Ohne Panik

Archive for the ‘Ted’ Category

Aufrechnung

In Tagebuch, Ted on 21. Januar 2018 at 16:35

Ted und ich haben weiter keinen Kontakt. Meine Freundinnen helfen mir. Aber dennoch habe ich Durchhänger. Es sind – Gott sei Dank – immer nur Momente und keine Stunden oder gar Tage.

Heute, beim Spaziergehen, fiel mir ein Fensterschmuck ins Auge, und da musste ich an all die Dinge denken, die ich immer für Ted getan habe und wurde traurig: Allen voran der Adventskalender, den ich ihm seit 4 Jahren bastele. Aber auch viele andere Dinge. Kleine Geschenke zwischendurch. Natürlich Geburtstagsgeschenke, Jahrestagsgeschenke. Abschiedsgeschenke wie das Heft, in das ich für jeden Tag meiner Abwesenheit eine Liebeserklärung geschrieben habe. Oder Fotos mit Zahlen der Anzahl an Tagen, die wir noch voneinander getrennt sein würden. All das Bier, das ich ihm immer wieder gekauft habe, damit er bei mir zu Hause etwas zu trinken hat, allein wegen der Mengen ist das eine Erwähnung wert. Und da fragte ich mich, was Ted eigentlich je für mich  getan hat.

Letztendlich wurde mir klar, dass es hier vor allem um materielle Dinge ging – materielle Dinge, die von Herzen kommen, aber dennoch materielle Dinge. Und wenn es darum geht, da gewinne ich jeden Wettbewerb. Ich habe ihm ständig Dinge gegeben, von ihm kam wenig bis gar nichts. Nur… gibt es überhaupt einen Wettbewerb? Wie ist es mit den Nicht-so-materiellen-Dingen?

Teds größtes Geschenk an mich – seiner Meinung nach – war seine Zeit für mich: Zeit weg von seinen Kids und Delilah. Aber seien wir mal ehrlich, ist das wirklich ein Geschenk? Er wollte doch Zeit mit mir verbringen, das ist doch auch normal in einer Beziehung. Verbringt man keine Zeit miteinander, dann hat man keine Beziehung. Zeit, die für mich wirklich wichtig gewesen wäre – nachmittags, an den Wochenenden, an Feiertagen, die habe ich von ihm nur selten bekommen.

Ted hat mir immer wieder Rubbellose geschenkt – die ich aber meist nicht wollte. Ich rubbele gerne mal ein oder zwei Lose, aber wenn ich dann immer nur verliere ist es auch gut. Er hatte immer viel zu viele Lose. Er verschenkte diese Dinge an alle, und das ist wirklich eine nette Geste. Aber es war für mich schon fast eine Spielsucht. Aber es waren echte Geschenke.

Ted wollte auch immer wieder mit mir verreisen: Er ist ein paar mal mit mir nach Pennsylvania zu seinen Eltern geflogen, wir haben uns in London getroffen, er kam nach Deutschland, er wollte mich in Irland treffen. Sehr häufig waren wir in St. Pete. All diese Reisen zählt er immer wieder auf, wenn es darum geht, was er alles für mich tut, aber ich kann sie nicht wirklich als Bemühungen wertschätzen: All die Reisen zu seinen Eltern hätte er eh gemacht, und ich kann das Gefühl nicht abschütteln, dass er mich einfach nur dabei haben wollte, um mich nicht allein (und unkontrolliert) zu lassen. Mir kam es häufig wie ein Gefallen meinerseits vor, ihn zu begleiten, denn was sollte ich denn zum xten Mal in Pennsylvania im Regen? Irland bringt er auch ständig enttäuscht vor, er sei ja nur nach Irland gefahren, um mich zu treffen. Auch hier wieder: Er ist nach Irland gefahren, da Delilahs Eltern dort wohnen. Mit mir hatte das wenig zu tun. Vielleicht wäre er wirklich nicht mit Delilah geflogen (glaube ich aber nicht), hätte er gewusst, dass ich ihn dort nicht besuchen werde, aber da Irland nun nie mein Traumziel war weiß ich nicht, warum das speziell für mich gewesen sein sollte. Und auch sein Deutschland-Trip 2016 nennt er immer wieder als Leistung für mich. Ja, er ist wirklich für mich nach Deutschland gekommen. Aber warum hat er dann die Nachmittage schnarchend auf meiner Couch verbracht? Kurz: Ich kann seine Reisebemühungen nicht richtig schätzen. Die Trips nach St. Pete waren für mich wirkliche Reisegeschenke, da sie keinem anderen Zweck als unserer Freude dienten.

Ted hat mich immer mal wieder zum Essen (Frühstück, Lunch, fast nie Abendessen) ausgeführt. Das hat ihm Freude gemacht, da es mir Freude gemacht hat. Er hat dabei darauf bestanden, dass er bezahlt. Ich glaube, dass hat weniger etwas mit Großzügigkeit als mit Erziehung oder seiner Kultur zu tun. So ist das eben in seinem Teil der Welt. Dass man als Pärchen essen geht, ist für mich allerdings normal. So ein großes Geschenk ist das nicht.

Ted nennt auch die Tatsache, dass er mich nie angelogen und nie betrogen hat als Geschenk für mich. Das jedoch ist für mich die Grundlage einer Beziehung und kein Geschenk.

Während ich das hier tippe stellt sich mir die Frage: Zählen Bemühungen nur, wenn der andere sie zu schätzen weiß? Nein, sicherlich nicht.

Und was habe ich, außer der Geschenke, für ihn getan: Ich habe immer wieder Jobs abgsagt oder verschoben, um Zeit für ihn zu haben. Ich bin mehrfach mit ihm nach Pennsylvania geflogen. Ich habe meinen Zeitplan immer nach ihm gerichtet und viel auf ihn gewartet. Ich habe ihm Delilah „erlaubt“. Ich habe ihm ständig berichtet, was ich gerade tue, und Rede und Antwort gestanden, um seine Eifersucht (erfolglos) zu reduzieren. Ich habe weniger Alkohol getrunken, damit ich ihn abends nach Hause fahren kann.

Ich habe das Gefühl, dass zwischen uns ein Ungleichgewicht entstanden ist, dass dazu beigetragen hat, unsere Beziehung – aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich weiß aus Erfahrung, dass man keinerlei „Geschenk“ einfach mit einem Preisetikett versehen und es dann gegen andere Geschenke aufwiegen kann. Anfangs war meine Beziehung zu Ted ausgewogen.

Nun ja. Die Überlegungen zu dem, was Ted jemals für mich getan hat, haben mich bei meinem Spaziergang beruhigt und ich war dann nicht mehr traurig. Aber letztendlich ist es eigentlich Blödsinn: Ich war unglücklich, aus ganz, ganz vielen Gründen, ich sah keine Zukunft für uns aus ebenso vielen Gründen, und deshalb musste ich mich trennen.

 

Advertisements

Erkälteter Statusbericht

In Statusbericht, Tagebuch, Ted on 19. Januar 2018 at 19:35

Ich hab mir ne riesige Erkältung eingefangen, und damit geht es mir nicht so gut. All die Ablenk-Aktivitäten der letzten Wochen können nicht stattfinden: Kein Sport (das war fast täglich), kein Salsa, kein Ausgehen. Das Date mit Jürgen habe ich auch abgesagt (und auf nächsten Mittwoch) verschoben. Vor mir liegen jetzt ein paar ereignislose Tage, ich kann mich eigentlich auf nichts so richtig freuen.

Mittwoch war ich mit meine Eltern für’s Ballett verabredet, wir haben die kubanische Tanztruppe „Revolucion“ gesehen, und das war der Hammer. Allerdings wurde mein Vater ein Tag vorher per Notarzt mit Herzflimmern ins Krankenhaus eingeliefert, sodass wir lange nicht wussten, ob wir überhaupt gehen können. Dann kam alles anders: Meine Mutter entschied, aufgrund ihres schweren Hustens nicht mitzukommen, und so gingen letztendlich Karin, mein Vater und ich: Karin ein Tag nach einer schweren Zahn-OP mit einer dicken Backe, mein Vater mit überstandenen Herzflimmern und ich mit einer angehenden Erkältung, die ständig für Schweißausbrüche sorgte.Das Ballett war aber toll. Die Musik für meinen Geschmack ein wenig zu mainstreamig, und bei einem kubanischen Ballett hätte ich mir auch mehr Salsa, Meringue, Bachata und Co. gewünscht, aber dennoch toll. Unglaublich, wie die Tänzer sich bewegt haben. Richtig zu sabbern fingen Karin und ich aber an, als die Männer mit nacktem Oberkörper schweißnaß über die Tanzfläche düsten. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen.

