All die Reisen zu seinen Eltern hätte er eh gemacht, und ich kann das Gefühl nicht abschütteln, dass er mich einfach nur dabei haben wollte, um mich nicht allein (und unkontrolliert) zu lassen. Mir kam es häufig wie ein Gefallen meinerseits vor, ihn zu begleiten, denn was sollte ich denn zum xten Mal in Pennsylvania im Regen? Irland bringt er auch ständig enttäuscht vor, er sei ja nur nach Irland gefahren, um mich zu treffen. Auch hier wieder: Er ist nach Irland gefahren, da Delilahs Eltern dort wohnen. Mit mir hatte das wenig zu tun. Vielleicht wäre er wirklich nicht mit Delilah geflogen (glaube ich aber nicht), hätte er gewusst, dass ich ihn dort nicht besuchen werde, aber da Irland nun nie mein Traumziel war weiß ich nicht, warum das speziell für mich gewesen sein sollte. Und auch sein Deutschland-Trip 2016 nennt er immer wieder als Leistung für mich. Ja, er ist wirklich für mich nach Deutschland gekommen. Aber warum hat er dann die Nachmittage schnarchend auf meiner Couch verbracht? Kurz: Ich kann seine Reisebemühungen nicht richtig schätzen. Die Trips nach St. Pete waren für mich wirkliche Reisegeschenke, da sie keinem anderen Zweck als unserer Freude dienten.

Ted hat mich immer mal wieder zum Essen (Frühstück, Lunch, fast nie Abendessen) ausgeführt. Das hat ihm Freude gemacht, da es mir Freude gemacht hat. Er hat dabei darauf bestanden, dass er bezahlt. Ich glaube, dass hat weniger etwas mit Großzügigkeit als mit Erziehung oder seiner Kultur zu tun. So ist das eben in seinem Teil der Welt. Dass man als Pärchen essen geht, ist für mich allerdings normal. So ein großes Geschenk ist das nicht.

Ted nennt auch die Tatsache, dass er mich nie angelogen und nie betrogen hat als Geschenk für mich. Das jedoch ist für mich die Grundlage einer Beziehung und kein Geschenk.

Während ich das hier tippe stellt sich mir die Frage: Zählen Bemühungen nur, wenn der andere sie zu schätzen weiß? Nein, sicherlich nicht.

Und was habe ich, außer der Geschenke, für ihn getan: Ich habe immer wieder Jobs abgsagt oder verschoben, um Zeit für ihn zu haben. Ich bin mehrfach mit ihm nach Pennsylvania geflogen. Ich habe meinen Zeitplan immer nach ihm gerichtet und viel auf ihn gewartet. Ich habe ihm Delilah „erlaubt“. Ich habe ihm ständig berichtet, was ich gerade tue, und Rede und Antwort gestanden, um seine Eifersucht (erfolglos) zu reduzieren. Ich habe weniger Alkohol getrunken, damit ich ihn abends nach Hause fahren kann.

Ich habe das Gefühl, dass zwischen uns ein Ungleichgewicht entstanden ist, dass dazu beigetragen hat, unsere Beziehung – aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich weiß aus Erfahrung, dass man keinerlei „Geschenk“ einfach mit einem Preisetikett versehen und es dann gegen andere Geschenke aufwiegen kann. Anfangs war meine Beziehung zu Ted ausgewogen.

Nun ja. Die Überlegungen zu dem, was Ted jemals für mich getan hat, haben mich bei meinem Spaziergang beruhigt und ich war dann nicht mehr traurig. Aber letztendlich ist es eigentlich Blödsinn: Ich war unglücklich, aus ganz, ganz vielen Gründen, ich sah keine Zukunft für uns aus ebenso vielen Gründen, und deshalb musste ich mich trennen.

 

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Erkälteter Statusbericht

In Statusbericht, Tagebuch, Ted on 19. Januar 2018 at 19:35

Ich hab mir ne riesige Erkältung eingefangen, und damit geht es mir nicht so gut. All die Ablenk-Aktivitäten der letzten Wochen können nicht stattfinden: Kein Sport (das war fast täglich), kein Salsa, kein Ausgehen. Das Date mit Jürgen habe ich auch abgesagt (und auf nächsten Mittwoch) verschoben. Vor mir liegen jetzt ein paar ereignislose Tage, ich kann mich eigentlich auf nichts so richtig freuen.

