Ohne Panik

Archive for the ‘Ted’ Category

Verwirrungen

In Tagebuch, Ted on 19. Oktober 2017 at 03:01

Das war ein komischer Streit heute. Nicht schlimm, nicht so schlimm, dass ich mich wieder gleich trennen will, aber doch typisch für uns. Ich versuche, ihn aufzuschreiben, um mir klar zu werden, was überhaupt abgelaufen ist. Ted meinte nämlich gerade, ich würde ihm „Angst“ machen mit meinem seltsamen Verhalten. Ich finde, er hat sich „seltsam“, also „typisch Ted“ verhalten. Oder war das alles ein Missverständnis?

Ted hatte mich heute früh zum Flughafen gefahren, damit ich dort einen Mietwagen abholen konnte, das war sehr lieb von ihm. Wir vertrödelten auf dem Weg dorthin unnötig Zeit, was mich ein wenig hibbelig machte, denn ich muss vormittags für meine Kunden verfügbar sein, aber da sich kein Kunde meldete war alles gut.

Unterwegs fragte er mich nach meinen Plänen für heute und ich erzählte ihm, dass ich vorhatte, zum Sport zu gehen. „Zwei Tage nacheinander“, meinte er verwundert.

Nun, gerade eben im Gespräch meinte er, das habe er nie gesagt. Das war aber genau der Ausspruch, der den Stein ins Rollen brachte, und ich glaube nicht, dass ich mich verhört habe. Ich glaube, Ted hat es vergessen. Der Alkohol…

Dieser Ausspruch führte dazu, dass ich mich an meinen letzten Aufenthalt erinnert fühlte. Damals haben wir immer und immer wieder darüber gesprochen, dass Ted es nicht für sinnvoll erachtet, dass ich 2 Tage in Folge zum Crossfit gehe. Er sei früher Sportler gewesen (professioneller Tennisspieler) und damals hätte er immer einen Tag Pause zwischen den Trainings gemacht. Wir haben das schon x Mal durchgekaut. Ich kenne das auch so, genau wie Ted. Crossfit ist aber anders. Man geht möglichst täglich. Alle Leute aus meinem Kurs gehen fast täglich. Ich will Fortschritte machen und dazu gehören, also gehe ich auch jeden Tag.

„Du weißt, dass ich täglich gehe?“, fragte ich ihn als Reaktion auf seine Aussage. Ted verstand nicht, warum ich das sagte. Heute Abend erklärte er, dass das „geheimnisvoll“ geklungen hätte. Ich wollte ihn damit aber nur daran erinnern, dass ich während meines letzten Aufenthalts tatsächlich täglich gegangen bin und wir dieses Thema wirklich oft genug besprochen hatte.

Da Ted also meine Aussage verwunderlich fand, fragte er „Gibt es etwas, was ich wissen sollte?“ Auch eine typische Ted-Frage. Ich fühlte mich natürlich direkt wieder verdächtigt. „Gibt es eine erotische Anziehung zwischen dem Coach und dir?“, fragte er.

Wenn ich solche Fragen höre, dann könnte ich schreien. Wie oft muss ich denn noch erklären, dass da nix Erotisches ist zwischen Kyle und mir ist? Heute Abend erklärte Ted, er sei nicht eifersüchtig auf Kyle, aber meine komische Äußerung zum täglichen Sport hätte ihn veranlasst, das zu sagen. „Warum soll ich eifersüchtig sein?“, fragte er mich. Diese Frage habe ich bis jetzt nicht verstanden. Er verhält sich so, als würde ich ihn durch meine Aussagen dazu auffordern, diese Fragen zu stellen, als würde ich ihn provozieren. Ich verstehe das nicht. Ich hatte wirklich nur gesagt, dass ich täglich zum Sport gehe, was ist daran so geheimnisvoll? Was an dieser Aussage hat ihn dazu provoziert zu fragen, ob ich was mit Kyle habe?

Das Gespräch heute Abend lief völlig anders ab als heute Morgen. Ted stellte unser Gespräch völlig anders dar. Ich glaube, bei einem von uns hat der zeitliche Abstand dazu geführt, dass wir uns an etwas völlig anderes erinnern. Wenn ich Teds Schilderung von heute Abend glaube, dann habe ich mich tatsächlich seltsam verhalten. Aus dem Nichts heraus habe ich angeblich gesagt „du weißt, dass ich täglich zum Sport gehe?“. Für ihn war das eine Aufforderung, zu reagieren, für mich war das nur eine Erinnerung.

Natürlich glaube ich, dass ich Recht habe. Und natürlich ist es auch sehr einfach, immer alles auf den Alkohol zu schieben.

Aber heute Morgen hatte er mir noch gesagt, dass er vergessen hatte, dass ich im Frühjahr täglich beim Crossfit war. Wie kann er das vergessen wenn wir da ständig drüber gestritten haben? Heute Abend erklärte er, dass es ihm völlig klar sei, dass ich täglich gehe und dass meine Frage deshalb so seltsam war. Dreht er sich die Realität hier so zurecht, dass es passt, oder habe ich da irgendwie eine Wahrnehmungsstörung?

Ich bin völlig verunsichert, aber ich glaube wirklich, dass der Alkohol ihn vergessen lässt. Völlig spurlos wird die Sauferei ja nicht an ihm vorbeigehen.

Wir haben ein paar weitere grundsätzliche Probleme in unserer  Kommunikation. Wenn ich ihn zum Beispiel frage, wie es ihm geht, weil er traurig aussieht, dann kommt wie aus der Pistole geschossen „Habe ich Grund, traurig zu sein, hast du mir was zu sagen?“. Das ist unglaublich nervig.

Er wirft auch häufig ein „Ich liebe dich“ in den Raum. An sich schön, aber es ist selten als einfache Liebeserklärung gemeint. Heute Mittag, am Ende unseres Streits, sagte er zum Beispiel, dass er mich liebte. „Das ist schön“, antwortete ich, aber das war die falsche Antwort, er war sofort eingeschnappt. Er wollte, dass ich erwidere, dass ich ihn auch liebe. Somit ist die Aussage, dass er mich liebt, eigentlich keine Liebeserklärung, sondern die Frage, ob ich ihn liebe. Das macht das schöne Gefühl, dass mir so eine Liebeserklärung gibt, direkt wieder zunichte. Manchmal merke ich, dass ich nicht erwartungsgemäß antworte, manchmal aber nicht, und das führt dann auch immer wieder zu Spannungen zwischen uns, weil ich gar nicht weiß, warum er plötzlich so komisch ist.

