Ohne Panik

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Angeblich (!)

In Tagebuch on 22. August 2017 at 23:14

Nachdem ich gegen 10 Uhr immer noch nichts von Ted gehört habe, habe ich ihm eine Nachricht geschrieben. Ich fragte ihn, ob es einen Grund gäbe, dass er nicht wie versprochen zurückgerufen hatte oder ob er mich einfach vergessen hätte. Die Antwort war typisch Ted: „Ich habe nichts versprochen“. Jaja, er hatte nicht gesagt „ich verspreche, dich in 45 Minuten zurückzurufen“. Dennoch hatte er explizit „45 Minuten“ und nicht „nachher“ oder „später mal“ gesagt. Aber egal, so schlimm war das ja nicht. Ich wollte kein Theater machen. „Du weißt nicht, mit wem du es zu tun hast“, meinte er. Das sagt Ted immer, wenn er mir erklären möchte, dass er mich niemals vergessen würde, aber ob es das wirklich bedeutete, weiß ich natürlich nicht. „Also?“, schickte ich ihm zurück. Die Antwort kam eine Stunde später: „Ich habe keine Zeit dafür“. Verstand ich nicht, und das sagte ich ihm. Keine Antwort.

Und da ging dann meine Fantasie wieder mit mir durch. Hatte ihm wieder irgendwer irgendeinen Mist über mich erzählt? Oder meinte er gar etwas völlig anderes? Er redet oft völlig ohne Kontext, es ist schon vorgekommen, dass er in solchen Situationen meinte, er hätte keinen Bock auf das, was er gerade in den USA tat. Also rief ich ihn an. Ted hatte mir gesagt, ich könne ihn immer, wirklich immer anrufen. Also auch zu Hause, wenn Delilah da ist. Ich hatte das bisher nie gemacht, einfach weil ich es nicht herausfordern wollte. Jetzt tat ich es.

Aber statt Ted ging Delilah an den Apparat. Sie hat, meines Erachtens, einen hässlichen, schroffen irischen Akzent, ich habe ihn schon oft gehört, wenn Ted mit ihr telefoniert hat. Sie klingt ein wenig asi, finde ich. Ich würde ihn immer erkennen  – auch wenn ich sie nicht kenne. Ich wusste erst nicht, was ich machen sollte, einfach auflegen wäre doof gewesen, sie sah ja, dass ich aus Deutschland anrief. „Wer ist denn da?“, fragte ich, wohl wissend dass es Delilah war. „Mit wem spreche ich denn?“, antwortete sie, so wie ich es auch getan hätte. „Ich habe mich wohl verwählt, ich wollte Ted sprechen“, erklärte ich. „Oh“, sagte sie, „hier ist Delilah.“ Wir tauschten tatsächlich kurz Nettigkeiten aus, so wie es sich gehört, wobei es mir entfallen ist, ob ich meinen Namen gesagt habe oder nicht. Wahrscheinlich habe ich das. „Ted schläft gerade“, meinte sie, „ich sag ihm, dass du angerufen hast.“ Ich wünschte ihr noch einen schönen Tag und legte auf.

Ich hab erst mal 5 Minuten reglos auf der Couch gesessen. Und jetzt ist mir schlecht. Da ist das Biest tatsächlich an Teds Telefon gegangen. Etwas, was man nicht tut, was Ted auch nicht möchte, das weiß ich. Zumindest bei mir. Aber wer weiß, was wirklich bei denen abgeht. Jetzt im Nachhinein könnte ich mich in den Hintern beißen, dass ich sie nicht einfach völlig locker gefragt habe, wie es Ted geht oder so. Völlig cool als wäre nichts. Aber ich war so nervös, das ich regelrecht stotterte, und man muss mir meinen deutschen Akzent deutlich angehört haben. Das passiert mir leider immer, wenn ich so kalt erwischt werde. Praktisch, wenn mich die Polizei beim Speeden erwischt (die arme Touristin), aber wenn ich meinen Akzent verbergen will, ist es eher doof.

Das war meine erste direkte Kommunikation mit Delilah. Angeblich (!) sind Ted und sie ja getrennt. Angeblich (!) weiß sie ja von mir. Angeblich (!) hat Ted sogar seiner Mutter letztens von mir erzählt, die sich wohl sogar noch an mich erinnert, wir waren uns vor 3 Jahren oder so mal am Pier begegnet. Angeblich (!) müsste also alles in Ordnung sein. Angeblich (!)

Nun, ich glaube es nicht. Wenn ich es glauben würde, wäre ich jetzt nicht so durch den Wind.

Mein erster Impuls war, Ted eine Nachricht zu schicken und ihm zu sagen, dass Delilah ans Telefon gegangen ist, aber dann fiel mir ein, dass Delilah ja Teds Telefon hatte. Die Nachricht hätte sie ja gesehen. Also habe ich gar nichts gemacht.

Tja, obwohl ich so schockiert war über Delilah am Telefon bin ich jetzt regelrecht froh. Jetzt wird sich zeigen, ob Ted wirklich die Wahrheit gesagt hat oder ob es so ist, wie es auch bei Luis war: Ich vermute, es ist ein einseitiges Übereinkommen, von dem nur Ted weiß bzw. überzeugt ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Anruf zu einer Diskussion bei beiden führen wird. Ob Ted mir darüber (wahrheitsgemäß) berichten wird, steht in den Sternen. Aber auf jeden Fall wird da etwas ins Rollen kommen. Meine Güte was bin ich froh, dass meine Angst weg ist. Die Situation hätte mich vor einem Jahr noch ans Äußerste gebracht.

Spannend ist es aber trotzdem.

Gedankenverschwendung

In Tagebuch on 22. August 2017 at 17:54

Ich habe wenig zu tun, also bin ich auf einen längeren Spaziergang gegangen. Man soll ja täglich 10.000 Schritte gehen. Das schaffe ich nie, da ich zu Hause arbeite und im Zweifel gar nicht vor die Tür muss, aber heute habe ich schon 6.000 geschafft. Ich sitze auf einer Parkbank und schaue auf einen See.  

Mir geht es immer noch ganz gut. Ted rief heute um halb 1 an und wollte Telefonsex. Ich hab dazu eigentlich selten bis nie Lust. Ich rede nicht beim Sex und finde alle Worte blöd bis abtörnend. Dazu kommt noch, dass mein Verhältnis zu Ted trotz zeitweiligem Frieden nicht gerade „geil“ ist. Im Moment könnte ich ganz auf Sex verzichten. Also hab ich Ted abgewimmelt. Ich hab gelogen, hab ihm gesagt, ich müsste arbeiten. Er versprach, in 45 Minuten noch mal anzurufen. 

Nun ja, das ist jetzt 5 Stunden her. Wenn ich etwas nicht leiden kann sind es derartige Versprechen die nicht eingehalten werden. Früher hätte ich Panik bekommen. Heute werde ich sauer. 

Das ist eine  „besseres“ Gefühl, dennoch muss ich zugeben, dass ich diesen Spaziergang bisher damit verschwendet habe, sauer zu sein. Ich habe im Kopf zickige Nachrichten an ihn verfasst. Mir vorgenommen, einen möglichen Anruf jetzt nicht mehr anzunehmen. 

