Ohne Panik

Archive for the ‘Tagebuch’ Category

Aufrechnung

In Tagebuch, Ted on 21. Januar 2018 at 16:35

Ted und ich haben weiter keinen Kontakt. Meine Freundinnen helfen mir. Aber dennoch habe ich Durchhänger. Es sind – Gott sei Dank – immer nur Momente und keine Stunden oder gar Tage.

Heute, beim Spaziergehen, fiel mir ein Fensterschmuck ins Auge, und da musste ich an all die Dinge denken, die ich immer für Ted getan habe und wurde traurig: Allen voran der Adventskalender, den ich ihm seit 4 Jahren bastele. Aber auch viele andere Dinge. Kleine Geschenke zwischendurch. Natürlich Geburtstagsgeschenke, Jahrestagsgeschenke. Abschiedsgeschenke wie das Heft, in das ich für jeden Tag meiner Abwesenheit eine Liebeserklärung geschrieben habe. Oder Fotos mit Zahlen der Anzahl an Tagen, die wir noch voneinander getrennt sein würden. All das Bier, das ich ihm immer wieder gekauft habe, damit er bei mir zu Hause etwas zu trinken hat, allein wegen der Mengen ist das eine Erwähnung wert. Und da fragte ich mich, was Ted eigentlich je für mich  getan hat.

Letztendlich wurde mir klar, dass es hier vor allem um materielle Dinge ging – materielle Dinge, die von Herzen kommen, aber dennoch materielle Dinge. Und wenn es darum geht, da gewinne ich jeden Wettbewerb. Ich habe ihm ständig Dinge gegeben, von ihm kam wenig bis gar nichts. Nur… gibt es überhaupt einen Wettbewerb? Wie ist es mit den Nicht-so-materiellen-Dingen?

Teds größtes Geschenk an mich – seiner Meinung nach – war seine Zeit für mich: Zeit weg von seinen Kids und Delilah. Aber seien wir mal ehrlich, ist das wirklich ein Geschenk? Er wollte doch Zeit mit mir verbringen, das ist doch auch normal in einer Beziehung. Verbringt man keine Zeit miteinander, dann hat man keine Beziehung. Zeit, die für mich wirklich wichtig gewesen wäre – nachmittags, an den Wochenenden, an Feiertagen, die habe ich von ihm nur selten bekommen.

Ted hat mir immer wieder Rubbellose geschenkt – die ich aber meist nicht wollte. Ich rubbele gerne mal ein oder zwei Lose, aber wenn ich dann immer nur verliere ist es auch gut. Er hatte immer viel zu viele Lose. Er verschenkte diese Dinge an alle, und das ist wirklich eine nette Geste. Aber es war für mich schon fast eine Spielsucht. Aber es waren echte Geschenke.

Ted wollte auch immer wieder mit mir verreisen: Er ist ein paar mal mit mir nach Pennsylvania zu seinen Eltern geflogen, wir haben uns in London getroffen, er kam nach Deutschland, er wollte mich in Irland treffen. Sehr häufig waren wir in St. Pete. All diese Reisen zählt er immer wieder auf, wenn es darum geht, was er alles für mich tut, aber ich kann sie nicht wirklich als Bemühungen wertschätzen: All die Reisen zu seinen Eltern hätte er eh gemacht, und ich kann das Gefühl nicht abschütteln, dass er mich einfach nur dabei haben wollte, um mich nicht allein (und unkontrolliert) zu lassen. Mir kam es häufig wie ein Gefallen meinerseits vor, ihn zu begleiten, denn was sollte ich denn zum xten Mal in Pennsylvania im Regen? Irland bringt er auch ständig enttäuscht vor, er sei ja nur nach Irland gefahren, um mich zu treffen. Auch hier wieder: Er ist nach Irland gefahren, da Delilahs Eltern dort wohnen. Mit mir hatte das wenig zu tun. Vielleicht wäre er wirklich nicht mit Delilah geflogen (glaube ich aber nicht), hätte er gewusst, dass ich ihn dort nicht besuchen werde, aber da Irland nun nie mein Traumziel war weiß ich nicht, warum das speziell für mich gewesen sein sollte. Und auch sein Deutschland-Trip 2016 nennt er immer wieder als Leistung für mich. Ja, er ist wirklich für mich nach Deutschland gekommen. Aber warum hat er dann die Nachmittage schnarchend auf meiner Couch verbracht? Kurz: Ich kann seine Reisebemühungen nicht richtig schätzen. Die Trips nach St. Pete waren für mich wirkliche Reisegeschenke, da sie keinem anderen Zweck als unserer Freude dienten.

Ted hat mich immer mal wieder zum Essen (Frühstück, Lunch, fast nie Abendessen) ausgeführt. Das hat ihm Freude gemacht, da es mir Freude gemacht hat. Er hat dabei darauf bestanden, dass er bezahlt. Ich glaube, dass hat weniger etwas mit Großzügigkeit als mit Erziehung oder seiner Kultur zu tun. So ist das eben in seinem Teil der Welt. Dass man als Pärchen essen geht, ist für mich allerdings normal. So ein großes Geschenk ist das nicht.

Ted nennt auch die Tatsache, dass er mich nie angelogen und nie betrogen hat als Geschenk für mich. Das jedoch ist für mich die Grundlage einer Beziehung und kein Geschenk.

Während ich das hier tippe stellt sich mir die Frage: Zählen Bemühungen nur, wenn der andere sie zu schätzen weiß? Nein, sicherlich nicht.

Und was habe ich, außer der Geschenke, für ihn getan: Ich habe immer wieder Jobs abgsagt oder verschoben, um Zeit für ihn zu haben. Ich bin mehrfach mit ihm nach Pennsylvania geflogen. Ich habe meinen Zeitplan immer nach ihm gerichtet und viel auf ihn gewartet. Ich habe ihm Delilah „erlaubt“. Ich habe ihm ständig berichtet, was ich gerade tue, und Rede und Antwort gestanden, um seine Eifersucht (erfolglos) zu reduzieren. Ich habe weniger Alkohol getrunken, damit ich ihn abends nach Hause fahren kann.

Ich habe das Gefühl, dass zwischen uns ein Ungleichgewicht entstanden ist, dass dazu beigetragen hat, unsere Beziehung – aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich weiß aus Erfahrung, dass man keinerlei „Geschenk“ einfach mit einem Preisetikett versehen und es dann gegen andere Geschenke aufwiegen kann. Anfangs war meine Beziehung zu Ted ausgewogen.

Nun ja. Die Überlegungen zu dem, was Ted jemals für mich getan hat, haben mich bei meinem Spaziergang beruhigt und ich war dann nicht mehr traurig. Aber letztendlich ist es eigentlich Blödsinn: Ich war unglücklich, aus ganz, ganz vielen Gründen, ich sah keine Zukunft für uns aus ebenso vielen Gründen, und deshalb musste ich mich trennen.

 

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Erkälteter Statusbericht

In Statusbericht, Tagebuch, Ted on 19. Januar 2018 at 19:35

Ich hab mir ne riesige Erkältung eingefangen, und damit geht es mir nicht so gut. All die Ablenk-Aktivitäten der letzten Wochen können nicht stattfinden: Kein Sport (das war fast täglich), kein Salsa, kein Ausgehen. Das Date mit Jürgen habe ich auch abgesagt (und auf nächsten Mittwoch) verschoben. Vor mir liegen jetzt ein paar ereignislose Tage, ich kann mich eigentlich auf nichts so richtig freuen.

Mittwoch war ich mit meine Eltern für’s Ballett verabredet, wir haben die kubanische Tanztruppe „Revolucion“ gesehen, und das war der Hammer. Allerdings wurde mein Vater ein Tag vorher per Notarzt mit Herzflimmern ins Krankenhaus eingeliefert, sodass wir lange nicht wussten, ob wir überhaupt gehen können. Dann kam alles anders: Meine Mutter entschied, aufgrund ihres schweren Hustens nicht mitzukommen, und so gingen letztendlich Karin, mein Vater und ich: Karin ein Tag nach einer schweren Zahn-OP mit einer dicken Backe, mein Vater mit überstandenen Herzflimmern und ich mit einer angehenden Erkältung, die ständig für Schweißausbrüche sorgte.Das Ballett war aber toll. Die Musik für meinen Geschmack ein wenig zu mainstreamig, und bei einem kubanischen Ballett hätte ich mir auch mehr Salsa, Meringue, Bachata und Co. gewünscht, aber dennoch toll. Unglaublich, wie die Tänzer sich bewegt haben. Richtig zu sabbern fingen Karin und ich aber an, als die Männer mit nacktem Oberkörper schweißnaß über die Tanzfläche düsten. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen.

