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Ted küsste meine Mom wiederholt auf den Mund – angeblich

Mittlerweile war ich beim Sport und habe mich wieder etwas beruhigt. Aber heute Morgen habe ich wirklich gedacht, ich möchte kotzen. Mir hilft es mir bewusst zu machen, dass im Gehirn meiner Mutter etwas falsch geschaltet wird. Es ist sicher eine Mischung aus vielen verschiedenen Dingen. Eine schwierigen Kindheit, wahrscheinlich mit einem sexuell übergriffigen Vater. Einer Mutter, für die Sex (wahrscheinlich) tabu war. Eine Vergewaltigung als Teenager. Und jetzt eine durch das Alter nachlassende Gehirnfunktion.

Meine Mutter hat mir heute – so nebenbei – offenbart, dass Ted sie damals im Oktober bei der Begrüßung immer auf den Mund geküsst hätte. Es hätte sie nicht gestört, aber sie hätte es seltsam gefunden und interpretierte es damit, dass Ted sich als zukünftiger Schwiegersohn bei ihr einschmeicheln wollte. Als sowohl mein Vater und ich etwas ungläubig schauten, erklärte sie, dass sie nicht gewusst habe, ob ein Kuss auf den Mund zur Begrüßung in den USA vielleicht üblich wäre. Häh?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Ted sie nicht auf den Mund geküsst hat. Wahrscheinlich hat meine Mutter irgendwann mal darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn Ted es getan hätte, und in ihrem defekten Gehirn hat sich diese Geschichte als wahr eingegraben.

Aber wie geht man mit so etwas um? Dass Ted meine Mutter sexuell belästigt haben soll ist abscheulich. Wenn ich so tue, als würde ich meiner Mutter glauben, dann muss ich auch so reagieren. Aber meine Mutter tat ganz unschuldig, sie habe ich, wie gesagt, nicht viel dabei gedacht. Ich erklärte, dass das nicht nur ihr gegenüber, sondern auch meinem Vater – ihrem Mann – und mir gegenüber absolut respektlos sei. Hätte ich damals davon gewusst, so erklärte ich, wäre das ein Trennungsgrund gewesen.

Ich weiß aus Erfahrung, dass es überhaupt nichts bringt, derartige Dinge als „ach, du übertreibst“ abzutun. Dann wird meine Mutter richtig sauer und es kommt zum Streit. Das ist also keine Option. Also versuchte ich das Thema zu wechseln. Aber meine Mutter wollte nicht. Immer wieder betonte sie, dass sie es als nicht so schlimm empfunden hätte und ich nicht so viel darüber nachdenken solle, da ich ja eh von Ted getrennt sei.

Ich war ziemlich geschockt – nicht über das, was Ted getan hat, sondern darüber, wie schlimm krank meine Mutter ist. Deswegen guckte ich wohl etwas bedröppelt aus der Wäsche, selbst nachdem wir das Thema gewechselt hatten. Für meine Mutter ein Anlass, immer wieder auf Teds Küssen herumzureiten. Ich war froh, als ich die Wohnung mit der Ausrede verlassen konnte, zum Sport gehen zu müssen.

Ich glaube, da geht einiges ab bei meiner Mutter. Zum einen „sexualisiert“ sie alles. Ich habe das gestern mit meiner Therapeutin besprochen, und auch hier ja schon einige Beiträge dazu verfasst. Dann möchte sie natürlich auch ständig im Mittelpunkt stehen, und mit der Aussage, dass mein Freund sie wiederholt auf den Mund geküsst hat, ist ihr das natürlich gelungen. Das arme unschuldige Opfer. Auf dem Weg zum Fitnessstudio kam mir der Gedanke, dass meine Mutter vielleicht auch neidisch auf mich ist. Mit Sicherheit sogar. Ich war immer das Kind, das nach der Familie meines Vaters kam, und so bekam ich von dieser Familienseite sehr viel Anerkennung, während meiner Mutter von genau denselben Leuten mit Verachtung gestraft wurde, da sie nur die „Volksschule“ besucht hatte. Aber vielleicht neidet mir meine Mutter auch meine – in ihren Augen – Jugend. Verbal hat sie das schon mehrfach gesagt. Vielleicht möchte sie deshalb, dass mein Freund sie küsst – dann kann sie sich mir ebenbürtig fühlen. Das allerdings wäre pervers.

Mir tut mein Vater so furchtbar Leid. Wie muss es denn für ihn sein zuzuhören, wie seine Frau derartige Geschichten erzählt? Und das ist ja jetzt nur eine Geschichte, da kommen in meiner Abwesenheit sicherlich noch viel mehr. Gestern erzählte sie von einem Yoga-Dozenten, der mit Sicherheit mit allen Frauen geschlafen habe. Wen interessiert das? Das kam nach der erneuten Frage, ob ich eine Affäre mit meinem Coach Kyle habe. Ich hätte schreien können. Genau dasselbe hatte Ted mich ja immer und immer wieder gefragt, und meine Mutter sollte das eigentlich wissen. Gestern allerdings konnte ich diesen nervigen Zwischenfall einfach so wegdrücken. Heute brauchte ein ein paar Stunden mit Sport, gutem Essen und netter Gesellschaft.

Vorgestern wurden meine Eltern angeblich im Publix (der einzige Supermarkt auf der Insel) von einem Mann im Rollstuhl verfolgt. Meine Mutter nimmt an, dass der Mann sie beobachtet habe, da er glaubte, sie wollten etwa stehlen, da sie durch jeden Gang im Laden gegangen seien und sich alles angesehen haben. So etwas „erlebt“ meine Mutter praktisch täglich. An der Kasse dann habe ihr der ältere Herr ihre Einkaufstasche genommen, um die Waren hinein zu packen (so läuft das ja hier in den USA), und bevor er das tat, hat er alles ausgeräumt und sich besonders ihr Ersatzunterhöschen interessiert angeschaut. Mein Vater war nicht dabei, konnte das also nicht bestätigen, tat es jedoch. Wahrscheinlich, so meine Mutter, habe der Mann im Rollstuhl sie an der Kasse „verpfiffen“, sodass man sich die Tasche besonders intensiv angeschaut habe. Dass es dabei auch um Damenunterwäsche ging, wurde nur im Nebensatz erwähnt, aber das Wichtige ist ja, dass es zur Sprache kam.
Ich kenne die Angestellten in Publix alle, und gerade der ältere Herr an der Kasse ist super nett. Ich habe noch nie einen Ladendetektiv dort gesehen, und da es auf der Insel hier vor Touristen nur so wimmelt ist es auch normal, dass sich die Kunden die Regale lange anschauen. Ich glaube nicht, dass das, was meine Mutter da schildert, tatsächlich passiert ist, das passt nicht zur Mentalität hier. Aber genau weiß ich das natürlich nicht. Aber dass es nicht stimmt passt zu ihrer Aussage über den bärtigen Kerl im Klamottenladen letztens, der sie angeblich auch verfolgt haben sollte.

Das Schlimme ist, dass es eine Entwicklung ist, die immer schlimmer wird. Erst jetzt ist es so auffällig, dass man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass sich meine Mutter diese Dinge ausdenkt. Aber derartige Geschichten gab es schon vor vielen Jahren. Das angebliche Schamhaar, das im Bett meiner Eltern gefunden wurde, das, so meine Mutter, von der Nachbarstochter aus Wut absichtlich unter dem Spannbettbezug verstreut worden war. All die Urin- und Spermaflecken an den Hosenschlitzen ihrer diverser Ärzte, zu denen sie natürlich nicht mehr geht. Die ganze Paranoia über Ärzte, aber auch Frisöre, die sich gegen sie verbünden um sie zu erniedrigen.

All das ist wahrscheinlich – leider – nur der Anfang :-(.

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Aktionsplan im Hinblick auf den Narzissten

Das Treffen mit meiner Therapeutin heute war sehr aufschlussreich. Sie nannte Ted erneut einen Narzissten und basierte ihre Hilfsvorschläge darauf. Sie hatte das Ende 2016 schon mal gemacht, und damals hatte ich ihr Urteil niedergeschmettert. Heute stimme ich ihm zu. Es ist krass, wie sehr sich meine Meinung geändert hat.

In der Stunde ging es vor allem darum, wie ich „sein möchte“, wie ich mich fühlen will, und wie ich vermeiden kann, dass Ted mich weiter manipuliert. Denn wenn man sich meinen Beitrag von heute Morgen ansieht stellt man fest, dass Ted da einen Funken Zweifel in mir gesäht hat – und das ist dumm, das will ich nicht. Da ist keine Hoffnung mehr für uns. Ich hätte es gerne, aber Ted wird sich nicht ändern, zumindest nicht schnell genug.

Sie hat mir zum einen geraten, dass ich bei meinen Treffen mit meinen Freunden achtsamer sein soll. Ich ziehe viel Energie daraus, und wenn ich noch achtsamer bin, dann kann ich mir daraus ein kleines „Energiekissen“ aufbauen. Das werde ich tun.

Um Ted gegenüber  „sicher“ zu sein, hat sie vorgeschlagen, dass ich beim nächsten Mal gezielt auf ihn zugehe und ihn bitte, mich nicht mehr zu berühren – denn heute hat er das ja schon wieder gemacht. Sie bereitete mich darauf vor, wie Ted reagieren wird („Ann, du übertreibst, du bisst verrückt…“) und riet mir, es einfach an mir abprallen zu lassen. Das kann funktionieren, weil Louise mir ja seine Reaktion bereits „vorhergesagt“ hat. Wir haben das Gespräch vorhin der Praxis sogar geübt.