Dabei will ich doch, dass Ted sich von mir löst und Dinge alleine macht. Er hätte eh nichts zu sagen (bzw. „nothing“)  und ist zurzeit wahrscheinlich sowieso Golf spielen. Wenn ich wirklich frei sein will, dann muss ich die Wut abschütteln. Sie hilft niemandem, verschwendet Zeit und Energie und macht die Beziehung zu Ted auch nicht einfacher. 

Also habe ich mir vorgenommen, meine Gedanken und Gefühle nicht mehr mit dem vergessenen Versprechen zu verschwenden. 

Das wollte ich nur kurz in diesem Beitrag niederschreiben, sodass ich mich jetzt der Natur widmen kann. 

Schönen Abend noch. 

Ted zu Trump – und meine Meinung dazu

In Tagebuch, Ted, Trump on 19. August 2017 at 23:34

Daryl Cagle / politicalcartoons.com

 

Ted und ich meiden das Thema amerikanische Politik wie die Pest. Wir haben schon genügend Probleme, da müssen wir unseren Umgang miteinander durch die schwierigen politischen Diskussionen nicht noch verstärken. Dennoch habe ich mich in den letzten Tagen gefragt, wie Ted auf das reagiert, was in Charlottesville passiert ist. Wie kann man dieses – meines Erachtens – dement-senile, in jedem Fall jedoch unzurechnungsfähig dumme Verhalten des Herrn Trump noch irgendwie unterstützen?

Und so habe ich versucht, so zu tun, als sei ich auf Ted Seite, um zu erfahren, wie er so drauf ist. Der erste Kommentar zu Trumps Aussage, dass alle Seiten böse waren, war „Die Fake-Medien übertreiben“. Nun ja. Mag ja sein, aber Trump hat gesagt, was er gesagt hat, da musste kein Medienkanal übertreiben. Aber auch mein nächster Versuch scheiterte. Laut Ted ginge es darum, dass die „Liberals“ Geschichte auslöschen möchten. Es ginge um die Denkmäler, die man abbauen wollte, das sei einfach dumm, so meinte er. Man könne doch nichts aus der Geschichte lernen, wenn man die Monumente nicht mehr hätte.

Das nun ist genau das, was ich auf Fox News per Internetradio gehört hatte. Irgendein Moderator hatte ewig darauf rumgeritten, dass man durch den Abbau der Denkmäler die Geschichte verfälschen würde. Nun ja, als ob man durch das Entfernen einer Statue wirklich Einfluss auf die Geschichte nehmen könnte… Ted erklärte, das wäre doch nur der Anfang. Wie solle des denn weitergehen. Als nächstes würde man dann Washingtons Statue abbauen, oder was? Hatte nicht Trump selbst etwas ähnliches bei seiner entgleisten Pressekonferenz gesagt? Und was bitte hat George Washington (der erste amerikanische Präsident) mit Robert E. Lee (einem General derdes konföderierten Heers während des amerikanischen Bürgerkriegs) gemein? Kurz: Ted wiederholte mir gegenüber nur das, was ihm die Medien erklärt hatten. Und merkte dabei selbst gar nicht, dass das ein reines Ablenkungsmanöver war: Mag sein, dass der Anlass für den Vorfall in Charlottesville ein Denkmal war. Aber mittlerweile ging es doch um viel mehr: Da hatten Nazis gegen Nicht-Nazis gekämpft und ein Nazi hatte einen Nicht-Nazi getötet. Welche Rolle spielt da noch eine Reiterstatue?

Mir war das Thema zu heiß, und so begann ich ihm vom Holocaust-Mahnmal in Berlin zu erzählen, das ich übrigens ziemlich beeinruckend finde.

Adam Zyglis / Buffalo News

Ich selbst habe übrigens meine eigene Meinung zu Trump, was den Rassismus anbelangt: Ich glaube gar nicht, dass Trump Rassist (oder Anti-Rassist) ist. Ich glaube nicht, dass Trump zu solchen Sentiments überhaupt fähig ist. Er nutzt Menschen, um sich selbst zu erheben. Ob sie weiß, rot, gelb, braun oder regenbogenfarben sind ist dabei einfach völlig egal, solange sie ihm nutzen. Ich halte Trump für naiv und – in diesem Fall – stur. Es war pure Dummheit, wie er sich im ersten Moment zu den Vorfällen in Charlottesville geäußert hat. Unüberlegt, unerfahren, oberflächlich. Politisch unkorrekt – aber das mögen seine Fans ja. Dann haben die Medien versucht ihn zu bedrängen und damit nur das erreicht, was sie immer erreichen: Trump stellt sich stur und macht genau das Gegenteil von dem, was man von ihm erwartet. Wie ein Kind, das grüne Strümpfe anziehen soll und aus Trotz dann die roten trägt. Unfähig, die grünen Strümpfe zu tragen, auch wenn es sie eigentlich völlig in Ordnung findet. Und dann hat irgendwer ihn dazu bekommen, am Montag vom Teleprompter abzulesen, dass er Rassismus & Co. ablehnt. Es war klar, dass da nicht Trump sprach, niemand hat ihm seine Aussagen am Montag abgenommen. Und das bewies sich dann ja am Dienstag: Wütend darüber, dass er sich am Vortag hatte fügen müssen, explodierte er Dienstag fömrlich. Ich saß vom Fernseher und konnte nicht glauben, was ich sah. Einerseits verstand ich, was Trump meinte – beide Seiten waren aggressiv gewesen, klar – aber andererseits verstand ich auch, dass Trump nichts verstanden hatte.

Tja. Ich bin ziemlich sicher, dass Trump nicht bis 2020 im Amt bleiben wird. Es ist meiner Meinung nach eine Mischung aus seiner Naivität, Überheblichkeit und pathologischer Dünnhäutigkeit, über die er stolpern wird. Das gepaart mit startender Demenz (einfach mal nur Trumps Sprache 1990 mit der von heute vergleichen, er hat nicht immer so wie ein Kleinkind geredet!), mit der ja auch oft Paranoia (ich bin das Opfer!) und Sturheit einhergehen.

 

Mir geht es gut

In Statusbericht, Tagebuch, Ted on 18. August 2017 at 17:31

Trotz dem Scheiß mit Ted muss ich zugeben, dass es mir einigermaßen gut geht. Ich wache sogar gut gelaunt und voller Schwung auf. Ganz so falsch mache ich es also anscheinend doch nicht :-).

Ich habe in den letzten 6 Wochen oder so extrem viel gearbeitet und diese Woche hat die Arbeitslast endlich nachgelassen. Das tut gut, und da ich in den letzten Wochen so viel Geld verdient habe, kann ich das auch genießen. Ich gehe raus in die Natur und mache Fotos, und das macht Spaß! Hinzu kommt, dass ich auch meine Wohnung für Oktober bis Dezember vermietet habe, und das ist eine große Erleichterung. 3000 Euro haben oder nicht haben, das macht schon einen riesigen Unterschied!

Meiner Gesundheit geht es auch besser, ich habe mir Cortison ins schmerzende rechte Knie spritzen lassen, und seither verhält es sich so, als wäre nix: Ich gehe wieder 3 Mal die Woche zum Bodypump und konnte – Crossfit sei dank – meine Gewichte mehr als verdoppeln, teilweise sogar verdreifachen. Crossfit hat mir gezeigt, dass meine Grenzen gar nicht meine Grenzen sind: Ich kann viel mehr als ich dachte.

