Ohne Panik

Verwirrungen

In Tagebuch, Ted on 19. Oktober 2017 at 03:01

Das war ein komischer Streit heute. Nicht schlimm, nicht so schlimm, dass ich mich wieder gleich trennen will, aber doch typisch für uns. Ich versuche, ihn aufzuschreiben, um mir klar zu werden, was überhaupt abgelaufen ist. Ted meinte nämlich gerade, ich würde ihm „Angst“ machen mit meinem seltsamen Verhalten. Ich finde, er hat sich „seltsam“, also „typisch Ted“ verhalten. Oder war das alles ein Missverständnis?

Ted hatte mich heute früh zum Flughafen gefahren, damit ich dort einen Mietwagen abholen konnte, das war sehr lieb von ihm. Wir vertrödelten auf dem Weg dorthin unnötig Zeit, was mich ein wenig hibbelig machte, denn ich muss vormittags für meine Kunden verfügbar sein, aber da sich kein Kunde meldete war alles gut.

Unterwegs fragte er mich nach meinen Plänen für heute und ich erzählte ihm, dass ich vorhatte, zum Sport zu gehen. „Zwei Tage nacheinander“, meinte er verwundert.

Nun, gerade eben im Gespräch meinte er, das habe er nie gesagt. Das war aber genau der Ausspruch, der den Stein ins Rollen brachte, und ich glaube nicht, dass ich mich verhört habe. Ich glaube, Ted hat es vergessen. Der Alkohol…

Dieser Ausspruch führte dazu, dass ich mich an meinen letzten Aufenthalt erinnert fühlte. Damals haben wir immer und immer wieder darüber gesprochen, dass Ted es nicht für sinnvoll erachtet, dass ich 2 Tage in Folge zum Crossfit gehe. Er sei früher Sportler gewesen (professioneller Tennisspieler) und damals hätte er immer einen Tag Pause zwischen den Trainings gemacht. Wir haben das schon x Mal durchgekaut. Ich kenne das auch so, genau wie Ted. Crossfit ist aber anders. Man geht möglichst täglich. Alle Leute aus meinem Kurs gehen fast täglich. Ich will Fortschritte machen und dazu gehören, also gehe ich auch jeden Tag.

„Du weißt, dass ich täglich gehe?“, fragte ich ihn als Reaktion auf seine Aussage. Ted verstand nicht, warum ich das sagte. Heute Abend erklärte er, dass das „geheimnisvoll“ geklungen hätte. Ich wollte ihn damit aber nur daran erinnern, dass ich während meines letzten Aufenthalts tatsächlich täglich gegangen bin und wir dieses Thema wirklich oft genug besprochen hatte.

Da Ted also meine Aussage verwunderlich fand, fragte er „Gibt es etwas, was ich wissen sollte?“ Auch eine typische Ted-Frage. Ich fühlte mich natürlich direkt wieder verdächtigt. „Gibt es eine erotische Anziehung zwischen dem Coach und dir?“, fragte er.

Wenn ich solche Fragen höre, dann könnte ich schreien. Wie oft muss ich denn noch erklären, dass da nix Erotisches ist zwischen Kyle und mir ist? Heute Abend erklärte Ted, er sei nicht eifersüchtig auf Kyle, aber meine komische Äußerung zum täglichen Sport hätte ihn veranlasst, das zu sagen. „Warum soll ich eifersüchtig sein?“, fragte er mich. Diese Frage habe ich bis jetzt nicht verstanden. Er verhält sich so, als würde ich ihn durch meine Aussagen dazu auffordern, diese Fragen zu stellen, als würde ich ihn provozieren. Ich verstehe das nicht. Ich hatte wirklich nur gesagt, dass ich täglich zum Sport gehe, was ist daran so geheimnisvoll? Was an dieser Aussage hat ihn dazu provoziert zu fragen, ob ich was mit Kyle habe?

Das Gespräch heute Abend lief völlig anders ab als heute Morgen. Ted stellte unser Gespräch völlig anders dar. Ich glaube, bei einem von uns hat der zeitliche Abstand dazu geführt, dass wir uns an etwas völlig anderes erinnern. Wenn ich Teds Schilderung von heute Abend glaube, dann habe ich mich tatsächlich seltsam verhalten. Aus dem Nichts heraus habe ich angeblich gesagt „du weißt, dass ich täglich zum Sport gehe?“. Für ihn war das eine Aufforderung, zu reagieren, für mich war das nur eine Erinnerung.