Tja, und die Männer? Stefan habe ich mehr oder weniger abgeschrieben. Der ist nett, attraktiv, charmant, interessant und interessiert, aber was soll ich denn bitte mit dem nächsten gebundenen Mann? Wir quatschen immer mal wieder auf Facebook und möglicherweise entwickelt sich eine nette Freundschaft, viel mehr wird aber daraus nicht werden. Dennoch war es am Samstag eine wirklich gute Ablenkung von der Trennung von Ted. Und Jürgen? Nun, nachdem ich Stefan getroffen habe, scheint mir ein Date mit Jürgen gar nicht mehr so verlockend zu sein. Vielleicht habe ich mich doch ein wenig in Stefan verschossen, und mit Jürgen habe ich ja schon einen Durchlauf hinter mir. Aber mal abwarten, was das Treffen bringt. Es ist ja eigentlich immer recht positiv, keine Erwartungen zu haben.

Kommen wir zu Ted. Wir haben Dienstag das letzte Mal telefoniert, das war halt, als mein Vater ins Krankenhaus gekommen war. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört und das ist auch gut so. Die meiste Zeit denke ich an die negativen Dinge, die mir mit ihm passiert sind, und dann geht es mir ok. Aber ab und zu packt mich die – was ist das eigentlich? – Liebe mit eiskalter Hand ans Herz, und das führt dann zu Instant-Tränen. Am Mittwoch im Ballett ist das passiert. Die Tänzer tanzten zu „Hello“ von Adele, und es dauerte nur 10 Sekunden, da brach ich regelrecht zusammen. Karin neben mir war völlig geschockt, und als sie mich fragte, was denn sei, wurde es nur noch schlimmer. Ich habe mich dann aber schnell wieder gefangen. Was passiert war? Ich hatte auf den Text gehört, ich kann gar nicht genau sagen, was es war, aber Ted tat mir plötzlich so Leid. Ich habe ihm das Herz gebrochen, ich weiß das. Er hat das Gefühl, ich hätte „plötzlich“ meine Meinung geändert und wollte Exklusivität und eine Zukunft. Ich kann das tatsächlich nachvollziehen. Aber es ist nicht meine Schuld, dass es ihn so überrascht hat, denn er hat einfach auch die Augen vor der Realität verschlossen. Und die Exklusivität war ja nicht unser einziges Problem. Ich befürchte fast, dass ich diesen Punkt genommen habe, weil ich einen Grund fürs Schlussmachen brauchte. Es gab ja auch noch den Alkohol und diese furchtbaren Eifersuchtsanfälle (das ist ein Link von 2014!) und der letzte davon hatte ja letzen Montag stattgefunden. Der größten Teil unserer Probleme bezieht sich auf Dinge, die ich schon seit Jahren an ihm bemängele – er hat sie nur nicht ernst genommen.

Und solche Situationen habe ich immer wieder. Es ist wohl eher der Traum von einem Leben mit einem irrealen Traum-Ted, die Erinnerung an diesen Traum, die mich so traurig werden lässt. Denn richtig schöne Zeiten hatten wir ja schon lange nicht mehr. Eigentlich war es am schönsten, als ich noch meine Panik hatte und Ted dann meine Panik – die er ja auch ausgelöst hatte – beheben konnte. Das hat zu sehr viel Leidenschaft, Innigkeit und auch Nähe geführt. Ted hat mich damals einfach so kaputt genommen, wie ich war, und mir mein Drängen auch zu den ungünstigsten Zeiten nie übel genommen. Da habe ich ihm viel zu verdanken.

Nun ja. Die Zeit heilt alle Wunden. Hoffe ich. Ich muss jetzt erst mal meine Erkältung überwinden. Und dann seh ich weiter.

Ted dreht am Rad, und ich werde schwach

In Tagebuch, Ted on 16. Januar 2018 at 21:23

Mein kleiner Austausch mit Stefan hat Ted gestern am Rad drehen lassen. In aller Öffentlichkeit auf Facebook erklärte er der ganzen Welt, dass er gekränkt sei über meine Versuche, einen Mann fürs Leben zu finden, und er wünschte mir ein schönes Leben.

Nun ja. Nicht ganz so krass. Eher verschlüsselt, keiner konnte wissen, von wem er da redete. Aber es ist ganz und gar nicht Teds Art, private Hasstiraden auf Facebook abzusetzen, und so wusste ich sofort, wer gemeint war. Es kostet mich einiges an Disziplin und Karins Zuspruch, gestern nicht darauf zu reagieren.

Er hatte aus den wenigen Sätzen – „Da bin ich wohl zu früh abgereist“ von Stefan und mein „Man kann nicht alles haben“ – geschlossen, dass da etwas zwischen uns läuft. Weit hergeholt? Ich weiß es nicht wirklich. So ganz unrecht hatte er ja nicht.

Heute dann war ich schwach. Ich habe gerade eine Erkältung bekommen und fühle mich elend. Mein Vater ist heute Morgen mit Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus gekommen. Ob ich morgen mit meinen Eltern ins Ballett gehen kann ist fraglich Ob mein Date übermorgen stattfinden kann, weiß ich angesichts meiner fiebrigen Erkältung auch nicht. Und so habe ich Ted angerufen.

Das Gespräch plätscherte zunächst dahin, aber dann wollte er wissen, was es mit diesem Stefan auf sich hatte. Ich erklärte ihm, dass ich einen ehemaligen Klassenkameraden getroffen hatte. Ob ich denn mit ihm Sex gehabt hätte, wollte er wissen. Nein, antwortete ich wahrheitsgemäß und hoffte, es damit erledigt zu haben. Ich hätte Ted besser kennen sollen. Ob ich ihn denn geküsst hätte. Ich log. Es ist sinnlos, Ted hier reinen Wein einzuschenken. Er fand es unglaublich, dass ich Stefan von mir aus kontaktiert hatte, das könne doch nur heißen, dass ich auf der Suche sei (habe ich ja gar nicht, das war ja das Seltsame). Alles in allem eine typische Diskussion mit Ted. Schließlich meinte er, er könne „das“ nicht. Er könne nicht zuschauen, wie ich andere Männer date. Ich sagte ihm, dass ich Stefan auch getroffen hätte, wenn wir noch zusammen gewesen wären (und das stimmt, ich hätte ihn nur wahrscheinlich nicht geküsst) und dass so etwas völlig normal sei. Schließlich muss ich ja auch hinnehmen, dass er mit der Mutter seiner Kinder unter einem Dach lebt. Ich hätte mich ja da ursprünglich mit einverstanden erklärt, meinte er, dass sei etwas anderes. Nun, ich habe mich nie damit einverstanden erklärt, mich nie wieder einfach nur freundschaftlich mit Männern zu treffen. Und ich bin auch nicht sein Eigentum, er kann nicht bestimmen, wen ich treffen darf und wen nicht.

Alles in allem ein sehr unangenehmes, trauriges Gespräch. Es sitzt mir auch jetzt noch in den Knochen, aber es bestätigte doch wieder, dass es mit Ted echt nicht geht. Es war ursprünglich wirklich ein unschuldiges Date, und selbst als ich gesagt habe, dass ich keinen Sex mit Stefan gehabt habe musste Ted noch mehrfach nachfragen. Ich ertrage das nicht mehr. Das war einer der Trennungsgründe.