Mein Social Life hat sich auch verbessert. Ich habe vor Wochen nach dem Open Air-Salsa eine Frau auf dem Rad angesprochen, die zufällig gleichzeitig mit mir gekommen war und auch gleichzeitig mit mir ging, und wir treffen uns seither immer wieder mal zum Spazierengehen oder natürlich auch zum Salsa. Sie wohnt direkt um die Ecke, und das ist super. Sie scheint ein wenig darunter zu leiden, dass Frauen in unserem Alter zu viel Zeit mit ihrem Partner verbringen und sich einfach gar nicht bei ihr melden – sie ist einsam. Ich fülle diese Lücke im Moment gerne :-). Karin ist auch aus ihrem 5-wöchigen Kanada-Urlaub zurück und somit auch wieder greifbar für mich. Wir gehen am Wochenende wahrscheinlich was essen. Mete meldet sich immer wieder, denn er führt jetzt eine offene Beziehung und nimmt meine Ratschläge gerne an. Und meine Freundin Ann in Florida scheint mich tatsächlich zu vermissen.

Und dann freue ich mich natürlich auf Florida mit meinen Eltern im Oktober. Ich möchte meinen Freunden – und dazu zähle ich auch meine Eltern – „meine Insel“ so gerne zeigen. Sie ist so besonders, so anders als sich jeder die USA vorstellen würde, und ich finde es toll, dass meine Eltern sich tatsächlich in ihrem Alter (78!) noch aufmachen, um sich mein Paradies anzuschauen!

Tja, und Ted. Wir hatten vorgestern ein relativ gutes Gespräch, bei dem er beteuerte, dass er sich geändert hat. Nun, er kann viel versprechen, ich glaube es erst, wenn ich es sehe. Aber eine Chance, sich zu beweisen, hat er verdient – zumal ich mich ja eh nicht trennen kann (oder will oder was…). Gestern hatten wir allerdings ein Fast-Streitgespräch. Es ging darum, dass er mal wieder „komisch“ war. Mein Fehler also, dass ich so darauf herumgehackt habe, ich muss das echt lassen und ihm Zeit geben, sich zu beruhigen, denn meist spinnt er ja einfach wirklich. Ich hatte ihn gestern Morgen um einen Gefallen gebeten, aber er hat mich wohl missverstanden und etwas anderes gemacht. Mag sein, dass ich mich falsch ausgedrückt habe, ich weiß es echt nicht mehr. Also entschuldigte ich mich dafür und versuchte, das Thema zu wechseln, es war ja erledigt. Aber Ted reagierte völlig abwesend, kurz und schnippisch. Als ich ihn fragte, ob er sauer wegen des Missveständnisses sei, verneinte er, also glaubte ich, dass ihm wieder irgendwer irgendeine Lüge über mich erzählt hatte. Und so waren wir schnell beim Thema Misstrauen. Letztendlich stellte sich heraus, dass Ted doch sauer wegen des Missverständnisses  am Morgen war und wir konnten es klären.

 

Es ist aber so, Ted bekommt – komischer Weise, ich neige mittlerweile dazu, es nicht mehr wirklich zu glauben – immer wieder von anderen Lügengeschichten über mich aufgetischt. Das fing schon vor Jahren an, als Gene ihm erzählte, man hätte mich auf einer Jacuzzi-Party gesehen und dass er „diese blanke Pussy“ sein Leben nicht vergessen würde. Hank hatte Ted erzählt, der Blowjob, den er gerade von mir bekommen hätte, sei scheiße gewesen. Und derartige Geschichten oder Missverständnisse reißen seither nicht ab. Vor 2 Jahren hat Ted mit mir Schluss gemacht, weil ich gegen 23 Uhr Florida-Zeit eine Facebook-Nachricht von einem Mann bekommen hatte und er davon ausgegangen war, dass ich eine Affäre mit ihm habe. Während meines letzten Aufenthalts hatte man mich angeblich einen blauen SUV fahren gesehen (wessen Wagen soll das gewesen sein?), ich bin mehrfach in der Kneipe nebenan mit unbekannten Männern gesichtet worden (ohne Ted war ich da noch nie), einmal bin ich aus einem weißen Van ausgestiegen (ich glaube, ich war noch nie in einem weißen Van), und alles, ohne dass ich Ted von diesen (angeblichen) Männerkontakten erzählte hatte. Zum Schluss ist ja auch noch mein Rad geklaut worden und dann bei Teds bestem Freund Ralph wieder aufgetaucht, was für Ted ein starkes Indiz (seine Wortwahl) dafür war, dass ich eine Affäre mit Ralph habe. Ted reagiert auf diese Lügen und falschen Annahmen immer gleich: Ich werde einem unangenehmen Verhör unterzogen. Es fühlt sich an, als würde mich ein resoluter Polizist verhören, mit einem blendenden Spotlight auf mich gerichtet, der mir immer wieder dieselben Fragen stellt in der Hoffnung, dass ich die Tat dann doch früher oder später zugeben werde. Das ist scheiße.

Diese Verhöre waren – damals, als meine Panik mich noch im Griff hatte – regelrecht traumatische Erlebnisse. Mittlerweile ist es nicht mehr so traumatisch, sondern ich nehme diese Verhöre als das wahr, was sie sind: erniedrigende Machtspiele eines unsicheren Mannes. Ich lasse mich immer weniger darauf ein, aber auch wenn ich einfach weggehe und mir sein Verhalten nicht gefallen lasse, führt das zu Streit. Ted erklärt, dass er das macht, weil er mich so sehr liebt. Das ist, gelinde gesagt, Bullshit. Jemand, der mich liebt, behandelt mich nicht wie eine Schwerverbrecherin. Jemand, der mich liebt will doch eher mir glauben als an der Beziehung zu zweifeln, oder? Ich verstehe, dass er mir diese Fragen stellt. Ich verstehe nicht, dass er sich auf die Seite des anderen (des Lügners) zu schlagen scheint, um mich dann in einem Verhör regelrecht zu foltern. Wenn er mich liebt, müsste er gemeinsam mit mir gegen den Lügner vorgehen?! Nicht umgekehrt. Ich glaube, er foltert mich bei diesen Verhören so, weil er absolute Not empfindet. Es ist eine Mischung aus dem Wunsch, mich als Lügnerin zu entlarven, sodass er sich nicht mehr so für mich verbiegen muss, sodass die Angst endlich vorbei ist, und der Angst, dass all seine „Opfer“ es nicht wert sind: Die „Trennung“ von Delilah und der Verzicht auf die Rumfickerei mit wahllosen Frauen. Das hat er sogar gestern bestätigt – dann jedoch im nächsten Atemzug wieder zurückgenommen, als ich ihn fragte, ob er das alles für mich mache und ich deshalb die Verantwortung für sein Glück trage. Nicht umsonst fragt(e) er ja ständig „Bin ich verrückt, an dich zu glauben?“ oder „Sind wir noch ein Paar?“.