Im Moment überlege ich, morgen gezielt zum Sonnenaufgang am Pier zu gehen, um dieses Gespräch mit ihm zu führen.

Ich habe mir aber auch mehr Gedanken über das Thema Narzissmus gemacht. Es ist krass, dass ich Ted damals nicht narzisstisch gesehen habe, dass meine Meinung heute so anders ist

Hier meine Analyse von damals und heute.

In Kursiv die Beschreibung des Narzissten aus dem ICD-10:

1. Hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit (übertreibt etwa Leistungen und Talente, erwartet ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden)

Damals: Hm. Trifft so halbwegs zu. Er hält sich für sehr wichtig, aber es ist nicht so, dass er Anerkennung ohne Leistung fordert. Es geht eher um Dinge, in denen er – meines Erachtens – wirklich gut ist, aber vielleicht etwas heftig Anerkennung fordert.

Heute: Er überbewertet seine Leistung. Er denkt auch, die Welt drehe sich um ihn. Alles, was andere tun, tun sie, um besser dazustehen als er – wo er doch eigentlich besser ist. Die Pierbitches waren nicht zickig zu mir, weil sie Teds Fremdgehen doof fanden, sondern weil sie eifersüchtig waren, dass er mich erwählt hatte, zum Beispiel.
Oder er erklärt mir die Welt und erwartet, dass ich seine Erklärung anerkenne, ohne dass er mir Belege für die Richtigkeit seiner Thesen vorlegen kann. Die Thesen soll ich als richtig erkennen, da sie von ihm kommen.

2. Ist stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe

Damals: Nein, das sehe ich nicht so. Ich weiß aber auch nicht so ganz, was das bedeutet.

Heute: Überschneidet sich ein wenig mit dem Punkt oben. Er stellt sich als enorm erfolgreichen Kerl da, ohne dass er irgendwelchen Erfolg vorzuweisen hat. Im Zweifel behauptet er, er könne den Erfolg (den Job, die Karriere als Musiker etc.) sofort haben, wenn er sich nur bemühen würde. Und, wie oben, er hält sich für Gottes Geschenk an die Frauen.

3. Glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder hochgestellten Menschen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen verkehren zu müssen

Damals: Ja, er glaubt, einzigartig in bestimmten Bereichen zu sein. Er hält aber überhaupt nichts von Hierarchien und ihm ist es egal, mit wem er verkehrt.

Heute: Auch das überschneidet sich wieder mit den Punkten oben. Was ich damals sagte, stimmt. Es ist ihm tatsächlich egal, mit wem er verkehrt, aber: Ratschläge, Anweisungen nimmt er nur von Menschen an, die deutlich über ihm positioniert sind.

4. Benötigt exzessive Bewunderung

Damals: Nö.

Heute: Ich denke schon, dass er seinen Job macht, sich mit bestimmten Menschen umgibt, die ihm genau diese Bewunderung entgegenbringen. Und tun sie es nicht, interpretiert er ihr Verhalten dennoch als Bewunderung (siehe Pier Bitches). Und er bekam diese Bewunderung ja auch, von all alternden Damen, die hier auf der Insel Urlaub machten.

5. Legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d. h. hat übertriebene Erwartungen auf eine besonders günstige Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen

Damals: Nö.

Heute: Ich bin mir unsicher. Möglicherweise mir gegenüber.

6. Ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, d. h. zieht Nutzen aus anderen, um eigene Ziele zu erreichen

Damals: Nö.

Heute: Er ließ sich von seinen zwei „besten Freunden“ ständig abends auf der Insel herumkutschieren, weil er selbst wegen Alkoholkonsum nicht fahren wollte. Laut eigener Aussage gab er sich nur mit ihnen ab, weil sie ihm nützlich waren. So zieht er (laut eigener Aussage) ständig irgendwelche Strippen, nutzt Kontakte, um Vorteile zu erlangen. Bis zu einem gewissen Grad ist das ja auch ok…

7. Zeigt einen Mangel an Empathie: ist nicht bereit, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer zu erkennen/anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren

Damals: Nö.

Heute: Nun, auf mich bezogen ist das auf jeden Fall so. Er hat nichts von dem verstanden, was ich ihm über meine Gefühle gesagt habe.

8. Ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn

Damals: Nö

Heute: Ja. Siehe oben, Pier Bitches. Überhaupt tun seiner Meinung nach andere ständig Dinge, weil sie eifersüchtig auf ihn und seine großen Erfolge sind. Warum ich das damals nicht gesehen habe, ist mir schleierhaft.

9. Zeigt arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten

Damals: Ja. Das habe ich hier ja auch beschrieben, gerade bei Diskussionen über Trump. Da meint er, der einzige zu sein, der weiß, wie sich die Welt dreht.

Heute: Aber hallo!

Also. Während ich diese Aussagen verglichen habe, wurde mir klar, dass vieles Ansichtssache ist. Damals habe ich die Dinge wohl wirklich durch die rosarote Brille gesehen, heute ist es umgekehrt. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Ich denke aber, dass Ted tatsächlich mehr narzisstische Züge hat, als ich damals wahrhaben wollte.

Louise hat auch einen Blog geschrieben, in dem Sie auflistet, wie man unter Narzissten leidet:

  1. Hast du das Gefühl, dass du deinen Partner wie ein rohes Ei behandeln musst, um ihn nicht zu verärgern?
    In bestimmter Hinsicht ja. Bestimmte Aussagen oder Gedankengänge waren ja überhaupt nicht zulässig.
  2. Deine Meinungen und Gefühle zählen nicht?
    Offensichtlich, denn egal, wie häufig sie ich ihm erkläre, er versteht sie nicht. Er tut sie ab als „irgendwas ist immer“ oder „die Medien haben eine Gedankenwäsche bei dir durchgeführt“ und so weiter. Meine Meinung zu seinen „Freunden“, Delilah, seinem Alkoholkonsum übergeht er völlig. Mein Wissen zu Diabetes ist für ihn irrelevant, er weiß es besser (nämlich, dass ich kein Diabetes habe).
  3. Du hast das Gefühl, dein Partner traut dir nicht, und zwar ohne Grund?
    Oh ja!
  4. Du hast das Gefühl, dass dich dein Partner von Familie und Freunden isoliert?
    Oh ja. Egal, wen ich nett fand, egal ob es eine Person in Deutschland oder den USA war, Ted fand immer etwas an ihr auszusetzen. Fand er nichts, machte er Andeutungen (zum Beispiel zu Marsha und Jack sagte er, dass sie wohl Drogen nehmen und ich meine Finger von denen lassen sollte).
  5. Beziehungsprobleme zu diskutieren führt unweigerlich zu Streit oder ist gänzlich unmöglich?
    Jepp. Denn angeblich hab ja nur ich Probleme. Er hat da nichts mit zu tun.
  6. Es fühlt sich so an, als würde er dich festhalten, ohne Fluchtmöglichkeit?
    Ansatzweise. Ich bin ja geflohen.

Therapievorbereitung nach Begegnung mit Ted

Ich habe heute einen Termin mit meiner Therapeutin. Ursprünglich hatte ich ihn vor 2 Wochen vereinbart, weil mir eine Begegnung mit Ted meist für einen ganzen Tag die Stimmung versaut und ich auch die letzten 1,5 Jahre, in denen ich Louise nicht gesehen habe, das Gefühl hatte, dass da noch ein Therapieabschluss fehlt. Ich fühle mich schuldig, da Ted so „gebrochen“ aussieht, obwohl ich natürlich weiß, dass ich nicht schuldig bin. Später kam dann die Beziehung zu meiner Mutter hinzu: Warum widert sie mich so an? Es gibt also einiges zu besprechen.

Heute Morgen war ich, da ich heute ein Auto zur Verfügung habe (weil ich ja später zu Louise fahren muss), noch mal am Pier, um mir den Sonnenaufgang anzuschauen. Der Sonnenuntergang war gestern schon sehr schön, ich versprach mir einen wunderschönen Sonnenaufgang, zumal jetzt auch wieder die Fische und mit ihnen die Pelikane am Pier eingetroffen sind. Ich hoffe immer, nicht auf Ted zu stoßen, aber ich weiß natürlich, dass er wahrscheinlich da sein wird. Und ich spüre auch tief in mir den (perversen) Wunsch, ihn zu sehen.

Ich glaube, das ist der Wunsch, dass alles doch noch gut wird. Dass der Traum, dem ich da jahrelang nachgejagt bin, sich dennoch erfüllt. Dass meine Gedanken und Gefühle zu Ted aus den letzten Monaten und Jahren sich als falsch erweisen und alles gut wird. Kurz: Dass ein Wunder passiert. Aber genau deshalb treffe ich mich ja mit Louise.

Tatsächlich war Ted am Pier. Er setzte sich neben mich und versuchte, mit mir zu sprechen, aber ich war sehr kurz angebunden. Er hat eine große Grenze überschritten, als er mich küsste, wie ich schon sagte, für mich hat seine Abschluss der Beziehung, der Kuss, die ganze Beziehung in eine „respektlose“ Beziehung verwandelt.

Ted wollte ein Gespräch führen, aber als er merkte, wie kalt ich war, legte er den Arm um mich und sagte etwas, was ich schon wieder vergessen habe. Viel wichtiger war das, was ich fühlte: „Fass mich nicht an“, zischte ich. Ted lachte und wollte wissen, was das sollte. Und so erklärte ich ihm – etwas, wozu ich bisher noch keine Gelegenheit hatte – dass er mit seinem respektlosen Kuss eine wichtige Grenze überschritten hatte und dass er damit, wie oben erwähnt, unserer ganzen Beziehung das Vorzeichen „Respektlos“ aufgedrückt hatte.