Also. Nix Neues. Wir haben alte Wunden aufgerissen. Aber die heilen auch wieder. Wichtig ist, dass ich nicht so schwach werde, dass ich mich wieder auf ihn einlasse. Der wahre Test kommt, wenn ich im April nach Florida fliege…

 

Flirtereien mit Stefan

In Tagebuch on 15. Januar 2018 at 12:43

Ich hab mich ja gefragt, wie es mit Stefan weitergeht. Es liegt in seinen Händen. Ich habe ihm erklärt, woran es hapert, er weiß auch, dass ich ihn klasse finde, jetzt liegt es also an ihm zu entscheiden, was er machen möchte. Und ich muss dann „irgendwie“ reagieren.

Heute Morgen war ich ganz früh schon beim Arzt, und der Himmel war so schön, dass ich ein Foto davon machen musste, das ich dann auf Facebook hochgeladen habe. Und darauf reagierte er dann:

Stefan: „Da bin ich wohl zu früh abgereist.“
Ich: „Tja, man kann nicht alles haben.“

Natürlich war das zweideutig gemeint, und ich war neugierig, wie er reagieren würde. Es kam prompt eine SMS – natürlich, sowas geht nicht öffentlich.

Stefan: „Wir werden sehen.“ (Plus ein paar Beschreibungen seines Tages)
Ich: „Vorsicht ;-)“ (Plus Persönliches)
Stefan: „Ich bin mir dessen bewusst.“
Ich: „Wenn du dir der Gefahren bewusst bist, ist das ja gut. Dann kann das Adrenalin ja vielleicht positiv wirken.“

Den letzten Spruch hätte ich mir sparen sollen, er ist nichtssagend. Aber ich wollte wohl irgendwie das Gespräch aufrechterhalten.

Das ist Flirten. Und es hilft mir, meine Gedanken von Ted abzulenken. Denn immer dann, wenn ich zu lange nichts wirklich Ablenkendes tue, kehren sie zurück zu ihm. Dann vermisse ich ihn, will ihn sprechen. Und das wäre einfach nicht gut.

Tja, als Nächstes kommt jetzt (nach einer mit Freundinnen und Eltern gefüllten Woche) das Date mit Jürgen. Komisch, jetzt bin ich gar nicht mehr so aufgeregt wie letzte Woche.  Mal schauen, wie das abläuft…

 

 

Date mit Stefan – verwirrt

In Dating, Tagebuch on 14. Januar 2018 at 11:49

Ich hatte einen wundervollen Abend mit Stefan. Nachdem sich Jürgen für nächsten Donnerstag angesagt hatte, hatte ich keine großen Erwartungen an dieses Date. Stefan lebt in Österreich, in einer Beziehung, und obwohl ich als 15-jährige heftig in ihn verschossen war fand ich das, was ich auf Facebook von ihm sehen konnte, nicht mehr als nett.

Aber es kam ganz anders.

Stefan kam mir schon entgegen, als ich mein Fahrrad ein gutes Stück vor dem Café abschloss. Es war dunkel, ich konnte nur seine Konturen erkennen, wie er sich bewegte… ich war erstaunt, dass meine Erinnerung nach fast 35 Jahren noch so lebendig war!

Es ist nicht so, als wären wir zu Schulzeiten beste Freunde gewesen. Er bewegte sich in völlig anderen Kreisen als ich, und wir beide waren der Meinung, dass unsere Verabredung einem Blind Date gleichkam. Er erzählte mir, dass er sehr verwundert gewesen war, dass ich seine Einladung angenommen hatte. Er hatte gedacht, „bei der hab ich eh keine Chancen“. Tatsächlich erinnerte er sich an eine Ann, die „über den Sphären“ schwebte. Ich war schön, aber abweisend. Arrogant. Niemand kam an mich ran.

Das ist interessant, aber es macht mich traurig, darüber nachzudenken. Ich habe es gestern schon beschrieben. Ich hatte mich immer als unsichtbar empfunden. Mauerblümchen. Hässlich. Grau. Ich war damals magersüchtig, ich hatte überhaupt kein Selbstbewusstsein. Natürlich hatte ich versucht, das zu überspielen. Erfolgreich, wie es scheint. Meine Güte, hätte ich gewusst, wie ich auf diese Jungen wirkte, die ich selbst so toll fand, hätte ich wohl eine ganz andere Jugend gehabt.

Stefan erzählte von einem Erlebnis mit einem Mädchen aus meiner damaligen Clique. Er hatte mit ihr auf einer Party herumgemacht, und am nächsten Tag hatte sie nicht mehr mit ihm gesprochen. Er hatte sich gewundert, da er sie klasse gefunden hatte, aber angenommen, sie habe kein Interesse mehr an ihm. Nun, es war umgekehrt gewesen. Vor wenigen Jahren erst hatte sie ihm einen Brief geschrieben und erklärt, dass sie unsterblich verliebt in ihn gewesen war. Er war aus allen Wolken gefallen. Ich setzte noch einen drauf und offenbarte ihm, dass wir damals alle verknallt in ihn gewesen waren. Er fiel aus allen Wolken – ihm ging es wohl wie mir.

Es war 11 Uhr, als ich das erste Mal auf die Uhr schaute – wir hatten uns 3 Stunden angeregt unterhalten. Ich konnte vieles, was er erzählte, nachvollziehen. Er ist leidenschaftlicher Radfahrer und wir sprachen davon, wie es ist, Grenzen zu verschieben, sich immer wieder an die eigenen Grenzen zu bringen. Das ist ein Thema, das bei mir gerade sehr aktuell ist. Ich mache das im Sport, ich habe das durch CrossFit gelernt. Aber es hat auch etwas mit Ted zu tun. Ted nämlich tut das nicht. Er kommt nicht mehr vorwärts. Er betäubt sich mit seinem Alkohol, und ich hatte immer wieder das Gefühl, dass er mich in meinem Vorwärtsdrang ausbremst.

Und dann fragte er mich zu Ted. Ich hatte zu Beginn des Abends schon mal angedeutet, dass ich frisch getrennt bin. Ich hatte mir im Vorfeld schon überlegt, dass ich Fremden nicht erzählen werde, dass Ted und ich eine vierjährige Affäre hatten, stattdessen wollte ich den Alkohol als Grund nennen. Als Stefan dann fragte, was ich für die Zukunft geplant hatte, erklärte ich ihm, dass zurzeit alles durcheinander ist, dass ich meine Zuknft neu planen muss, weil die Zukunft, die ich mir erhofft hatte, nicht stattfinden wird. Ich machte aber deutlich, dass das nicht nur traurig, sondern auch befreiend ist – denn genau so fühle ich mich ja gerade auch.

Ich weiß natürlich nicht genau, was in Stefans Kopf vorging. Vielleicht hatte er einfach nur vor, mich abzuschleppen. Vielleicht wirkte ich in meinen Erzählungen wirklich so traurig, dass er mich trösten wollte. Er nahm meine Hand, während ich von meiner Entscheidung, mich von Ted zu trennen, erzählte. Und ich genoss das. Ab und zu nahm er mich in den Arm. Er roch gut.

Für meinen Geschmack verweilten wir aber viel zu lange beim Thema Ted. Ich wollte nicht darüber reden, aber Stefan kam immer wieder darauf zurück, wie schlecht es mir so kurz nach der Trennung doch gehen müsste. Ich konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass er sein Mitgefühl auch mit dem Versuch verband, mich anzubaggern. Und eine der Umarmungen endete auch in einem unbeholfenen Kuss – den ich sehr genoss.

Wir verließen das Café um 1 Uhr, und Stefan begleitete mich zu Fuß nach Hause, während ich mein Fahrrad schob. Mir war klar, dass er nicht vor meiner Haustüre kehrt machen würde, und ich überlegte hin und her, was ich tun sollte. Ich kam zu keinem Ergebnis.

Und so standen wir vor meiner Haustüre und er umarmte mich. Und diese Umarmung fühlte sich wundervoll an. Stefan war mir fremd, aber er war mir gleichzeitig auch vertraut. Die Tatsache, dass er ein ehemaliger Klassenkamerad war, spielte eine riesige Rolle. Da war viel mehr Vertrauen als ich es zu einem anderen Mann gehabt hätte. „Und jetzt, soll ich gehen?“, fragte er mich. „Ja“, antwortete ich, wenig überzeugt oder überzeugend. Und so umarmten und knutschten wir weiter. Mir ging alles Mögliche im Kopf herum. Stefan gefiel mir. Und wenn ich jetzt auf diesen Abend zurückblicke, dann muss ich sagen, dass ich mich erneut ein wenig in ihn verknallt habe. Er ist nicht einfach nur gutaussehend, er ist einfach ein toller Kerl. Kein Bad Boy. Beziehungsmaterial. Nur leider ist er gebunden.