Wer erinnert sich jetzt falsch an unser Streitgespräch heute Morgen? Ich muss zugeben, dass er in einer Version heute Abend logisch erklärt hat, warum er sich wie verhalten hat. Nur widerspricht er mit einigen Aussagen heute Abend dem, was er heute Morgen gesagt hat. Oder erinnere mich falsch? Oder spielt das Fremdsprachenproblem eine Rolle?

Nur wenn er heute Morgen wirklich nicht darüber gestöhnt hat, dass ich zwei Tage in Folge zum Sport gehe, warum hat er mir dann gesagt, dass er vergessen hat, dass ich das im Frühjahr auch so gehandhabt habe? Warum hat er mir noch mal erklärt, dass er es als Profisportler anders gehandhabt hat?

Seltsam. Ich glaube ja, dass der Alkohol dafür verantwortlich ist. Aber wer weiß…

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Krankheit mit perfektem Timing

In Gesundheit, Tagebuch, Ted on 15. Oktober 2017 at 21:50

Tja, das Universum hat mich gut beobachtet, und wie auf Kommando hat es Krankheit vorbeigeschickt. Gegen 1 Uhr morgens wachte ich auf und mir war schlecht. Nicht so, dass ich mich übergeben musste, aber doch schlecht genug, dass mir der Speichel im Mund zusammenlief und ich vorsichtshalber meine Haare zusammenband und ins Bad ging. Und so ging es dann im 30-Minuten-Takt weiter bis 9 Uhr morgens und ich das gemeinsame Frühstück mit meinen Eltern und Ted absagen musste.

Ted kümmerte sich sehr liebevoll um mich. Wir fuhren dann noch meine Eltern, die zurzeit kein Auto haben, in den Supermarkt und ließen sie dort einkaufen. Auf dem Rückweg bat ich, an meinem Haus abgesetzt zu werden, denn es ging mir so schlecht. Jetzt habe ich ein paar Stunden geschlafen, viel getrunken und hoffe, dass ich wieder zu Kräften kommen werde.

Ted hat sich entschuldigt für sein Verhalten. Und ich sehe, dass ich überreagiert habe. Ok, er hat mich gestern „geheimnisvoll“ am Telefon abgewimmelt und mir nie erklärt, was los gewesen war. Das ist typisch Ted. Mit Alkohol hatte das wahrscheinlich nicht viel zu tun. Dennoch frustriert mich der unveränderte Alkoholkonsum, und das kam gestern zum sonstigen Frust zum Ausdruck: Meine Eltern und ich hatten den ganzen Tag auf dem Weg zu einer Pferdeveranstaltung auf den Bus gewartet, der nicht gekommen war, nur um dann ein Pferdegespann mit 8 Clydesdales 3 Minuten an uns vorbeiziehen zu sehen. Ich hatte meine Tage bekommen (welche Enttäuschung, das ist nicht nur schmerzhaft und unangenehm, ich will auch langsam mal durch sein mit den Wechseljahren) und war einfach insgesamt durch das Globusgefühl, das ich jetzt auch schon fast 3 Monate wieder habe, total gestresst.

Nun ja. Jetzt geht es mir erst mal darum, wieder auf die Beine zu kommen.

Super mit Ted, Delilah rastet aus, meine Mutter ist dement

In Statusbericht, Tagebuch, Ted on 13. Oktober 2017 at 03:03

Ich bin jetzt schon fast 2 Wochen hier, und mit Ted läuft es gut.

Er hat mich wirklich positiv überrascht. Die ersten Tage hat er morgens überhaupt kein Alkohol getrunken, aber natürlich hat er jetzt wieder seinen Becher Bier dabei, wenn wir uns den Sonnenaufgang, nun an einem anderen Pier, anschauen. Ich habe das mehrfach kritisiert, aber da wirklich alles andere stimmt habe ich da nicht viel Hebelwirkung.

Vor allem übt er überhaupt keinen Druck auf mich aus. Er ist arbeitslos und hat wenig zu tun und würde gerne Zeit mit mir verbringen, ich habe jetzt aber schon zwei größere Jobs abgewickelt, die dazu führten, dass ich 2 Mal 2 Tage am Stück eigentlich gar keine Zeit für ihn hatte. Ok, wir waren gemeinsam beim Sonnenaufgang, aber ich konnte den Vormittag nicht mit ihm rumgammeln. Er hat nicht drüber gemeckert, obwohl er gestern meinte, „die Zeit würde uns davonlaufen“. Nun, es ist eben so. Ich muss wie jeder normaler Mensch tagsüber arbeiten, nur dass „tagsüber“ bei mir von 4.30 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags bedeutet. Danach hätte ich meist Zeit für ihn, aber dann muss er sich um seinen Sohn oder seine Tochter kümmern und hat seinerseits keine Zeit. Er ist aber schon ein paar Mal abends (wie jeder andere normale Mensch) raus auf die Insel zu mir gekommen und wir haben zum Beispiel auch einen Abend gemeinsam mit meinen Eltern verbracht. Er hatte seine Gitarre mitgebracht und wir haben gemeinsam am Wasser gesessen und ihm beim Singen zugehört.

Also, kein Grund zur Klage, bisher läuft es. Ob es so bleibt, wird sich zeigen.

Delilah wird jedoch immer nervöser. Heute ist sie Ted gefolgt, als er nachmittags eine halbe Stunde mit mir am Strand verbracht hat. Sie ist nicht bis ganz zum Strand gekommen, musste wohl vorher abbiegen, um ihren Neffen irgendwo abzuholen. Das macht mir Sorgen. Gott sei Dank weiß sie nicht, wo ich wohne, da ich ja umgezogen bin und keiner so richtig weiß, wo ich wohne. Das ist gut. Ich habe aber tatsächlich Sorgen, dass sie eines Tages hier auftaucht.