Ted lachte. „Da könntest du mich ja gleich Vergewaltiger nennen“, meinte er. Ich nickte. Genau so sehe ich es. Es war natürlich keine Vergewaltigung, aber es war deutlich sexuelle Belästigung. Und es war ja nicht das erste Mal, dass Ted meine Grenzen nicht akzeptiert hatte. „Du hast mich doch zurückgeküsst“, meinte er. „Nein, habe ich nicht“, antwortete ich. Ich habe mal in einem Buch gelesen (oder habe ich es im Fernsehen gesehen?), dass Vergewaltiger oft so reagieren. Sie reden sich ein, dass die Frau es auch wollte. Ich glaube, Ted glaubte das wirklich.

Und so entstand eine neue Diskussion über die alten Themen. Ich weiß, viele hier wird es langweilen, weil wir das Thema schon zich mal durchgekaut haben. Mich langweilt es ja auch. Ich möchte es aber dennoch noch einmal aufschreiben, denn so strukturiere ich mir meine Gedanken für meine Therapiestunde nachher. Wer darauf keinen Bock hat, kann jetzt also aufhören zu lesen, es kommt nicht mehr viel Neues ;-).

Ted erklärte, dass er sich noch nie so um eine Frau bemüht habe und dass er alles getan habe, um den Weg für uns ab April freizumachen. Er sei so stolz darauf, dass er mich nie angelogen habe und dass er mir auch nie fremdgegangen sei.

Beides halte ich für eine Falschaussage, und das sagte ich ihm auch: Ted hat mich möglicherweise nach seinen Standards nicht angelogen, aber er hat mir eben auch nicht die Wahrheit gesagt: Er hat mich lange glauben lassen, dass er getrennt von Delilah ist und dass wir eine Exklusivbeziehung haben. Und fremdgegangen ist er mir auch, schließlich hatte er letztes Jahr irgendwann mit Delilah Sex. Er empfindet das nicht als Fremdgehen, denn es sei ja ausdrücklich erlaubt gewesen, und darüber kann man tatsächlich streiten, denn ich habe die Erlaubnis von vor 4 Jahren nie zurückgenommen, ich war aber bereits 1,5 Jahre vorher davon ausgegangen, dass Delilah und er getrennt sind und dass wir damit eine Exklusivbeziehung hatten, denn er hatte mir von der „Trennung“ erzählt.

Ted wiederholte, dass jetzt alles anders sei und dass wir nun eine exklusive Beziehung führen könnten. Delilah wisse Bescheid. Und ich solle mal genau hinschauen, er wäre ja auch nicht mit einem Bier zum Sonnenaufgang erschienen. Das war mir aufgefallen, auch bei unserer Begegnung vorgestern hatte er kein Bier in der Hand. Aber was soll ich davon halten? Dass Delilah von ihm und mir „wisse“, das erzählt er mir doch schon seit Jahren, und dass er das Trinken nicht aufgeben wird, sagte er mir auch heute Morgen erneut. Was bitte solle denn jetzt „alles anders“ sein, fragte ich ihn. Warum sollte ich ihm jetzt glauben? Darüber hinaus erklärte er mir auch zum x-ten Mal, dass er nicht aus dem gemeinsamen Haus mit Delilah ausziehen würde und dass er sie nicht rauswerfen wollte. Für mich klang das nicht so, als hätte sich irgendwas geändert. Er könne sich kein zweites Haus leisten. Eine neue Arbeitsstelle habe er übrigens immer noch nicht, aber er erwähnte, dass er mit GE-Aktien ziemlich viel Geld verdient habe. Kann sein, er hatte im Dezember 10.000 Dollar investiert, und der Aktienkurs hat sich seither etwa verdoppelt.

Ted betonte erneut, dass er Delilah im Dezember nicht reinen Wein einschenken wollte, weil er ihr Zeit geben wollte, sich an die Situation zu gewöhnen. Das ist ein Punkt, den ich bis heute nicht verstehe. Was ist heute anders als im Dezember? Warum würde es Delilah heute besser wegstecken als vor 4 Monaten? Auf meine wiederholte Frage erklärte Ted, dass er keinen Sinn darin sah, Delilah vor vollendete Tatsachen zu setzen, da ich dann 3 Monate zurück nach Deutschland gegangen bin. Wie ich das interpretieren soll, weiß ich auch nicht. Ich war mit Ted auch dann zusammen, wenn ich in Deutschland war. Er stellte es aber immer wieder als kaum zu ertragenes Schicksal dar, wenn er hier allein ohne mich war und erwähnte auch erneut, dass er es nicht verstünde, warum ich nicht für immer in den USA (mit ihm) leben wollte. Für mich klingt das so, als hätte er nicht gewusst, ob ich im April wiederkomme und dass er deshalb bis April abwarten wollte, wie sich die Dinge entwickeln. Und letztendlich hatte er ja Recht damit, ich habe mich ja getrennt. Das ist übrigens ein Aspekt, der mir immer wieder in den Sinn kommt: Ted traut mir nicht. Weder im Hinblick auf Treue, noch auf Beständigkeit. Ich glaube auch, dass das der Grund ist, warum er sich nicht wirklich von Delilah trennt: Sie hat er sicher, ich bin, wie er sagt,  ein Schmetterling. Er meint das allerdings positiv.

Also, nix Neues. Offensichtlich hofft er immer noch auf eine Chance, dabei habe ich ihm doch schon so oft gesagt, dass es für mich vorbei ist. Aber er fragte auch heute Morgen erneut. Ich erzählte ihm das, was ich Mike vor Wochen schon gesagt hatte, als er mich fragte, was Ted tun muss, damit wir noch eine Chance haben: „Hör auf zu trinken, zieh aus dem Haus mit Delilah aus oder lass sie ausziehen, und dann können wir in einem Jahr reden.“

Und das meine ich tatsächlich. Zurzeit gibt es keine Chance. Wahrscheinlich gibt es nie wieder eine Chance. Aber wenn er wirklich etwas ändert und das auch für mich sichtbar ist, dann können wir mal ausgehen und sehen, was passiert. Ich glaube, dass es so lange dauern wird, bis etwas anders wird.

Denn das warf ich ihm auch heute immer wieder vor: „Es hat sich doch zwischen uns nichts geändert, Ted“. „Es hat sich alles geändert“, beteuerte er. Aber es ist eben für mich nicht sichtbar. Er meinte, ich könne jetzt bei Delilah vorbeifahren und sie fragen, ob sie getrennt seien, und sie würde das bestätigen. Ganz ehrlich? Auch das habe ich schon früher von ihm gehört. Delilah wird auch heute nicht wissen, dass Ted nicht mehr mit ihr zusammen sein möchte. Ich denke, er pokert einfach. Oder vielleicht lebt er auch in seiner Traumwelt und glaubt sich selbst wirklich. Er meinte auch, ich könne jederzeit zu Hause anrufen, auch das Festnetz. Auch das ist nichts Neues. Das letzte Mal, dass ich das versucht habe, ist ziemlich in die Hose gegangen.

Ich warf ihm mehrfach seine Verhaltensweisen während unserer Beziehung vor. All diese Befragungen, die dämlichen „Ja-oder-nein-Fragen„. Die Tatsache, dass ich mich immer wieder verteidigen musste, obwohl ich nie etwas gemacht habe. Ted wies mich wieder darauf hin, dass die anderen ihm ja diese Lügengeschichten erzählt hätten – mag sein, aber ich glaube das gar nicht mehr so richtig. Vielleicht hat er sie auch erfunden und „vergrößert“. Ist aber auch egal, denn es war ja er, der darauf reagiert und und mir das Leben zur Hölle gemacht hat. Ted meinte, das sei jetzt vorbei, er habe sich gebessert. Aber auch das habe ich schon x Mal gehört. Warum soll sich das jetzt geändert haben? Das wird sich, eventuell im Laufe der Zeit, ändern, wenn er keinen Alkohol mehr trinkt und eine Therapie macht. Die Frage aber ist, ob er dann, wenn er Delilah dann wirklich eines Tages reinen Wein einschenkt, nicht noch mehr das Gefühl hat, „irre viel“ in mich investiert zu haben und noch unsicherer, also noch eifersüchtiger wird.

Ted erwähnte, auch ich sei schwierig. Ja, das weiß ich. Ich bin sehr schwierig. Er würde mich aber nicht bitten, mich zu ändern. Ja und? Macht das mich zu einem schlechten Menschen? In diesem Zusammenhang sagte er, dass er er zum Beispiel seltsam fände, dass er mit mir einen „Termin“ („appointment“) machen müsse, um mich zu sehen. Wir hatten häufig darüber gestritten und ich habe mehrfach angenommen, dass er es endlich kapiert hätte. Ich halte es einfach für höflich, mir zu sagen, wann er kommt, denn dann kann ich mich darauf einstellen. Er versteht nicht, warum das so sein muss und tut so, als sei mein Wunsch absolut seltsam. Ich war in den letzten Jahren an einem Punkt, an dem ich das fast selbst schon glaubte. Dann aber erlebte ich, wie Jürgen und Tony mit mir umgingen. Und ich glaube, Teds Unverständnis ist seltsam. So lange ich nicht mit ihm zusammen lebe, ist es nur höflich, wenn er sagt, wann er kommt. Natürlich kann er jederzeit vorbeikommen, aber dann kann es sein, dass ich ihn nicht hier haben will. Was meint Ihr?