„Ich will dich jetzt nicht alleine lassen“, meinte er. Es war klar, was er wollte, und obwohl er mich nicht bedrängte, machte er mehr als deutlich, wie er sich entscheiden würde. Männer eben. „Es ist wohl besser, wenn du gehst“, entschied ich. „Die Konstellation ist ungünstig“. Aber Stefan wollte nicht gehen. Und so knutschten wir weitere 5 Minuten rum. „Die Konstellation ist ungünstig, du bist in einer Beziehung, und ich bin frisch getrennt“, wiederholte ich und drehte mich um. Irgendwer musste ja eine Entscheidung treffen. „Nun, wenn du es dir anders überlegst, auf dem Fahrrad hast du mich schnell eingeholt.“

Und so ging er, und ich brachte mein Fahrrad in den Keller. Und ich überlegte. Ich überlegte wahrscheinlich fast eine halbe Stunde lang – bis es wirklich zu spät war. Zwischendurch zog ich mir wieder meine Schuhe an, um ihm nachzulaufen, dann zog ich sie wieder aus. Schließlich sendete ich ihm eine SMS, in der ich mich für meine „blöde Kopfentscheidung“ entschuldigte.

Und dann fantasierte ich, wie er sich ins Auto setzte und doch noch vor meiner Wohnungstüre auftauchte. Es wäre so schön gewesen, mit einem Mann, der mir so vertraut, aber doch fremd genug ist, um das Ganze prickelnd zu machen, zu kuscheln. Ja, ich dachte nicht wirklich an Sex. Ich stellte mir Nähe vor. Nackte Haut auf nackter Haut. Zusammen einschlafen – etwas, was ich mit Ted nie wollte. Ich hatte plötzlich Wünsche, die ich an mir gar nicht mehr kenne. Vertrautheit, Nähe, Wärme… Wenn ich das jetzt tippe, kommen mir die Tränen in die Augen. Ich hatte und habe wirklich das Gefühl, dass ich eine falsche Entscheidung getroffen habe und eine Chance verpasst habe. Gleichzeitig weiß ich, dass ich richtig entschieden habe. Herz(liche Bedürfnisse) gegen Verstand…

Stefan antwortete jedoch erst heute Morgen. Ich gab mich kurz der Fanatsie hin, dass er ja zum „Frühstück“ vorbeischauen konnte, aber als ich das nächste Mal von ihm hörte, war er schon unterwegs zurück nach Österreich.

Und jetzt ist da ein Gefühl der Verwirrung. Meine Entscheidung war richtig. Stefan ist „Beziehungsmaterial“. Ich würde mich so richtig in ihn verlieben. Und wieder so richtig leiden, denn erstens lebt er seit 30 Jahren sehr weit weg von hier, und zweitens ist er eben in einer Beziehung. Ich käme vom Regen in die Traufe. Ich muss ja nicht mit dem Erstbesten ins Bett steigen. Trotzdem, es wäre schön gewesen.

Wir haben entschieden, dass wir unsere Gespräche fortsetzen werden. Wenn er mich wirklich so toll findet, wie er tut, dann wird er eine Möglichkeit finden, es mit mir zu versuchen.

Post vom „Traummann“

In Tagebuch, Ted on 13. Januar 2018 at 13:17

Ich hatte Ted im Messenger auf „ignorieren“ geschaltet, und das führt dazu, dass man keine Benachrichtigungen über eingehende Nachrichten mehr bekommt. Außerdem, oh Wunder, klingelt das Telefon nicht mehr bei Versuchen, mich anzrufen. Genau das wollte ich ja.

Und so fand ich Teds Nachricht gestern erst einige Stunden später (ich kann mich ja nun doch nicht zurückhalten und gucke immer mal wieder, ob er mir geschrieben hat):

„Ann,

ich vermisse, wie sich dein Fuß im Dunkeln unter meinem Bein anfühlt. Ich vermisse, wie Du nackt deine Arme um mich schlingst, wenn ich einschlafe. Es tut so weh, dass du das nicht siehst.

Wir waren ein Traum von mir.

Wenn du gegangen bist, habe ich mich immer wieder nach dir umgedreht und darauf gewartet, dass du mir zuwinkst. Erst dann konnte ich wieder atmen. Ich verstehe nicht, dass du das nicht siehst. So etwas hatte ich noch nie. Ich glaube nicht, dass ich es jemals wieder haben werde. Ich muss lernen, ohne dich zu leben.

Es wird ok sein und es tröstet mich zu wissen, dass wir beide unter demselben Himmel leben.

Ich wünsche dir nur das Beste.

Ted“

 

Natürlich heulte ich, als ich die Nachricht las. Und ich heule jetzt wieder. Aber mir fiel sofort auf, dass es da nur um Ted geht. Letztendlich sagt er, dass er mich liebt, aber dass das nicht reicht, habe ich ihm schon häufig erklärt.

Mir gelang es, die Nachricht beiseite zu legen, aber dann sendete er dieselbe Nachricht auch als E-Mail, die ich sofort bekam. Mein Handy machte „Pling“. Ich nahm mir vor, seine Nachricht in ein paar Tagen zu beantworten. Wir drehen uns im Kreis, was gibt es darauf noch zu sagen?

Aber dann bat er mich, zu antworten, einfach nur zu bestätigen, dass ich die Nachricht bekommen hatte, nur um zu sehen, ob es mir gut ginge. Damit erwischte er mich kalt. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich immer gefühlt habe, wenn er auf meine Nachrichten nicht geantwortet hat. Wie in mir die glühend heiße Panik aufgestiegen ist, die mich erfrieren ließ, bis dann endlich eine Antwort von ihm kam. Also antwortete ich. Kurz. Mit der Ansage, dass ich später detaillierter auf die Nachricht eingehen würde.

Aber damit war das Gedankenkarussel schon in Gang gesetzt worden. Und letztendlich heulte ich dann die nächsten zwei Stunden und schrieb ihm folgende Nachricht. Ich hab dabei extra ein wenig auf die Tränendrüse gedrückt – hat er ja auch gemacht – nur leider hatte das die Folge, dass ich selbst unendlich geweint habe.

„Ted,

ich weiß, dass du mich liebst. Ich habe das gefühlt. Ich liebe dich auch. Und das war das, was unsere Beziehung so besonders gemacht habe. Ich hatte das zuvor noch nie mit einem anderne Mann gespürt. Deshalb ist das alles so tragisch.

Verstehst du eigentlich, worum ich die ganzen Jahre gekämpft habe? Ich bin des Kämpfens so müde. Kämpfen um dich. Damit du verstehst, wer ich bin. Kämpfen gegen mich selbst, meine Ängste. Meine eigenen Bedenken – eine Beziehung mit einem „verheirateten“ Mann?! Kämpfen, damit meine Träume wahr werden. Ich habe immer gekämpft. Ich habe es so satt. Ich bin gescheitert. Ich bin auf so vielen Ebenen so heftig gescheitert und ich bin sauer auf mich selbst. Ich habe das Gefühl, du weißt nicht, wer ich bin, da bin ich also auch gescheitert.
Du sagst, dass wir ein Traum von dir waren. Ja, ich hatte denselben Traum. Aber in dieser Hinsicht sind wir ziemlich unterschiedlich. Ich wache nach einer Weile gerne aus meinem Traum auf und arbeite daran, in real zu werden zu lassen. Und dann beginne ich mit der Arbeit an meinem nächsten Ziel. Ich hatte gehofft, dass wir das zusammen tun können. Ich bin mir nicht sicher, dass du das jemals wolltest. Es war ein Schock für mich, im Dezember zu dieser Erkenntnis zu kommen. Meine Welt ist in sich zusammengebrochen.
Im Moment bin ich völlig hilflos. Ja, auch ich muss lernen, ohne dich zu leben. Ich muss mich von meinem Traum lösen und neue Pläne machen. Ich habe keine Ahnung, wohin es geht. Ich bin so müde. Ich bin körperlich müde, ich könnte den ganzen Tag lang schlafen.
Es ist sinnlos, weiter darüber zu streiten wer was getan hat und wer Schuld ist. Ich liebe dich, ich möchte unsere Freundschaft nicht verlieren. Deshalb möchte ich nicht reden. Ich habe das Gefühl, ich habe alles gesagt, was zu sagen ist:
Du liebst mich, ich liebe dich, aber das reicht nicht aus. Ich möchte mit dem Mann, von dem ich dachte, er wäre der Mann meines Lebens, irgendwann „ankommen“ und mich niederlassen. Ich glaube, dass das normal ist. Du kannst das nicht mit mir machen. Ich muss also neue Pläne schmieden.
Es tut so weh. Es ist so, als würde ich versuchen, unter Wasser zu atmen. Es wird mir irgendwie gelingen, wie immer. Aber ich habe es so satt, zu kämpfen.
Ann