Mittwoch war ich mit meine Eltern für’s Ballett verabredet, wir haben die kubanische Tanztruppe „Revolucion“ gesehen, und das war der Hammer. Allerdings wurde mein Vater ein Tag vorher per Notarzt mit Herzflimmern ins Krankenhaus eingeliefert, sodass wir lange nicht wussten, ob wir überhaupt gehen können. Dann kam alles anders: Meine Mutter entschied, aufgrund ihres schweren Hustens nicht mitzukommen, und so gingen letztendlich Karin, mein Vater und ich: Karin ein Tag nach einer schweren Zahn-OP mit einer dicken Backe, mein Vater mit überstandenen Herzflimmern und ich mit einer angehenden Erkältung, die ständig für Schweißausbrüche sorgte.Das Ballett war aber toll. Die Musik für meinen Geschmack ein wenig zu mainstreamig, und bei einem kubanischen Ballett hätte ich mir auch mehr Salsa, Meringue, Bachata und Co. gewünscht, aber dennoch toll. Unglaublich, wie die Tänzer sich bewegt haben. Richtig zu sabbern fingen Karin und ich aber an, als die Männer mit nacktem Oberkörper schweißnaß über die Tanzfläche düsten. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen.

Tja, und die Männer? Stefan habe ich mehr oder weniger abgeschrieben. Der ist nett, attraktiv, charmant, interessant und interessiert, aber was soll ich denn bitte mit dem nächsten gebundenen Mann? Wir quatschen immer mal wieder auf Facebook und möglicherweise entwickelt sich eine nette Freundschaft, viel mehr wird aber daraus nicht werden. Dennoch war es am Samstag eine wirklich gute Ablenkung von der Trennung von Ted. Und Jürgen? Nun, nachdem ich Stefan getroffen habe, scheint mir ein Date mit Jürgen gar nicht mehr so verlockend zu sein. Vielleicht habe ich mich doch ein wenig in Stefan verschossen, und mit Jürgen habe ich ja schon einen Durchlauf hinter mir. Aber mal abwarten, was das Treffen bringt. Es ist ja eigentlich immer recht positiv, keine Erwartungen zu haben.

Kommen wir zu Ted. Wir haben Dienstag das letzte Mal telefoniert, das war halt, als mein Vater ins Krankenhaus gekommen war. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört und das ist auch gut so. Die meiste Zeit denke ich an die negativen Dinge, die mir mit ihm passiert sind, und dann geht es mir ok. Aber ab und zu packt mich die – was ist das eigentlich? – Liebe mit eiskalter Hand ans Herz, und das führt dann zu Instant-Tränen. Am Mittwoch im Ballett ist das passiert. Die Tänzer tanzten zu „Hello“ von Adele, und es dauerte nur 10 Sekunden, da brach ich regelrecht zusammen. Karin neben mir war völlig geschockt, und als sie mich fragte, was denn sei, wurde es nur noch schlimmer. Ich habe mich dann aber schnell wieder gefangen. Was passiert war? Ich hatte auf den Text gehört, ich kann gar nicht genau sagen, was es war, aber Ted tat mir plötzlich so Leid. Ich habe ihm das Herz gebrochen, ich weiß das. Er hat das Gefühl, ich hätte „plötzlich“ meine Meinung geändert und wollte Exklusivität und eine Zukunft. Ich kann das tatsächlich nachvollziehen. Aber es ist nicht meine Schuld, dass es ihn so überrascht hat, denn er hat einfach auch die Augen vor der Realität verschlossen. Und die Exklusivität war ja nicht unser einziges Problem. Ich befürchte fast, dass ich diesen Punkt genommen habe, weil ich einen Grund fürs Schlussmachen brauchte. Es gab ja auch noch den Alkohol und diese furchtbaren Eifersuchtsanfälle (das ist ein Link von 2014!) und der letzte davon hatte ja letzen Montag stattgefunden. Der größten Teil unserer Probleme bezieht sich auf Dinge, die ich schon seit Jahren an ihm bemängele – er hat sie nur nicht ernst genommen.

Und solche Situationen habe ich immer wieder. Es ist wohl eher der Traum von einem Leben mit einem irrealen Traum-Ted, die Erinnerung an diesen Traum, die mich so traurig werden lässt. Denn richtig schöne Zeiten hatten wir ja schon lange nicht mehr. Eigentlich war es am schönsten, als ich noch meine Panik hatte und Ted dann meine Panik – die er ja auch ausgelöst hatte – beheben konnte. Das hat zu sehr viel Leidenschaft, Innigkeit und auch Nähe geführt. Ted hat mich damals einfach so kaputt genommen, wie ich war, und mir mein Drängen auch zu den ungünstigsten Zeiten nie übel genommen. Da habe ich ihm viel zu verdanken.