Tja, und die Männer? Stefan habe ich mehr oder weniger abgeschrieben. Der ist nett, attraktiv, charmant, interessant und interessiert, aber was soll ich denn bitte mit dem nächsten gebundenen Mann? Wir quatschen immer mal wieder auf Facebook und möglicherweise entwickelt sich eine nette Freundschaft, viel mehr wird aber daraus nicht werden. Dennoch war es am Samstag eine wirklich gute Ablenkung von der Trennung von Ted. Und Jürgen? Nun, nachdem ich Stefan getroffen habe, scheint mir ein Date mit Jürgen gar nicht mehr so verlockend zu sein. Vielleicht habe ich mich doch ein wenig in Stefan verschossen, und mit Jürgen habe ich ja schon einen Durchlauf hinter mir. Aber mal abwarten, was das Treffen bringt. Es ist ja eigentlich immer recht positiv, keine Erwartungen zu haben.

Kommen wir zu Ted. Wir haben Dienstag das letzte Mal telefoniert, das war halt, als mein Vater ins Krankenhaus gekommen war. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört und das ist auch gut so. Die meiste Zeit denke ich an die negativen Dinge, die mir mit ihm passiert sind, und dann geht es mir ok. Aber ab und zu packt mich die – was ist das eigentlich? – Liebe mit eiskalter Hand ans Herz, und das führt dann zu Instant-Tränen. Am Mittwoch im Ballett ist das passiert. Die Tänzer tanzten zu „Hello“ von Adele, und es dauerte nur 10 Sekunden, da brach ich regelrecht zusammen. Karin neben mir war völlig geschockt, und als sie mich fragte, was denn sei, wurde es nur noch schlimmer. Ich habe mich dann aber schnell wieder gefangen. Was passiert war? Ich hatte auf den Text gehört, ich kann gar nicht genau sagen, was es war, aber Ted tat mir plötzlich so Leid. Ich habe ihm das Herz gebrochen, ich weiß das. Er hat das Gefühl, ich hätte „plötzlich“ meine Meinung geändert und wollte Exklusivität und eine Zukunft. Ich kann das tatsächlich nachvollziehen. Aber es ist nicht meine Schuld, dass es ihn so überrascht hat, denn er hat einfach auch die Augen vor der Realität verschlossen. Und die Exklusivität war ja nicht unser einziges Problem. Ich befürchte fast, dass ich diesen Punkt genommen habe, weil ich einen Grund fürs Schlussmachen brauchte. Es gab ja auch noch den Alkohol und diese furchtbaren Eifersuchtsanfälle (das ist ein Link von 2014!) und der letzte davon hatte ja letzen Montag stattgefunden. Der größten Teil unserer Probleme bezieht sich auf Dinge, die ich schon seit Jahren an ihm bemängele – er hat sie nur nicht ernst genommen.

Und solche Situationen habe ich immer wieder. Es ist wohl eher der Traum von einem Leben mit einem irrealen Traum-Ted, die Erinnerung an diesen Traum, die mich so traurig werden lässt. Denn richtig schöne Zeiten hatten wir ja schon lange nicht mehr. Eigentlich war es am schönsten, als ich noch meine Panik hatte und Ted dann meine Panik – die er ja auch ausgelöst hatte – beheben konnte. Das hat zu sehr viel Leidenschaft, Innigkeit und auch Nähe geführt. Ted hat mich damals einfach so kaputt genommen, wie ich war, und mir mein Drängen auch zu den ungünstigsten Zeiten nie übel genommen. Da habe ich ihm viel zu verdanken.

Nun ja. Die Zeit heilt alle Wunden. Hoffe ich. Ich muss jetzt erst mal meine Erkältung überwinden. Und dann seh ich weiter.

Ted dreht am Rad, und ich werde schwach

In Tagebuch, Ted on 16. Januar 2018 at 21:23

Mein kleiner Austausch mit Stefan hat Ted gestern am Rad drehen lassen. In aller Öffentlichkeit auf Facebook erklärte er der ganzen Welt, dass er gekränkt sei über meine Versuche, einen Mann fürs Leben zu finden, und er wünschte mir ein schönes Leben.

Nun ja. Nicht ganz so krass. Eher verschlüsselt, keiner konnte wissen, von wem er da redete. Aber es ist ganz und gar nicht Teds Art, private Hasstiraden auf Facebook abzusetzen, und so wusste ich sofort, wer gemeint war. Es kostet mich einiges an Disziplin und Karins Zuspruch, gestern nicht darauf zu reagieren.

Er hatte aus den wenigen Sätzen – „Da bin ich wohl zu früh abgereist“ von Stefan und mein „Man kann nicht alles haben“ – geschlossen, dass da etwas zwischen uns läuft. Weit hergeholt? Ich weiß es nicht wirklich. So ganz unrecht hatte er ja nicht.

Heute dann war ich schwach. Ich habe gerade eine Erkältung bekommen und fühle mich elend. Mein Vater ist heute Morgen mit Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus gekommen. Ob ich morgen mit meinen Eltern ins Ballett gehen kann ist fraglich Ob mein Date übermorgen stattfinden kann, weiß ich angesichts meiner fiebrigen Erkältung auch nicht. Und so habe ich Ted angerufen.

Das Gespräch plätscherte zunächst dahin, aber dann wollte er wissen, was es mit diesem Stefan auf sich hatte. Ich erklärte ihm, dass ich einen ehemaligen Klassenkameraden getroffen hatte. Ob ich denn mit ihm Sex gehabt hätte, wollte er wissen. Nein, antwortete ich wahrheitsgemäß und hoffte, es damit erledigt zu haben. Ich hätte Ted besser kennen sollen. Ob ich ihn denn geküsst hätte. Ich log. Es ist sinnlos, Ted hier reinen Wein einzuschenken. Er fand es unglaublich, dass ich Stefan von mir aus kontaktiert hatte, das könne doch nur heißen, dass ich auf der Suche sei (habe ich ja gar nicht, das war ja das Seltsame). Alles in allem eine typische Diskussion mit Ted. Schließlich meinte er, er könne „das“ nicht. Er könne nicht zuschauen, wie ich andere Männer date. Ich sagte ihm, dass ich Stefan auch getroffen hätte, wenn wir noch zusammen gewesen wären (und das stimmt, ich hätte ihn nur wahrscheinlich nicht geküsst) und dass so etwas völlig normal sei. Schließlich muss ich ja auch hinnehmen, dass er mit der Mutter seiner Kinder unter einem Dach lebt. Ich hätte mich ja da ursprünglich mit einverstanden erklärt, meinte er, dass sei etwas anderes. Nun, ich habe mich nie damit einverstanden erklärt, mich nie wieder einfach nur freundschaftlich mit Männern zu treffen. Und ich bin auch nicht sein Eigentum, er kann nicht bestimmen, wen ich treffen darf und wen nicht.

Alles in allem ein sehr unangenehmes, trauriges Gespräch. Es sitzt mir auch jetzt noch in den Knochen, aber es bestätigte doch wieder, dass es mit Ted echt nicht geht. Es war ursprünglich wirklich ein unschuldiges Date, und selbst als ich gesagt habe, dass ich keinen Sex mit Stefan gehabt habe musste Ted noch mehrfach nachfragen. Ich ertrage das nicht mehr. Das war einer der Trennungsgründe.