Ich wusste, dass ich schon wieder in Tränen ausbrechen würde, wenn ich das jetzt tippe. Und mein Gesicht muss sich erholen, ich habe heute Abend ein Date mit Stefan!
Was ich geschrieben habe, ist aber genau das, was ich denke. Und als Ted schrieb, wir wären „sein Traum“, da erschien mir das der Leitgedanke durch sein Leben zu sein. Ich glaube nicht, dass er jemals vorhatte, seinen Traum real werden zu lassen. Meine Güte, der Kerl hat mich gebeten, ihn zu heiraten – ohne jeglichen Plan dazu, wie das gehen sollte mit einer Frau und zwei Kindern, von denen er sich nicht lösen will. Der Kerl „betäubt“ sich täglich (nach eigener Aussage) mit Alkohol. Er will gar keine Realität leben. Er will mit dem Traum leben, was sein könnte.
Ted argumentiert in unseren Gesprächen immer wieder, dass ein Mann, der mir vor seinen Kindern Priorität geben würde, ein Arschloch sei. Sehe ich genauso. Nur bedeutet die Tatsache, dass die Kinder Priorität haben, ja nicht, dass er die dazugehörige Frau anlügen muss, man kann doch trotzdem reinen Tisch machen? Ted sieht das anders. Oder dass er mit ihr schlafen muss. Aber das hatten wir ja schon. Er sagt mir auch immer wieder, dass ich vor meiner letzten Ankunft die Chance auf eine Exsklusivbeziehung mit ihm gehabt hätte. Damals hatte er mich – so sagt er, ich erinnere mich nicht richtig – gebeten, Delilah zu erzählen, dass wir gerade erst zusammen gekommen wären, also die letzten Jahre nie Sex hatten. Ich erinnere mich vage an so ein Gespräch, ich weiß auch, dass ich angesichts der Unglaubwürdigkeit dieser Lüge darüber gelacht habe. Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass das bedeutet hätte, dass Ted und ich eine „offizielle“ Beziehung hätten führen können. Ich glaube, ich habe mich damals so über seine Bitte, so dumm zu lügen, aufgeregt, dass wir zu dem Teil gar nicht gekommen sind.
Ja, was wir hatten war intensiver als alle Beziehungen, die ich vorher hatte. Ich habe wirklich mehr Liebe und Hingebung gespürt als jemals zuvor. Und ich habe auch mehr Liebe und Hingebung zeigen dürfen als zuvor. Ich habe viel gelernt. Meine Panik ist weg. Ich habe gelernt, dass ich liebenswert bin. Und ich habe gelernt, für meine Wünsche einzustehen. Jetzt ist Zeit, die neue Ann zu leben.

Zufall? Hammer! Ich bin unschuldig!!!

In Sex, Tagebuch on 11. Januar 2018 at 23:15

Ich hab ja heute Morgen schon recht verwundert auf meinen Sextraum reagiert. Mittlerweile ist noch etwas passiert, und ich wundere mich erneut über meine Reaktion.

Ich bin wirklich völlig unschuldig. Ich bin absolut still gewesen und habe überhaupt keinen Mucks von mir gegeben. Schon gar nicht irgendwelchen paarungswilligen Männern gegenüber. Und dennoch…

Ich war noch nicht ne Stunde von Ted getrennt, da meldete sich eine alte Jugendliebe von mir. Stefan. Ich war in ihn verknallt, als ich etwa 15 war. Er war damals neu in unsere Klasse gekommen und alle Mädchen fanden ihn toll. Ich habe keine Ahnung, welche von uns er letztendlich auswählte, oder ob er das überhaupt tat, mich auf jeden Fall nicht. Ich war damals das Mauerblümchen schlechthin, ich glaube kaum, dass er mich überhaupt wahrgenomen hat. Auf Facebook dann hatten wir uns vor ein paar Jahren über andere gemeinsame Bekannte als ehemalige Klassenkameraden wiedergefunden, er ist heute Fotograf, ich fotografiere, und so machten wir ab und zu Bemerkungen zu unseren Bildern. Einmal alle zwei Monate oder so. Stefan weiß nichts von Ted, weiß nicht, ob ich in einer Beziehung bin oder getrennt, er weiß halt das, was man auf Facebook so von mir sieht: Florida-Fotos und den einen oder anderen Kommentar zu Mister Trump. Ab und zu ein Foto meines Katers. Und wenns im Leben ganz frustig wird auch schon mal einen privaten Kommentar, den ich aber innerhalb von 24 Stunden meist wieder lösche. Gesehen – so in echt – haben wir uns das letzte Mal wahrscheinlich 1984 bei der Abifeier…  Nun, wie der Zufall es will, ist Stefan gerade in Köln – eigentlich lebt er in Österreich. Und er fragte mich, ob ich diese Woche Lust habe, ihn auf einen Drink zu treffen. Klar. Wir treffen uns Samstag.

Ich habe also am Samstag ein Date mit einem Kerl, in den ich mal verknallt war.

Nun ja. Und heute sitze ich ahnungslos vor dem Rechner, da macht es Pling. „Hallo, hier ist Jürgen, nicht erschrecken, ich habe eine neue Handynummer, wie geht es dir?“ „Mit welchem Jürgen spreche ich denn?“, fragte ich nach, denn ich kenne 3 Jürgens: meinen Steuerberater – der wahrscheinlich Geld von mir will, einen alten Bekannten aus der BDSM-Szene, der mir lästiger Weise immer ein wenig nachgelaufen ist, und Jürgen, den Ex-Kampfflieger. Wir texteten ein wenig, mein Herzklopfen bestätigte sich, und jetzt bin ich mit dem Ex-Piloten für nächsten Donnerstag verabredet.

Ok, er ist wahrscheinlich immer noch verheiratet, und habe ich nicht gestern oder vorgestern gesagt, das ich mich in die Klapse einweisen lasse, wenn ich mich noch mal mit einem liierten Kerl einlasse? Jürgen war ähnliche wie Ted damals heftig in mich verschossen, und die Trennung damals passierte nicht, weil er mich nicht mehr wollte, sondern weil ihn seine Frau zurückgepfiffen hatte. Die Anziehung zwischen uns war aber weiterhin da. Ich hatte ihn nach Ende der Beziehung noch 2 oder 3 Mal getroffen, es war uns beiden schwer gefallen, die Finger voneinander zu lassen, da wir uns gegenseitig zum Anbeißen fanden, aber irgendwann verblaßte die Erinnerung, und dann kamen Luis und Ted. Und jetzt kribbelt es. Wenn sich da nicht irgendwas Großes getan hat, dann treffen wir uns am Donnerstag nicht einfach nur auf ein Glas Wein. Dazu sind wir gar nicht in der Lage. Und so ausgehungert, wie ich mir von jetzt auf gleich vorkomme, werde ich auch nicht die Finger von ihm lassen, wenn er mich über seinen Waschbrettbauch streicheln lässt. Falls er noch einen hat.