Sie ist Ted gegenüber auch einmal rabiat geworden, hat ihm das Tablet (ich glaube ein Kindle) über den Kopf geknallt. Sie hat sich sofort entschuldigt, denn sie hat angeblich (?) geglaubt, auf die Bettdecke und nicht auf Teds Kopf zu schlagen, aber dennoch war da viel Aggression. Und da ist auch viel kriminelle Energie. Es ist ihr gelungen, den Code zu Teds Telefon zu knacken (sie muss ihn wohl sehr genau beobachtet haben) und hat die gesamte Kommunikation zwischen uns auf Facebook lesen können. Sie scheint überhaupt Cyber-Stalker-Eigenschaften an den Tag zu legen, ein paar Fotos auf Facebook waren für die „ganze Welt“ sichtbar, und so hat sie ein Foto von Ted, einem älteren Herren und mir gefunden, das sie ausgedruckt und sich unters Kopfkissen gelegt hat. Seltsam. Auf Facebook gibt es zwar einige Fotos von Ted und mir, jedoch haben wir immer darauf geachtet, dass sie nicht eindeutig sind und fast immer – es sei denn, man sieht nur unsere Umrisse – ist immer noch mindestens eine dritte Person zu sehen. Mittlerweile hat sie mich jedoch auf Facebook gesperrt – nehme ich an, denn ich kann sie nicht mehr finden um sie selbst zu sperren.

Ted gegenüber verhält sie sich mal herzallerliebst, mal super-aggressiv. Mich erinnert das an Melli. Sie ist auch alle Phasen des Trauers durchlaufen. Ihre letzte Strategie bestand darin, Luis gegen mich aufzuhetzen, was ihr ja auch gelungen ist. Und das erwarte ich auch von Delilah. Sie wird versuchen, mich zur bösen Frau zu  machen, zur bösen Verführerin, die ihr Ted geklaut hat.

Tja, und mit meinen Eltern läuft es auch ok. Ich sehe immer mehr, dass meine Mutter tatsächlich dement wird. Sie hat Phasen, da vergisst sie sofort, was ich ihr vorher erzählt habe. Sie weiß, dass ihre Vermieterin Iris heißt, wir haben schon sehr häufig darüber geredet. Gestern schaut sie mich mit großen Augen an und fragt mich „Wer ist Iris?“. Und dann hat sie andere Marotten, die einfach traurig sind. Sie geht zum Beispiel hier nicht ins glasklare Wasser, denn dann würden ihre Haare nass werden, und dann könnte sie ja jemand auf dem Weg nach Hause vom Strand mit ungestylten Haaren sehen. Ich glaube kaum, dass irgendwer einen Unterschied zwischen geföhnt und winddurchpustet sehen würde (ich sehe keinen), aber dass sie sich durch solche Äußerlichkeiten so einschränken lässt, das ist wirklich bedrückend. Sie mag auch keine kurzärmeligen T-Shirts oder gar Tank-Tops anziehen, denn sie hat Winkearme. Hallo? Meine Mutter ist 78! Was erwartet sie denn dann? Dennoch läuft sie im Bikini am Strand herum und begrüßt Ted in einer Cameltoe-Leggings, die auch viel mehr Wabbelfleisch zeigt als mir lieb ist. Ich hoffe, dass ich im Alter nicht auch so werde!

 

Ich bin unfair

In Tagebuch, Ted on 23. September 2017 at 21:39

Ich glaube, ich ziehe mich da ganz schön unfair aus der Affäre. Ich habe Ted gestern immer wieder gesagt, dass ich ihn nie um diese Schritte gebeten habe und dass ich die Situation so, wie sie vor 3 Jahren war, gut fand. Und das stimmt tatsählich ja auch.

Ted hatte mich gestern gefragt, ob ich denke, dass er in die richtige Richtung geht. Nein, denke ich nicht. Tatsächlich habe ich ihm immer wieder gesagt, dass ich das nicht will. Und es ist auch nicht neu, dass ich ihm sage, dass es für mich vor 3 Jahren ok war, ich glaube, dass habe ich schon vor einem Jahr gesagt.

Ich habe aber natürlich trotzdem gesehen, in welche Richtung sich die Sache entwickelt. Mir war nicht klar, dass er sich wegen mir von Delilah entfremdet (hat). Er sagte mir vor gar nicht allzu langer Zeit, dass das erst angefangen hatte, als er mich kennen gelernt hat. Das bin also ich Schuld. Ich war davon ausgegangen, dass seine Beziehung am Ende war, als er mich küsste – warum sonst hätte er mich küssen sollen? Heute weiß ich, das er einfach ein Typ ist, der so etwas mit Frauen macht. Ich war nicht die erste. Er hat Delilah in dieser Beziehung immer und immer wieder betrogen – auch etwas, was ich erst vor ein paar Monaten erfahren habe. Aber so ist er wohl, das heißt wohl nicht, dass die Beziehung schlecht war. Ach, wer weiß.

Wenn ich die Verantwortung für die Entwicklung, Delilahs Entsetzen, nicht tragen wollte, hätte ich nicht weiter mit ihm zusammen sein dürfen. So einfach ist das.

Und jetzt sitze ich da. Ted hat all das für mich getan, und ich mach ihm ne lange Nase und sag „Ätschibätsch, habe ich nie gewollt.“ Dass er das scheiße findet, ist nachzuvollziehen. Letztendlich bin ich damit auch nicht besser als Ted. Er hat Delilah durch sein Verhalten dazu gebracht, die Beziehung beenden zu wollen, obwohl es ehrenvoller gewesen wäre, wenn er mit ihr Klartext gesprochen hätte. Ich habe mit angesehen, was Ted macht, und ich habe nichts dagegen unternommen. Ich habe ihm zwar gesagt, dass ich nicht will, dass er sich trennt, aber ich habe keine Taten folgen lassen. Er hat weitergemacht und ich habe es mit angsehen.

Ich hätte mehr protetstieren müssen. Ich hätte vielleicht auch schon früher gehen müssen. Aber seien wir mal ehrlich: Ich fühlte mich ja auch geschmeichelt. Ich habe zwar gesagt, dass ich nicht will, dass er sich von Delilah trennt, aber natürlich war das schon irgendwie auch mein Wunsch. Nur dass ich die Konsequenzen nie tragen wollte. Weder für die bösen Gefühle, die durch eine Trennung entstehen, noch für einen Ted, der dann nicht mehr an Delilahs (?), sondern an meinem Rockzipfel hängt.

Welche Frau will denn einen Mann, der mit einer anderen Frau zusammen ist? War doch nur logisch, dass ich das auf Dauer auch nicht haben wollte. Ted hat nur das getan, was logisch ist. Sich von der Frau, die er nicht mehr liebte, abgewandt, und der Frau, die er liebte, zugewandt.

Nur die wollte das so nicht. Ich wollte keinen Vollzeit-Ted. Ich war nicht ehrlich mit Ted. Ich weiß schon lange, dass ich Ted nur in Teilzeit aushalten kann. Ich hätte ihn freigeben sollen, denn natürlich war mir klar, dass Ted mich nicht in Teilzeit haben will…

Was für ein Scheiß.