Darüber sprachen wir also gestern. Ich bin immer noch so traumatisiert von diesen Verhören, die, wenn ich in Florida bin, im Schnitt 2 Mal im Monat vorkommen, dass ich bei jeder Kleinigkeit befürchte, dass sie wieder auftauchen könnten. Ted sagt, das gehöre der Vergangenheit an. Aber das sagte er ja schon 2015 – ich habe es hier gerade nachgelesen. Gestern noch stellte sich heraus, dass er immer noch glaubt, ich hätte eine Affäre mit Ralph. Beziehungsweise, ich glaube sein Verstand weiß es besser, aber sein „Innerstes“ kann es nicht glauben.

Mein Fahrrad war Anfang Juni von vor meinem Haus verschwunden und Ted und ich hatten den Diebstahl auf Anraten eines befreundeten Polizisten eine Woche später bei der Polizei gemeldet. Mike, der Polizist, hatte vermutet, dass sich Jugendliche das Fahrrad einfach „ausgeliehen“ hätten und dass die Polizei es eines Tages am Straßenrand finden würde. Am Tag meiner Abreise Ende Juni kam der Vater des Fahrraddiebs (mein Nachbar James) zu uns und entschuldigte sich dafür, dass sein Sohn mein Fahrrad 3 Wochen vorher „ausgeliehen“ und dann bei Ralph vergessen hatte – Ted hatte ihm nicht geglaubt und gemeint, ich hätte es zu einem Techtelmechtel zu Ralph gefahren und dort vergessen (für wie blöd hält er mich?). Er sagte, es sei doch ein seltsamer Zufall, dass mein Rad gerade bei Ralph auftauchte, und deshalb sei es doch verständlich, dass er meine Aussage anzweifele. Erstens ist es nicht verständlich, dass meine Aussagen überhaupt angezweifelt werden, denn ich habe mich bisher nie als vertrauens-unwürdig erwiesen, und zweitens: Was bitte ist daran ein seltsamer Zufall? James ist ebenfalls eng mit Ralph befreundet, das weiß Ted, Ralph ist in Urlaub gefahren und hat James‘ Sohn zum Blumengießen engagiert. Der 16jährige hat sich das Fahrrad der Nachbarin – von mir – „ausgeliehen“, das praktisch vor seiner Nase parkte, und hat es dann bei Ralph vergessen. Es war also, wie Mike es prophezeit hatte. Die ganze Familie kifft wie verrückt, sie handelt auch mit Drogen, der Sohn arbeitet gemeinsam mit Ted am Pier. Nicht unbedingt die vertrauenswürdigste Familie auf Erden, das weiß auch Ted.

Zurück zum Thema: Es mag also sein, dass Ted sein Misstrauen jetzt im Griff hat und sich in Zukunft so nicht mehr verhalten wird, aber ich kann es kaum glauben. Er verspricht mir genau das seit Jahren und nie hat sich etwas geändert. Das werde ich allerdings wirklich erst dann wissen, wenn ich wieder in Florida bin und Ted entweder wieder eine Lügengeschichte serviert bekommt oder wieder irgendetwas missversteht…

Wie vor einem Jahr, als ein fremdes Auto direkt vor meinem Haus geparkt hatte und ich dahinter parken musste. Für ihn war das ein Indiz dafür gewesen, dass ich Männerbesuch gehabt hatte, von dem ich ihm aber nicht erzählen wollte. Auch hier waren die Indizien – seine Ausdrucksweise – gegen mich seiner Meinung nach überwältigend 😉 Irgendwelche „Indizien“ gegen meine Treue findet er immer, ich weiß nicht, warum das im Zukunft anders sein sollte. Ich kann mir vorstellen, dass es ihm gelingt, eine Weile den Mund zu halten. Ich glaube nicht, dass dieses Verhalten, das ich für ein Symptom seiner psychischen Störung halte, die durch Alkohol noch verstärkt wird, durch einfaches Zusammenreißen in Griff bekommt.

Wie dem auch sei, ich kann das Thema in den Hintergrund drängen, denn mir bleibt ja wirklich nichts anderes übrig, als abzuwarten und zu schauen, wie er sich mir gegenüber verhält, wenn ich wieder da bin. Sollte sich nichts geändert haben – was ich leider befürchte – muss ich Konsequenzen ziehen.

Also: Im Moment bin ich recht gelassen und kann das Leben genießen.

Er kann es nicht richtig machen :-(

In Tagebuch, Ted on 15. August 2017 at 13:17

Nachdem Ted und ich uns jetzt ein paar Tage nicht gestritten haben, war meine Einstellung ihm gegenüber in den letzten Tagen immer besser geworden. Aber dann kam gestern eine Nachricht von ihm, die mich wieder total abtörnte. Offensichtlich bin ich mittlerweile gut im Verdrängen, denn als er mich heute Morgen darauf ansprach, hatte ich sie schon wieder vergessen. Und das Gespräch, das dann folgte, hat mich erneut abgetörnt.

Er hatte gestern Abend eine deutsche Frau den Satz „Wie kannst du diesen Mann nicht heiraten?“ sprechen lassen und ihn mir über Whatsapp zugeschickt.

Und das macht mich sauer. So sauer. Ich erinnere mich noch an unseren letzten Abend im Juni, als er der deutschen Angestellten in einem Restaurant erzählt hatte, dass ich ihn nicht heiraten wollte. Ich war damals, als Ted schon weg war, noch mal zu der Frau hingelaufen und hatte ihr zugeraunt, dass ich ihn gar nicht heiraten kann, da er liiert ist. Und ich kriege auch keine eindeutige Aussage aus ihm raus: Würde er mich in der aktuellen Situation eigentlich wirklich heiraten? Ich befürchte, nicht. Er ist mit Delilah und den Kindern liiert, egal in welcher Form. Warum soll ich ihm dann also ständig sagen, dass ich ihn heiraten würde? Und so ging es mir auch gestern: Was weiß denn diese Frau schon? Es kommt mir so vor, als würde er mich als undankbare Frau darstellen. So ein toller Kerl, so gutaussehend, so treu, und dennoch will ich ihn nicht heiraten… Vielleicht überinterpretiere ich das, ich weiß es nicht.

Ted behauptete dann heute Morgen, dass er nicht gewusst hätte, dass die Frau das gesagt hätte. Häh? Die Dame muss ja wohl wissen, dass ich ihn nicht heiraten will, sonst hätte sie es ja nicht gesagt, oder? Seltsamer Zufall. Ted erklärte dann, dass die Dame versucht hatte, ihn anzubaggern, dass er aber betont hätte, dass er eine Freundin in Deutschland habe. Und meinte dann noch: „Das war doch gut von mir, oder?“ Ich antwortete darauf nicht. Was soll ich dazu auch sagen? Also hakte er nach. Meine Antwort: „Sorry, du kriegst kein Lob von mir nur weil du nicht mit anderen Frauen anbändelst“. Immer und immer wieder betont er, dass er sich beim Ausgehen nicht auf andere Frauen einlässt. Ja und? Wenn das wirklich so erwähnenswert ist, dann sollte er sich mal überlegen, ob er überhaupt eine Beziehung will. Denn in einer Beziehung ist das normal. Das ist so, als wollte der Kellner ein Lob dafür, dass er mir das Essen gebracht hat. Das ist Kinderkacke. Ich habe keine Bock mehr darauf.