Also. Nix Neues. Wir haben alte Wunden aufgerissen. Aber die heilen auch wieder. Wichtig ist, dass ich nicht so schwach werde, dass ich mich wieder auf ihn einlasse. Der wahre Test kommt, wenn ich im April nach Florida fliege…

 

Post vom „Traummann“

In Tagebuch, Ted on 13. Januar 2018 at 13:17

Ich hatte Ted im Messenger auf „ignorieren“ geschaltet, und das führt dazu, dass man keine Benachrichtigungen über eingehende Nachrichten mehr bekommt. Außerdem, oh Wunder, klingelt das Telefon nicht mehr bei Versuchen, mich anzrufen. Genau das wollte ich ja.

Und so fand ich Teds Nachricht gestern erst einige Stunden später (ich kann mich ja nun doch nicht zurückhalten und gucke immer mal wieder, ob er mir geschrieben hat):

„Ann,

ich vermisse, wie sich dein Fuß im Dunkeln unter meinem Bein anfühlt. Ich vermisse, wie Du nackt deine Arme um mich schlingst, wenn ich einschlafe. Es tut so weh, dass du das nicht siehst.

Wir waren ein Traum von mir.

Wenn du gegangen bist, habe ich mich immer wieder nach dir umgedreht und darauf gewartet, dass du mir zuwinkst. Erst dann konnte ich wieder atmen. Ich verstehe nicht, dass du das nicht siehst. So etwas hatte ich noch nie. Ich glaube nicht, dass ich es jemals wieder haben werde. Ich muss lernen, ohne dich zu leben.

Es wird ok sein und es tröstet mich zu wissen, dass wir beide unter demselben Himmel leben.

Ich wünsche dir nur das Beste.

Ted“

 

Natürlich heulte ich, als ich die Nachricht las. Und ich heule jetzt wieder. Aber mir fiel sofort auf, dass es da nur um Ted geht. Letztendlich sagt er, dass er mich liebt, aber dass das nicht reicht, habe ich ihm schon häufig erklärt.

Mir gelang es, die Nachricht beiseite zu legen, aber dann sendete er dieselbe Nachricht auch als E-Mail, die ich sofort bekam. Mein Handy machte „Pling“. Ich nahm mir vor, seine Nachricht in ein paar Tagen zu beantworten. Wir drehen uns im Kreis, was gibt es darauf noch zu sagen?

Aber dann bat er mich, zu antworten, einfach nur zu bestätigen, dass ich die Nachricht bekommen hatte, nur um zu sehen, ob es mir gut ginge. Damit erwischte er mich kalt. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich immer gefühlt habe, wenn er auf meine Nachrichten nicht geantwortet hat. Wie in mir die glühend heiße Panik aufgestiegen ist, die mich erfrieren ließ, bis dann endlich eine Antwort von ihm kam. Also antwortete ich. Kurz. Mit der Ansage, dass ich später detaillierter auf die Nachricht eingehen würde.

Aber damit war das Gedankenkarussel schon in Gang gesetzt worden. Und letztendlich heulte ich dann die nächsten zwei Stunden und schrieb ihm folgende Nachricht. Ich hab dabei extra ein wenig auf die Tränendrüse gedrückt – hat er ja auch gemacht – nur leider hatte das die Folge, dass ich selbst unendlich geweint habe.

„Ted,

ich weiß, dass du mich liebst. Ich habe das gefühlt. Ich liebe dich auch. Und das war das, was unsere Beziehung so besonders gemacht habe. Ich hatte das zuvor noch nie mit einem anderne Mann gespürt. Deshalb ist das alles so tragisch.

Verstehst du eigentlich, worum ich die ganzen Jahre gekämpft habe? Ich bin des Kämpfens so müde. Kämpfen um dich. Damit du verstehst, wer ich bin. Kämpfen gegen mich selbst, meine Ängste. Meine eigenen Bedenken – eine Beziehung mit einem „verheirateten“ Mann?! Kämpfen, damit meine Träume wahr werden. Ich habe immer gekämpft. Ich habe es so satt. Ich bin gescheitert. Ich bin auf so vielen Ebenen so heftig gescheitert und ich bin sauer auf mich selbst. Ich habe das Gefühl, du weißt nicht, wer ich bin, da bin ich also auch gescheitert.
Du sagst, dass wir ein Traum von dir waren. Ja, ich hatte denselben Traum. Aber in dieser Hinsicht sind wir ziemlich unterschiedlich. Ich wache nach einer Weile gerne aus meinem Traum auf und arbeite daran, in real zu werden zu lassen. Und dann beginne ich mit der Arbeit an meinem nächsten Ziel. Ich hatte gehofft, dass wir das zusammen tun können. Ich bin mir nicht sicher, dass du das jemals wolltest. Es war ein Schock für mich, im Dezember zu dieser Erkenntnis zu kommen. Meine Welt ist in sich zusammengebrochen.
Im Moment bin ich völlig hilflos. Ja, auch ich muss lernen, ohne dich zu leben. Ich muss mich von meinem Traum lösen und neue Pläne machen. Ich habe keine Ahnung, wohin es geht. Ich bin so müde. Ich bin körperlich müde, ich könnte den ganzen Tag lang schlafen.
Es ist sinnlos, weiter darüber zu streiten wer was getan hat und wer Schuld ist. Ich liebe dich, ich möchte unsere Freundschaft nicht verlieren. Deshalb möchte ich nicht reden. Ich habe das Gefühl, ich habe alles gesagt, was zu sagen ist:
Du liebst mich, ich liebe dich, aber das reicht nicht aus. Ich möchte mit dem Mann, von dem ich dachte, er wäre der Mann meines Lebens, irgendwann „ankommen“ und mich niederlassen. Ich glaube, dass das normal ist. Du kannst das nicht mit mir machen. Ich muss also neue Pläne schmieden.
Es tut so weh. Es ist so, als würde ich versuchen, unter Wasser zu atmen. Es wird mir irgendwie gelingen, wie immer. Aber ich habe es so satt, zu kämpfen.
Ann

Ich wusste, dass ich schon wieder in Tränen ausbrechen würde, wenn ich das jetzt tippe. Und mein Gesicht muss sich erholen, ich habe heute Abend ein Date mit Stefan!
Was ich geschrieben habe, ist aber genau das, was ich denke. Und als Ted schrieb, wir wären „sein Traum“, da erschien mir das der Leitgedanke durch sein Leben zu sein. Ich glaube nicht, dass er jemals vorhatte, seinen Traum real werden zu lassen. Meine Güte, der Kerl hat mich gebeten, ihn zu heiraten – ohne jeglichen Plan dazu, wie das gehen sollte mit einer Frau und zwei Kindern, von denen er sich nicht lösen will. Der Kerl „betäubt“ sich täglich (nach eigener Aussage) mit Alkohol. Er will gar keine Realität leben. Er will mit dem Traum leben, was sein könnte.
Ted argumentiert in unseren Gesprächen immer wieder, dass ein Mann, der mir vor seinen Kindern Priorität geben würde, ein Arschloch sei. Sehe ich genauso. Nur bedeutet die Tatsache, dass die Kinder Priorität haben, ja nicht, dass er die dazugehörige Frau anlügen muss, man kann doch trotzdem reinen Tisch machen? Ted sieht das anders. Oder dass er mit ihr schlafen muss. Aber das hatten wir ja schon. Er sagt mir auch immer wieder, dass ich vor meiner letzten Ankunft die Chance auf eine Exsklusivbeziehung mit ihm gehabt hätte. Damals hatte er mich – so sagt er, ich erinnere mich nicht richtig – gebeten, Delilah zu erzählen, dass wir gerade erst zusammen gekommen wären, also die letzten Jahre nie Sex hatten. Ich erinnere mich vage an so ein Gespräch, ich weiß auch, dass ich angesichts der Unglaubwürdigkeit dieser Lüge darüber gelacht habe. Ich kann mich jedoch nicht erinnern, dass das bedeutet hätte, dass Ted und ich eine „offizielle“ Beziehung hätten führen können. Ich glaube, ich habe mich damals so über seine Bitte, so dumm zu lügen, aufgeregt, dass wir zu dem Teil gar nicht gekommen sind.
Ja, was wir hatten war intensiver als alle Beziehungen, die ich vorher hatte. Ich habe wirklich mehr Liebe und Hingebung gespürt als jemals zuvor. Und ich habe auch mehr Liebe und Hingebung zeigen dürfen als zuvor. Ich habe viel gelernt. Meine Panik ist weg. Ich habe gelernt, dass ich liebenswert bin. Und ich habe gelernt, für meine Wünsche einzustehen. Jetzt ist Zeit, die neue Ann zu leben.