Vor ein paar Tagen noch habe ich Ted mit völliger Überzeugung und absolut ehrlich gesagt, dass ich an anderen Männern kein Interesse habe und auch nicht weiß, ob dieses Interesse jemals zurückkommt. Dass ich absolut null Bock auf Sex habe. Und kurz darauf habe ich 2 Sexträume und denke im Anschluss sabbernd an Jürgens flirtigen Wortwitz, den Spaß, den wir immer hatten, den anbetungswürdigen Waschbrettbauch und den berauschenden Sex.

Jetzt muss ich nur aufpassen, dass ich nicht wieder in dieselbe Falle tappe: Ich darf mich nicht verlieben. nicht schon wieder ein verheirateter Mann…

Wie kann das sein. Die Frigide Ann – mit einem großen „F“ – verwandelt sich innerhalb von Stunden nach der Trennung zurück in die sexgeile Ann. Was hat Ted mit mir gemacht?

Schluss

In Tagebuch, Ted on 9. Januar 2018 at 01:07

Mal wieder gibt es einen Eintrag mit dem Titel „Schluss“. Ich kann mich noch an den zu Luis erinnern. Nun ja…

Ich hab so viel geheult, ich kann kaum aus den Augen schauen. Ted hat sich vorgestern Abend mit einem Bild von uns zweien und „Good night“ gemeldet, gestern hat er dann angerufen, es ist mir gelungen, den Anruf zu ignorieren. Heute Morgen war dann aber Schluss mit der Disziplin. Ich bat ihn, mich anzurufen und das tat er dann auch eine halbe Stunde später.

Ich fragte ihn, ob wir einfach nur Freunde sein könnten. Auf seine Nachfrage hin bestätigte ich, dass ich Schluss machen wollte. Ted wollte wissen, ob ich beabsichtige, mich mit einem anderen Mann einzulassen, und allein diese Frage macht mich wütend. Sie zeigt, dass er überhaupt nicht versteht, dass ich nicht wegen einer anderen Person Schluss mache, sondern aufgrund der aktuellen Entwicklungen und all unserer Probleme. Aber das Schema kennen wir ja schon.

Ich fragte ihn, welche Zukunft er sich für uns vorstellte, aber er konnte nichts anderes sagen als dass er „great things“ für uns geplant hatte. Das erinnerte mich sehr an Trump. Der spricht auch immer nur von großartigen Dingen und ist selten konkret. Auf die Frage, wie er sich denn eine Ehe mit mir vorgestellt hatte, nachdem er mich so häufig gefragt hat, ob ich ihn heiraten würde, konnte oder wollte er ebenfalls nicht antworten. Er wiederholte immer nur, dass ich ihm doch lange gesagt hätte, dass die Situation mit Delilah für mich ok sei und dass er sich keiner Schuld bewusst wäre.

Und vielleicht ist da was dran. Ich erinnere mich doch selbst daran, dass ich immer wieder gesagt habe, die Situation sei ideal. Ich bin so verwirrt von all unseren Streits, dass ich nicht weiß, ob ich sein ungeklärtes Verhältnis mit Delilah nicht nur vorschiebe, um Schluss machen zu können. Kann schon sein, denn neben Delialh haben wir ja noch ganz viele andere Baustellen. Der Alkohol, seine Eifersucht. Die ständigen Kontrollanrufe. Und wenn ich ehrlich mit mir bin: Selbst wenn seine Unentschlossenheit Delilah gegenüber nicht wirklich ein Trennungsgrund für mich wäre, so ist die Art und Weise, in der er sie behandelt, in der er über ihren Kopf hinweg entscheidet, was richtig für sie ist, doch unter aller Sau. Er argumentiert tatsächlich, dass er Delilah nicht von mir erzählen möchte, damit sie nicht den Glauben an die Männer verliert. Damit sie nicht glaubt, alle Männer seien Arschlöcher. Er bringt das mit so viel Überzeugung vor, dass ich glaube, dass er das selbst glaubt. Sehr edelmütig. Aber tatsächlich geht es doch nur darum, dass er nicht selbst als Arschloch dasteht.

Wir mussten unsere Telefongespräch heute Morgen vertagen, und so sprachen wir heute Abend weiter. In der Zwischenzeit war ich bei Karin gewesen und sie hatte mir gesagt, ich sollte ihm ein Ultimatum stellen: Entweder er schenkt Delilah bis April reinen Wein an und kümmert sich um seinen Alkoholismus, oder ich muss mich trennen. Ich wusste ja schon, wie das ausgehen würde. Aber ich stellte ihm die Frage trotzdem. Er lehnte ab. Aus „Respekt mir gegenüber“, wie er sagte. Erst verstand ich nicht, was er meinte, da erklärte er, er könnte mich ja auch anlügen. Ist es ein Zeichen von Respekt, wenn jemand nicht lügt? Ted hat wirklich eine seltsame Einstellung zu Lüge und Wahrheit.

Wie so häufig schon hat er sich damit klar gegen mich entschieden. Es war ein erneuter Tritt in den Bauch – den ich offensichtlich schon wieder nötig hatte. Ted stellte es zwar so dar, als sei es allein meine Entscheidung, aber eine Entscheidung für Delilah ist eine Entscheidung gegen mich, so einfach ist das. Ich glaube allerdings, dass Ted tatsächlich Recht hat und dass er nichts entscheidet. Er sitzt die Dinge aus. „It will work itself out“ – erneut. Er muss gar keine Entscheidung treffen, in diesem Fall treffen die Frauen (oder genauer, ich) die Entscheidung für ihn. Wie dem auch sei, er will nicht wahrhaben, dass er sich damit gegen mich entscheidet. Und immer wieder behauptet er, dass er sich nicht für Delilah, sondern für seinen Sohn entscheidet. Ich glaube das einfach nicht. Und ich glaube auch nicht, dass er das selbst glaubt. Ginge es nur um seinen Sohn, könnte er dennoch Klartext mit Delilah reden.

Aber I’m done fighting. Ich habe es so satt, um ihn zu kämpfen. Gegen Delilah, gegen den Alkohol. Für meine Glaubwürdigkeit. Ted versteht nicht, dass es mir nicht darum geht, frei für andere Männer zu sein. Er wurde böse und wünschte mir Glück mit dem nächsten verheirateten Arschloch. Ich glaube nicht, dass der nächste Mann, falls es einen geben wird, verheiratet oder sonstwie liiert sein wird. Lasse ich mich wieder auf so einen Kerl ein, muss ich mich wohl stationär einweisen lassen. Wer aus dem Scheiß mit Luis und Ted nichts gelernt hat, der hat wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Ich habe Ted gesagt, dass ich keine Anrufe mehr möchte. Dass er mich jetzt erst Mal allein lassen soll. Er hat letztendlich zugestimmt, mein Freund bleiben zu wollen. Ob das klappt, ist fraglich. Ted glaubt nicht daran, dass Mann und Frau ohne Sex befreundet sein können. Alles dreht sich nur um Sex bei ihm. Aber vielleicht ist das typisch Mann, Karin meint das auf jeden Fall.

Nachdem er zugestimmt hatte, mich vorerst in Ruhe zu lassen, rief er mich 15 Minuten später wieder an. Ich sagte ihm ruhig, dass ich nicht mit ihm sprechen wollte und sendete noch eine Textnachricht hinterher. Seitdem kamen drei Nachrichten. Er wäre bereit, mein Freund zu sein. Und er wünschte mir eine gute Nacht. Mal sehen, wie es weitergeht.

Ich muss einen Sport daraus machen, abstinent von Ted zu bleiben. Es tut mir nicht gut, seine Stimme zu hören. Es lässt Hoffnungen und Erinnerungen in mir wachsen, und dann werde ich doch nur wieder enttäuscht.

Ich fühle mich völlig erschöpft. Ich habe so viel geheult. Ich werde meinen Frust morgen beim BodyCombat und danach beim BodyPump – also beim Sport – ausleben. Das funktioniert immer. Im Moment ist mir schwindelig vor Erschöpfung.