Da es ein Videochat war, habe ich versucht, keine Miene zu verziehen, aber ich glaube, er hat meine dennoch Aussage als zickig interpretiert. Und das war sie wohl auch. Ich verstehe, dass er eigentlich nur nette Dinge sagen will: Guck mal, ich erzähle allen von dir, ich bin so stolz, dich zur Freundin zu haben. Guck mal, ich bin dir treu. Das ist ja erst mal positiv. Und alles, was er macht, ist dann doch falsch. Sehe ich das zu eng wenn ich die negativen Aspekte so hervorhebe?

Auch gestern hatte er wegen Zickigkeit aufgelegt. Da hatte er gesagt, die Sache mit meiner Wohnungsvermietung „would work itself out„. Ich hatte ihn daraufhin belehrt, dass sich nichts ändert, wenn ich nichts ändere. Gestern wollte er mich nur beruhigen. Heute wollte er nur nett sein. Und dennoch kriegt er zickiges Verhalten von mir.

Ach….

It will work itself out – NEIN!

In Tagebuch, Ted on 14. August 2017 at 14:37

„It will work itself out“ – in etwa, „das wird schon werden“ – ist einer von Teds Lieblingssprüchen. Ich kann mich erinnern, dass ich ihn am Anfang regelrecht charmant fand. Ted war so entspannt. Und er hat Recht, ich werde viel zu schnell nervös und sehr oft regeln sich die Dinge von selbst. Nur nicht immer.

Heute Morgen erzählte ich ihm, dass ich immer noch keinen Mieter für Oktober bis Dezember hätte. Normalerweise habe ich 6 Wochen vor Abreise jemanden. Teds Reaktion „Ich weiß, dass du es nicht magst, wenn ich das sage: it will work itself out!“.

Warum er ständig Dinge sagt, von denen er weiß, dass ich sie nicht mag (und die Sprüche dann auch so einleitet) ist mir schleiferhaft. Aber damit trifft  er – wie so häufig – auf einen wunden Punkt in unserer Beziehung. Ted ist derjenige, der immer alles aussitzen will. Ich bin diejenige, die immer alle Probleme angehen will. Das passt nicht so gut. Mein Lieblingsspruch in dieser Situation, und ich bezieh das dann auf unsere Beziehung: „Wenn wir nichts ändern, dann wird sich nichts ändern.“

Und tatsächlich habe ich so einiges unternommen: Ich habe weitere Wohnungsanzeigen aufgeben, die aktuellen erneuert. Und wenn sich in Kürze nichts tut, werde ich wohl eine kostenpflichtige Anzeige aufgeben müssen. Ich unternehme was.

Das, was ich einst an Ted bewundert habe, seine Gelassenheit, finde ich jetzt nervig. Er kriegt einfach nichts auf die Reihe: Ich habe es schon mal erzählt, sein Auto war ein halbes Jahr kaputt und ging immer „kaputter“. Er versprach mir im Dezember, dass er im April ein neues Auto haben würde. War nicht der Fall. Wir mussten tatsächlich mit dem Wagen liegenbleiben, damit er etwas unternahm. Er erzählt noch heute, dass das doch wunderbar geklappt hätte. Und ich weise ihn noch heute immer wieder darauf hin, dass es eben nicht „wunderbar“ geklappt hat. „Wunderbar“ wäre für mich gewesen, wenn wir nicht liegengeblieben wären. Wenn wir nicht 30 Minuten vor dem ersten Kaffee auf einen Bus hätten warten müssen. Wenn ich meine Jobs wegen dem kaputten Auto nicht verspätet hätte abliefern müssen. Nein, „wunderbar geklappt“ ist für mich etwas anderes.

Aber eines kann ich dennoch lernen: Ich sollte durchaus etwas entspannter sein. Man muss sich nicht immer vor Angst in die Hose machen, wenn die Dinge nicht automatisch und sofort klappen. Aber man sollte wachsam sein und Maßnahmen ergreifen, wenn es sich zeigt, dass eine automatische Sofortlösung nicht von selbst kommt 😉

Therapeutische Ziele

In Tagebuch, Ted, Therapie on 13. August 2017 at 11:36

Ich war Mittwoch bei meiner (Laber-)Therapeutin und die hatte eine gar nicht so doofe Erklärung für meine Unfähigkeit, mich von Ted zu trennen: Sie sagte, ich kann mich (noch) nicht trennen, da ich nicht weiß, was danach kommt. Da ich kein Ziel habe. Und das stimmt. Wenn ich mich trenne, dann „bekomme“ ich nichts. Es fällt eher etwas weg. Ich habe keine Vorteile dadurch, sondern einfach nur keine Nachteile mehr durch die Beziehung:

  • Weniger Streits
  • Keine verschwendete „Wartezeit“ auf Ted z.B. bis er am Pier seine Arbeit beendet
  • Ich kann nachts wieder durchschlafen, da niemand neben mir schnarcht bzw. mich viel zuf rüh aufweckt
  • Ich bin frei und muss mich für meine Schritte nicht mehr rechtfertigen

Ich habe sogar Nachteile dadurch:

  • Ich werde mich auf der Insel eventuell nicht mehr so wohlfühlen
  • Ich habe keinen Freund mehr und bin wieder Single
  • Ich kann nicht mehr so viel Englisch üben
  • Ich verliere meinen besten Freund

Damit ich also Bock auf Trennung bekomme, muss ich mir Ziele setzen, die ich mir erfüllen kann, wenn ich mich von Ted trenne. Das ist jetzt der schwierige Teil, denn es müssen ja auch Ziele sein, auf die ich mich freue. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Mir fallen zwar eine Reihe von „vernünftigen“ Zielen ein, aber bisher ist da keines bei, das mich echt vom Hocker reißt, bis auf den Urlaub vielleicht.

  • Aufbau eines Finanzpolsters durch die fehlenden Floridaausgaben
  • Aufbau von Fitness durch kontinuierlichen Kursbesuch
  • Aufbau von Salsakenntnissen durch Besuch von Salsakursen
  • Aufbau eines größeren Freundeskreises
  • Reisen an andere Ziele (z.B. Cost Rica)
  • Verschönerung meiner Wohnung/Umzug
  • Aufbau einer funktionierenden „normalen“ Beziehung

Wird fortgesetzt…

 

 

Erklär es doch der Parkuhr

In Tagebuch, Ted on 8. August 2017 at 23:19

Ich möchte mich im Voraus für den widerlichen Wiederholungscharakter dieses Eintrags, aber eigentlich aller meiner Einträge entschuldigen. Ich reite hier ständig auf denselben Problemen herum. Das liegt daran, dass Ted und ich sie nicht aus der Welt schaffen können. Wir streiten uns immer und immer wieder über dieselbe Themen. Und da ich nicht in der Lage zu sein scheine, mich zu trennen, tauchen sie immer und immer und immer und immer wieder auf.

Mir geht es heute was besser als gestern. Ted hat heute 3 Mal angerufen und so getan, als wäre nichts. Ich habe – frustriert – mitgespielt. Bringt ja alles nichts. Ich habe ihm nur einfach kaum noch etwas erzählt. Er weiß kaum, was ich in den letzten Tagen gemacht habe oder was ich vorhabe zu tun, und das ist auch ok. Muss er auch nicht wissen. Ich glaube eh, dass ihn außer „Sind wir noch ein Paar?“ nichts wirklich interessiert. Und das ist nicht (nur) sarkastisch gemeint.

