Ohne Panik

Erklär es doch der Parkuhr

In Tagebuch, Ted on 8. August 2017 at 23:19

Ich möchte mich im Voraus für den widerlichen Wiederholungscharakter dieses Eintrags, aber eigentlich aller meiner Einträge entschuldigen. Ich reite hier ständig auf denselben Problemen herum. Das liegt daran, dass Ted und ich sie nicht aus der Welt schaffen können. Wir streiten uns immer und immer wieder über dieselbe Themen. Und da ich nicht in der Lage zu sein scheine, mich zu trennen, tauchen sie immer und immer und immer und immer wieder auf.

Mir geht es heute was besser als gestern. Ted hat heute 3 Mal angerufen und so getan, als wäre nichts. Ich habe – frustriert – mitgespielt. Bringt ja alles nichts. Ich habe ihm nur einfach kaum noch etwas erzählt. Er weiß kaum, was ich in den letzten Tagen gemacht habe oder was ich vorhabe zu tun, und das ist auch ok. Muss er auch nicht wissen. Ich glaube eh, dass ihn außer „Sind wir noch ein Paar?“ nichts wirklich interessiert. Und das ist nicht (nur) sarkastisch gemeint.

Gestern war ich einfach nur gefrustet. Nichts, was ich Ted in den letzten Monaten gesagt habe ist irgendwie bei ihm angekommen. Ich kann erklären und erklären und erklären, es will nicht in seinen Kopf.

Er versteht nicht, dass ich – als seine Freundin – nicht problemlos sagen kann „Ja, natürlich sind wir noch ein Paar“ wenn er mir seine widerliche Wiederholungsfrage „Sind wir noch ein Paar?“ stellt. Würde ich ihm die Frage stellen, würde er sofort, ohne nachzudenken, „Ja“ sagen, betont er. Klar. Wahrscheinlich erzählt er das so auch seinem besten Freund, und gemeinsam halten sie mich dann alle beide für bescheuert. Ich kann es mir regelrecht bildlich vorstellen: „Die Ann ist echt seltsam. Ich frage sie, ob wir noch ein Paar sind, und sie will die Frage einfach nicht beantworten. Warum ist sie so stur? Es ist doch eine so einfache Frage! Dabei sagt sie, sie liebt mich…“

Er „vergisst“ dabei völlig, dass mein Unwille, darauf weiter zu antworten, überhaupt nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Ich habe es ihm schon zich Mal erklärt, aber es entfällt ihm einfach. Umgekehrt würde doch ein Schuh daraus:

„Die Ann ist so seltsam, sie fragt mich seit Jahren jeden Tag 5 Mal hintereinander, ob Orangen orange sind. Und ich darf nur ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ sagen. Und diese Frage stellt sie mir in einem herrischen Ton, das ist unvorstellbar. Warum ist sie so stur? Sieht doch ein Blinder, dass die Orange orange ist. Deswegen heißt sie doch Orange…“

Anders als mit einem psychischem Problem kann ich mir das nicht erklären. Er hat ja selbst zugegeben (aber auch verstanden?), dass es eine Zwangsstörung ist. Ich kann das, mit meinem Angsthintergrund, natürlich nachvollziehen. Was ich nicht nachvollziehen kann ist, dass er nicht versteht wie sehr er mich mit diesen Fragen auf eine absolut herrische Weise bedrängt. Auch wenn ich in Not war und anrufen „musste“, so war mir doch immer klar, was ich tat, auch wenn ich meinte, nichts dagegen unternehmen zu können. Ich habe mich immer geschämt dafür, das war ein Teil des Problems. Sieht er es wirklich nicht oder ist er nicht in der Lage, es zuzugeben?

Oder die Sache mit den Unternehmungen. „Aber wir unternehmen doch so viel“, sagt er, wenn ich mich darüber beschwere, dass wir immer nur „abhängen“. „Wir waren in New York und in London, in St. Pete und bei meinen Eltern. So viel habe ich noch nie mit einer Frau unternommen.“

Auch hier habe ich schon zich Mal erklärt, dass wir zwar an diese Orte fahren, dort aber außer Bier trinken und schlafen nichts tun. Jedes Mal, wenn ich ihm das erkläre, scheint es ins eine Ohr rein und aus dem anderen Ohr wieder rauszugehen.Wir fahren in den Ort, checken im Hotel ein, räumen den Kühlschrank mit Bier voll, machen ein „Nickerchen“ bis 21 Uhr, dann versuchen wir, irgendwo was zu essen zu bekommen, was um diese Uhrzeit meist schwer ist, trinken weiter (er, nicht ich) und fallen dann um Mitternacht ins Bett, wo er mich schnarchend wach hält.