Dickes Loch im Herz

In Tagebuch, Ted on 6. Januar 2018 at 14:50

Nachdem die letzten Tage zwischen Ted und mir alles so weitergegangen ist wie immer, habe ich heute Morgen den nächsten Schritt gemacht. Ich habe ihm gesagt (per Facebook-Messenger), dass ich Distanz brauche, dass er mich nicht mehr kontaktieren soll, und dass ich mich melde, wenn ich soweit bin.

Die letzten Tage liefen ab, als wäre nichts passiert. Er meldete sich rund um den Sonnenaufgang, den er mit seinen Saufkupanen in einer verrauchten Bar an einem anderen Pier verbrachte. Dann kamen im Laufe des Tages weitere Anrufe, immer ohne wirklichen Inhalt, oft endeten sie im Streit.

Gestern Abend war es typisch: Er rief gegen 7 an, als ich gerade in der Wanne saß, und hatte wohl eben das Haus verlassen, saß im Auto. Er konnte sich nicht aufs Gespräch konzentrieren, da er erst mal von seiner Straße auf eine stark befahrene andere Straße abbiegen musste. 2 Minuten Gesprächspause. Ich kenn das schon, das macht er fast immer. Wir fingen also an zu reden, ich erzählte ihm von meinem Nachmittag mit Karin, aber er unterbrach mich nach 3 Minuten. Er müsse gerade Luft in seinen Reifen pumpen, ob er mich gleich noch mal anrufen könne. Ok. Ich hüpfte in Windeseile aus der Wanne, um bei seinem nächsten Anruf trocken, eingecremt und angezogen zu sein und setzte mich auf die Couch. Ich musste nicht lange warten, da klingelte das Telefon. Ich hatte schon überlegt, nicht mehr ranzugehen. „Wo waren wir?“, fragte er, aber ich hatte das bis dahin vergessen. Also redeten wir über irgendwas anderes Belangloses, aber nach weiteren 3 Minuten unterbrach er das Gespräch erneut. Ob er mich später noch mal anrufen könne, fragte er.

Da wurde ich ein wenig unwirsch. Wozu? Ja, es wäre doch schön, miteinander zu reden. Ja klar. Aber richtig zu sagen haben wir uns im Moment nichts, und die meisten Gespräche enden eh im Streit, da ich sauer bin, dass er mich hat glauben lassen, wir würden auf eine gemeinsame Zukunft hinarbeiten können. Er verteidigt sich dann natürlich. Ich weiß nicht, ob er sich nicht bewusst ist, dass er mich mit seinen Anrufen immer wieder bei irgendwas unterbricht. Beim Baden, Lesen, Fernsehen, Arbeiten, Telefonieren, Essen… Er selbst kann es ja umgekehrt nicht so empfinden, da ich ihn ja praktisch nie anrufe. Ich sende ihm eine Nachricht und er reagiert dann, wann es ihm passt. Also sagte ich ihm, dass ich nicht unbedingt später noch mal telefonieren wollte. Wir einigten uns darauf, dass er mir später eine Nachricht schickt und ich dann schaue, ob ich mit ihm telefonieren will.

Nun, die Nachricht kam gegen 1 Uhr nachts und da hatte ich keine Lust. Im weiteren Verlauf des Abends kamen 7 weitere Nachrichten, unter anderem sagte er mir, dass er mich liebt und dass er mich heute später anrufen würde, da er bis nach 1 Uhr nachts babygesittet hätte. Ich reagierte nicht.

Heute Morgen dann aber fasste ich mir ein Herz und schrieb ihm Folgendes:

„Ich liebe dich auch, aber ich brauche etwas Abstand. Ich weiß nicht, ob du verstehst, wie ich mich fühle. Ich muss mein Leben und meine Zukunft neu überdenken, ich fühle mich völlig verloren. Im Moment versuche ich nur, Gründe zu finden, dir die Schuld zuzuschieben, und das macht unsere Freundschaft kaputt und macht meinen Schmerz auch nicht kleiner. Gib mir bitte etwas Zeit, bis ich mich besser fühle. Ich werde dir eine Nachricht schicken, wenn ich bereit bin.“

Er hat mittlerweile mit „Ich verstehe“ reagiert.

Naja, und ich sitze hier und heule. Was habe ich erwartet? Er hat mir klipp und klar gesagt, wie er seine Zukunft sieht: Mit Delilah und den Kids in einem Haus. Mit mir als Frau, die vielleicht die Nummer 1 in seinem Herz ist, aber immer verzichten muss, da die andere Vorrang hat. Das geht einfach nicht mehr. Natürlich hoffe ich immer weiter auf ein Wunder, aber was soll das sein? Dass er plötzlich entscheidet, auszuziehen und eine Entziehungskur macht? Wenn überhaupt, wird das nicht plötzlich geschehen.


Und während ich das hier getippt habe, rief er an. Ich hatte unser Gespräch im Mesenger auf „stumm“ geschaltet, aber offensichtlich bedeutet das nicht, dass ich seine Anrufe nicht höre. Ich bin rangegangen, und wir haben erneut über alles gesprochen. So überflüssig, so schmerzhaft. Er war sehr lieb, versuchte mir erneut zu erklären, dass er nur für seine Kinder so handelt, während ich ihm dann erklärte, dass er nicht mit Delilah schlafen und sie auch nicht anlügen müsste, würde es nur um seine Kinder gehen. Er erklärte, er hätte gedacht, es sei „erlaubt“ gewesen. Dass etwas „erlaubt“ ist (selbst wenn es so wäre) erklärt ja nicht, warum man es macht, oder?  Und so weiter. Wir drehten uns im Kreis, aber wir stritten uns nicht. Letztendlich bat ich ihn, nicht mehr anzurufen, und er stimmte zu. Sein letzter Satz war „Would you keep me close?“, ich antworte mit „Ehrlich gesagt versuche ich, genau das nicht zu tun“.

Es tut so scheiße weh. Ich muss in ner 3/4 Stunde los zum Sport, und jetzt bin ich völlig verheult. Ich fühle mich so einsam, mit einem dicken Loch im Herz.

 

 

Ich muss gehen, weil für mich kein Platz in seiner Zukunft ist

In Tagebuch, Ted on 4. Januar 2018 at 17:10

In Florida herrscht Winter, und so rief Ted heute später an als sonst. Er war an einem anderen Pier, dort, wo er in einer verrauchten Kneipe alte Pier-Veteranen (alles Alkis) zum Frühstücksbier traf.

Wieder tat er so, als wäre alles beim Alten. Mitten im Gespräch meinte er dann, er würde mich vermissen. Und das nahm ich zum Anlass, ihm meine Meinung zum Vermissen zu sagen: „Ich vermisse uns auch. Ich vermisse meinen Traum. Aber der ist zerplatzt.“

Wir haben nicht gestritten. Ich habe Ted klar gesagt, dass ich keinen Platz für mich in diesem Dreier- oder gar Vierergeflecht sehe. Um mir eine Zukunft vorstellen zu können, muss er mir Platz einräumen. Ich muss sehen, dass er sowohl Delilah als auch den Alkohol verabschiedet. Er kam, wie immer, mit dem Argument, dass er nur mich lieben würde, aber das ist mir nicht genug. Ich sagte ihm klar, dass ich nicht glaube, dass er Delilah in absehbarer Zeit sagen würde, dass wir eine normale Beziehung (mit Sex) haben, und so lange Delilah nicht Bescheid weiß müssen wir uns nach ihr richten. Und dann haben wir eine Dreierbeziehung und keine Paarbeziehung. Ich weiß, dass sie als Mutter seiner Kinder immer eine Rolle in seinem Leben spielen wird. Aber so lange sie nicht weiß, dass ich die „Hauptfreundin“ bin (wie er es mich gerne glauben lässt), wird sie sich als Hauptfreundin fühlen. Und zwei davon kann es nun mal nicht geben.

Als ich ihn klipp und klar fragte, wann er glauben würde, dass Delilah auszieht, konnte er mir die Frage nicht beantworten. Ich glaube auch nicht, dass es eine Antwort darauf gibt. Ich sagte ihm, dass ich mit Anfang 50 einfach zu alt bin, um langfristige Geliebte zu sein, dass ich endlich ankommen will. Und dass ich mehr wert bin, als einfach nur die Geliebte eines Mannes zu sein. Er stimmte zu. Er war überhaupt ziemlich kleinlaut und „geschmeidig“.