Gestern war ich einfach nur gefrustet. Nichts, was ich Ted in den letzten Monaten gesagt habe ist irgendwie bei ihm angekommen. Ich kann erklären und erklären und erklären, es will nicht in seinen Kopf.

Er versteht nicht, dass ich – als seine Freundin – nicht problemlos sagen kann „Ja, natürlich sind wir noch ein Paar“ wenn er mir seine widerliche Wiederholungsfrage „Sind wir noch ein Paar?“ stellt. Würde ich ihm die Frage stellen, würde er sofort, ohne nachzudenken, „Ja“ sagen, betont er. Klar. Wahrscheinlich erzählt er das so auch seinem besten Freund, und gemeinsam halten sie mich dann alle beide für bescheuert. Ich kann es mir regelrecht bildlich vorstellen: „Die Ann ist echt seltsam. Ich frage sie, ob wir noch ein Paar sind, und sie will die Frage einfach nicht beantworten. Warum ist sie so stur? Es ist doch eine so einfache Frage! Dabei sagt sie, sie liebt mich…“

Er „vergisst“ dabei völlig, dass mein Unwille, darauf weiter zu antworten, überhaupt nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Ich habe es ihm schon zich Mal erklärt, aber es entfällt ihm einfach. Umgekehrt würde doch ein Schuh daraus:

„Die Ann ist so seltsam, sie fragt mich seit Jahren jeden Tag 5 Mal hintereinander, ob Orangen orange sind. Und ich darf nur ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ sagen. Und diese Frage stellt sie mir in einem herrischen Ton, das ist unvorstellbar. Warum ist sie so stur? Sieht doch ein Blinder, dass die Orange orange ist. Deswegen heißt sie doch Orange…“

Anders als mit einem psychischem Problem kann ich mir das nicht erklären. Er hat ja selbst zugegeben (aber auch verstanden?), dass es eine Zwangsstörung ist. Ich kann das, mit meinem Angsthintergrund, natürlich nachvollziehen. Was ich nicht nachvollziehen kann ist, dass er nicht versteht wie sehr er mich mit diesen Fragen auf eine absolut herrische Weise bedrängt. Auch wenn ich in Not war und anrufen „musste“, so war mir doch immer klar, was ich tat, auch wenn ich meinte, nichts dagegen unternehmen zu können. Ich habe mich immer geschämt dafür, das war ein Teil des Problems. Sieht er es wirklich nicht oder ist er nicht in der Lage, es zuzugeben?

Oder die Sache mit den Unternehmungen. „Aber wir unternehmen doch so viel“, sagt er, wenn ich mich darüber beschwere, dass wir immer nur „abhängen“. „Wir waren in New York und in London, in St. Pete und bei meinen Eltern. So viel habe ich noch nie mit einer Frau unternommen.“

Auch hier habe ich schon zich Mal erklärt, dass wir zwar an diese Orte fahren, dort aber außer Bier trinken und schlafen nichts tun. Jedes Mal, wenn ich ihm das erkläre, scheint es ins eine Ohr rein und aus dem anderen Ohr wieder rauszugehen.Wir fahren in den Ort, checken im Hotel ein, räumen den Kühlschrank mit Bier voll, machen ein „Nickerchen“ bis 21 Uhr, dann versuchen wir, irgendwo was zu essen zu bekommen, was um diese Uhrzeit meist schwer ist, trinken weiter (er, nicht ich) und fallen dann um Mitternacht ins Bett, wo er mich schnarchend wach hält.

Wenn ich dazu noch erkläre, dass wir letztendlich eigentlich sowieso nicht so viel unternehmen (ich finde, etwa 5 Unternehmungen in 90 Tagen sind nicht so viel, d.h. Dinge, die wir außerhalb meines Hauses oder des Piers tun), kommt er mit dem Argument, dass er ja viel mehr mit mir unternehmen würde, wenn ich nur Zeit für ihn hätte. Auch hier wieder: Er will das ja während meiner Arbeitszeit machen. Wie soll ich denn bitte grundsätzlich während meiner Arbeitszeiten Zeit für ihn haben? Es will nicht in seinen Kopf, dass ich wochentags von etwa 9 bis 17 Uhr arbeite, egal wie oft ich es ihm erkläre. Er scheint nur zu sehen, dass meine Kunden – wenn ich in Florida bin – ab 12 Uhr (18 Uhr europäische Zeit) nicht mehr in ihren Büros sind und dass ich deshalb flexibel sein müsste. Bin ich auch. Letzte Woche habe ich Metes Sohn mitten am Tag gebabysittet, als Mete notfallmäßig zum Arzt musste. Obwohl ich viel zu tun hatte. Das ging aber nur, weil ich es schon am Abend vorher wusste und drum herum gearbeitet habe. Und es ging auch nur, weil es eine Ausnahme war. Auf diese Weise will ich nicht grundsätzlich arbeiten. Und wie ist das eigentlich mit seiner Zeit? Wenn unsere gemeinsame Zeit so kostbar ist, warum verpennt er dann die Nachmittage bei mir? Hier will es nicht in meinen Kopf – da kann er erklären, was er will – dass er sich bei mir so sehr zu Hause fühlt, dass er wohlig abschaltet, wenn er bei mir ist. Außerdem, so sagt er, steht er ja morgens immer schon so früh auf, um mit mir zum Sonnenaufgang zu gehen. Ja, kann ja sein. Aber was ist denn mit mir? Ich stehe genauso früh auf (oft noch früher, denn meine Kunden beginnen um 3 Uhr morgens Florida-Zeit), ich gehe doch mit ihm zum Sonnenaufgang?!

Tatsache ist, dass er dann, wenn „normale“ Menschen eigentlich Freizeit haben, keine Zeit für mich hat. Ja klar, er arbeitet in einem Job, in dem man eben vor allem dann ran muss, wenn andere nicht arbeiten müssen. Aber nicht immer. Was ist mit den Abenden, an denen er nicht arbeitet? Warum hat er da keine Zeit für mich? Dienstags, mittwochs, donnerstags und freitags? Warum kann er da auch nur tagsüber? Die Frage brauche ich gar nicht stellen, hah! Weil er da bei seiner Delilah ist, mit der er ja angeblich nicht mehr zusammen ist. Und was ist mit den Wochenenden? Ok, da arbeitet er. Verstehe ich. Aber wenn er verlangt, dass ich mir die Wochentage freinehme, warum nimmt er sich dann nicht auch mal ein Wochenende frei? Weil er am Wochenende so viel verdient. Ja klar, verstehe ich. Ich verdiene aber in der Woche so viel. Das ist das Gleiche. Für mich. Offensichtlich jedoch nicht aus seiner Sicht. Hat er sogar schon mal gesagt: „Ich muss damit aufhören zu glauben, dass meine Zeit wertvoller als deine ist“, meinte er am Ende eines Streitgesprächs in Florida. Und tief in ihm verwurzelt ist das wahrscheinlich tatsächlich so.