Sexträume – befreite Sexualität?

In Sex, Ted on 11. Januar 2018 at 09:38

Meine Aussagen Ted gegenüber, dass ich mich überhaupt nicht für andere Männer interessiere und nicht absehen kann, wann und ob das noch mal so sein würde, werden durch meine Träume Lügen gestraft. Und dabei war ich völlig davon überzeugt, dass ich die Wahrheit sage. Ich spüre schon seit Monaten (oder Jahren?) keine Lust mehr auf Sex. Klar, wenn wir einmal zu Gange sind, entwickelt sich die Lust, aber von mir aus kommt da gar nichts. Schade eigentlich, da ich mich auch anders kenne. Und mein Desinteresse an anderen Männern besteht schon viel länger. Sobald ein Mann auch nur einen Funken Interesse zeigt, weiche ich aus. Das hat sich sogar gestern beim Salsa tanzen gespürt und gezeigt. Da tauchte nämlich André wieder auf. Und der war mir gestern einfach nur peinlich. Ich hab keine Lust mehr auf das Prickeln, das Ausharren, das Kämpfen. Ich will Ruhe. Wenn es nach mir geht, könnte ich auch ins Kloster gehen.

Nur: Meine Träume sprechen da eine andere Sprache. Letzte Nacht hatte ich zum zweiten Mal innerhalb von einer Woche einen Sextraum. Den ersten habe ich vergessen, leider. Der zweite verblasst gerade, wie das mit Träumen so ist. Deswegen will ich wenigstens die Konturen noch aufschreiben.

Auslöser war sicher der junge muskulöse, tätowierte Kerl, der mir gestern per Facebook geschrieben hatte. Ich hatte in einer Fotogruppe sein Foto mit „gefällt mir“ markiert, denn das Foto war echt klasse, und darauf hin meinte er, wortwörtlich, „ich dachte, ich versuchs mal“. Naja, versuchen kann man es ja, aber wie gesagt, ich habe kein Interesse an Männern, und dieser spezielle Kerl sah zwar heiß aus, hätte aber locker der Vater meiner gerade schulpflichtigen Enkelkinder sein können. Ne danke, und das sagte ich ihm auch. Das hinderte mich aber nicht daran, von einem älteren, ähnlich sexy Exemplar (mit langen Haaren, darauf steh ich eigentlich gar nicht) zu träumen.

Den Kerl im Traum hatte ich zufällig (ohne wen zu suchen) online getroffen, wie genau weiß ich nicht mehr. Wir fühlten uns sofort zueinander hingezogen und hatten direkt Sex, und das war ziemlich geil. Da wir uns so gut gefielen, konnten wir uns nicht voneinander lösen, und so nahm er mich mit im Auto nach Hause, wo er mit seiner Familie reden musste. Ich wartete geduldig auf der Couch, bis er wieder Zeit für mich hatte, und dann legten wir uns in irgendein Bett, wo er aber noch telefonieren musste. Dabei war auch noch ein anderer Kerl. Jünger, muskulös mit einem perfekten Körper und ganz glatter Haut. Während mein Traumtyp neben mir liegend also mit irgendwem telefonierte, wurde ich in Erinnerung an unseren Sex so scharf, dass ich dem anderen Glatthaut-Kerl wohl Signale gab, mit mir zu schlafen. Ich erinnere mich daran, dass er groß und muskulös war, und er hatte einen großen perfekten Schwanz. Aber bevor es soweit kam, öffnete ich die Augen und stellte fest, dass ich da nicht mit meinem Traumtyp, sondern mit jemand ganz anderem zugange war. Also verscheuchten wir den Glatthaut-Kerl und kümmerten uns wieder um uns selbst. Von seiner Wohnung aus fuhren wir dann weiter mit dem Auto wieder zu mir nach Hause, in dem ich meine Handtasche vergaß (ein wiederkehrendes Thema mit der Handtasche, sowas habe ich auch schon mal von meinem Coach, mit dem ich irgendwann im November glaube ich „Traumsex“ hatte, geträumt). Auf der Suche nach der Handtasche wachte ich dann leider auf.

Was bleibt ist ein wundervolle Prickeln (das ich ja gar nicht will) und die Lust auf einen knackigen Kerl. Warum diese Träume jetzt aber so gehäuft auftreten ist mir ein Rätsel. Hab ich mit Ted nur meinen Wunsch auf wilden Sex und geile Kerle unterdrückt? Ich habe in den letzten Jahren wirklich niemanden gesehen, der mir so gut gefallen hätte, dass ich mit ihm hätte Sex haben können. Ist es möglich, die Lust auf fremde Haut einfach zu verdrängen? Das wusste ich nicht. Ich habe immer gedacht, die Lust käme zwangsläufig irgendwann einmal, und dann wäre es ein Zeichen von Charakterstärke, nicht fremdzugehen. Bei mir war die Lust in den Jahren mit Ted nie da.

Schön ist es auch zu wissen, dass ich noch Lust haben kann. Ich kam mir in den letzten Monaten und Jahren regelrecht frigide vor.  Da war wirklich null Lust. Mir schwante, dass das was mit meiner nicht so guten Beziehung mit Ted zu tun haben könnte, und ich hatte so etwas ja auch schon mal mit meinem Exmann erlebt – dem einzigen Mann, dem ich je fremdgegangen bin. In unserer Ehe hatte ich auch jahrelang keine Lust mehr auf Sex gehabt, und dann bin ich regelrecht sexhungrig daraus hinausexplodiert. Jetzt aber weiß ich es. Und vielleicht ist es ja sogar so, dass Ted nicht nur meine Lust auf Sex mit ihm, sondern einfach generell meine Sexlust gekillt hat. Oder, um fair zu sein, nicht Ted, sondern unsere Beziehung. It takes two to tango.

Tja, und Ted? Der hatte sich vorgestern Abend bei mir gemeldet. Er hat drei Mal nacheinander angerufen, beim dritten Mal bin ich drangegangen. Ich hatte lange überlegt, ob ich das Gespräch annehmen sollte, aber dann überwog die Neugier. Was wollte er? Nichts. Und da wurde ich kalt. Er wollte mir nur sagen, dass er mich liebt. „Das reicht mir nicht“, antwortete ich und beendete das Gespräch. Zunächst hatte ich das Gefühl, versagt zu haben. Ich hatte mit Ted gesprochen, obwohl ich es eigentlich nicht gewollt hatte. Aber dann beruhigte ich mich. Ich war ja nicht schwach geworden. Seitdem ist auch Ruhe im Karton. Nicht auszuschließen, dass Ted sich noch  mal meldet, denn ich habe gerade das Gefühl, dass er tatsächlich  mehr verloren hat als ich. Aber wer weiß. Die Sexträume – meine befreite Sexualität – sind ein weiterer Grund, mich von diesem Mann fernzuhalten.

Schluss

In Tagebuch, Ted on 9. Januar 2018 at 01:07

Mal wieder gibt es einen Eintrag mit dem Titel „Schluss“. Ich kann mich noch an den zu Luis erinnern. Nun ja…

Ich hab so viel geheult, ich kann kaum aus den Augen schauen. Ted hat sich vorgestern Abend mit einem Bild von uns zweien und „Good night“ gemeldet, gestern hat er dann angerufen, es ist mir gelungen, den Anruf zu ignorieren. Heute Morgen war dann aber Schluss mit der Disziplin. Ich bat ihn, mich anzurufen und das tat er dann auch eine halbe Stunde später.

Ich fragte ihn, ob wir einfach nur Freunde sein könnten. Auf seine Nachfrage hin bestätigte ich, dass ich Schluss machen wollte. Ted wollte wissen, ob ich beabsichtige, mich mit einem anderen Mann einzulassen, und allein diese Frage macht mich wütend. Sie zeigt, dass er überhaupt nicht versteht, dass ich nicht wegen einer anderen Person Schluss mache, sondern aufgrund der aktuellen Entwicklungen und all unserer Probleme. Aber das Schema kennen wir ja schon.