Wenn ich dazu noch erkläre, dass wir letztendlich eigentlich sowieso nicht so viel unternehmen (ich finde, etwa 5 Unternehmungen in 90 Tagen sind nicht so viel, d.h. Dinge, die wir außerhalb meines Hauses oder des Piers tun), kommt er mit dem Argument, dass er ja viel mehr mit mir unternehmen würde, wenn ich nur Zeit für ihn hätte. Auch hier wieder: Er will das ja während meiner Arbeitszeit machen. Wie soll ich denn bitte grundsätzlich während meiner Arbeitszeiten Zeit für ihn haben? Es will nicht in seinen Kopf, dass ich wochentags von etwa 9 bis 17 Uhr arbeite, egal wie oft ich es ihm erkläre. Er scheint nur zu sehen, dass meine Kunden – wenn ich in Florida bin – ab 12 Uhr (18 Uhr europäische Zeit) nicht mehr in ihren Büros sind und dass ich deshalb flexibel sein müsste. Bin ich auch. Letzte Woche habe ich Metes Sohn mitten am Tag gebabysittet, als Mete notfallmäßig zum Arzt musste. Obwohl ich viel zu tun hatte. Das ging aber nur, weil ich es schon am Abend vorher wusste und drum herum gearbeitet habe. Und es ging auch nur, weil es eine Ausnahme war. Auf diese Weise will ich nicht grundsätzlich arbeiten. Und wie ist das eigentlich mit seiner Zeit? Wenn unsere gemeinsame Zeit so kostbar ist, warum verpennt er dann die Nachmittage bei mir? Hier will es nicht in meinen Kopf – da kann er erklären, was er will – dass er sich bei mir so sehr zu Hause fühlt, dass er wohlig abschaltet, wenn er bei mir ist. Außerdem, so sagt er, steht er ja morgens immer schon so früh auf, um mit mir zum Sonnenaufgang zu gehen. Ja, kann ja sein. Aber was ist denn mit mir? Ich stehe genauso früh auf (oft noch früher, denn meine Kunden beginnen um 3 Uhr morgens Florida-Zeit), ich gehe doch mit ihm zum Sonnenaufgang?!

Tatsache ist, dass er dann, wenn „normale“ Menschen eigentlich Freizeit haben, keine Zeit für mich hat. Ja klar, er arbeitet in einem Job, in dem man eben vor allem dann ran muss, wenn andere nicht arbeiten müssen. Aber nicht immer. Was ist mit den Abenden, an denen er nicht arbeitet? Warum hat er da keine Zeit für mich? Dienstags, mittwochs, donnerstags und freitags? Warum kann er da auch nur tagsüber? Die Frage brauche ich gar nicht stellen, hah! Weil er da bei seiner Delilah ist, mit der er ja angeblich nicht mehr zusammen ist. Und was ist mit den Wochenenden? Ok, da arbeitet er. Verstehe ich. Aber wenn er verlangt, dass ich mir die Wochentage freinehme, warum nimmt er sich dann nicht auch mal ein Wochenende frei? Weil er am Wochenende so viel verdient. Ja klar, verstehe ich. Ich verdiene aber in der Woche so viel. Das ist das Gleiche. Für mich. Offensichtlich jedoch nicht aus seiner Sicht. Hat er sogar schon mal gesagt: „Ich muss damit aufhören zu glauben, dass meine Zeit wertvoller als deine ist“, meinte er am Ende eines Streitgesprächs in Florida. Und tief in ihm verwurzelt ist das wahrscheinlich tatsächlich so.