Stur?

In Tagebuch, Ted on 23. September 2017 at 01:35

Natürlich finde ich es nicht toll, was da auf Teds Seite der Welt passiert. Aus ganz egoistischen Gründen, wie ich es schon beschrieben habe: Ich möchte keinem arbeitslosen Ted, der von seiner Fast-Frau vor die Türe gesetzt wurde, beim Schnarchen auf meiner Couch zuhören. Allen Versprechungen zum Trotz trinkt er auch weiterhin noch am frühen Morgen – ich höre die Eiswürfel in seinem Glas klirren, und das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass er Bier trinkt. Die Anzeichen sind also deutlich: Mit Ted wird es nicht besser werden.

Heute äußerte ich in einem Telefongespräch, dass ich besorgt wäre. Ted interpretierte das ganz richtig, er fragte, warum. Ich erklärte es ihm. Er reagierte, wie er immer reagiert, mit einer Beleidigung: „Ich sollte nicht so viel von dir halten.“

Er hat Recht, ich bin seltsam. Überall um mich herum sehe ich Paarbeziehungen, bei denen ich nicht verstehe, warum die Partner sich miteinander abgeben. Warum ist es so wichtig, zu zweit zu sein, wenn man vom Partner einen solchen Bullshit hinnehmen muss? Ist es besser, sich nach Strich und Faden zu verbiegen, sich vom Partner demütigen und einschränken zu lassen, nur um nicht allein zu sein? Lieben diese Paare sich wirklich so sehr, dass dieser Aspekt keine Rolle spielt? Bin ich zu lange allein gewesen, dass ich das so deutlich sehe? Ich möchte diese „Kompromisse“ nicht eingehen. Ich will wirklich lieber allein sein.

Nachdem ich Ted also klargemacht habe, dass ich die Entwicklung alles andere als positiv für mich empfinde und dass ich lieber wieder dort wäre, wo wir vor 3 Jahren waren – und das stimmt – stellte er mir seine Lieblingsfrage – natürlich nicht, ohne dass ich ihm vorher nicht beteuert hätte, dass er mein „Boyfriend“ sei und ich tatsächlich mit ihm zusammen sein will. „Sind wir noch ein Paar?“ Meine Freundin Ann neckt mich mit dieser Frage mittlerweile schon, denn ich habe sie Ted schon so oft beantwortet und sie nervt mehr als fehlendes Klopapier auf der Toilette (sorry, fiel mir gerade so ein). Oder anders ausgedrückt: Ich geh bei der Frage mittlerweile innerlich an die Decke. Ich kann sie nicht mehr hören. Ich mag sie nicht mehr beantworten. Ich empfinde sie als Provokation.

Ich antwortete nicht auf die Frage. Ich machte gar nichts. Ich ging noch nicht mal an die Decke. Ich legte einfach den Hörer beiseite. „Bist du noch da?“, fragte Ted. „Ja“, seufzte ich frustriert. „Sind wir noch ein Paar?“, wiederholte er. „Ich hab dir vor 2 Minuten gesagt, dass du mein Boyfriend bist“, sagte ich, „ich beantworte diese Frage nicht mehr.“ Seine Reaktion: „Ich kann nicht verstehen, dass du so stur bist. Es ist eine sooo einfache Frage.“

Bin ich wirklich stur? Ich bin mir nicht sicher. Für mich ist das eine rethorische Frage ohne jeglichen Wert. Er erzwingt die Antwort, und somit ist sie bedeutungslos. „Ich zwinge dich zu gar nichts“, beteuerte er. Klar, dessen ist er sich nicht bewusst. Bin ich stur, oder ist er stur? Stellt er die Frage wirklich arglos und möchte eine Antwort, oder provoziert er mich bewusst? Ich habe keine Ahnung. Ich befürchte, er will tatsächlich eine Antwort erzwingen.

Und schon bin ich innerlich wieder getrennt. Ich bin nicht aufreregt, ich habe mich noch nicht mal während des Telefongesprächs aufgeregt. Ich bin frustriert. Ich denke darüber nach, welche Vorteile es hätte, wenn wir getrennt wären.

Jetzt, da der Pier geschlossen ist, muss ich Ted überhaupt nicht mehr „zufällig“ begegnen. Ich werde ihn nur dann sehen, wenn er bei mir (unangemeldet?) vorbeikommt oder wenn wir uns verabreden. Somit wäre eine Trennung viel einfacher. Ich wäre einsamer, zumal der Pier für spontane Mittagspausen unter Menschen nun wegfällt, ein großer Vorteil „meiner Insel“. Jetzt werde ich wieder grundsätzlich allein sein, es sei denn, ich verabrede mich. Aber ich wäre auch frei für andere Unternehmungen, langsfristig sogar für neue Männer.

Ted setzt sich enorm für mich ein und ich habe lange das Gefühl gehabt, dass ich so einen loyalen Mann so schnell nicht wieder finden würde. Mein Gefühl hat sich dazu geändert. Irgendwo da draußen wird es einen Mann geben, der mich ebenfalls lieben kann und sich folglich für mich einsetzen wird. Und vielleicht ist das einer, der nicht den ganzen Tag lang Bier trinkt, keine Geschichte als Fremdgeher hinter sich hat und ein erfülltes Leben führt, bei dem er mich mitreißen könnte. Aber das ist noch in weiter Ferne.

„Your fucking whore…“

In Tagebuch, Ted on 21. September 2017 at 21:48

Ted erzählte mir gestern, dass er eine entrüstete E-Mail von Delilah bekommen hatte. Sie hatte online eine Fundraising-Kampagne von mir gesehen, die ich für die Leute am Pier aufgesetzt hatte, und dort war auch kurz – mit Foto – erläutert, wer  die Person, die das Geld sammelt (also ich), ist: Jemand, der 6 Monate im Jahr in Florida lebt, der sich jeden am Pier Sonnenaufgang anschaut und den Pier sehr liebt. Das hat für sie das Fass zum Überlaufen gebracht.