Ich fragte ihn, welche Zukunft er sich für uns vorstellte, aber er konnte nichts anderes sagen als dass er „great things“ für uns geplant hatte. Das erinnerte mich sehr an Trump. Der spricht auch immer nur von großartigen Dingen und ist selten konkret. Auf die Frage, wie er sich denn eine Ehe mit mir vorgestellt hatte, nachdem er mich so häufig gefragt hat, ob ich ihn heiraten würde, konnte oder wollte er ebenfalls nicht antworten. Er wiederholte immer nur, dass ich ihm doch lange gesagt hätte, dass die Situation mit Delilah für mich ok sei und dass er sich keiner Schuld bewusst wäre.

Und vielleicht ist da was dran. Ich erinnere mich doch selbst daran, dass ich immer wieder gesagt habe, die Situation sei ideal. Ich bin so verwirrt von all unseren Streits, dass ich nicht weiß, ob ich sein ungeklärtes Verhältnis mit Delilah nicht nur vorschiebe, um Schluss machen zu können. Kann schon sein, denn neben Delialh haben wir ja noch ganz viele andere Baustellen. Der Alkohol, seine Eifersucht. Die ständigen Kontrollanrufe. Und wenn ich ehrlich mit mir bin: Selbst wenn seine Unentschlossenheit Delilah gegenüber nicht wirklich ein Trennungsgrund für mich wäre, so ist die Art und Weise, in der er sie behandelt, in der er über ihren Kopf hinweg entscheidet, was richtig für sie ist, doch unter aller Sau. Er argumentiert tatsächlich, dass er Delilah nicht von mir erzählen möchte, damit sie nicht den Glauben an die Männer verliert. Damit sie nicht glaubt, alle Männer seien Arschlöcher. Er bringt das mit so viel Überzeugung vor, dass ich glaube, dass er das selbst glaubt. Sehr edelmütig. Aber tatsächlich geht es doch nur darum, dass er nicht selbst als Arschloch dasteht.

Wir mussten unsere Telefongespräch heute Morgen vertagen, und so sprachen wir heute Abend weiter. In der Zwischenzeit war ich bei Karin gewesen und sie hatte mir gesagt, ich sollte ihm ein Ultimatum stellen: Entweder er schenkt Delilah bis April reinen Wein an und kümmert sich um seinen Alkoholismus, oder ich muss mich trennen. Ich wusste ja schon, wie das ausgehen würde. Aber ich stellte ihm die Frage trotzdem. Er lehnte ab. Aus „Respekt mir gegenüber“, wie er sagte. Erst verstand ich nicht, was er meinte, da erklärte er, er könnte mich ja auch anlügen. Ist es ein Zeichen von Respekt, wenn jemand nicht lügt? Ted hat wirklich eine seltsame Einstellung zu Lüge und Wahrheit.

Wie so häufig schon hat er sich damit klar gegen mich entschieden. Es war ein erneuter Tritt in den Bauch – den ich offensichtlich schon wieder nötig hatte. Ted stellte es zwar so dar, als sei es allein meine Entscheidung, aber eine Entscheidung für Delilah ist eine Entscheidung gegen mich, so einfach ist das. Ich glaube allerdings, dass Ted tatsächlich Recht hat und dass er nichts entscheidet. Er sitzt die Dinge aus. „It will work itself out“ – erneut. Er muss gar keine Entscheidung treffen, in diesem Fall treffen die Frauen (oder genauer, ich) die Entscheidung für ihn. Wie dem auch sei, er will nicht wahrhaben, dass er sich damit gegen mich entscheidet. Und immer wieder behauptet er, dass er sich nicht für Delilah, sondern für seinen Sohn entscheidet. Ich glaube das einfach nicht. Und ich glaube auch nicht, dass er das selbst glaubt. Ginge es nur um seinen Sohn, könnte er dennoch Klartext mit Delilah reden.

Aber I’m done fighting. Ich habe es so satt, um ihn zu kämpfen. Gegen Delilah, gegen den Alkohol. Für meine Glaubwürdigkeit. Ted versteht nicht, dass es mir nicht darum geht, frei für andere Männer zu sein. Er wurde böse und wünschte mir Glück mit dem nächsten verheirateten Arschloch. Ich glaube nicht, dass der nächste Mann, falls es einen geben wird, verheiratet oder sonstwie liiert sein wird. Lasse ich mich wieder auf so einen Kerl ein, muss ich mich wohl stationär einweisen lassen. Wer aus dem Scheiß mit Luis und Ted nichts gelernt hat, der hat wirklich nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Ich habe Ted gesagt, dass ich keine Anrufe mehr möchte. Dass er mich jetzt erst Mal allein lassen soll. Er hat letztendlich zugestimmt, mein Freund bleiben zu wollen. Ob das klappt, ist fraglich. Ted glaubt nicht daran, dass Mann und Frau ohne Sex befreundet sein können. Alles dreht sich nur um Sex bei ihm. Aber vielleicht ist das typisch Mann, Karin meint das auf jeden Fall.

Nachdem er zugestimmt hatte, mich vorerst in Ruhe zu lassen, rief er mich 15 Minuten später wieder an. Ich sagte ihm ruhig, dass ich nicht mit ihm sprechen wollte und sendete noch eine Textnachricht hinterher. Seitdem kamen drei Nachrichten. Er wäre bereit, mein Freund zu sein. Und er wünschte mir eine gute Nacht. Mal sehen, wie es weitergeht.

Ich muss einen Sport daraus machen, abstinent von Ted zu bleiben. Es tut mir nicht gut, seine Stimme zu hören. Es lässt Hoffnungen und Erinnerungen in mir wachsen, und dann werde ich doch nur wieder enttäuscht.

Ich fühle mich völlig erschöpft. Ich habe so viel geheult. Ich werde meinen Frust morgen beim BodyCombat und danach beim BodyPump – also beim Sport – ausleben. Das funktioniert immer. Im Moment ist mir schwindelig vor Erschöpfung.

Dickes Loch im Herz

In Tagebuch, Ted on 6. Januar 2018 at 14:50

Nachdem die letzten Tage zwischen Ted und mir alles so weitergegangen ist wie immer, habe ich heute Morgen den nächsten Schritt gemacht. Ich habe ihm gesagt (per Facebook-Messenger), dass ich Distanz brauche, dass er mich nicht mehr kontaktieren soll, und dass ich mich melde, wenn ich soweit bin.

Die letzten Tage liefen ab, als wäre nichts passiert. Er meldete sich rund um den Sonnenaufgang, den er mit seinen Saufkupanen in einer verrauchten Bar an einem anderen Pier verbrachte. Dann kamen im Laufe des Tages weitere Anrufe, immer ohne wirklichen Inhalt, oft endeten sie im Streit.

Gestern Abend war es typisch: Er rief gegen 7 an, als ich gerade in der Wanne saß, und hatte wohl eben das Haus verlassen, saß im Auto. Er konnte sich nicht aufs Gespräch konzentrieren, da er erst mal von seiner Straße auf eine stark befahrene andere Straße abbiegen musste. 2 Minuten Gesprächspause. Ich kenn das schon, das macht er fast immer. Wir fingen also an zu reden, ich erzählte ihm von meinem Nachmittag mit Karin, aber er unterbrach mich nach 3 Minuten. Er müsse gerade Luft in seinen Reifen pumpen, ob er mich gleich noch mal anrufen könne. Ok. Ich hüpfte in Windeseile aus der Wanne, um bei seinem nächsten Anruf trocken, eingecremt und angezogen zu sein und setzte mich auf die Couch. Ich musste nicht lange warten, da klingelte das Telefon. Ich hatte schon überlegt, nicht mehr ranzugehen. „Wo waren wir?“, fragte er, aber ich hatte das bis dahin vergessen. Also redeten wir über irgendwas anderes Belangloses, aber nach weiteren 3 Minuten unterbrach er das Gespräch erneut. Ob er mich später noch mal anrufen könne, fragte er.