Nun ja. Die Zeit heilt alle Wunden. Hoffe ich. Ich muss jetzt erst mal meine Erkältung überwinden. Und dann seh ich weiter.

Ted dreht am Rad, und ich werde schwach

In Tagebuch, Ted on 16. Januar 2018 at 21:23

Mein kleiner Austausch mit Stefan hat Ted gestern am Rad drehen lassen. In aller Öffentlichkeit auf Facebook erklärte er der ganzen Welt, dass er gekränkt sei über meine Versuche, einen Mann fürs Leben zu finden, und er wünschte mir ein schönes Leben.

Nun ja. Nicht ganz so krass. Eher verschlüsselt, keiner konnte wissen, von wem er da redete. Aber es ist ganz und gar nicht Teds Art, private Hasstiraden auf Facebook abzusetzen, und so wusste ich sofort, wer gemeint war. Es kostet mich einiges an Disziplin und Karins Zuspruch, gestern nicht darauf zu reagieren.

Er hatte aus den wenigen Sätzen – „Da bin ich wohl zu früh abgereist“ von Stefan und mein „Man kann nicht alles haben“ – geschlossen, dass da etwas zwischen uns läuft. Weit hergeholt? Ich weiß es nicht wirklich. So ganz unrecht hatte er ja nicht.

Heute dann war ich schwach. Ich habe gerade eine Erkältung bekommen und fühle mich elend. Mein Vater ist heute Morgen mit Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus gekommen. Ob ich morgen mit meinen Eltern ins Ballett gehen kann ist fraglich Ob mein Date übermorgen stattfinden kann, weiß ich angesichts meiner fiebrigen Erkältung auch nicht. Und so habe ich Ted angerufen.

Das Gespräch plätscherte zunächst dahin, aber dann wollte er wissen, was es mit diesem Stefan auf sich hatte. Ich erklärte ihm, dass ich einen ehemaligen Klassenkameraden getroffen hatte. Ob ich denn mit ihm Sex gehabt hätte, wollte er wissen. Nein, antwortete ich wahrheitsgemäß und hoffte, es damit erledigt zu haben. Ich hätte Ted besser kennen sollen. Ob ich ihn denn geküsst hätte. Ich log. Es ist sinnlos, Ted hier reinen Wein einzuschenken. Er fand es unglaublich, dass ich Stefan von mir aus kontaktiert hatte, das könne doch nur heißen, dass ich auf der Suche sei (habe ich ja gar nicht, das war ja das Seltsame). Alles in allem eine typische Diskussion mit Ted. Schließlich meinte er, er könne „das“ nicht. Er könne nicht zuschauen, wie ich andere Männer date. Ich sagte ihm, dass ich Stefan auch getroffen hätte, wenn wir noch zusammen gewesen wären (und das stimmt, ich hätte ihn nur wahrscheinlich nicht geküsst) und dass so etwas völlig normal sei. Schließlich muss ich ja auch hinnehmen, dass er mit der Mutter seiner Kinder unter einem Dach lebt. Ich hätte mich ja da ursprünglich mit einverstanden erklärt, meinte er, dass sei etwas anderes. Nun, ich habe mich nie damit einverstanden erklärt, mich nie wieder einfach nur freundschaftlich mit Männern zu treffen. Und ich bin auch nicht sein Eigentum, er kann nicht bestimmen, wen ich treffen darf und wen nicht.

Alles in allem ein sehr unangenehmes, trauriges Gespräch. Es sitzt mir auch jetzt noch in den Knochen, aber es bestätigte doch wieder, dass es mit Ted echt nicht geht. Es war ursprünglich wirklich ein unschuldiges Date, und selbst als ich gesagt habe, dass ich keinen Sex mit Stefan gehabt habe musste Ted noch mehrfach nachfragen. Ich ertrage das nicht mehr. Das war einer der Trennungsgründe.

Also. Nix Neues. Wir haben alte Wunden aufgerissen. Aber die heilen auch wieder. Wichtig ist, dass ich nicht so schwach werde, dass ich mich wieder auf ihn einlasse. Der wahre Test kommt, wenn ich im April nach Florida fliege…