Er argumentierte erneut, dass ich ja meine Einstellung geändert hätte. Ich wäre doch zu Beginn mit Delilah einverstanden gewesen. Die Bedingungen wären anders gewesen. Ja. Anfangs. Aber spätestens mit der Frage, ob ich ihn heiraten würde (und das war im Sommer 2014) hat er angedeutet, dass er eine langfristige Zukunft mit mir als Ehefrau anstrebt. Ich glaub(t)e nicht, dass er sich eine Ehe wünschte, in der er mit Delilah zusammen wohnt und ich geheimgehalten werde. Er hat mich immer deutlicher spüren lassen, dass wir eines Tages ein normales Paar sein würden, aber wenn man sich die aktuellen Entwicklungen anschaut, dann sind wir da nicht besonders weit gekommen. Ted behauptet nach wie vor, dass wir ein Paar wären, wenn es die Kinder nicht gäbe, ich werfe ihm dann ständig vor, dass er der Kinder wegen nicht mit Delilah hätte schlafen müssen. Und er lügt Delilah auch nicht der Kinder wegen an.

Ich glaube, Ted ist ein Träumer. Er wünscht sich vielleicht wirklich eine exklusive Paarbeziehung mit mir. Aber er meint, in den Umständen gefangen zu sein und nichts ändern zu können. Dabei hat sich so vieles schon geändert. Ich fände, so wie es heute aussieht, wäre es relativ einfach, den endgültigen Schritt weg von Delilah zu machen. Aber er ist nicht bereit dazu. Er meint, er könne sich keine zwei Haushalte leisten, wenn Delilah auszieht. Ich denke, das könnte man arrangieren. Das Geld sollte nicht der einzige Grund sein, aus dem er nicht mit mir zusammen sein kann. Ich glaube, er traut mir nicht. Er glaubt nicht, dass er mich „ewig“ an sich binden kann. Das hat wenig mit mir als Person zu tun. Ich glaube, er ist sich sicher, dass Delialh der Kinder wegen bei ihm bleibt, und so entscheidet er sich für sie und nicht für mich. Ich bin ihm zu selbstständig. Das aber ist natürlich nur meine Sichtweise.

Ted wirft mir auch ständig vor, ich hätte ihm im Juni doch noch gesagt, ich würde wollen, dass in den nächsten 10 Jahren alles so bleibt, wie es ist. Ich hatte ihm ja einen Brief mit meiner 10-Jahres-Planung geschrieben. Aber er hat ihn falsch in Erinnerung. Ich habe nie geschrieben, dass ich möchte, dass in den nächsten 10 Jahren alles so bleibt. Ich habe viel mehr geschrieben: „Für die nächsten zehn Jahre oder so so lange meine Eltern noch leben: Ich möchte meinen Job weiter so machen wie bisher. Ich möchte weiter reisen. Ich möchte mehr Zeit mit Dir hier in Florida verbringen, aber das ist zurzeit einfach nicht machbar.“ Ted sagte auch heute wieder, dass er daraus gefolgt hatte, dass ich das Geliebten-Verhältnis mit ihm, so wie es ist, aufrechterhalten möchte. Welche Geliebte, die halbwegs bei Verstand ist, fordert ihren Lover auf, bei seiner Ehefrau zu bleiben? Wenn ich ihn das frage, kommt er mir mit meiner Vergangenheit: Ich hätte doch in offenen Beziehungen gelebt, wäre in Swingerclubs gegangen, da wäre ihm das plausibel erschienen. Das tut weh.

Im Gespräch wurde auch klar, dass Ted wohl einfach nicht mit der Fernbeziehung klarkommt. Er fühlt sich alleingelassen, wenn ich nicht da bin. Ich kann das nachvollziehen, aber ich kann doch nichts daran ändern. Um länger in den USA bleiben zu können, müsste er mich heiraten. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Und da er sich alleingelassen fühlt, möchte er sich nicht von Delilah trennen – das hat er so nicht gesagt, das interpretiere ich jetzt hinein. Meine Reaktion: „Wenn Du mit meiner Abwesenheit nicht klarkommst, dann ist eine Fernbeziehung wohl nichts für dich.“

Ted wollte wissen, ob ich seit meiner Rückkehr schon Kontakt zu Mete gehabt hatte. Unser ewiges Streitthema. Er glaubt, ich hätte eine Affäre mit ihm. Nein, Mete hat mir ein frohes Neues Jahr gewünscht. Ich habe in den letzten 3 Monaten maximal 3 Mal kurz mit ihm getextet. Keine Ahnung, warum Ted so fixiert auf ihn ist. Für ihn wäre es sicher eine gute Erklärung dafür gewesen, dass ich mich von ihm trennen will. Ted hätte es auch gerne, dass ich ihm sage, wenn ich einen neuen Mann kennen lerne. Und so erklärte ich Ted erneut, dass es nicht darum geht, dass ich einen anderen hätte oder andere Männer wollte. Wenn ich keinen neuen Mann will, warum sollten wir uns dann trennen, fragte mich Ted. Keine falsche Frage. Genau dieses Argument hatte ich für mich selbst ja auch in den letzten Monaten: Wenn ich eh keinen anderen will, kann ich ja auch bei Ted bleiben.

Aber das funktioniert eben nicht. Ich bin unglüclich. Ich fühle mich eingesperrt. Ich fühle mich von ihm ständig kontrolliert. So Dinge wie an Neujahr, als er mich fragte, ob ich in der Silvesternacht allein ins Bett gegangen sei, gehen mir furchtbar auf den Senkel. Sehr häufig glaube ich, dass er gar nicht anruft, weil er mich vermisst, sondern nur deshalb, weil er mich kontrollieren will. Ich habe es satt, ständig seine Kontrollfragen zu beantworten. Jeden Abend gegen Mitternacht ruft er an, um mir eine gute Nacht zu wünschen, und er kann sich nicht verkneifen zu fragen, was ich dann noch „vorhabe“. Ja was schon, ins Bett gehen. Allein. Meine Bemühungen, sein Vertrauen zu gewinnen, sind gescheitert. Waren wohl von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da er weiß, dass man ihm auch nicht vertrauen kann.

Und jetzt? Ich weiß nicht, ob Ted verstanden hat, dass ich Schluss machen will. Ich liebe ihn, und ich glaube ihm wenn er sagt, dass er mich auch liebt. Aber er kann nicht aus seiner Welt raus, will es auch nicht. Oder anders ausgedrückt, er liebt mich nicht genug, um seine Welt zu verlassen und den Traum mit mir zu leben.

Es tut weh. Ted ist mein bester Freund. Jemand, mit dem ich mehrfach am Tag telefeoniere. Dem ich meine intimsten Gedanken anvertraue. Ok, in den letzten Tagen habe ich ihm nicht mehr viel anvertraut, aber dennoch, er hat mich jetzt 4 Jahre lang begleitet. Ich habe große Träume rund um eine Beziehung mit ihm gehabt. Er war lange Zeit „meine Welt“.

Ich sitze hier und warte auf einen Anruf von ihm, der wohl nicht kommen wird. Und es wäre unklug von mir, ihn anzurufen. Erstens ist er mittlerweile wahrscheinlich zu Hause bei Delilah, und zweitens muss er sich die Dinge, die ich ihm gesagt habe, durch den Kopf gehen lassen. Ganz so neu kann es ihm nicht sein, denn wir haben uns in den letzten 2 Wochen ja auschließlich über diese Sachen unterhalten. Aber so klar habe ich ihm noch nie gesagt, dass

ich gehen muss, weil  für mich kein Platz in seiner Zukunft ist.

Ich fühle mich einsam gerade. Ich denke, mein Florida-Konstrukt (mit 3 Monate hier und 3 Monate dort) hat auch nur wegen Ted funktioniert. Im April fahre ich noch mal, ist ja alles schon gebucht, aber möglicherweise war es dann wirklich das letzte Mal.