Ich brach das Gespräch dann einfach ab indem ich sagte, ich müsste nach Hause fahren. Ted wiederholte, dass es an mir läge. Ich solle ihn anrufen. Ich würde mit jedem Tag, den wir nicht zusammen seien, Zeit verschwenden. Er wäre jetzt endlich frei für mich. Ich wäre „ein Fool“, wenn ich das nicht sehen würde.

So. Ich könnte noch viel mehr schreiben, ich bin noch wirr im Kopf. Aber ich muss jetzt los zu meiner Therapiestunde.

 

Fremdschämen und Peinlichkeiten mit der Mutter

Ich weiß, dass das was mit meinem Verhältnis zu meiner Mutter zu tun hat. Ich gehe am Donnerstag zu meiner Therapeutin (Louise) und werde es dort besprechen. Ich weiß nicht, warum mir meine Mutter so zuwider ist. Es ist besser geworden, eindeutig, sonst wären wir jetzt nicht gemeinsam hier, aber ich finde fast alles, was sie tut, entweder doof oder gar peinlich. Wenn sie mir zu nahe kommt, körperlich oder geistig, empfinde ich es als ekelhaft.

Sie versucht ständig, mir Komplimente zu machen, und das ist natürlich immer ein Problem. Ich habe immer Schwierigkeiten, Komplimente anzunehmen, aber bei meiner Mutter habe ich das Gefühl, dass es grundsätzlich falsche Komplimente sind.

Heute Morgen hatte ich im Haus meine Schlabberbux an… eine uralte, verwaschene  Jogginghose, die überhaupt keine Form hat. Meine Mutter sah mich heute Morgen darin und meinte „Was hast du für eine schöne Hose an, wo hast du die gekauft?“ Wenn ich stark bin, lächele ich nur dazu. Oft muss ich das aber kommentieren: „Das ist eine alte Jogginghose, Mutti, da ist nichts Schönes dran.“ Sie macht mir ebenfalls Komplimente zu meinen letzte Woche lackierten, mittlerweile abgeblätterten Fingernägeln oder den getuschten Wimpern, die einfach nur husch-husch getuscht sind. Heute hat sie mir Komplimente für meine Haut gemacht: Ich habe, wie immer in Florida, zwei dicke, rote Pickel, die so groß wie ein 1-Cent-Stück sind, direkt neben der Nase, und enorm schmerzen. Ich kann meine Haut gerade überhaupt nicht schön finden. Sie macht das, um eine Verbindung zu mir herzustellen, um mich zu erfreuen, ich weiß das. Aber es ist arg ungeschickt.

Wenn wir an den Strand gehen, trägt sie einen mikroskopisch kleinen Bikini. Angeblich ist er eingelaufen (seit wann laufen Bikinis ein?). Sobald sie sich bewegt, rutschen die Brüste raus, und das, was eigentlich die Pobacken abdecken sollte, verschwindet in der Arschritze. Ich würde so einen Bikini nicht tragen, das ist den ganz jungen Mädels vorbehalten. Meine Mutter ist 80. Gestern begegnete uns Mike (der Sheriff) bei seiner Strandpatrouille, und natürlich habe ich ihm meine Eltern vorgestellt. Als meine Mutter angelaufen kam, war mir das regelrecht peinlich. Offensichtlich hat sie sich nicht nur das Gesicht straffen lassen (dass sie regelmäßig Botox verwendet, hat sie letztens zugegeben), sie hat auch neue Brüste, die fast schon obszön aus ihrem zu knappen Oberteil springen. Auch Mike wusste gar nicht, wo er hingucken sollte. Meine Mutter hatte sich von 25 Jahren oder so mal eine schwarze Linie unter die Augen tätowieren lassen (warum man dort eine Linie tätowiert, ist mir schleierhaft), was ihr immer das Aussehen eines verschlafenen Pandas gibt. Mir war die Begegnung peinlich.

Heute waren wir bei Baells Klamotten einkaufen. Ich hatte mir letzte Woche dort ein Kleid mit 40 % Rabatt gekauft, und natürlich wollte sie es auch haben. Sie will immer dieselben Dinge haben wie meine Schwester und ich – Klamotten, Lebensmittel, Krankheiten. Wir fanden das Kleid auch, aber eine Nummer zu groß. Außerdem war es – immer noch 😉 – ärmellos. Sie meinte, sie könne es eh nicht tragen, da sie ja nur Oberteile trägt, die ihre schlaffen Oberarme abdecken. Ja, es ist seit Jahren ein Problem, T-Shirts mit ausreichend langen Armen zu finden, sie verbringt Tage in der Stadt, um ein T-Shirt zu kaufen. (Wie das zu ihrem halbnacktem Herumspringen am Strand passt, weiß ich übrigens nicht.) Ich versuche immer wieder, ihr zu erklären, dass die Oberarme so schlimm nicht sind, meine Güte, sie ist eben 80, was solls? Deswegen sollte sie sich nicht vermummen müssen, gerade hier in Florida. Letzte Woche in Miami lief sie deshalb in einem langärmeligen Flauschpulli herum – natürlich war ihr ewig zu warm. Aber auch heute winkte sie verstört ab, als ich ihr sagte, sie könne ruhig ärmellos gehen. Ich würde das nicht verstehen, sagte sie. Ich solle mal in ihr Alter kommen.
5 Minuten später fanden wir das Kleid jedoch zufällig doch in einer passenden Größe. „Aber was ist mit den Armen, so etwas willst du doch nicht tragen?“, fragte ich sie, als sie es anprobieren wollte. „Du musst mich nicht immer so ernst nehmen“, meinte sie zickig. „Ich bin verspielt“. Ok. Ich biss mir auf die Zunge und ging weg. Letztendlich hat sie das Kleid dann gekauft. Wahrscheinlich wird sie es nicht tragen, aber jetzt hat sie dasselbe Kleid wie ich, nur in einer anderen Farbe, und ist glücklich darüber. Und gut iss.

Meine Mutter bezieht alles auf sich, oft auch auf die Sexualität. Eben im Laden war ein auffallend hässlicher Mann mit Bart. Ich hatte ihn zwei Mal gesehen, er wartete dort geduldig darauf, dass seine Frau fertig wurde. Erst meinte meine Mutter, er würde sie verfolgen, da mein Vater das Kleid, das sie sich ausgesucht hatte, nun schon die ganze Zeit durch den Laden trug und forderte meinen Vater auf, zwischendurch bezahlen zu gehen, damit sie keinen schlechten Eindruck hinterließe. Mein Vater weigerte sich: „Ich stell mich doch nicht zwei Mal an der Kasse an“. Später meinte sie, der Bärtige sei um mich herumschlawenzelt, da er mich interessant fand. Letztens im Supermarkt hatte angeblich ein Kind auf ihre Schuhe gezeigt und laut gelacht. Sie musste dann sofort nach Hause fahren und möchte die Schuhe nun nicht mehr tragen. Ich denke, sie hat da wahrscheinlich etwas missverstanden, aber sie ist davon überzeugt, dass die Schuhe hier unüblich sind und sie deshalb ausgelacht wird (weiße Sneakers). Zu Hause in Deutschland erzählt sie mir immer wieder von Ärzten mit Urin- und Spermaflecken am Hosenschlitz. So häufig, dass ich es nicht mehr glauben kann. Und der ebenfalls 80jährige Nachbar spannt immer, wenn sie sich auf der Terrasse im Bikini sonnt. Überhaupt haben alle nur sexuelle Hintergedanken. „Die Männer sind alles so“, sagt sie gerne.

Und so geht es in einer Tour. Wenn ich stark bin, dann kann ich diese Dinge überhören, übersehen. Aber wenn ich meiner Mutter 2 oder 3 Stunden am Stück ausgesetzt bin und diese falschen Komplimente, diese sexy-hexy Verhaltensweisen einer 80jährigen gepaart mit den immer wieder aus der Hinterhand ausgeteilten Zweifeln an meiner Integrität aushalten muss, dann bekomme ich Kopfschmerzen. Wie heute. Ich wollte nicht mehr mit meinen Eltern Kaffeetrinken – mir war eher nach einem Bier. Ich bin nach Hause gegangen, habe diesen Text geschrieben und werde mich jetzt mit einem Buch ans Wasser setzen.

 

Man ist sich einig: Teds Schrauben sind locker

Es ist schon fast nicht mehr feierlich, wie glücklich ich hier bin. Hab ich es schon erwähnt? Als ich vor 4 Wochen hier ankam, wusste ich nicht, ob dieser Aufenthalt nicht mein letzter sein würde. Die schwierige Einreiseprozedur hatte meine Zweifel, meine Inselaufenthalte fortzusetzen, nur noch verstärkt. Seit etwa einer Woche bin ich mir sicher: Ich möchte wiederkommen. Ich bin glücklich hier.

Gerade die Wochenenden sind wunderbar. Ich kann ausschlafen, und ich schlafe auch gut. In der Woche schaue ich um 4 Uhr morgens das erste Mal auf’s Handy, eventuell, je nach Joblage, stehe ich dann auch auf. Am Wochenende schlafe ich bis halb 8 – das ist zwar für deutsche Verhältnisse beängstigend früh, aber hier fühle ich mich um diese Uhrzeit ausgeschlafen und erfrischt.

Gestern und heute habe ich Freunde an einem Pier getroffen. Vor allem Marsha und Jack sind wirklich toll. Ich quittiere Jacks Avancen mit einem Lächeln – er tut mir Leid – aber wir wissen beide, dass zwischen uns nichts passieren wird.  Es ist unbeschwert.