Natürlich glaube ich, dass ich Recht habe. Und natürlich ist es auch sehr einfach, immer alles auf den Alkohol zu schieben.

Aber heute Morgen hatte er mir noch gesagt, dass er vergessen hatte, dass ich im Frühjahr täglich beim Crossfit war. Wie kann er das vergessen wenn wir da ständig drüber gestritten haben? Heute Abend erklärte er, dass es ihm völlig klar sei, dass ich täglich gehe und dass meine Frage deshalb so seltsam war. Dreht er sich die Realität hier so zurecht, dass es passt, oder habe ich da irgendwie eine Wahrnehmungsstörung?

Ich bin völlig verunsichert, aber ich glaube wirklich, dass der Alkohol ihn vergessen lässt. Völlig spurlos wird die Sauferei ja nicht an ihm vorbeigehen.

Wir haben ein paar weitere grundsätzliche Probleme in unserer  Kommunikation. Wenn ich ihn zum Beispiel frage, wie es ihm geht, weil er traurig aussieht, dann kommt wie aus der Pistole geschossen „Habe ich Grund, traurig zu sein, hast du mir was zu sagen?“. Das ist unglaublich nervig.

Er wirft auch häufig ein „Ich liebe dich“ in den Raum. An sich schön, aber es ist selten als einfache Liebeserklärung gemeint. Heute Mittag, am Ende unseres Streits, sagte er zum Beispiel, dass er mich liebte. „Das ist schön“, antwortete ich, aber das war die falsche Antwort, er war sofort eingeschnappt. Er wollte, dass ich erwidere, dass ich ihn auch liebe. Somit ist die Aussage, dass er mich liebt, eigentlich keine Liebeserklärung, sondern die Frage, ob ich ihn liebe. Das macht das schöne Gefühl, dass mir so eine Liebeserklärung gibt, direkt wieder zunichte. Manchmal merke ich, dass ich nicht erwartungsgemäß antworte, manchmal aber nicht, und das führt dann auch immer wieder zu Spannungen zwischen uns, weil ich gar nicht weiß, warum er plötzlich so komisch ist.

Wer erinnert sich jetzt falsch an unser Streitgespräch heute Morgen? Ich muss zugeben, dass er in einer Version heute Abend logisch erklärt hat, warum er sich wie verhalten hat. Nur widerspricht er mit einigen Aussagen heute Abend dem, was er heute Morgen gesagt hat. Oder erinnere mich falsch? Oder spielt das Fremdsprachenproblem eine Rolle?

Nur wenn er heute Morgen wirklich nicht darüber gestöhnt hat, dass ich zwei Tage in Folge zum Sport gehe, warum hat er mir dann gesagt, dass er vergessen hat, dass ich das im Frühjahr auch so gehandhabt habe? Warum hat er mir noch mal erklärt, dass er es als Profisportler anders gehandhabt hat?

Seltsam. Ich glaube ja, dass der Alkohol dafür verantwortlich ist. Aber wer weiß…

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Krankheit mit perfektem Timing

In Gesundheit, Tagebuch, Ted on 15. Oktober 2017 at 21:50

Tja, das Universum hat mich gut beobachtet, und wie auf Kommando hat es Krankheit vorbeigeschickt. Gegen 1 Uhr morgens wachte ich auf und mir war schlecht. Nicht so, dass ich mich übergeben musste, aber doch schlecht genug, dass mir der Speichel im Mund zusammenlief und ich vorsichtshalber meine Haare zusammenband und ins Bad ging. Und so ging es dann im 30-Minuten-Takt weiter bis 9 Uhr morgens und ich das gemeinsame Frühstück mit meinen Eltern und Ted absagen musste.

Ted kümmerte sich sehr liebevoll um mich. Wir fuhren dann noch meine Eltern, die zurzeit kein Auto haben, in den Supermarkt und ließen sie dort einkaufen. Auf dem Rückweg bat ich, an meinem Haus abgesetzt zu werden, denn es ging mir so schlecht. Jetzt habe ich ein paar Stunden geschlafen, viel getrunken und hoffe, dass ich wieder zu Kräften kommen werde.