Delilah redet seit meinem Anruf vor etwa 4 Wochen wohl täglich von mir. Ich hatte damals einen schnelleren Kollaps erwartet, stattdessen ist die Katastrophe allmählich eingetroffen. Ted las mir den Brief von Delilah gestern vor – etwas, was ich an seiner Stelle nicht gemacht hätte, denn er war voller Beleidigungen an mich. Ich weiß, dass ich das nicht Ernst nehmen sollte, die Dame ist einfach nur sauer, und zwar berechtigt, und sie kennt mich gar nicht. Trotzdem bin ich nicht begeistert, dass ich in diesem Brief um die 10 Mal als „fucking whore“ (verfickte Hure) oder „fucking bitch“ etc. bezeichnet wurde. Ted hätte da schlauer vorgehen können. Aber egal.

Die Aussage der E-Mail war folgende: Nach ewigen Hasstiraden darüber, dass er die verfickte Hure, die auch noch 10 Jahre älter als er (und sie) ist, verdient habe, fordert sie Ted auf, ihr das Haus zu überschreiben und auszuziehen. Das hätte sie sich verdient, sie hätte in den letzten Jahren so viel Herzblut hineingesteckt und das Haus sei genauso ihres.

Ganz im Ernst: Sie hat Recht. Sie hat mit allem Recht. Ich bin zwar keine verfickte Hure, aber sie hat sich das Haus verdient. Und Ted hat sich beschissen verhalten. Er hat vier Jahre lang ein Doppelleben geführt und sie nach Strich und Faden hintergangen. Er hat das Geld nach Hause gebracht, aber mehr hat er nicht geleistet. Sie hat sich um den Haushalt und die Kinder gekümmert, während er sich mit seiner verfickten Hure vergnügt hat. Ich weiß nicht, wie ich an ihrer Stelle reagieren würde, aber ich weiß, dass ich auch versuchen würde, Ted dort zu treffen, wo es weh tut.

Aber: Ted ist sich nur ansatzweise einer Schuld bewusst. Er meint, sie sei es ja selbst Schuld. Sie hätte ihn jahrelang ignoriert. Nun, das ist kein Grund zum Fremdgehen, dann muss man miteinander reden. Ich verstehe ihn, aber schlechte Behandlung gibt ihm nicht das Recht, sie zu betrügen. Er sagt auch, dass sie sich x Mal von ihm getrennt habe und kein Recht habe, überrascht zu sein, dass er tatsächlich eine andere hat. Soweit ich weiß, gibt es diese Trennungen erst seit ein oder 1,5 Jahren, nicht länger. Bis dahin ist er ihr ja dann tatsächlich fremdgegangen. Und was die Trennungen selbst anbelangt: Ich habe sie nie ernst genommen, und Ted wäre gut bedient gewesen, sie ebenfalls zu hinterfragen. Delilah hatte wohl letztens sogar gesagt, sie habe es „nicht so gemeint“. So, wie ich Ted kenne, glaube ich, dass er es sich sehr einfach gemacht hat. Delilah hat im Streit irgendwas gesagt und er ist davon ausgegangen dass das sein Freischein zum Fremdgehen ist. Von außen her ist das natürlich immer einfach zu be- und verurteilen. Meiner Meinung nach aber ist Ted nicht so unschuldig, wie er glaubt. Er hat einfach nie Klartext mit Delilah geredet, hat sich immer rausgeredet, hat immer nur ihre Trennungen hingenommen und interpretiert und hat sich nie von seiner Seite aus klar ihr gegenüber geäußert. Glaube ich, ich war ja nicht dabei.

Tja, wie es jetzt weitergeht, weiß ich nicht. Ich befürchte, dass zwischen den beiden ein Rosenkrieg beginnen wird. Ich hoffe, dass sich Delilah, zumindest der Kinder wegen, etwas zurückhält. Und ich hoffe für mich, dass sie während Teds Abwesenheit (er kommt erst Freitagnacht von seinen Eltern zurück) nicht die Schlösser austauscht und er dann auf der Straße sitzt. Ich hoffe, dass er nicht meint, er könne sich stattdessen bei mir einquartieren. Ich habe ihm gestern gesagt, dass das nicht geht, dass ich keinen Mitbewohner brauchen könnte (noch nicht mal ihn, auf Nachfrage), aber wie ich Ted mit seiner „It will work itself out“-Mentalität kenne, wird er es eventuell darauf ankommen lassen. Er ist ja zu allem Überfluss auch noch arbeitslos, das heißt es wird dann jeden Tag so sein wie an seinen freien Dienstagen, an denen wir uns grundsätzlich gestritten haben weil er meinte, ich müsse ihn entertainen. Naja, hoffentlich nicht. So lange Ted noch ein Dach über dem Kopf hat, werde ich ihn nach Hause schicken können, aber was, wenn Delilah ihn wirklich vor die Türe setzt?

Sie hat kein Recht dazu. In Florida gibt es kein Gesetz, dass ihre Rechte schützt, weil sie schon so lange in einer eheähnlichen Gemeinschaft leben. Sie hat nur Anspruch auf Unterhalt für ihre Kinder, aber sonst hat sie keine Rechte. Das ist gut für Ted, ihm gehört das Haus und er kann sie zur Not wirklich vor die Türe setzen. Aber Recht haben und Recht bekommen oder durchsetzen sind immer noch zwei Paar Schuhe. Ted würde Delilah niemals vor die Türe setzen, und was er macht, wenn Delilah einfach die Schlösser austauscht, das weiß ich nicht.

Nun ja, aber das sind ungelegte Eier. Samstagfrüh werde ich mehr wissen, wenn er wieder zu Hause ist und mit Delilah spricht oder nicht spricht.

Tolle Reiseaussichten :-(

In Familie, Tagebuch, Ted on 21. September 2017 at 11:31

Heute Morgen bekam ich einen Anruf von meinem Vater, er weckte mich damit auf. Ich erschrak mich sehr. Wenn meine Eltern zu ungewöhnlichen Zeiten anrufen, dann habe ich immer Angst, dass irgendwas Schlimmes passiert sein könnte. Schließlich sind meine Eltern 78 Jahre alt. Zudem rief mein Vater auch noch von seinem Handy an, etwas, was nur im äußersten Notfall geschieht.

„Es ist ein echtes Drama“, begann er das Gespräch, und mir wurden die Knie weich. Irgendwas mit meiner Mutter, offensichtlich.

Richtig.

Offensichtlich hatte ich meine Mutter in unserem letzten Gespräch am Montag beleidigt und sie kann seither nicht mehr schlafen. Außerdem überlegt sie, die gemeinsame Reise abzusagen (ja, die Reise, von der wir gerade erfahren haben, dass wir sie trotz des Sturms Irma antreten können. Meine Eltern wollten mich einen Monat lang auf meiner paradiesischen Insel besuchen).