Er hat mir schon mehrfach gesagt, dass er nicht versteht, warum ich „so viel“ arbeite.  Er würde doch für mich sorgen wollen. Hallo?! Ich soll weniger arbeiten, damit ich mehr Zeit für ihn habe, sodass ich ihn dann um Geld bitten muss? Damit ich nicht nur emotional, sondern auch finanziell von ihm abhängig werde? Ja sicher, soweit kommt es noch. Er hat auch schon mehrfach gesagt, dass er nicht versteht, wofür ich das ganze Geld brauche, das ich verdiene. Tolle Voraussetzungen, um mich von ihm aushalten zu lassen. Als ob ich hier Geld horten würde, um es dann heimlich irgendwie aus dem Fenster zu werfen. Auch das habe ich ihm schon x Mal erklärt: Ich habe im Vergleich zu ihm relativ hohe Fixkosten. Meine 2-Zimmer-Wohnung in der Großstadt kostet alles inklusive locker einen Tausender. Kranken- und Altersversicherung noch mal. Und dazu kommen dann Steuern und so lebensnotwendige Dinge wie Lebensmittel. Ich bin bei deutlich über 2000 Euro, bevor ich überhaupt ein Stück Brot in den Mund gesteckt habe oder mit dem Auto um die Ecke gefahren bin. Und dann die Reisen nach Florida, die durch den für uns schlechten Dollarkurs, die zusätzlich notwendige Krankenversicherung und die höheren Preise auf der Insel auch nicht wirklich günstig sind. Auch wenn ich alles andere als im Luxus lebe, ich brauche relativ viel Geld, um einfach nur zu leben. Aber egal, wie genau und wie häufig ich ihm das vorrechne, 3 Wochen später stellt er dieselbe Frage erneut. Ich glaube nicht, dass es nur Vergessen ist. Ich glaube, er will es einfach nicht verstehen.

Es ist frustrierend. Ich erkläre und erkläre und erkläre, und er scheint es zu verstehen, nur um mir am nächsten Tag, in der nächsten Woche oder im nächsten Monat genau dieselben Dinge vorzuwerfen. Als hätte er vergessen, was ich ihm gesagt habe. Oder als wäre es nicht relevant, weil unzureichend begründet. Viele meiner Argumente widerlegt er wahrscheinlich einfach sofort in seinem Kopf: Geld für Diabeteszubehör braucht sie nicht wirklich, da sie ja seiner Meinung nach kein Diabetes haben kann. Arbeiten muss sie eigentlich auch nicht, da er ja für sie sorgen würde. Unternehmen würden wir viel, würde sie ihm nur die Zeit einräumen…

Aber wie ist es umgekehrt? Er erklärt und erklärt und erklärt, und die Probleme sind für mich ebenso wenig aus der Welt geräumt. Seine Müdigkeit, durch das frühe Aufstehen: Nicht ausreichend erklärt, denn ich stehe genauso früh auf. Würde er nicht so viel Alkohol trinken, wäre es nicht so, glaube ich – er ist anderer Meinung. Deswegen beschwere ich mich ständig über die Müdigkeit. Die mangelnden Unternehmungen: Er würde ja wollen, wenn ich ihm nur die Zeit gäbe. Sein Wollen erkenne ich nicht an, also beschwere ich mich weiter. Seine Eifersucht: Er erklärt und erklärt dass er nicht eifersüchtig ist und glaubt es wahrscheinlich selbst, und dennoch bestehe ich darauf, dass mich seine Eifersucht nervt. Für ihn ist es wahrscheinlich genauso frustrierend wie für mich.

Tja. Ich habe wieder eine neue Idee. Tata… Ich tue nichts ;-). Nein im Ernst, ich kriege es ja tatsächlich nicht hin, mich von ihm zu trennen. Meine neuer Ansatz ist jetzt also tatsächlich, ihm einfach nicht mehr so viel zu erzählen. Ich glaube wirklich, dass ihn letztendlich gar nicht interessiert, was ich tue. Das erklärt auch, warum er ständig „What did I miss?“ fragt, auch nachdem ich ihm gerade erzählt habe, wie ich den ganzen Tag verbracht habe – er hört nicht zu. Er will nur hören, dass wir noch ein Paar sind. Meine Versuche, offen zu sein, damit er nicht eifersüchtig ist, sind allesamt gescheitert. Ich werde also nicht mehr erzählen, dass ich Salsa tanzen gehe oder mich mit Mete oder Karin treffe. Es ist für ihn irrelevant.

Das hat mehrere mögliche Vorteile: Ich gewöhne mich daran, ihn nicht mehr zum besten Freund zu haben. Wenn ich nicht mehr so viel mit ihm teile entferne ich mich von ihm,vielleicht funktioniert die Trennung dann? Und ich streite mich (hoffentlich) auch nicht mehr so viel mit ihm. Ob und wohin uns das führt, weiß ich nicht, aber das ist jetzt mein nächster Versuchsansatz.

Am 1. Oktober, also in etwas weniger als 2 Monaten, bin ich wieder in Florida. Dann aber wird erst mal eh alles anders sein, denn meine Eltern sind die ersten 4 Wochen dort. Das wird hoffentlich ebenso dabei helfen, die Routine zu brechen…

Kommt Zeit, kommt Rat. Hoffentlich.

Frustriert

In Tagebuch, Ted on 7. August 2017 at 19:29

Ich war so stolz darauf, einen Kompromiss gefunden zu haben. Keine (Streit-)Gespräche mehr über „Nothing“ am Telefon, dafür aber kein Kontaktabbruch durch die Website, die ich Ted vorgestern gebaut hatte. Nun ja. Fand er blöd.

Weil ich weiß, dass er den persönlichen Kontakt braucht, und weil ich ihn ja auch nicht bestrafen sollte, sondern einfach mit dem Streiten aufhören wollte, habe ich Ted vorhin angerufen. Ich habe den Zeitpunkt bewusst so gewählt, dass er nicht viel Zeit haben würde, aber da habe ich mich wohl vertan. Die Zeit hat er sich dann genommen.

Er findet die Website blöd. Er braucht persönlichen Kontakt. Er will mit mir nicht über einen Blog kommunizieren. Ich sollte mit ihm sprechen.

„Ok“, sagte ich enttäuscht, „dann schlag etwas anderes vor“.

„Wir müssen miteinander sprechen.“

„Aber wir reden seit Monaten und es führt zu nichts. Wir brauchen eine neue Lösung. Es reicht nicht, uns einfach zusammenzureißen und zu reden, wir kommen auf keinen grünen Zweig.“

„Ich verstehe nicht, es ist doch so einfach. Warum musst du es so kompliziert machen?“

Ich hätte echt schreien können.

„Wir brauchen eine neue Lösung, Ted. Wenn wir nichts ändern, wird sich nichts ändern!“

„Liebst du mich?“

„Ja.“

„Dann arbeiten wir gemeinsam dran, wir kriegen das schon hin.“

Es hilft nichts. Ted meint, dass die Liebe reicht, damit alles von selbst wieder in Ordnung kommt. Er kapiert nicht, dass die Liebe leidet, wenn man sich ständig streitet. Ja, ich liebe ihn. Ja, meine Liebe nimmt täglich ab. Liebe allein ist die Grundlage. Genauso wie Treue. Aber das reicht allein nicht aus, um eine gute Beziehung zu haben.

Wir haben uns nicht gestritten, aber es war ein sehr frustrierendes Gespräch. Einfach, weil wir dasselbe Gespräch seit mindestens 4 Monaten – wahrscheinlich länger – führen. Er macht noch nicht mal den Ansatz des Versuchs einer Änderung. Ich probiere so vieles, aber all das ist für ihn Pillepalle. Wenn wir uns lieben, dann wird es schon irgendwie klappen. „It will work itself out“. Nein, die Hoffnung habe ich aufgegeben.

