Ohne Panik

Ich dachte man könnte mich mögen

In Tagebuch, Ted on 23. Mai 2017 at 19:48

Ted hatte mich in den letzten Wochen immer wieder gebeten, ihn zu einer Hochzeit zu begleiten. Zunächst hatte ich abgelehnt: Seine „ordnungsgemäße“ Begleitung für derartige Anlässe ist Delilah. Er lehnte aber ab. Er erklärt immer wieder, sie seien nicht mehr zusammen (ich frage mich ja weiterhin, ob Delilah das weiß) und ich sei die „natürliche“ Frau an seiner Seite. Ok. Nächste Hürde: Die Hochzeit war die von einer der Pier-Bitches mit einem der Kerle vom Pier, mit denen ich mich allerdings eher gut verstehe. Warum sollte ich zur Hochzeit einer dieser Zicken gehen? Sie gehörte zu einer der wenigen, die mich immer noch übersehen, wenn ich ihnen zufällig über den Weg laufe. Ich bat Ted, die Zicke persönlich zu fragen, ob er mich mitbringen dürfte, und sie bestätigte das. Bei dem schiefgegangenen Dinner mit seinem Boss wiederholte der zukünftige Zickenehemann sogar im Beisein der Zicke die Einladung, sodass ich auch wirklich sicher sein konnte, willkommen zu sein.

Nun, die Hochzeit war letzten Sonntag. Eine Hochzeit am Strand – immer wunderbar romantisch. Direkt vor dem Pier, sodass man sie gar nicht übersehen konnte. Ich entschied mich, mit meiner Kamera teilzunehmen und Fotos zu machen. Es gab keinen offiziellen Hochzeitsfotografen, nur eine Dame, die mit dem Handy ein paar Bilder schoss, und so dachte ich, ich könnte vielleicht wirklich zur Hochzeit beitragen und dem Paar eine Freunde machen. Und vielleicht dafür sorgen, dass die Zicke mich mag. Sie ist – ich würde sagen extrem – übergewichtig, und ich war mir sicher, dass ich die Fotos mit Photoshop ein wenig würde schönen können. Warum? Naja, ich will immer gemocht werden. Wer will das nicht. Ich allerdings wohl mehr als andere. Egal.

Ich schoss etwa 200 Fotos. Und ich muss sagen, ich machte das gerne. Teds Boss, der meine Fotos immer wieder positiv kommentiert, schmunzelte über mich, eine der Brautjungfern gab mir ein Link zu einer Webseite, auf die ich die Fotos hochladen würde können und Ted selbst, der leider arbeiten musste, sah mich vom Pier aus fotografieren. Toll, meinte er, „you will be their hero!“. Ja, das hoffte ich.

Und dann war es Zeit zu gratulieren. Ich wartete ein wenig, bis der Trubel halbwegs vorbei war, und dann ging ich zum Paar um zu gratulieren. Der Zickenehemann umarmte mich und dankte mir für meine Anwesenheit. Die Braut selbst nahm mich nicht zur Kenntnis. Ich dachte zuerst, sie wäre abgelenkt, und so berührte ich ihre fette Schulter, um sie auf mich aufmerksam zu machen. Ergebnis? Sie drehte sich weg. Ok. Nun ja, war vielleicht was viel direkt nach der Hochzeit.

Abends gingen Ted dann zur Party. Ziemlich erschreckend, in welch ärmlichen Verhältnissen die Leute lebten, mir wurde ganz anders, als ich das Haus betrat: Schmuddelige Fußböden mit uraltem Teppichboden, Matratzen ohne Bettgestell auf dem Boden, Möbel die mehr oder weniger auseinanderfielen. Aber draußen im Garten opulent geschmückte Tische.

Ted und ich gingen in den Garten, um dem Paar unser Geschenk zu überreichen: Ich hatte mit viel Mühe eine wunderschöne Hochzeitskarte gekauft, aufs Teds Bitte hin auch einen netten Text reingeschrieben, hübsch mit Schleifen verziert und noch eines meiner etwas teureren deutschen Schokoladenpakete daran angebracht. Ted hatte Geld in den Umschlag gelegt. Der Zickenehemann bedankte sich erneut mit Tränen in den Augen bei uns. Die Zickenbraut umarmte Ted, und als ich dann an der Reihe war, zu gratulieren, drehte sie sich weg. Ich stand da wie bestellt und nicht abgeholt. Ted zuckte hilflos mit den Schultern.

Was zum Teufel habe ich dieser Zicke getan? Sie kennt Teds Delilah noch nicht einmal? Sie selbst hat 5 Kinder – von mehr als 2 Ex-Freunden. Was ist so schlimm an mir, dass ich sogar bei so einer Party noch bestraft werden muss?