Da wurde ich ein wenig unwirsch. Wozu? Ja, es wäre doch schön, miteinander zu reden. Ja klar. Aber richtig zu sagen haben wir uns im Moment nichts, und die meisten Gespräche enden eh im Streit, da ich sauer bin, dass er mich hat glauben lassen, wir würden auf eine gemeinsame Zukunft hinarbeiten können. Er verteidigt sich dann natürlich. Ich weiß nicht, ob er sich nicht bewusst ist, dass er mich mit seinen Anrufen immer wieder bei irgendwas unterbricht. Beim Baden, Lesen, Fernsehen, Arbeiten, Telefonieren, Essen… Er selbst kann es ja umgekehrt nicht so empfinden, da ich ihn ja praktisch nie anrufe. Ich sende ihm eine Nachricht und er reagiert dann, wann es ihm passt. Also sagte ich ihm, dass ich nicht unbedingt später noch mal telefonieren wollte. Wir einigten uns darauf, dass er mir später eine Nachricht schickt und ich dann schaue, ob ich mit ihm telefonieren will.

Nun, die Nachricht kam gegen 1 Uhr nachts und da hatte ich keine Lust. Im weiteren Verlauf des Abends kamen 7 weitere Nachrichten, unter anderem sagte er mir, dass er mich liebt und dass er mich heute später anrufen würde, da er bis nach 1 Uhr nachts babygesittet hätte. Ich reagierte nicht.

Heute Morgen dann aber fasste ich mir ein Herz und schrieb ihm Folgendes:

„Ich liebe dich auch, aber ich brauche etwas Abstand. Ich weiß nicht, ob du verstehst, wie ich mich fühle. Ich muss mein Leben und meine Zukunft neu überdenken, ich fühle mich völlig verloren. Im Moment versuche ich nur, Gründe zu finden, dir die Schuld zuzuschieben, und das macht unsere Freundschaft kaputt und macht meinen Schmerz auch nicht kleiner. Gib mir bitte etwas Zeit, bis ich mich besser fühle. Ich werde dir eine Nachricht schicken, wenn ich bereit bin.“

Er hat mittlerweile mit „Ich verstehe“ reagiert.

Naja, und ich sitze hier und heule. Was habe ich erwartet? Er hat mir klipp und klar gesagt, wie er seine Zukunft sieht: Mit Delilah und den Kids in einem Haus. Mit mir als Frau, die vielleicht die Nummer 1 in seinem Herz ist, aber immer verzichten muss, da die andere Vorrang hat. Das geht einfach nicht mehr. Natürlich hoffe ich immer weiter auf ein Wunder, aber was soll das sein? Dass er plötzlich entscheidet, auszuziehen und eine Entziehungskur macht? Wenn überhaupt, wird das nicht plötzlich geschehen.


Und während ich das hier getippt habe, rief er an. Ich hatte unser Gespräch im Mesenger auf „stumm“ geschaltet, aber offensichtlich bedeutet das nicht, dass ich seine Anrufe nicht höre. Ich bin rangegangen, und wir haben erneut über alles gesprochen. So überflüssig, so schmerzhaft. Er war sehr lieb, versuchte mir erneut zu erklären, dass er nur für seine Kinder so handelt, während ich ihm dann erklärte, dass er nicht mit Delilah schlafen und sie auch nicht anlügen müsste, würde es nur um seine Kinder gehen. Er erklärte, er hätte gedacht, es sei „erlaubt“ gewesen. Dass etwas „erlaubt“ ist (selbst wenn es so wäre) erklärt ja nicht, warum man es macht, oder?  Und so weiter. Wir drehten uns im Kreis, aber wir stritten uns nicht. Letztendlich bat ich ihn, nicht mehr anzurufen, und er stimmte zu. Sein letzter Satz war „Would you keep me close?“, ich antworte mit „Ehrlich gesagt versuche ich, genau das nicht zu tun“.

Es tut so scheiße weh. Ich muss in ner 3/4 Stunde los zum Sport, und jetzt bin ich völlig verheult. Ich fühle mich so einsam, mit einem dicken Loch im Herz.

 

 

Ich muss gehen, weil für mich kein Platz in seiner Zukunft ist

In Tagebuch, Ted on 4. Januar 2018 at 17:10

In Florida herrscht Winter, und so rief Ted heute später an als sonst. Er war an einem anderen Pier, dort, wo er in einer verrauchten Kneipe alte Pier-Veteranen (alles Alkis) zum Frühstücksbier traf.

Wieder tat er so, als wäre alles beim Alten. Mitten im Gespräch meinte er dann, er würde mich vermissen. Und das nahm ich zum Anlass, ihm meine Meinung zum Vermissen zu sagen: „Ich vermisse uns auch. Ich vermisse meinen Traum. Aber der ist zerplatzt.“

Wir haben nicht gestritten. Ich habe Ted klar gesagt, dass ich keinen Platz für mich in diesem Dreier- oder gar Vierergeflecht sehe. Um mir eine Zukunft vorstellen zu können, muss er mir Platz einräumen. Ich muss sehen, dass er sowohl Delilah als auch den Alkohol verabschiedet. Er kam, wie immer, mit dem Argument, dass er nur mich lieben würde, aber das ist mir nicht genug. Ich sagte ihm klar, dass ich nicht glaube, dass er Delilah in absehbarer Zeit sagen würde, dass wir eine normale Beziehung (mit Sex) haben, und so lange Delilah nicht Bescheid weiß müssen wir uns nach ihr richten. Und dann haben wir eine Dreierbeziehung und keine Paarbeziehung. Ich weiß, dass sie als Mutter seiner Kinder immer eine Rolle in seinem Leben spielen wird. Aber so lange sie nicht weiß, dass ich die „Hauptfreundin“ bin (wie er es mich gerne glauben lässt), wird sie sich als Hauptfreundin fühlen. Und zwei davon kann es nun mal nicht geben.

Als ich ihn klipp und klar fragte, wann er glauben würde, dass Delilah auszieht, konnte er mir die Frage nicht beantworten. Ich glaube auch nicht, dass es eine Antwort darauf gibt. Ich sagte ihm, dass ich mit Anfang 50 einfach zu alt bin, um langfristige Geliebte zu sein, dass ich endlich ankommen will. Und dass ich mehr wert bin, als einfach nur die Geliebte eines Mannes zu sein. Er stimmte zu. Er war überhaupt ziemlich kleinlaut und „geschmeidig“.

Er argumentierte erneut, dass ich ja meine Einstellung geändert hätte. Ich wäre doch zu Beginn mit Delilah einverstanden gewesen. Die Bedingungen wären anders gewesen. Ja. Anfangs. Aber spätestens mit der Frage, ob ich ihn heiraten würde (und das war im Sommer 2014) hat er angedeutet, dass er eine langfristige Zukunft mit mir als Ehefrau anstrebt. Ich glaub(t)e nicht, dass er sich eine Ehe wünschte, in der er mit Delilah zusammen wohnt und ich geheimgehalten werde. Er hat mich immer deutlicher spüren lassen, dass wir eines Tages ein normales Paar sein würden, aber wenn man sich die aktuellen Entwicklungen anschaut, dann sind wir da nicht besonders weit gekommen. Ted behauptet nach wie vor, dass wir ein Paar wären, wenn es die Kinder nicht gäbe, ich werfe ihm dann ständig vor, dass er der Kinder wegen nicht mit Delilah hätte schlafen müssen. Und er lügt Delilah auch nicht der Kinder wegen an.

Ich glaube, Ted ist ein Träumer. Er wünscht sich vielleicht wirklich eine exklusive Paarbeziehung mit mir. Aber er meint, in den Umständen gefangen zu sein und nichts ändern zu können. Dabei hat sich so vieles schon geändert. Ich fände, so wie es heute aussieht, wäre es relativ einfach, den endgültigen Schritt weg von Delilah zu machen. Aber er ist nicht bereit dazu. Er meint, er könne sich keine zwei Haushalte leisten, wenn Delilah auszieht. Ich denke, das könnte man arrangieren. Das Geld sollte nicht der einzige Grund sein, aus dem er nicht mit mir zusammen sein kann. Ich glaube, er traut mir nicht. Er glaubt nicht, dass er mich „ewig“ an sich binden kann. Das hat wenig mit mir als Person zu tun. Ich glaube, er ist sich sicher, dass Delialh der Kinder wegen bei ihm bleibt, und so entscheidet er sich für sie und nicht für mich. Ich bin ihm zu selbstständig. Das aber ist natürlich nur meine Sichtweise.