Mein Vater hatte das Haus verlassen, um mich anzurufen, ohne dass meine Mutter es mitbekommt. Deshalb das Handy, deshalb die frühe Uhrzeit. Offensichtlich ist dort tatsächlich die Kacke am Dampfen. Wegen der unverschämten Tochter.

Ich fiel aus allen Wolken. Klar wusste ich, was passiert war. Ich hatte meine Mutter „Du bist schon ein bisschen paranoid, oder?“, gefragt. Ich hatte das aus Quatsch gesagt, aber mir war am Montag natürlich aufgefallen, dass meine Mutter das nicht so freudig aufgenommen hatte. Dass es einen derart dramatischen Effekt haben würde, der meine Mutter dazu veranlassen würde, die Reise abzusagen, damit hatte ich allerdings nicht gerechnet.

Was war passiert? Nun, meine Mutter ist im Laufe der Jahre tatsächlich etwas paranoid geworden. Ich halte das für ein Zeichen angehender Demenz – mit 78 nicht auszuschließen. Vor Jahren schon wurde vermutet, dass die Nachbarn Silberbesteck geklaut hatten – die hatten nämlich den Schlüssel zum Haus meiner Eltern für Notfälle. Nachdem meine Eltern alle Schlösser ausgetauscht hatten, tauchte das Besteck wieder auf. Wie das so ist mit bösartigen Gerüchten (auch wenn man sie selbst erfunden hat), bleiben sie haften, meine Eltern empfinden die Nachbarn immer noch als Diebe. Zur selben Zeit bekam ich einen Anruf in dem ich gefragt wurde, ob ich mit Luis im Ehebett meiner Eltern geschlafen hatte, dort hätte man nämlich unter einem Bezug viele schwarze kurze Haare gefunden (ich käme nie auf die Idee!). Mittlerweile ist die Vermutung, dass die Nachbarstochter bewusst Schamhaare gesammelt hat und sie im Ehebett meiner Eltern verteilt hat, um sie zu irritieren. Wenn das nicht paranoid ist, dann weiß ich nicht.

Am Sonntag und Montag ging es um Friseurbesuche und Ärzte. Sie hatte mir stolz erklärt, einen neuen Friseur gefunden zu haben, denn die Friseure im Ort steckten alle unter einer Decke. Häh? Nun ja, sie hätten sich gegen sie verbündet und abgemacht, ihr unbedingt eine Haarfärbung andrehen zu wollen. Wenn sie das ablehnt, sind die Friseure beleidigt und sie kann nicht mehr hingehen. Am Sonntag, als das Thema aufkam, reagierte ich noch gelassen, ein wenig belustigt. Ich glaube weniger, dass die Friseure beleidigt sind, ich glaube eher, meine Mutter hat ein Problem mit dem Neinsagen. Ne, das glaube ich nicht, das weiß ich. Natürlich mag es den einen oder anderen Friseur gehen, der sich ungeschickt verhält, aber gegen meine Mutter verbündet haben sie sich sicherlich nicht alle.

Montag ging es dann um Ärzte. Auch ein altes Thema. Zu den Ärzten im Ort kann sie nicht gehen, da sie sich alle gegen sie verbündet haben. Sie würden sie allesamt nicht ernst nehmen und Dienstleistungen verkaufen wollen, die sie gar nicht wollte. Da wollte doch einer tatsächlich eine Magen-Darm-Spiegelung machen bevor er ihr Antibiotika gegen Darmprobleme verschreibt. Wie unverschämt, dabei wusste sie doch so genau, was sie wollte! 😉 Ich habe die Details ehrlich gesagt schon vergessen, das Ganze gehörte für mich ebenso in die Schublade „Konspirationstheorie“. Und so entwich mir ein flapsiges „Du weißt schon, dass du ein wenig paranoid bist, oder?“.

Meine Mutter kapiert nicht, dass die Welt nicht untergeht, wenn sie einem Dienstleister – Friseur oder Arzt – sagt, was sie will oder nicht will. Sie selbst leitete bis vor kurzem mehrere Sportgruppen und hat sie aufgegeben, weil die Leute immer alles umsonst haben wollen. Nachvollziehbar, dass das nervt, andererseits aber reagierte sie auf die Nachfrage nach kostenlosen Dienstleistungen eben immer auch mit kostenlosen Dienstleistungen weil sie nicht Nein sagen konnte, und da ist es doch ganz normal, dass die Leute immer mehr fordern. Ich selbst muss mir den Schuh ja auch anziehen. Ich habe erst vor kurzem gelernt, Grenzen zu ziehen.

Dass mein flapsiger Spruch nun aber die Wirkung haben würde, dass die Reise in Gefahr gerät, das hätte ich nicht gedacht. Ich hatte natürlich gemerkt, dass er nicht gut angekommen war, aber es war nicht mehr als ein flapsiger Spruch. Sowas muss ich mir von meinen Freundinnen und auch von meinen Eltern fast täglich anhören.

Es ist sehr typisch, dass mein Vater anruft und sagt, meine Mutter habe aufgrund einer meiner Aussagen nicht schlafen können. Das ist wie eine kaputte Schallplatte. Egal, ob es darum geht, dass ich mir um irgendwas Sorgen mache oder meine Eltern verärgere. Meine Mutter nimmt das immer so sehr mit, dass mein Vater mit diesem Spruch bei mir anruft. Armer Kerl. Er muss die Befindlichkeiten meiner Mutter immer direkt ausbaden.

Heute Morgen war ich sauer. Ich hatte wirklich gedacht, meine Mutter läge im Krankenhaus. Mein Vater warf mir vor, mich bei meiner Mutter die ganze Woche über nicht entschuldigt zu haben, sie hätte täglich auf meinen Anruf gewartet, und darüber sollte ich doch mal nachdenken. Ich wusste nicht, wo mir der Kopf stand. Mir war gar nicht klar, dass ich mich hätte entschuldigen sollen. Wie soll ich denn über etwas nachdenken, von dem ich gar nicht weiß, dass ich es verursacht habe?