Nun, ich versuchte, mir die Stimmung nicht verhageln zu lassen, aber einfach war das nicht. Diese Leute sind einfacher als einfach. Diese Leute haben null Niveau. Ich solle Verständnis haben, meinte Ted, ich würde der Braut doch mit meiner Schönheit die Schau stehlen. Teds eher hilflose Versuch, mir ein gutes Gefühl zu geben.

Nun. Ich blieb ein paar Stunden mit Ted auf der Party, aber ich war froh, als wir diese hässliche Location mit dem billigen Gesindel 😉 verlassen konnten. Und am nächsten Tag traf ich die Entscheidung, die vielen Fotos einfach nicht zu veröffentlichen. Wer bin ich denn, dass ich Mühe in die Erinnerung dieser Fremden stecke, die noch nicht einmal wahrhaben möchten, dass es  mich gibt?

Heute habe ich die Fotos der letzten Tage auf Facebook hochgeladen. Unter anderem auch ein paar Fotos meiner Freunde während der Hochzeit. Keine vom Paar. Die können mich mal. Oder lieber nicht.

 

Erneut: Widerliche Medien

In Tagebuch, Ted, Trump on 22. Mai 2017 at 18:56

Ich habe heute Morgen kurz mit Ted über Trump diskutiert. Wir vermeiden das wie die Pest, denn er meint, ich wäre immer persönlich beleidigt wenn wir über diese Themen diskutieren. Ja, stimmt. Ich bin persönlich beleidigt, da er meine Meinung als „lächerlich“ bezeichnet und tatsächlich lauthals darüber lacht. Wie kann ich das nicht persönlich nehmen?

Es ging darum, dass er in seinem neuen Auto den Fox News-Sender eingestellt hatte, und ich gestern auf dem Nachhauseweg (allein) einen Beitrag gehört hatte, in dem diskutiert wurde, warum Trump anders als Obama in Saudi Arabien so erfolgreich war.

Und das ist genau das Paradabeispiel dafür, warum ich die Fernseh- und Radiosender hier in den USA so widerlich finde: Es wird so getan, als wäre es eine Tatsache, dass Trump erfolgreich ist, und dazu werden dann Meinungen diskutiert. Dass sein „Erfolg“ ebenso eine Meinung ist fällt dabei völlig unter den Tisch. Tatsächlich sind die deutschen Medien eher verhalten, die „liberalen“ amerikanischen Medien machen sich über Trump lustig, der sich plötzlich doch vor Moslems verbeugt, dessen Frau plötzlich doch kein Kopftuch trägt, obwohl er genau das bei seinem Vorgänger verspottet hat. Und ich persönlich fand seine Rede in Saudi Arabien einfach nur unglaubwürdig und viel zu allgemein (wenn nicht sogar feige), denn sie enthielt nichts von dem, was er in seinem Wahlkampf versprochen hatte. Meine Meinung. Eine Meinung, keine Tatsache.

Ted sagte, Trumps Erfolg sei keine Meinung, sondern eine Tatsache. Und ich weiß nicht, ob er es einfach nicht sieht (er argumentiert, ich sei von den deutschen „liberalen“ Medien so beeinflusst, dass ich die Wahrheit nicht sehen würde – -Blödsinn!), weil er selbst zu häufig vorgebetet bekam, wie erfolgreich Trump (im Allgemeinen) ist, oder ob er einfach zu blöd ist, eine Meinung von einer Tatsache zu unterscheiden. Was ist denn so schlimm daran, eine Meinung als Meinung zu bezeichnen? Das heißt ja nicht sofort, dass sie nicht richtig ist und vielleicht sogar von der Mehrheit bestätigt wird? #

Er wiederholt auch ständig, dass niemand Trump will, bis auf – natürlich – das amerikanische Volk. Alle (ALLE!) Bürger wollen Trump, nur die Medien und die Leute in der Regierung, die würden ihn nicht wollen. Und das ist genau das, was ihm über Fox eingetrichtert wird. Meine Wahrnehmung hier ist das nicht. Ich treffe auf genug Amis real oder online, die Trump furchtbar finden. Weniger als die Hälfte der Stimmen bei der Wahl gingen an Trump (es hatte ja nur die Hälfte der Amis gewählt, und davon hatte weniger als die Hälfte für Trump gestimmt – also ein Vierteil). Ich denke es ist weiterhin sicher zu sagen, dass höchstens die Hälfte des amerikanischen Volks Trump will – wahrscheinlich sind es viel weniger.