Er rief dann noch ein zweites Mal an. Wieder dieses Gerede über die Beziehung. „Ich habe eigentlich alles gesagt, was es zu sagen gibt“, erklärte ich ihm. „Wir müssen etwas ändern, wenn sich etwas ändern soll.“

Wie es weitergehen soll, weiß ich nicht. Die Website werde ich jetzt einstellen, bringt ja nichts. Zu Ted dringe ich damit nicht vor, für mich ist es zeitraubend und frustrierend. Es ist so, als hätte er nichts von dem verstanden, was ich ihm geschrieben habe, obwohl er es offensichtlich gelesen hat. Er findet, dass er all das, was ich vorgeschlagen habe, schon macht: „Aber unternehmen doch etwas, wir sind doch nach New York gefahren und nach St. Pete und…. “ Ja, sind wir. Aber was haben wir dort gemacht: Geschlafen und gesoffen. Er findet es nach wie vor bescheuert, sich mit seiner Freundin zu verabreden („appointments“). Er kapiert nicht, warum ich es so beleidigend („offensive“) finde, wenn er mich fragt, ob wir noch ein Paar sind. Ich kann erklären, bis ich blöd umfalle: Ich brauche kein „Appointment“, wenn er abends vorbeikommen will. Ich brauche aber eines tagsüber, denn normalerweise arbeite ich dann. Ich finde es auch nicht doof ihm zu sagen, dass wir ein Paar sind. Ich finde es doof, ihm das alle 30 Sekunden innerhalb eines Verhörs zu sagen. Er kapiert es einfach nicht. Und wenn ich es ihm erkläre meint er „Warum machst du es so kompliziert?“ Er wird jetzt wahrscheinlich so weitermachen wie bisher. Ich kann nicht mehr. Ich werde einfach erst mal mein Telefon abstellen.

Ich fühle mich so frustriert, ich könnte den Kopf gegen eine Tür rammen. Ich hätte diesen Webseiten-Versuch gar nicht starten sollen, er hat nur dazu geführt, dass ich wieder Hoffnung geschöpft habe und jetzt erneut enttäuscht bin. Wie häufig kann man denn auf den Bauch fallen?

Etwas Gutes hat die Sache ja: Ich kann mir nicht vorwerfen, ich hätte es nicht versucht. Und ich bin jetzt auch schon daran gewöhnt, ihn nicht ständig am Telefon zu haben, ihn nicht ständig anrufen zu wollen bzw. angerufen zu werden. Damit wird es mir dann leichter fallen, ihn nicht von mir aus zu kontaktieren.

Wie kann es sein, dass er einfach überhaupt nicht versteht, was ich von ihm will? Es liegt doch nicht an der englischen Sprache.

 

Kontaktaufnahme hintenrum

In Tagebuch, Ted on 6. August 2017 at 15:41

Wahrscheinlich war das jetzt wieder falsch. Ich bin gestern durch so viele verschiedene Emotionen gegangen, dass ich doch wieder mit Ted Kontakt aufgenommen habe.

Das Date mit Frank gestern hat mich völlig verwirrt. Aus war aus vielerlei Gründen falsch, hinzugehen. Mittlerweile habe ich ihm gesagt, dass ich ihn nicht mehr sehen werde, das war nur fair. Aber es war nicht fair, überhaupt hinzugehen. Ist jetzt aber auch egal.

Der Kerl war einerseits wirklich nett, auch nicht wirklich schlecht aussehend. Nur eben – mit 56 – zu alt, zu „gesettled“, zu dick. Dafür aber hat er mir wundervolle Komplimente gemacht, wusste immer genau das Richtige zu sagen und schien auch sofort bereit, sich an mich anzupassen. Dieser Satz „Gestern Abend habe ich dann überlegt, wenn ich in 4 Jahren in Frührente gehe, dann kann ich dir ja nach Florida folgen. Ich könnte ja da auch ein Haus kaufen…“ ist mir wirklich immer und immer wieder übel aufgestoßen. Der Kerl war noch nie in den USA, und er kannte mich auch gar nicht. Viel zu viel Engagement nach viel zu kurzer Zeit.

Ich sagte es gestern schon, das was Ted will ist völlig normal und eigentlich auch schmeichelhaft. Ich will niemanden, der weniger will. Der „Rahmen“ stimmt.

Vielleicht habe ich doch gedacht, dass ich „niemanden besseres als Ted“ finden werde. Vielleicht ist das so.

Egal. Ich habe dann gestern an einer Website für Ted gebastelt und habe ihm das Link dorthin geschickt:

Ich vermisse dich so sehr. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Du bist die Liebe meines Lebens, aber wir können nicht miteinander kommunizieren. Es ist furchtbar.

Ich kann dich jetzt nicht anrufen, du bist eh bei der Arbeit, aber wir missverstehen uns so häufig dass wir wahrscheinlich eh nur wieder streiten würden.

Statt zu sprechen werde ich also – ab jetzt – einfach meine Gedanken aufschreiben. Du kannst sie jederzeit lesen und du musst nicht reagieren. Für mich ist das eine Möglichkeit, mit dir in Verbindung zu bleiben. Unser „Band“ aufrechtzuerhalten.

Ich vermisse dich so sehr.

 

Die Reaktion kam postwendend. Er sagte mir, dass er mich auch vermisst und dass ich das doch eigentlich tief in meinem Herzen auch wissen müsse – ja, weiß ich. Und dass wir uns bald unterhalten würde.

Nun, mit so einer schnellen und positiven Antwort hatte ich nicht gerechnet. Ich schrieb ihm also, dass ich vorerst nicht mit ihm sprechen möchte, da wir ja immer streiten, dass ich meine Gedanken aber auf dieser neuen Website posten würde. Darauf kam dann keine Antwort mehr, was auch gut war.

Ich hatte nach dem Austausch ebenfalls gemischte Gefühle. War das jetzt richtig? Ich fühlte mich doch so frei. Hatte ich die Freiheit jetzt schon wieder aufgegeben? Es gibt so viele Dinge, die ich nicht mehr will: Ich will nicht mehr jeden Tag nach der Arbeit auf ihn warten. Das ist einfach langweilig und auch sinnlos, denn nach der Arbeit ist er müde. Ich will auch nicht mehr über jeden meiner Schritte Bericht erstatten. Ich will auch nicht mehr streiten und immer und immer wieder dieselben Fragen beantworten, ihm immer und immer wieder bestätigen, dass ich ihm treu bin und keinen anderen Mann will.

Aber letztendlich liegt das ja alles an mir. Ich muss all das nicht tun, und ich habe bei meinem letzten Aufenthalt ja auch schon teilweise aufgehört, es zu tun. Es liegt an mir, mich durchzusetzen und meine Bedürfnisse durchzusetzen. Es liegt jedoch auch an mir, mit den Konsequenzen klarzukommen – und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Die Konsquenzen sind offensichtlich seine widerlichen Wiederholungsfragen, und damit komme ich ja nicht klar. Mein Verhalten verunsichert ihn, und das führt zu diesem ständigen Bedürfnis, bestätigt zu werden.

Mal schauen, wie es weitergeht.