Mein Vater kündigte an, dass meine Mutter überlegt hätte, mich anzurufen und dass ich dann entsprechend milde reagieren sollte. Ich dürfte aber keinesfalls meiner Mutter von seinem Anruf erzählen, sondern solle auf ihren Anruf warten. Na tolle Wurst. Jetzt sitze ich hier, weiß, dass ich den Weltuntergang verursacht habe und darf nichts dagegen tun. Aber vielleicht ist es auch gut so. Vielleicht muss sich meine Mutter erst mal wieder beruhigen. Vielleicht kann mein Vater dazu beitragen, jetzt, wo er weiß (und mir hoffentlich glaubt), dass wir uns überhaupt nicht gestritten haben. Eigentlich finde ich, dass das seine Aufgabe ist, und dass er das hätte tun sollen, bevor er mir von den „dramatischen Folgen meines Anrufs“ erzählt hatte. Aber er hat wohl meiner Mutter geglaubt und angenommen, ich hätte sie verbal niedergestochen.

Was für eine bescheurte Reiseaussicht: Ich musste mir eine neue Unterkunft in Florida suchen. Nach Hurricane Irma tobt jetzt Maria in der Karibik. Mit Ted läuft es auch nicht gut, aber das ist ja bekannt. Gestern hat Delilah Ted aufgefordert, ihr das Haus zu überlassen und auszuziehen. Sie hat wohl mehr über mich erfahren und Ted hatte mir eine E-Mail vorgelesen, in der ich (mit meinem Echtnamen) mindestens 10 Mal „fucking whore“ oder „bitch“ genannt wurde (warum liest er mir sowas vor?). Jetzt befürchte ich, dass er nicht nur arbeitslos, sondern auch wohnungslos sein wird und sich bei mir einquartieren will. Das geht gar nicht. Dazu aber später mehr. Am liebsten würde ich die Reise absagen. Obwohl ich mich auf Florida an sich tatsächlich mittlerweile freue.

Es war eine Schnapsidee, meine Eltern einzuladen. Ohne Schnaps allerdings.

Pier geschlossen und Trump gelobt

In Tagebuch, Ted, Trump on 20. September 2017 at 20:22

Jetzt ist es offiziell: Der Pier wird auf unbestimmte Zeit geschlossen. Ted und seine Kollegen haben ihre Jobs durch Hurricane Irma verloren.

Verantwortlich für die Reparatur des Piers ist die Stadt, und die wird jetzt erst mal Angebote einholen, und das kann dauern. Es wird geschätzt, dass der Pier in 6 bis 12 Monaten wieder geöffnet werden kann. Ich tippe eher auf 2 Mal 12 Monate.

Ted habe ich heute geholfen, einen Vertrag zur Personalvermittlung aufzusetzen. Ich kenne mich mit Rechtlichem nicht aus, schon gar nicht in englischer Sprache, aber Ted ist computermäßig völliger Analphabet und kann auch mit Word nicht umgeben. Also hat er diktiert (aus New York, wo er gerade ist) und ich habe getippt. Die ursprüngliche Version, die er mir hatte zukommen lassen, war voller Fehler gewesen. Vor allem hatte er vergessen (?) den korrekten Firmennamen einzutragen (da stand ein völlig fremder Firmenname im Vertrag) und bei den Zahlungsbedingungen fehlte die Einheit  (Zahlung innerhalb von 30 … ja, was, Jahren?). Ich war ziemlich erschüttert, als ich das sah, allerdings muss ich wohl erkennen, dass ich es tatsächlich täglich und hauptberuflich mit Schreibkram zu tun habe, während Ted selten mal irgendwas tippt.

Ted hat seit Jahren behauptet, dass er im Fall eines Falles einfach wieder „Headhunter“ sein wollte. Er hat wohl früher einmal (wann?) Personal vermittelt. Er betonte immer, dass seine Datenbank mit arbeitswilligen Leuten so geil sei, aber wenn ich mir seine Schwierigkeiten im Computerumgang ansehe, kann ich mir das kaum vorstellen. Zudem ich nicht glaube, dass ein, sagen wir, 7 Jahre alte Liste mit arbeitswilligen Leuten heute noch großen Wert hat. Tatsächlich hat Ted eine Anfrage einer Versicherung, die Mitarbeiter sucht (Schadensgutachter wegen der Hurricanes), ich kann ihm nur die Daumen drücken. Sehe aber mit Schrecken, dass er in Zukunft noch mehr Zeit haben wird und mir deshalb noch mehr auf die Pelle rücken oder trinkend in Kneipen rumhängen wird 😦

Gestern habe ich ein Telefongespräch mit ihm einfach abgebrochen. Obwohl wir sonst nicht über Trump reden konnte er nicht umhin zu betonen, wie geil er Trumps Rede vor der UN gefunden hatte. Er fand es auch toll, dass Trump den Nordkoreaner Kim Jong-un „Rocket Man“ genannt hat. Als ich ihn fragte, ob er glaubt, dass es zum Dialog positiv beitragen würde, da er  mir ja verbietet, ihn „Asshole“ zu nennen, meinte er, das würde keine Rolle spielen, mit Nordkorea könne man ja eh nicht reden. Als er dann auch noch meinte, er fände es ok, wenn Trump eine Bombe nach Nordkorea schickt und die Nation vernichtet, legte ich den Hörer weg und ließ ihn geschätzte 3 Minuten schimpfen. Ich konnte es mir nicht anhören, wie Ted allen Ernstes meint, Krieg sei eine Lösung. Denkt er darüber nach, dass es nicht bei einer Bombe bleiben wird? Wie kann man für Krieg sein? Dafür, Menschen zu ermorden? Es will mir nicht in der Kopf.

Ich war so abgetörnt, dass ich, als ich den Hörer dann wieder genommen habe, das Gespräch nur noch beenden konnte. Wie kann ich denn mit so einem Kerl zusammen sein? Naja, wahrscheinlich nicht.

Alle Türen offen

In Tagebuch, Ted on 13. September 2017 at 00:36

Ted hat heute offiziell zugegeben, dass er nichts zugegeben hat. Täglich erzählt er mir, dass Delilah mit ihrer Schwester und der Nachbarin über mich reden und ihn auch zu mir ausfragen. Gepetzt hat wohl ein Bekannter vom Pier, ein korrupter Polizist mit britischen Wurzeln von einer der karibischen Inseln, der vor kurzem wegen Fahrerflucht suspendiert wurde. Ich fand ihn schon immer widerlich, genau der Typ Mann, von dem man glauben würde, dass er Trump gewählt hat: Kettenraucher, Trinker, herablassend gegenüber Frauen, sich selbst für Gottes Geschenk an die Frauen haltend, obwohl er so scheiße aussieht, dass man glaubt, er stinkt… Ted behauptete immer, ihn nicht zu mögen, verbrachte aber dennoch viel Zeit mit ihm. Keine Ahnung, warum er solch Arschlöchern gegenüber immer so zuvorkommend ist.