Heute hatten Marsha und Jack Nathan mitgebracht. Nathan ist einer der anderen Bartender vom jetzt wegen Irma geschlossenen Pier und war immer ein enger Vertrauter von Ted. Ich verstand mich gut mit ihm. Er war vor 2 Jahren an Krebs erkrankt und hatte dann nach und nach allen Lebenswillen verloren, vor ein paar Wochen aber hat er erfahren, dass der Krebs weg ist, und heute habe ich einen völlig neuen Nathan erlebt. Damals rauchte er Unmengen an Marihuana (trank jedoch nicht). Der neue Nathan raucht nicht mehr, ernährt sich nur noch vollwertig, kocht selbst und hat locker 30 kg abgenommen. Er ist positiv gestimmt, möchte als Freiwilliger in einem Pflegeheim arbeiten und es macht wieder Spaß, sich mit ihm zu unterhalten, man muss ihn nicht mehr die ganze Zeit trösten. Ein neuer Mensch. Ich habe mich gefreut, in so positiv zu sehen!

Irgendwann während des Gesprächs meinte er „Darf ich dir eine Frage stellen? Es geht mich nichts an, aber Ted…“ Ich nickte zustimmend. Ich hab keine Probleme, über Ted zu reden.

„Ted hat mir erzählt, dass er dich heiraten will“, legte Nathan los. Ja, ich nickte, Ted hatte mich ja mehrfach gefragt, ob ich ihn heiraten würde. Da erklärte Nathan mir, dass Ted ihm vor kurzem erst erzählt habe, dass er mich heiraten wollte. Dass er aber nicht beabsichtigte, Delilah zu verlassen. „Wie wollte er das denn machen?“, fragte mich Nathan. „Die Tage mit dir verbringen, und dann abends zu Delilah und den Kindern nach Hause fahren?“. Ich zuckte unwissend die Schultern. Genau das hatte ich Ted ja auch schon mehrfach gefragt. Ich heirate doch niemanden, um weiterhin den Status der Geliebten zu haben.

„Der tickt ja wohl nicht mehr richtig“, regte sich Nathan auf. „Wie stellt er sich das denn vor? Sowas macht doch keine Frau mit!“ Ich war völlig überrascht, aber natürlich auch sehr erfreut, dass mir endlich mal jemand bestätigte, dass Ted nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Dass er in einem Paralleluniversum lebt, das mit der Realität nichts zu tun hat. Und genau das ist ja meine Vermutung, Ted lebt nicht in der Realität, will auch gar nicht in der Realität leben. Er erträgt die Realität, aber er flüchtet sich mithilfe des Alkohols in eine Traumwelt, in der er mich heiratet und dennoch in Frieden mit Delilah weiterlebt.

Später, als Nathan weg war, sprach mich auch Marsha noch mal darauf an. „Stimmt das?“, fragte sie. Ich erklärte ihr die Geschichte und meine Vermutung zum Realitätsverlust. „Ja, das ist mir auch schon mehrfach aufgefallen“, meinte sie. „Er ist total lieb, aber er scheint die Dinge nicht zu durchdenken. Das ist der Alkohol“. Ich weiß nicht, ob das der Alkohol ist. Ich glaube eher, dass das seine posttraumatische Belastungsstörung ist. Er will nicht in der Realität leben. Der Alkohol ist nur ein Symptom.

Es gibt ja noch mehr Symptome. Ted wollte zum Beispiel immer, dass ich das ganze Jahr in den USA bleibe, also immer bei ihm bin. Er war regelrecht beleidigt, wenn ich ihm erklärte, dass das nicht ginge. Wie auch? Es finge ja schon mit der Aufenthaltsgenehmigung und der Arbeitserlaubnis an. „Und wenn Ted dich heiratet, dann aber mit Delilah zusammen lebt, dann sieht das doch auch so aus wie eine Zweckehe“, erklärte Marsha. „Dann kriegst du niemals eine Greencard!“. Recht hat sie.  Ted will Dinge, wie ein kleines Kind, er wird sauer, wenn er sie nicht bekommt, aber er macht sich überhaupt keine Gedanken darüber, ob das, was er will, plausibel ist und ob er etwas dazu beitragen kann, damit es klappt. Wenn er mich wirklich das ganze Jahr hätte um sich haben wollen, hätte er durchaus ein paar Schritte unternehmen können, um das in die Wege zu leiten. Da ist aber nie was gekommen.

Oder die Sache mit dem Diabetes. Ted meint ja, ich hätte kein Diabetes. Punkt. Warum mein Blutzuckerspiegel dann ohne Insulininjektion so hoch ist und mein Körper nachweislich kaum noch Insulin produziert, darüber denkt er nicht nach. Ich kann kein Diabetes haben, ich bin zu alt dafür, so seine Aussage. Ich solle einen anderen Arzt befragen.

Nun ja. Es hat gut getan, mal von außen bestätigt zu bekommen, ohne dass ich dazu angeregt habe, dass auch andere sehen, dass bei Ted nicht alle Schrauben ordnungsgemäß festgezogen sind.

Überhaupt höre ich (natürlich) jetzt viel mehr negative Dinge über Ted von den Leuten, die uns sonst umgeben haben. Alle, ohne Ausnahme, kommen sofort auf Teds Alkoholkonsum zu sprechen und meinen, das sei ungesund und er müsse dringend mit dem Trinken aufhören. Das wird mir unaufgefordert gesagt. Ich habe tatsächlich geglaubt, die meisten würden nicht wissen, wie viel Ted trinkt. Wahrscheinlich hat Ted mich das glauben lassen. Tatsächlich war ich wohl eine der letzten, die es kapiert hat.

Ich kann froh sein, dass ich es jetzt verstanden habe, dass ich die Konsequenzen gezogen habe und dass es mir so gut geht. Dass ich auch so viele Bekannte habe, die gerne mit mir Zeit verbringen und mich unterstützen. Ich fühlte mich toll.

Respectless Ted – der Respektlose

Mir ist durchaus bewusst, dass es mehrere Wahrheiten gibt, die parallel nebeneinander existieren können. Zurzeit sehe ich die 4-jährige Beziehung zu Ted aber immer mehr unter der Überschrift: „Respektlos“. Warum? Wegen seines respektlosen Kusses.

Wenn man den Blickwinkel „Respektlos“ wählt, macht alles – zurzeit – viel mehr Sinn. Dann wirken Teds Verhaltensweisen mit einem Mal verständlich (wenn auch nicht gut). Bisher war ich verwirrt. Ich hatte Ted als so großzügigen, einfühlsamen, lieben Menschen im Kopf. Jemanden, der keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Ein Mensch, der zwar durch seine posttraumatische Belastungsstörung in Verbindung mit Alkohol nachhaltig gestört ist, aber ein guter Mensch. Wenn man Ted jetzt aber das Label „Respektlos“ aufdrückt, dann erscheint das Bild plötzlich stimmiger. Mag ja sein, dass Ted „lieb“ ist, großzügig, vielleicht sogar einfühlsam. Aber er ist eben auch und vor allem respektlos.

Unsere Beziehung begann bereits respektlos, mit dem „mutigen Kuss„. Damals habe ich ihn als mutig empfunden, aber rückblickend war es einfach (auch) respektlos, eine völlig Fremde zu küssen. Ich habe ihn damals aufgrund seiner Kühnheit bewundert. Und seien wir mal ehrlich, welche Frau wünscht sich nicht auch so einen kühnen Mann. Einen kühnen Mann, jedoch keinen respektlosen Mann. Kein Wunder, dass sich Teds „Kühnheit“ im Laufe der Beziehung nicht mehr gezeigt hat. Sie existierte gar nicht. Ich habe Kühnheit mit Respektlosigkeit verwechselt.

Teds Verhalten Delilah gegenüber war die ganzen 4 Jahre lang respektlos. Er ist fremdgegangen – und mit mir ja nicht zum ersten Mal – und hat damit das implizite Treueversprechen ignoriert. Er hat das damit begründet, dass er sich zu Hause nicht mehr willkommen gefühlt hat. Damit, dass er keine Verbindung zu ihr spürte. Damit, dass Delilah und er ja eh keine gute Beziehung mehr hätten. Er fühlte sich nicht so, als würde er etwas falsch machen und war völlig irritiert, wenn Delilah ihn einen Lügner nannte. Er vergaß dabei völlig, dass er zwar ein Recht darauf hatte, sich mit Delilah nicht wohl zu fühlen, und möglicherweise war es ja auch wirklich Delilahs Schuld (was ich nicht glaube), aber dass er die implizite Verpflichtung hatte, die Vereinbarung mit Delilah, uns seien so noch so implizit, zu ändern, wenn er sie nicht mehr für angemessen hielt. Sie einfach zu übergehen war, ich wiederhole mich, respektlos.

Er hat auch einen fehlenden Respekt gegenüber der Allgemeinheit, den anderen im Allgemeinen. Er erhebt sich über gesetzliche und moralische Bestimmungen und meint, es besser zu wissen, immer und immer wieder: Alkohol am Steuer? Ach, die Promillegrenze ist doch egal, so lange er sich sicher fühlt ist es ok, wenn er fährt. Getränke aus dem Restaurant, in dem er arbeitet, mitgehen lassen, das ist völlig in Ordnung.  Nicht nur ein Bier für unterwegs, eher 3 in seinen Hosentaschen und 5 in meiner Handtasche. Täglich. Ich wusste gar nicht, was ich mit dem ganzen Bier machen sollte – es trank es nicht, und Ted trank ja eh nur „Light Beer“. „Die nutzen mich eh aus“, war seine Begründung. Und ja, wenn er weniger Geld in der Kasse hatte, als abgerechnet worden war, musste er das aus eigener Tasche zahlen. War zu viel in der Kasse, behielt es der Chef. Fair ist das auch nicht wirklich, aber wie mit Delilah: Man macht dann nicht einfach seine eigenen Regeln. Das Gehalt falsch deklarieren und damit Sozialleistungen für seine Down Syndrom-Tochter kassieren, war ebenfalls völlig in Ordnung, da er sich die teure Therapie ja sonst nicht leisten konnte und die faulen Demokraten ja eh von Lebensmittelmarken leben. Aha.