Ted wirft mir auch ständig vor, ich hätte ihm im Juni doch noch gesagt, ich würde wollen, dass in den nächsten 10 Jahren alles so bleibt, wie es ist. Ich hatte ihm ja einen Brief mit meiner 10-Jahres-Planung geschrieben. Aber er hat ihn falsch in Erinnerung. Ich habe nie geschrieben, dass ich möchte, dass in den nächsten 10 Jahren alles so bleibt. Ich habe viel mehr geschrieben: „Für die nächsten zehn Jahre oder so so lange meine Eltern noch leben: Ich möchte meinen Job weiter so machen wie bisher. Ich möchte weiter reisen. Ich möchte mehr Zeit mit Dir hier in Florida verbringen, aber das ist zurzeit einfach nicht machbar.“ Ted sagte auch heute wieder, dass er daraus gefolgt hatte, dass ich das Geliebten-Verhältnis mit ihm, so wie es ist, aufrechterhalten möchte. Welche Geliebte, die halbwegs bei Verstand ist, fordert ihren Lover auf, bei seiner Ehefrau zu bleiben? Wenn ich ihn das frage, kommt er mir mit meiner Vergangenheit: Ich hätte doch in offenen Beziehungen gelebt, wäre in Swingerclubs gegangen, da wäre ihm das plausibel erschienen. Das tut weh.

Im Gespräch wurde auch klar, dass Ted wohl einfach nicht mit der Fernbeziehung klarkommt. Er fühlt sich alleingelassen, wenn ich nicht da bin. Ich kann das nachvollziehen, aber ich kann doch nichts daran ändern. Um länger in den USA bleiben zu können, müsste er mich heiraten. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Und da er sich alleingelassen fühlt, möchte er sich nicht von Delilah trennen – das hat er so nicht gesagt, das interpretiere ich jetzt hinein. Meine Reaktion: „Wenn Du mit meiner Abwesenheit nicht klarkommst, dann ist eine Fernbeziehung wohl nichts für dich.“

Ted wollte wissen, ob ich seit meiner Rückkehr schon Kontakt zu Mete gehabt hatte. Unser ewiges Streitthema. Er glaubt, ich hätte eine Affäre mit ihm. Nein, Mete hat mir ein frohes Neues Jahr gewünscht. Ich habe in den letzten 3 Monaten maximal 3 Mal kurz mit ihm getextet. Keine Ahnung, warum Ted so fixiert auf ihn ist. Für ihn wäre es sicher eine gute Erklärung dafür gewesen, dass ich mich von ihm trennen will. Ted hätte es auch gerne, dass ich ihm sage, wenn ich einen neuen Mann kennen lerne. Und so erklärte ich Ted erneut, dass es nicht darum geht, dass ich einen anderen hätte oder andere Männer wollte. Wenn ich keinen neuen Mann will, warum sollten wir uns dann trennen, fragte mich Ted. Keine falsche Frage. Genau dieses Argument hatte ich für mich selbst ja auch in den letzten Monaten: Wenn ich eh keinen anderen will, kann ich ja auch bei Ted bleiben.

Aber das funktioniert eben nicht. Ich bin unglüclich. Ich fühle mich eingesperrt. Ich fühle mich von ihm ständig kontrolliert. So Dinge wie an Neujahr, als er mich fragte, ob ich in der Silvesternacht allein ins Bett gegangen sei, gehen mir furchtbar auf den Senkel. Sehr häufig glaube ich, dass er gar nicht anruft, weil er mich vermisst, sondern nur deshalb, weil er mich kontrollieren will. Ich habe es satt, ständig seine Kontrollfragen zu beantworten. Jeden Abend gegen Mitternacht ruft er an, um mir eine gute Nacht zu wünschen, und er kann sich nicht verkneifen zu fragen, was ich dann noch „vorhabe“. Ja was schon, ins Bett gehen. Allein. Meine Bemühungen, sein Vertrauen zu gewinnen, sind gescheitert. Waren wohl von Anfang an zum Scheitern verurteilt, da er weiß, dass man ihm auch nicht vertrauen kann.

Und jetzt? Ich weiß nicht, ob Ted verstanden hat, dass ich Schluss machen will. Ich liebe ihn, und ich glaube ihm wenn er sagt, dass er mich auch liebt. Aber er kann nicht aus seiner Welt raus, will es auch nicht. Oder anders ausgedrückt, er liebt mich nicht genug, um seine Welt zu verlassen und den Traum mit mir zu leben.

Es tut weh. Ted ist mein bester Freund. Jemand, mit dem ich mehrfach am Tag telefeoniere. Dem ich meine intimsten Gedanken anvertraue. Ok, in den letzten Tagen habe ich ihm nicht mehr viel anvertraut, aber dennoch, er hat mich jetzt 4 Jahre lang begleitet. Ich habe große Träume rund um eine Beziehung mit ihm gehabt. Er war lange Zeit „meine Welt“.

Ich sitze hier und warte auf einen Anruf von ihm, der wohl nicht kommen wird. Und es wäre unklug von mir, ihn anzurufen. Erstens ist er mittlerweile wahrscheinlich zu Hause bei Delilah, und zweitens muss er sich die Dinge, die ich ihm gesagt habe, durch den Kopf gehen lassen. Ganz so neu kann es ihm nicht sein, denn wir haben uns in den letzten 2 Wochen ja auschließlich über diese Sachen unterhalten. Aber so klar habe ich ihm noch nie gesagt, dass

ich gehen muss, weil  für mich kein Platz in seiner Zukunft ist.

Ich fühle mich einsam gerade. Ich denke, mein Florida-Konstrukt (mit 3 Monate hier und 3 Monate dort) hat auch nur wegen Ted funktioniert. Im April fahre ich noch mal, ist ja alles schon gebucht, aber möglicherweise war es dann wirklich das letzte Mal.

So einfach ist es wohl nicht

In Gesundheit, Tagebuch, Ted on 3. Januar 2018 at 12:54

Nun, Ted rief gestern Mittag an als wäre nichts. Dabei hatte er mich vorgestern Abend mit den Worten verabschiedet, dass ich mich melden sollte, wenn ich auf ihn Bock habe. Und gestern Abend rief er 2 Mal an. Also alles wie immer.

Gestern Abend erklärte er mir, dass er mein neues Profilfoto schön fände… Aha. Fragte mich aber, warum ich es online gestellt hätte. Nun, weil ich es „cool“ fand. Er fragte mich auch, warum ich so „kühl“ ihm gegenüber sei. Meine Antwort: „Weil ich von Dir einen Tritt in den Bauch nach dem anderen bekomme. Du findest es scheiße, dass ich für dich nicht lüge, ich soll bis April warten, du wirfst mir Untreue vor und jetzt schämst du dich sogar für mein Profilbild.“

Ich bin tatsächlich weiterhin sehr verhalten ihm gegenüber. Sehr kurz. Ich würde sagen, dass Vertrauensverhältnis ist weg. Ich erzähle ihm zwar, was ich tagsüber mache, aber aber weiß nicht, wie ich mich dabei fühle. Es gibt viele Gesprächspausen während eines Anrufs, weil keiner von uns etwas sagt. Früher habe ich diese Lücken immer plappernd überbrückt (daher sein Vorwurf, ich wolle immer nur von mir reden, denke ich). Jetzt mache ich es eben nicht mehr.

Mir gelingt es sehr gut, unsere Gespräche direkt wieder zu vergessen und mich erneut auf das zu konzentrieren, was ich vor seinem Anruf machte. Ich bin tatsächlich ziemlich „kühl“. Bis auf das Jetlag (ich schlafe mies bis gar nicht) und die Nachwirkungen der Magenspiegelung (nix Neues, hab einen Zwerchfellriss, der sich in den letzten 4 Jahren aber nicht verschlimmert hat), die mich einfach sehr müde machen, bin ich guter Dinge.