Ahhh. Ted und ich konnten das Thema dann weglegen, denn wir wurden von den vielen Definen am Pier abgelenkt…

IHOP – Kaloriensünde mit Vorab-Ohrfeige

In Gesundheit, Tagebuch on 20. Mai 2017 at 17:20

Zum Frühstück am Mittwoch, am 2. Tag unseres netten Trips nach St. Pete, wollte ich ins IHOP – International House of Pancake.

Nun, ich weiß, dass es da fast ausschließlich ungesunde, hochkalorische Gerichte gibt: Pfannkuchen mit Sirup, wie der Name schon sagt, aber auch frittiertes Fleisch, Omlettes mit viel zu viel ungesunden Zusatzstoffen und so weiter. Dennoch. IHOP ist für mich Amerika und ich wollte dort unbedingt mal wieder einkehren.

Wir nahmen im viel zu kühlen Restaurant Platz (draußen 28 Grad, drinnen 18) und bekamen unseren Kaffee und die Speisekarte. Ich hatte mein Frühstück recht schnell ausgewählt, eine Combo aus Chicken und Waffeln. Sündig, war mir klar, aber darauf hatte ich Appetit. Aber dann fiel mein Blick auf die Kalorienzahl, fett neben der Beschreibung der Mahlzeit: 1250.

Nun habe ich in den letzten Monaten gut abgenommen und bin extrem durchtrainiert, ich brauche mir um Kalorien wirklich keine Sorgen zu machen. Und wie gesagt, ich wusste, dass IHOP mir keine Diätmahlzeit servieren würde. Aber 1250 Kalorien??? Während meiner Diät im Februar hatte ich täglich (täglich!!!) 1500 Kalorien gegessen. Ich ließ meinen Blick über die Karte schweifen, um etwas zu finden, was kalorienmäßig vielleicht nicht so reinhauen würde. Alles, was ich fand waren Omelettes aus Eiweiß für um die 500 (!!!) Kalorien oder Kindermahlzeiten.

Mir verschlug es regelrecht den Appetit. Als Ted mich fragte, ob ich etwas gefunden hätte, erklärte ich ihm meine Misere: Das hat so viele Kalorien, sagte ich ihm, ich habe keinen Appetit mehr. Und er nickte. Er mag morgens sowieso nicht frühstücken und ist eh auf Diät (angeblich, weil er in Deutschland 7 kg wegen des deutschen Biers zugenommen hatte – aber das war letzten Sommer), ihm hätte das auch alles zu viele Kalorien.

Und so gingen wir wieder. Wir landeten letztendlich bei First Watch, wo ich – auch nicht kalorienarme – Eggs Benedict Florentine aß. Die hatten aber „nur“ 750 Kalorien und waren angeblich aus Bio-Produkten.

Ich war noch stundenlang entsetzt über IHOP. Aber ich fand heraus, dass es für Fast Food-Restaurants gesetzlich vorgeschrieben ist (bzw. 2018 sein wird), ihre Mahlzeiten mit der Kalorienzahl zu versehen. Wie furchtbar. Und welchen Erfolg hat das? Extrem viele Amis sind immer noch so extrem fett, dass sie im Aufzug für mindestens 2 Personen zählen. So fett, dass man ihr Watscheln nicht als „Laufen“ bezeichnen kann. So fett, dass sie im Supermarkt auf die rollstuhlartigen Einkaufswagen zurückgreifen, die sie noch fetter werden lassen.

Ein weiteres Beispiel für das übergriffige Verhalten des amerikanischen Nannystaats.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht sündige beim Essen. Ich liebe Key Lime Pie. Ich genieße das Eis in meinem Lieblingseisladen hier: Trashcan-Eis (von allem etwas) mit heißer Schokosauce und Erdnüssen. Meine Frühstückswaffeln mit Mango und Banane, Joghurt, Sirup und Sahne. Ich weiß, wie viele Kalorien diese Dinge haben. In etwa, ich habe sie schon mal nachgeschlagen. Aber ich rufe mir die Kalorienangaben nicht jedes Mal ins Gedächtnis, wenn ich so etwas esse. Und am Wichtigsten: Wenn ich so üppig esse, dann habe ich später gar nicht mehr genug Hunger, um weiter Völlerei zu betreiben: Meine Frühstückswaffeln reichen bis 16 Uhr. Mein Key Lime Pie ist meist ein vollständige Abendessen. Und der Trashcan-Sundae ersetzt das Mittagessen.

Sündigen ist schön, wenn man es sich erlauben kann und nicht sofort eine Ohrfeige dafür bekommt!