Tja, und neben den respektlosen Küssen hat sich Ted natürlich auch viele, viele andere respektlose Aktionen mir gegenüber geleistet. Alle unsere politischen Diskussionen zum Beispiel: Statt Argumente vorzubringen, hat er mir einfach vorgeworfen, die „liberalen Medien“ hätten bei mir eine Gehirnwäsche durchgezogen. Ganz ehrlich: Mag ja sein. Dennoch kann man doch argumentieren? Ich bin doch trotz Brainwashing (falls das stimmt) nicht zu blöd, Argumente zu verstehen? Ich kann normalerweise mit allen Leuten diskutieren, und es kann auch hitzig werden. Aber mit Ted geht das nicht. Er erklärt mich von Gesprächsbeginn an als unwürdigen Partner, und das ist, hier ist das Wort wieder, respektlos.

Es war respektlos von ihm, unangemeldet bei mir vorbeizukommen. Viele Jahre hat er mich als „seltsam“ dargestellt, weil ich vorher angerufen werden wollte. Ein Freund muss bei einer Freundin unangemeldet vorbeikommen dürfen, meinte er. Ich habe ihm das sogar geglaubt, ich habe gedacht, die Amis seien eben so drauf. Quark. Ted war so drauf. Es war respektlos von ihm, Alkohol zu trinken und darauf zu vertrauen, dass ich ihn dann entweder bei mir übernachten lasse oder nach Hause fahre. Er ist ja regelrecht ausfallend geworden, wenn ich das mal nicht wollte. „Willst du, dass ich betrunken ein Kind tot fahren?“, meinte er einmal, als ich ihn nicht bei mir übernachten lassen wollte. Es war respektlos von ihm, sich nicht die Haare zu waschen oder die Klamotten zu wechseln, obwohl ich ihn mehrfach darauf hingewiesen habe. Es war respektlos von ihm, sich in Deutschland nur für meine Couch und nicht für Deutschland zu interessieren. Es war respektlos von ihm, allen Gerüchten zu glauben, statt sich zuerst meine Version der Wahrheit anzuhören. Ständig musste ich mich verteidigen, weil er angeblich irgendetwas Böses über mich gehört hatte.  Es war respektlos von ihm, meine Freunde und meine Freuden runterzumachen und mir damit den Spaß am Salsa zu nehmen oder die Lust darauf, zum Beispiel Mete zu treffen.

Würde ich weiter darüber nachdenken, würden mir sicherlich noch zich Beispiele für Teds Respektlosigkeit einfallen. Aber warum weiter wertvolle Zeit auf ihn verwenden, wenn ich mich auch einfach entspannen kann?

Ted hat tatsächlich einen der größten Fehler gemacht, die man nach einer Beziehung machen kann: Er hat der Beziehung im Nachhinein durch seinen respektlosen Kuss ein negatives Vorzeichen aufgedrückt.

Respectless Ted. In Zukunft nicht mehr Ted, sondern einfach nur „der Respektlose“.

Das war das Wort zum Sonntag 😉

Ein respektloser Kuss – zum Kotzen

Ich bin heute mies drauf. Ich nehme an, es liegt am Ereignis heute Morgen. Gestern war noch alles super. Aber vielleicht kommt nach einem Hoch auch zwangsläufig immer ein Tief?!

Heute Morgen wollte ich mal einen Sonnenaufgang woanders erleben. Also fuhr ich ein Stück weiter – wie mir später auffiel, weiter auf der Straße, die Ted morgens entlang fährt, wenn er auf die Insel kommt.

Er hatte mich wohl auf meinem gelben Rad gesehen, umgedreht und dann in einer kleinen Seitenstraße gehalten. Weil ich mir einen normalen Umgang mit ihm wünsche, habe ich natürlich auch angehalten und bin auf ihn zugegangen. Er stieg aus, kam auf mich zu, fragte mich, wohin ich denn wollte. „Die Gegend erkunden“, erklärte ich ihm. Tatsächlich hatte ich mich entschieden, in einen kleinen Naturpark in der Nähe zu fahren.

Er trat einen Schritt näher und nahm mich in den Arm. Auf die Umarmung hätte ich ehrlich gesagt verzichten können. Aber so begrüßen wir uns nun mal. Er drückte mir einen Kuss auf die Lippen. Ein wenig übergriffig, aber immer noch ok.

„Ich wollte dich zum Abschied küssen“, meinte er. Und ich dachte mir, ja, damit kann ich leben, nun hat er mich eben auf die Lippen geküsst. Wir hatten vor knapp 2 Wochen darüber gestritten, ich wollte ihn nicht mehr küssen. Aber da kam er erneut auf mich zu, nahm mich noch mal in den Arm und steckte mir seine Zunge in den Hals.

Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Ich wollte nicht überreagieren. Ich mochte die Zunge nicht in meinem Mund. Er schmeckte nicht nach Alkohol, ich roch vielmehr sein Parfüm. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich ihn von mir stoßen konnte.

„Geh weiter die Gegend erkunden“, sagte er. Ich war völlig perplex. Ich drehte mich auf dem Absatz um, aber der Morgen war verdorben.

Ich weiß bis jetzt nicht so richtig, was in mir vorgeht. Ich bin völlig depressiv, könnte heulen. Es war ein Machtspiel. Ich habe ihm die Macht über mich weggenommen, indem ich mich getrennt habe. Der Kuss war seine Weise, mir zu sagen, dass ihn das nicht kümmert, dass er weiterhin das mit mir macht, was er will. Meine Entscheidung ist ihm egal. Er respektiert sie nicht. Er zieht das durch, was er will, egal, was das mit mir macht oder was ich ihm erlaube. Es erinnert mich stark an das eine Mal in St. Pete, wo er sich Sex mit mir „genommen“ hat, obwohl ich ihm deutlich gesagt habe, dass ich das nicht will. Nur dass ich das Gefühl habe, dass ich überreagiere. Meine Güte, er hat mich doch nur geküsst. Warum hat mich das so verletzt?

Mein erster Impuls war, Delilah eine Mail zu schicken und sie zu bitten, Ted zu sagen, er solle sich aus meinem Leben fernhalten. Das würde nicht verraten, was in der Vergangenheit zwischen uns war, aber es würde zu Stunk zwischen den beiden führen. Ich tat es nicht. Damit würde ich mich nur an seinen Machtspielen beteiligen, und eigentlich will ich doch überhaupt keine Stress mehr mit ihm. Also veröffentlichte ich stattdessen einen Satz auf Facebook: „Das war die beschissenste Entscheidung, die du je getroffen hast“. Lesbar für die gesamte Welt, nicht nur für meine Freunde. Ted, der ja nicht mehr zu meinen Facebook-Freunden zählt, markierte sie innerhalb von Minuten mit „gefällt mir“. Offensichtlich hatte er nur darauf gewartet. Als Reaktion darauf blockierte ich Ted.

Aber die Sache rumorte weiter in mir. Ich schrieb Mike, den Sheriff, an und schilderte ihm das Ereignis. „Das war ‚battery‘, meinte er nüchtern, Körperverletzung. „Bist du sicher, dass ich nicht mit ihm reden soll?“ Ich war mir sicher – heute Morgen – und bat ihn, nichts zu unternehmen.

Ich verbrachte den Morgen mit meiner britischen Freundin, ging dann zum Strand, verzichtete auf Crossfit und traf heute Nachmittag dann meine Freundin Ann, der ich die Misere erzählte. „Du musst dich in Zukunft noch mehr von ihm fernhalten“, meinte sie. „Wenn du ahnst, dass er irgendwo sein wird, geh nicht hin.“ Ja, den Rat werde ich beherzigen. Und ich hoffe wirklich, dass Ted jetzt seinen beschissenen „Abschluss“, die Closure, gefunden hat und mich nicht weiter belästigt. Könnte ja sein.

Aber ich bin nicht zufrieden. Ich frage mich, ob ich Mike nicht doch bitten soll, sich Ted vorzuknöpfen. Ein Kuss klingt so harmlos, aber er hat mich tatsächlich erschüttert. Mir geht es nicht gut. Er hat mir, wie gesagt, gezeigt, dass er sich über meine Wünsche hinwegsetzt und das macht, was er will, nicht das, was ich wünsche. Nächste Woche ziehe ich wieder in meine alte Wohnung um, Ted weiß das, wer weiß, ob er da nicht auch wieder auftaucht. Im Moment weiß er ja nicht, wo genau ich wohne.

Tony habe ich für Samstag abgesagt. Ich habe keinen Bock, ihn zu sehen, ich habe auch gar keine Zeit. Ich weiß auch nicht, warum ich ihn treffen sollte. Für die 15 schönen Minuten Sex, nach denen er mich 2 Stunden weiter fickt und ich einfach nur angestrengt bin? Ich brauche eigentlich nur einen warmen Dildo. Sorry, klingt hart, aber ist so. Einen Dildo kann ich weglegen, wenn ich ihn nicht mehr brauche.