Ich habe mich gestern kurz auf Facebook bei ein paar Singlegruppen angemeldet, aber ein paar Stunden später auch schon wieder abgemeldet. Sorry, wenn ich die Hackfressen da sehe – Online-Dating ist echt nichts für mich. Ich wollte mich von Ted ablenken, das wäre immer noch die einfachste Möglichkeit: einfach einen neuen Mann kennen lernen. Abger so einfach ist das wohl nicht.

Moralisch abweichende Grundprinzipien

In Tagebuch, Ted on 28. Dezember 2017 at 03:53

Im Laufe des Tages stellte sich heraus, dass ich mal wieder einiges missverstanden hatte. Ted hat zwar (angeblich) mit Delilah Schluss gemacht, aber wir können, so meint er, erst im April offiziell zusammen sein. Bis dahin läuft alles so weiter, wie bisher. Warum? Weil ich morgen abreise, sagt er, und Delilah ihm die nächsten 3 Monate, in denen ich nicht da bin, das Leben zur Hölle machen würde, würde er ihr erklären, dass wir sofort eine nicht platonische Beziehung hätten. Deswegen möchte er abwarten, bis ich im April wieder in Florida bin, und ab dann könnten wir dann eine offizielle Beziehung haben. Dann würde es Delilah gegenüber auch glaubhafter, dass wir keine sexuelle Beziehung gehabt hätten in den letzten Jahren.

Also, ein kleines bisschen kann ich das nachvollziehen. Dennoch STINKT ES ZUM HIMMEL. Was soll sich denn ändern? Ob er es ihr jetzt sagt oder später, es wird schmerzen. Und es wird dazu führen, dass er eine Türe zuschlägt. Das will er jetzt nicht, warum sollte er das also später wollen? Und sein wir mal ehrlich. Wer weiß, wie definitiv das „Schlussmachen“ gestern tatsächlich war. Die beiden wohnen unter einem Dach, Ted würde nicht mit mir zusammen sein wollen, wenn ich einen Mann bei mir wohnen ließe, weil er davon ausginge, dass wir Sex hätten – sagt er. Ich soll aber glauben, dass er sein Versprechen (ja, mittlerweile ein Versprechen) hält, dass er keinen Sex mit ihr hat. Wie dem auch sei, ich kann mir gut vorstellen, dass er so intensiv versucht, die Wogen zu glätten, dass Delilah sich wieder Hoffnungen macht. Und dann fängt im April der ganze Scheiß von vorne an.

Wir haben mehr oder weniger die ganze Zeit, in der wir heute zusammen waren, darüber diskutiert. Mittlerweile hat er Gott sei Dank aufgegeben mich zu bitten, für ihn zu lügen. Er findet es scheiße, dass ich ihm diese „kleine Bitte“ nicht erfüllen kann, aber er hat sich wohl damit abgefunden, dass ich einfach nur den Mund halten werde. Wäre ja wunderschön bequem, wenn ich seine Lügen auch noch bestätigen würde. Mal ganz davon abgesehen, dass Delilah mich mit Sicherheit nicht als besonders glaubwürdig einstuft und das alles sowieso kaum eine Rolle spielen dürfte. Gestern hat er mir versprochen, mit der Lügerei ab jetzt aufzuhören, jetzt erfahre ich, das er bis April weiter lügen möchte. Ich habe ihm gesagt, dass wir dann unsere Beziehung ja tatsächlich auf Eis legen könnten, bis ich im April wieder da wäre. Würde ja kein Unterschied machen. Nein, dann könnten wir keine Beziehung mehr haben, erklärte er.

Wir sprachen auch erneut über seine ständigen Lügen. Wenn jemand anruft und er keine Zeit hat, mit dieser Person zu sprechen, lügt er sie einfach an. Er sagt dann so Sachen wie „Da kommt gerade ein anderer Anruf“ oder, als er noch am Pier arbeitete „Es kommt gerade ein LKW, ich muss Waren annehmen“, obwohl nichts davon stimmt. Er könnte doch einfach sagen „Ich kann gerade nicht, ich rufe dich später an.“ Jeder normale Mensch macht das so. Ich mache das so, und ich finde das auch nicht unhöflich. Ted erklärte mir heute dazu, er hätte einen „anderen Stil“. Er würde eben diese kleinen Notlügen gebrauchen, wenn er in solche Situationen käme. Ich könne nicht erwarten, dass er meinen Stil annähme. Es ginge doch nur darum, die Menschen nicht unnötig zu verletzen, sie zu schützen.

Und genau aus demselben Grund lügt er Delilah an. Um sie zu schützen. Sagt er. Ich bin ja nicht blöd, ich verstehe ja, dass er tatsächlich nicht möchte, dass ihr eine Welt zusammenbricht. Ich kann ansatzweise nachvollziehen, dass er es ihr „sanft“ beibringen will, dass er etwas mit mir anfängt. Nur geht es hier einfach zu lange zu weit, und die Lüge ist auch einfach zu unglaubwürdig. Und, und das habe ich ihn auch gefragt, was sagt er mir nicht, um mich zu „schützen“?

Ted wollte mich heute Abend unbedingt in ein Restaurant ausführen, und so sind wir Downtown gefahren, in ein Restaurant, in dem ihn alle kennen. Ich war schon mal mit ihm da. Bevor wir überhaupt unser Essen bestellten, sagte er wieder seinen doofen Spruch: „Would you keep me close?“ Ich konnte auf diese Bitte um ein „Immer“ nicht mit dem üblichen „Always“ antworten. Ich kann das schon lange nicht mehr. Ich kann ihm im Moment kein „für immer“ versprechen. Daraufhin klappte er die Speisekarte zu und meinte, wir sollten dann wohl eher morgen frühstücken gehen.

Eingeschnappt wie ein kleiner Junge. Im Auto warf er mir vor, es „extra“ zu machen. Ich würde ihm das „Always“ nur verwehren, um ihn zu ärgern. Sind wir im Kindergarten? Mal davon abgesehen, dass man Liebesversprechen nicht erzwingen kann. Genauso, wie ich damals seiner Meinung nach „extra“ nicht schlüssig auf seine Frage geantwortet hatte, ob noch jemand bei mir im Raum ist. Damals lief der Fernseher im Hintergrund und ich hatte den „Fehler“ gemacht, den Fernseher zu erklären statt einfach nur „Ja“ oder „Nein“ zu sagen.

Tja, und so haben wir uns dann im Streit getrennt. Bevor er ging, fragte er noch, ob es zu viel verlangt wäre, bis zum 6. Januar mit ihm zusammen zu bleiben, ob ich ihm das versprechen könnte. „Nein“, sagte ich, „das ist nicht zu viel verlangt.“ Nach Teds Definition habe ich ja nicht gelogen. Ich habe ja nicht gesagt, dass ich mit ihm zusammen bleiben werde. Ich habe vor, mich mit dem Abschied von ihm morgen von ihm zu trennen.

Denn es wird ja immer klarer, dass dieser Mann moralische Vorstellungen hat, die ich nicht teile. Warum mir das erst jetzt so klar wird, ist mir schleierhaft. Schließlich betrügt er ja seit dem 5. Oktober 2013 seine Frau mit mir! Aber jemand, der moralisch so unterste Schublade ist und das dann auch noch als anderen „Stil“ darstellt, so jemand kann doch nicht mein Freund sein? Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis er mich anlügt, um mich „zu schützen“. Falls es nicht schon längst der Fall ist.

Ich weiß, ich bin schwach. Ich titsche hin und her mit meiner Meinung zu ihm, mal will ich mich trennen, mal nicht. Ich sammele aber tatsächlich gerade die negativen Eigenschaften und es wird immer schwerer, mir eine längere Beziehung mit ihm vorzustellen. Vielleicht hilft mir das ja, aus dieser Beziehung rauszukommen. Ich würde heute nicht auf mich wetten . Wer weiß, wie ich angesichts des Abschieds drauf bin. Aber der Weg wird immer klarer.