Er hat mir schon mehrfach gesagt, dass er nicht versteht, warum ich „so viel“ arbeite.  Er würde doch für mich sorgen wollen. Hallo?! Ich soll weniger arbeiten, damit ich mehr Zeit für ihn habe, sodass ich ihn dann um Geld bitten muss? Damit ich nicht nur emotional, sondern auch finanziell von ihm abhängig werde? Ja sicher, soweit kommt es noch. Er hat auch schon mehrfach gesagt, dass er nicht versteht, wofür ich das ganze Geld brauche, das ich verdiene. Tolle Voraussetzungen, um mich von ihm aushalten zu lassen. Als ob ich hier Geld horten würde, um es dann heimlich irgendwie aus dem Fenster zu werfen. Auch das habe ich ihm schon x Mal erklärt: Ich habe im Vergleich zu ihm relativ hohe Fixkosten. Meine 2-Zimmer-Wohnung in der Großstadt kostet alles inklusive locker einen Tausender. Kranken- und Altersversicherung noch mal. Und dazu kommen dann Steuern und so lebensnotwendige Dinge wie Lebensmittel. Ich bin bei deutlich über 2000 Euro, bevor ich überhaupt ein Stück Brot in den Mund gesteckt habe oder mit dem Auto um die Ecke gefahren bin. Und dann die Reisen nach Florida, die durch den für uns schlechten Dollarkurs, die zusätzlich notwendige Krankenversicherung und die höheren Preise auf der Insel auch nicht wirklich günstig sind. Auch wenn ich alles andere als im Luxus lebe, ich brauche relativ viel Geld, um einfach nur zu leben. Aber egal, wie genau und wie häufig ich ihm das vorrechne, 3 Wochen später stellt er dieselbe Frage erneut. Ich glaube nicht, dass es nur Vergessen ist. Ich glaube, er will es einfach nicht verstehen.

Es ist frustrierend. Ich erkläre und erkläre und erkläre, und er scheint es zu verstehen, nur um mir am nächsten Tag, in der nächsten Woche oder im nächsten Monat genau dieselben Dinge vorzuwerfen. Als hätte er vergessen, was ich ihm gesagt habe. Oder als wäre es nicht relevant, weil unzureichend begründet. Viele meiner Argumente widerlegt er wahrscheinlich einfach sofort in seinem Kopf: Geld für Diabeteszubehör braucht sie nicht wirklich, da sie ja seiner Meinung nach kein Diabetes haben kann. Arbeiten muss sie eigentlich auch nicht, da er ja für sie sorgen würde. Unternehmen würden wir viel, würde sie ihm nur die Zeit einräumen…

Aber wie ist es umgekehrt? Er erklärt und erklärt und erklärt, und die Probleme sind für mich ebenso wenig aus der Welt geräumt. Seine Müdigkeit, durch das frühe Aufstehen: Nicht ausreichend erklärt, denn ich stehe genauso früh auf. Würde er nicht so viel Alkohol trinken, wäre es nicht so, glaube ich – er ist anderer Meinung. Deswegen beschwere ich mich ständig über die Müdigkeit. Die mangelnden Unternehmungen: Er würde ja wollen, wenn ich ihm nur die Zeit gäbe. Sein Wollen erkenne ich nicht an, also beschwere ich mich weiter. Seine Eifersucht: Er erklärt und erklärt dass er nicht eifersüchtig ist und glaubt es wahrscheinlich selbst, und dennoch bestehe ich darauf, dass mich seine Eifersucht nervt. Für ihn ist es wahrscheinlich genauso frustrierend wie für mich.

Tja. Ich habe wieder eine neue Idee. Tata… Ich tue nichts ;-). Nein im Ernst, ich kriege es ja tatsächlich nicht hin, mich von ihm zu trennen. Meine neuer Ansatz ist jetzt also tatsächlich, ihm einfach nicht mehr so viel zu erzählen. Ich glaube wirklich, dass ihn letztendlich gar nicht interessiert, was ich tue. Das erklärt auch, warum er ständig „What did I miss?“ fragt, auch nachdem ich ihm gerade erzählt habe, wie ich den ganzen Tag verbracht habe – er hört nicht zu. Er will nur hören, dass wir noch ein Paar sind. Meine Versuche, offen zu sein, damit er nicht eifersüchtig ist, sind allesamt gescheitert. Ich werde also nicht mehr erzählen, dass ich Salsa tanzen gehe oder mich mit Mete oder Karin treffe. Es ist für ihn irrelevant.

Das hat mehrere mögliche Vorteile: Ich gewöhne mich daran, ihn nicht mehr zum besten Freund zu haben. Wenn ich nicht mehr so viel mit ihm teile entferne ich mich von ihm,vielleicht funktioniert die Trennung dann? Und ich streite mich (hoffentlich) auch nicht mehr so viel mit ihm. Ob und wohin uns das führt, weiß ich nicht, aber das ist jetzt mein nächster Versuchsansatz.

Am 1. Oktober, also in etwas weniger als 2 Monaten, bin ich wieder in Florida. Dann aber wird erst mal eh alles anders sein, denn meine Eltern sind die ersten 4 Wochen dort. Das wird hoffentlich ebenso dabei helfen, die Routine zu brechen…

Kommt Zeit, kommt Rat. Hoffentlich.

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