Jürgen hat vorhin auch angerufen, und ich fand das sehr schön, wir haben lange telefoniert. Nach dem, was mit Ted passiert war und nachdem ich Tony abgesagt hatte, war das zunächst ein Lichtblick. Ich habe ihm von allem erzählt, was in der letzten Woche passiert ist, und das war so einiges. Er ist sehr interessiert an dem, was ich hier so treibe, und hat mir auch einige Ratschläge zu Ted gegeben. Als ich dann aber sagte „Eines Tages solltest du mich hier besuchen kommen“, meinte er „Das wünsche ich mir auch, aber du solltest dir bewusst sein, dass das sehr unwahrscheinlich ist.“ Der Jürgen, er spielt wirklich keine Spielchen. In meiner aktuellen Stimmung aber stößt mir dieser Satz immer wieder übel auf. Wie das Zwiebeldressing, das ich gestern zu meinem Salat hatte. Ich wünschte, ich hätte es nicht gegessen. Ich wünschte, Jürgen hätte das nicht gesagt. Es macht mich traurig, rückt mir den Kopf zurecht, zeigt mir genau, welche Position ich in seinem Leben habe. Keine wichtige, und auch nicht in der Zukunft. Zu allem Überfluss erzählte er mir auch noch, dass er ab Mai nur noch 50 % arbeiten wird, also dass er nur noch jede zweite Woche in meiner Gegend sein wird. Das heißt, dass wir uns nicht mehr jede Woche sehen werden, sondern nur noch jede zweite. Das fand ich nun auch nicht so witzig. Als ich ihn fragte, was er denn mit seiner Freizeit mache, meinte er, er würde im Laden seiner Freundin helfen. Die Tuss is Kosmetikerin (kosmetische Leserinnen, bitte entschuldigt). Wenn ich mir Jürgen in einem Kosmetikladen vorstelle, da wird mir ganz anders. Das ist nicht der coole Kerl, den ich kenne. Es schüttelt mich. Demnächst wäscht er den alten Damen noch die Füße und rührt Gesichtspeeling an. Pfui. Tja, und dann auch noch die Tatsache, dass er doch offensichtlich ein Zweit- und Ersthandy hat. Er hat mich jetzt schon zum zweiten Mal mit einer anderen Nummer als die Nummer, die er mir im Januar gegeben hat, angerufen. Damals war er direkt in Urlaub gefahren und ich hatte mich gewundert, dass er die ganze Zeit meine Whatsapp-Nachricht nicht gesehen hatte. Ich hatte vermutet, dass er ein Zweithandy, ein Fickhandy, hat. Jetzt hat sich das bestätigt. Offensichtlich vertraut er mir mittlerweile so sehr, dass ich auch die Nummer des Ersthandys haben darf, aber auch dieses kleine Detail stört mich. Wie ein Stein im Schuh. Nervig.

Also, auch das Gespräch mit Jürgen hat nicht dazu beigetragen, meine Stimmung zu bessern. Ich fühle mich benutzt. Allein. Als hätte ich mir was vorgemacht. Mich selbst angelogen.

Dabei habe ich hier viele nette Freunde und Bekannte. Heute morgen das Frühstück mit der Britin war toll, sie reist Montag ab und will mich unbedingt vorher noch mal sehen. Vielleicht schaffen wir das. Ann war mir eine große Hilfe heute, und ich habe mich auch mit anderen Leuten vorhin gut unterhalten.

Morgen fühle ich mich sicher besser. Heute fühle ich mich zum Kotzen. Und ich würde Ted gerne ankotzen. Aushilfsweise würde ich mich auch gerne bei Delilah auskotzen. Aber all das mache ich nicht, weil ich – tada – die vernünftige Ann bin, die so etwas eben nicht tut.

Zum Kotzen.

Glücksgefühle

Mir geht es weiterhin so richtig gut. Es vergeht kein Tag, in dem ich vor Glücksgefühle  nicht Gänsehaut bekomme. Es ist einfach wirklich schön hier.

Ich bin viel allein, aber ich bin auch viel unter Leuten. Fast jeden zweiten Tag ist irgendeine Art Zusammenkunft. Vorgestern war ich mit meiner Freundin Ann und ein paar ihrer Musikerfreundin ein einer Bar, um ihrem Mann beim Musizieren zuzuhören.  Ann hatte mich vor meiner Ankunft von gewarnt, Ted war auch da. „Der hat irgendwo ein GPS an dir festgetackert“, meinte meine ehemalige und zukünftige Nachbarin, die auch zufällig dort war.

Freitagmittag war Mike, der Dorfpolizist, über 2 Stunden bei mir und erzählte mir sein Leid. Er will sich schon seit Jahren von seiner Freundin trennen, bringt es aber nicht über’s Herz weil er sie nicht verletzten will. Ich spreche seit Jahren schon mit ihm darüber, habe ihm sogar schon mal Louise als Therapeutin empfohlen. Sein Arbeitgeber hat ihn dann aber an einen anderen Therapeuten verwiesen, und gebracht hat das nichts. Mike ist in ein Mädel verliebt, das ich auch kenne, eine der Pier-Bitches, auch Alkoholikerin, und ich frage mich nicht, ob er da nicht – genau wie Ted – einem Traum nachjagt. Will er sich wirklich trennen? Wir haben stundenlang darüber gesprochen, er beneidet mich, weil ich die Trennung von Ted (und zuvor ja auch andere Trennungen) hinbekommen habe. Nun ist es aber so, glaube ich, dass ich mich „leichter“ trenne, denn ich bin nie in so festen Beziehungen wie er es ist. Mike und seine Freundin sind seit dem College zusammen, das sind locker 30 Jahre. Da trennt man sich nicht mal eben so…

Es hat mir aber gut getan, mit ihm zu reden, von ihm ins Vertrauen gezogen zu werden. Und bei dieser Gelegenheit erzählte er eben auch von Ted. Ted fragt ihn als einen von wenigen Freundin, die wirklich „offiziell“ über uns Bescheid wissen, was er tun kann, um mich zurück zu erobern. Das zeigt mir, dass Ted zwar gerade ruhig ist, aber noch lange nicht aufgegeben hat. Mike riet ihm, morgens mal nicht mit einem Bier zum Sonnenaufgang zu erscheinen, sondern mit einem Kaffee. Das ist, wie ich finde, eine gute Idee. Aber Ted glaubt ja nicht, dass der Alkohol das Problem ist. Donnerstag war ich ihm auf einer Party begegnet (dass das passieren würde, wusste ich seit Wochen), und dort fragte er mich, wo ich mir denn jetzt den Sonnenaufgang anschauen würde, da ich ja nicht mehr zum Pier käme. Ich sagte es ihm, mal sehen, ob er da mal auftaucht – mit oder ohne Bier.
Er verließ die Party dann übrigens dann um 6, weil er weiter trinken wollte, aber danach nicht mehr würde Autofahren können. Ich hab echt gedacht, ich höre nicht richtig. Der Kerl hat echt nichts kapiert. Statt einfach mal nix zu trinken musste er sich von der Party verpissen, um seinen Stoff konsumieren zu können. Unglaublich…

Ich verbringe viel Zeit mit einem Buch aus der Bibliothek am Strand. Ich fahre viel mit dem Rad durch die Gegend und erkunde neue Orte für Sonnenauf- und untergang. Dafür hatte ich ja früher nie Zeit, Sonnenaufgang und die ersten beiden Stunden fanden ja immer am jetzt gesperrten Pier statt.

Ich hab auch den „Stoff“, den mir Jack letzten beschafft hat, ausprobiert. Es ist genau das, was ich haben wollte. Er entspannt wundervoll und macht Orgasmen 10 Mal intensiver. Von den 6 Zigaretten, die Jack mir gedreht hat, habe ich jetzt in knapp 2 Wochen 1 1/2 konsumiert. Immer nur zwei Züge daran, mehr brauche ich gar nicht. Ich merke jedoch, dass meine Lust, nach dem Rauchen noch was zu unternehmen völlig gegen Null tendiert. Das ist etwas, was ich richtig scheiße finde. Also: Das Zeugs ist wirklich nur für besondere Abende gut, wenn ich Sex haben will. Alleine oder zu mehreren ;-).

Ich fahre mir jetzt den nächsten Sonnenuntergang anschauen.

Mir geht es gut 🙂

„Ted made you look silly“

Ich war gestern mit einer britischen Freundin frühstücken, und natürlich haben wir auch über Ted geredet. „Ich bin so froh, dass du dich von Ted getrennt hast“, meinte sie, als wir alleine, ohne ihren Ehemann, im Auto saßen. „Ted made you look silly“. Ich weiß gar nicht, wie man das richtig übersetzt. Sie meinte, ich hätte wie ein dummer Teenager neben Ted gewirkt, und ich wäre doch so viel intelligenter, gebildeter und reifer als er.

Ich hab mich für diese Aussage bedankt. Genau so etwas muss ich im Moment hören. Ich muss sehen, dass die Entscheidung, die ich getroffen habe, richtig ist. Nicht, dass ich Zweifel habe. Es gibt kein Zurück. Aber es tut gut, bestätigt zu werden.

Später am Nachmittag gestern war ich dann auf einem „Girl’s afternoon“. Nette Frauen, nicht die lästernden Bitches. Frauen, denen ich mich in der Vergangenheit anvertraut habe. Auch hier wurde von Ted geredet. Ich nehme an, das hat man immer schon gemacht, nur so lange ich mit Ted zusammen war, hat man den Mund gehalten, während ich dabei war.