Ted hat sich entschuldigt für sein Verhalten. Und ich sehe, dass ich überreagiert habe. Ok, er hat mich gestern „geheimnisvoll“ am Telefon abgewimmelt und mir nie erklärt, was los gewesen war. Das ist typisch Ted. Mit Alkohol hatte das wahrscheinlich nicht viel zu tun. Dennoch frustriert mich der unveränderte Alkoholkonsum, und das kam gestern zum sonstigen Frust zum Ausdruck: Meine Eltern und ich hatten den ganzen Tag auf dem Weg zu einer Pferdeveranstaltung auf den Bus gewartet, der nicht gekommen war, nur um dann ein Pferdegespann mit 8 Clydesdales 3 Minuten an uns vorbeiziehen zu sehen. Ich hatte meine Tage bekommen (welche Enttäuschung, das ist nicht nur schmerzhaft und unangenehm, ich will auch langsam mal durch sein mit den Wechseljahren) und war einfach insgesamt durch das Globusgefühl, das ich jetzt auch schon fast 3 Monate wieder habe, total gestresst.

Nun ja. Jetzt geht es mir erst mal darum, wieder auf die Beine zu kommen.

War es das?

In Tagebuch on 15. Oktober 2017 at 04:42

Nun, die ersten Tage mit Ted haben ganz gut geklappt. Gestern haben wir uns schon mal kurz gestritten, aber das konnten wir glattbügeln. Heute erneut. Er rief mich an, fing dann an zu flüstern, unterbrach mich mitten im Satz und meinte, er würde mich gleich zurückrufen. 10 Minuten später rief er zurück, als ich ihn dann fragte, was denn los gewesen wäre, sagte er „Nothing„. Es ist ja nicht das erste Mal, dass das passiert ist. Ich weiß nicht, warum er das macht. Als erstes fällt mir ein, dass er sich damit wichtig machen will. Ich denke auch, dass vielleicht Delilah während des Telefongesprächs aufgetaucht ist, und er ist mir nicht sagen wollte. Wie dem auch sei, er konnte oder wollte mir nicht sagen,  warum er plötzlich aufgelegt hatte, und daraus entwickelte sich ein Streitgespräch.

Ich habe es sicher hier auch schon mal erzählt, Ted ruft mich gerne 13 Mal hintereinander an, da er ständig von irgendjemanden beim Telefonieren unterbrochen wird. Ich finde es seltsam, dass Leute ihn unterbrechen, wenn er das Telefon am Ohr hat. Aber so ist es eben. Das Doofe für mich ist, dass ich bei dem, was ich tue, dann auch 13 Mal unterbrochen werde. Vorhin war es ein Film. Was er macht, ist einfach unhöflich. Und es passiert immer wieder.

Da so seltsam arrogant während des Gesprächs war, warf ich ihm vor, zu viel getrunken zu haben. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Tatsache ist aber, dass ich über seinen Alkoholkonsum enttäuscht bin. An den ersten Tagen hatte er morgens nichts getrunken. Jetzt ist wieder alles beim Alten. Er hat den Kühlschrank mit seinem Lieblings Bier aufgefüllt und trinkt bereits um 6 Uhr morgens sein Bier. Damit er nicht so doof riecht gurgelt er offensichtlich im Auto, bevor er zu mir ins Bett kriecht. Als ich ihn vorhin fragte, warum er weiter trinkt, obwohl er weiß dass das schlecht für unsere Beziehung ist, meinte er, dass er nicht glaubt dass der Alkohol großen Einfluss auf uns hat. Oder anders ausgedrückt: Er hat meine Klagen der vergangenen Monate nicht ernst genommen.

Und jetzt? Morgen ist Frühstück mit meinen Eltern angesagt. Er hat gesagt, er müsse mal schauen, ob er vorbeikommen kann. Denn es könnte ja sein, dass seine Kinder etwas mit ihm unternehmen wollen. Vielleicht hat ihn auch unser Streit so angepisst, dass er nicht vorbeikommt. Ich weiß mittlerweile nicht mehr, was ich dazu denken soll. Ich bin frustriert. Wahrscheinlich bin ich bereit, ihn gehen zu lassen. Aber sicher weiß man das ja erst, wenn ich das tatsächlich durchgezogen habe.