Eine der Mädels machte sich über Teds Alkoholkonsum lächerlich. Offensichtlich hatte er letzte Woche einen Gig in einer Bar mit dem Namen „Dancing Clam“ oder so, stattdessen ist er auf der anderen Seite der Stadt in die „Drunken Clam“ gefahren. Und er hatte den richtigen Ort vorher sogar noch auf Facebook gepostet.

„Ted sah furchtbar aus“, meinte ein anderes Mädel. „Vacant“. Wie übersetzt man das? So als wäre keiner zu Hause? „Like a hobo“. Nix los mit ihm, wurde mir gesagt.

Ich bin im gestern Morgen für 10 Minuten am Pier begegnet. Ich bin bewusst ein letztes Mal hingefahren, denn am Nachmittag musste ich das Auto abgeben und ohne Auto komme ich da von hier aus nur schwer hin – das wären 30 Minuten Radfahren vor Sonnenaufgang, dazu habe ich keinen Bock. Wir haben nur kurz geredet. Er sagte, er kommt wahrscheinlich auf die Abschiedsparty einer der Ladys morgen. Sie macht eine „Pier-Abschieds-Party“, also ganz so wie sie es immer auf dem jetzt geschlossenen Pier gemacht hat. Nur bei sich zu Hause. Viele der bekannten Pier-Gesichter werden da sein, und so ist Howie als Musiker eingeladen und Ted als Bartender. Mal sehen, ob er wirklich kommt. Er wirkte weiterhin wie ein Penner, aber er hatte sich immerhin parfümiert. Ich weiß ehrlich nicht, was ich so lange mit ihm angefangen habe… He made me look silly…

Nun ja. Und sonst so? Ich bin hier im Arbeits- und Freizeitstress. Eine Party jagt die andere. Ich habe hier tatsächlich ein lebhafteres Sozialleben als in Deutschland. Mehr Bekannte, wenn auch nicht mehr Freunde. Das ist schön. Das Wetter ist gut, sodass ich hier am Pool liegen kann, für den Strand reicht die Zeit im Moment einfach nicht. Der ist zwar auch nur etwa 4 Minuten von hier entfernt, aber durch den Sand muss ich danach dringend duschen, und am Pool kann man mal so eben zwischen zwei Jobs liegen.

Zum CrossFit gehe ich weiterhin täglich, wenn’s geht. Ich kann aber durch die Anstrengung abends dann nicht schlafen, deswegen versuche ich jetzt, früher (gegen 12) zu gehen. Vielleicht hilft das ja, und ich habe bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich ins Bett gehe, all das Adrenalin und Cortisol durch das Training wieder abgebaut.

Jürgen ruft regelmäßig an. Gestern ist mir bewusst geworden, dass die Angst wohl wirklich besiegt zu sein scheint. Er hatte ein paar Tage nicht auf meine Whatsapp-Nachrichten reagiert, war wohl noch nicht mal online, aber gestern rief er dann einfach an. Keine Angst. Das ist so erfrischend, fühlt sich so toll an.

Tony meldet sich auch täglich. Er scheint ein wenig in mich verknallt zu sein und freut sich schon unbändig auf unser nächstes Date nächste Woche. Ob und wann ich dann kann und vor allem will weiß ich noch nicht. Bis dahin schickt er mir Fotos von kleinen Kätzchen, die er (als Tierarzt) hochpeppelt und meint wohl so, sich in mein Herz schleichen zu können. Lustig, wie bemüht die Herren sind, wenn sie sehen, dass es nicht „von selbst“ geht…

Trennung mit Kinderkacke

Ich hatte gestern länger mit dem Sheriff gechattet und mich für heute zum Sonnenaufgang am Pier verabredet. Ich hatte ihm extra Kaffee aus Deutschland mitgebracht – das tue ich immer – und mich darauf gefreut, ihn zu treffen. Nun, wer war nicht da? Der Sheriff, Mike. Wahrscheinlich bei einem Einsatz. Dafür aber parkte Ted direkt neben mir, als ich am Pier ankam. Na toll.

Wir liefen gemeinsam zum Pier und setzten uns auch zusammen auf eine Bank, wie immer. Irgendwann fasste sich Ted ein Herz und fragte mich, ob es noch eine Chance gäbe, dass wir wieder zusammen kommen könnten. „No“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Danke für deine Ehrlichkeit“, meinte er gefasst und höflich, und sagte dann: „Dann möchte ich dich noch um einen letzten Gefallen bitten“. Ich zuckte mit den Schultern. Klar. „Küsst du mich noch ein letztes Mal, zum Abschied?“

Nun. Wenn ich ehrlich bin, dann widert mich der Gedanke, ihn zu küssen an. Ich habe sofort den fiesen Alkoholgeschmack auf der Zunge. Und wie ich gestern schon sagte, Ted wirkt zurzeit auch alles andere als appetitlich. Ein Bekannter meinte heute, dass Teds Gesicht ein wenig aufgeschwemmt wirkte. Ja, sagte ich ja gestern schon.

Aber nicht nur deshalb lehnte ich ab. Ich hielt einen (echten) Kuss in unserer Situation für eine absolute Fehlentscheidung. Ich habe die Beziehung beendet, ich möchte sie nicht mit einem weiteren Kuss neu beginnen. Und das sagte ich Ted auch. Aber er erklärte mir, dass er die Beziehung so abschließen wollte, wie sie begonnen hatte: mit einem Kuss. Ich kann tatsächlich ein wenig nachvollziehen. Ted ist so drauf. Er glaubt an diese symbolgewaltigen Taten. Ich aber nicht. Und ich war und bin nach wie vor davon überzeugt, dass es für ihn – für mich nicht so sehr – kontraproduktiv wäre, mich noch einmal zu küssen. Er hat schon genügend Mühe, sich von mir zu lösen, ein Kuss wird das nur verschlimmern.

„Ich verstehe deine Denkweise nicht“, meinte ich. „Nein, hast du noch nie und wirst du auch nicht“, erwiderte Ted. Ja klar. Und dann kam das übliche „Es wäre doch so einfach, küss mich einfach noch ein letztes Mal. Es ist doch so ein kleiner Gefallen, das könntest du doch wirklich für mich tun, es würde mir so viel helfen“. Das ist Teds typische Leier. Wenn er etwas von mir will, ich es ihm aber nicht geben will, dann argumentiert er mit „Es wäre doch so einfach“. Nein, wenn es so einfach wäre, würde ich es ja tun.

Ted zog mich in eine Ecke am Pier und ließ mich nicht an sich vorbeigehen. Erst als sich von hinten ein Bekannter näherte, ging er einen Schritt zur Seite, so dass ich auch an ihm vorbeigehen konnte. Wieder bettelte er „Es wäre doch so leicht für dich“. Ich schüttelte den Kopf. „Nein Ted.“

Und da wurde er wütend. Ich solle nie wieder auf ihn zukommen, meinte er. Und dann: „Du wolltest doch mit mir befreundet sein. Nun, die Freundschaft kannst du dir abschminken, wenn du mich jetzt nicht küsst.“

Ich drehte mich um und ging. Ted verhielt sich wie ein Dreijähriger. Auf dem halben Weg zu Auto, auf dem Steg, hielt ich kurz inne und dachte nach. Es klingt bescheuert, aber Teds Drohung, nicht mit mir befreundet sein zu wollen, nagte tatsächlich an mir. Ich musste mir immer wieder bewusst einreden, dass das – gelinde gesagt – Bullshit war. Ob Ted mit mir befreundet sein kann, wird sich in ein paar Wochen oder Monaten zeigen. Ich bezweifele es. Es wird nichts damit zu tun haben, ob ich ihn zum Abschied geküsst habe oder nicht. Es war einfach einer von Teds üblichen Manipulationsversuchen.

Als ich noch meine Panik hatte, haben sie funktioniert. Ich hatte so große Angst davor, nicht geliebt zu werden, verlassen zu werden, dass ich mich von Ted immer wieder auf diese Weise – bei kleinen Dingen – erpressen lassen habe. Aber jetzt bin ich darüber hinweg. Ich würde gerne mit Ted befreundet sein. Ich weiß aber schon lange, dass es mit Ted wahrscheinlich nicht möglich sein wird. Er hat keine Freunde – er pflegt seine Freundschaften nicht. Er glaubt nicht, dass platonische Freundschaften zwischen Mann und Frau möglich sind – darüber habe ich mich häufig genug mit ihm gestritten. Kurz: Der fehlende Kuss wird auf unser Verhältnis keine negativen Auswirkungen haben. Wohl aber positive, zumindest für mich: Ich habe nichts getan, was ich nicht wollte. Ich behalte meinen Stolz. Ich weiß nicht, ob mich ein Kuss nicht doch nostalgisch gemacht hätte…

Ted hat mir dann noch 3 E-Mails gesendet, die ich aber nicht beantwortet habe. In der ersten schrieb er Folgendes:

  • „Nach allem, was wir durchgemacht haben, wäre ein Kuss das einzige gewesen, was ich gebraucht hätte, um mit guten Gefühlen abschließen zu können. War das zu viel verlangt? Möchtest du, dass ich glücklich weiterziehe?“

In der zweiten E-Mail bat er mich um einen Rückruf. In der dritten bat er mich, nicht anzurufen, wünschte mir viel Glück und verabschiedete sich.

Kinderkacke.

Also. Ich fühle mich heute, was Ted anbelangt, besser als gestern. Gestern hatte ich großes Mitleid und hätte ihn am liebsten getröstet. Heute hat sich Ted wieder von seiner bizarren Seite gezeigt, völlig irrational und manipulativ. Für mich war das ein guter Abschluss, denn es hat mir gezeigt, dass meine Entscheidung richtig war.