Wie dem auch sei. Die Nachbarin Kathy hat Ted wohl „im Vertrauen“ gefragt, ob er mit mir ein Verhältnis hat (sie kennt mich ja), und Ted hat geantwortet, er würde sich mit mir „nur den Sonnenaufgang“ anschauen. Nachdem er mir das erzählt hatte meinte ich, er würde sich so ja ganz bequem alle Türen offenhalten. Nachdem er da ein paar Stunden drüber nachgedacht hatte, verneinte er das. Aber das ist Bullshit. Bis auf das eine Mal, an das er sich nicht erinnert, oder doch, oder doch nicht, hat er nie zugegeben, eine Affäre oder gar eine Beziehung mit irgendwem außer Delilah zu haben.

Als wir auf den Hurrikan warteten, am Sonntag, sprachen wir auch darüber, was passieren würde, wenn die von mir für Oktober bis Dezember angemietete Wohnung nicht beziehbar sein würde. Wahrscheinlich wird das nicht der Fall sein, aber endgültig weiß ich das noch nicht. Ted erklärte mir, dass ich im Zweifel ja bei ihm einziehen könnte. Häh???

Es gibt ganz viele Gründe, aus denen das völliger Blödsinn ist. Und mir ist nicht klar, ob Ted wirklich so verpeilt ist, dass er sich das vorstellen kann, oder ob er einfach nur wohlig vor sich hin halluziniert: 1) Delilah würde ihm wohl einen Vogel zeigen. Damit ich im Oktober dort unterkommen könnte, müsste sie innerhalb der nächsten 3 Wochen ausziehen. Warum sollte sie das tun? Ted erwähnte sogar, dass es sein Traum wäre, dass wir dort alle zusammen wohnen. Ich und eine 4-köpfige Familie? Ne danke. Selbst unter ganz anderen Bedingungen wäre das für mich ein Horrorszenario: Ich will alleine wohnen, bestimmt nicht in einer Wohngemeinschaft mit Mama, Papa und zwei Kindern! 2) Ich würde niemals in diese Wohnung einziehen, die meine Vorgängerin so kurzfristig verlassen hat. Ich traue Ted nicht zu, dass er sie rauswirft, aber mit einem Mann, der so etwas tut, möchte ich auch nicht zusammen sein. 3) Ich möchte nicht mit Ted zusammen wohnen, und er weiß das. Bevor wir irgendetwas in der Art planen können, muss sich ganz viel ändern. Und da Ted so stolz auf seine „It will work itself out“-Mentalität ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass das passiert. 4) Ich möchte nicht 20 km vom Meer in einer völlig unattraktiven Stadt wohnen. Was soll ich da? Ted weiß das. Ich würde ein Auto brauchen, spontane Mittagspausen am Strand oder Pier wären damit nicht mehr möglich. All das, was ich dort gerne mache, wäre dann nur noch mit Planung als Halbtagesausflug möglich. Und woher soll ich das Auto nehmen? Dann bleibe ich lieber in Deutschland und fliege mal 2 Wochen nach Mallorca in Urlaub, da wäre ich freier.

Wahrscheinlich sagt Ted diese Dinge, weil er weiß, dass ich sie ablehnen würde. Er bedenkt aber nicht, dass sie völlig irre klingen. Dazu gehört ja auch dieses ständige Nachfragen, ob ich ihn noch heiraten würde. Beim ersten Mal habe ich mich noch geschmeichelt gefühlt, mittlerweile weiß ich, dass das nur die Bitte um eine Liebeserklärung ist. Und seit etwa einem Jahr lehne ich auch ab. Das findet er natürlich scheiße, aber wenn schon der den Heiratsantrag machende Partner es nicht ehrlich meint, dann sollte wenigstens der Antwortende den Mumm haben, Klartext zu sprechen.

Wir sprachen also auch darüber, was ich tun würde, wenn meine Unterkunft im Oktober nicht beziehbar wäre. Und angesichts der Tatsache, dass ich lieber zu Hause in Deutschland bleiben würde als bei ihm oder mit ihm einzuziehen, fragte er, was denn dann mit uns sei. „Ich weiß es nicht“, antwortete ich. Und tatsächlich ist es ja so: Ich würde nicht nur wegen ihm nach Florida fliegen. Ted erwähnte, dass er ja eventuell arbeitslos sein würde und mich in Deutschland besuchen kommen könnte, und vor meinen Augen spielte sich schon das nächste Horrorszenario ab. Und so erklärte ich ihm, dass wir erst mal unsere Probleme lösen müssten, bevor wir irgendwelche Pläne machen können. Er versprach erneut, dass er sich geändert hätte und dass ich das dann im Oktober schon sehen würde. Aha. Und während er das sagte, machten die Eisklümpchen in seinem Bierglas ein klirrendes Geräusch.

 

Sturheit

In Tagebuch, Ted on 10. September 2017 at 23:19

Ich hatte in meinem letzten Posting ja schon erwähnt, dass Ann und ihr Mann sich entschieden haben, auf der Insel auszuharren, obwohl sie – egal wie der Sturm nun tatsächlich verlaufen wird – überschwemmt werden wird und sie zwangsevakuiert wurde. Wenn man sieht, wie es gerade in Miami aussieht, dort schlagen die Fluten in den Straßenschluchten Wellen (und dort bekommen sie nicht das Schlimmste ab), dann wird es auf meiner Insel richtig gefährlich werden. Ich kann nicht nachvollziehen, warum sie das tun. Sie übernachten im Haus eines Freundes, weil das eigene „tented“ ist – das heißt gerade gegen Termiten gespritzt wurde – und das Haus befindet sich etwa 2 Blocks vom Wasser, steht nicht auf Stelzen und weist die amerikanische Leichtbauweise auf. Das Auge des Hurrikans wird in unmittelbarer Nähe vorbeiziehen, fliegt das Haus nicht weg, wird es wohl weggeflutet. Sämtliche Bitten der Verwandten und Freunden auf Facebook verliefen ins Leere. Stattdessen postete der Ehemann heute mittag Folgendes:

„[123 xxx Street]. Fire Dept has left, water is off, cars high. Going to make love to my wife until she walks funny!“

Was bitte soll das? Feuerwehr ist weg, das Wasser auf der Insel wurde sicherheitshalber abgeschaltet. Warum muss die Welt wissen, dass er jetzt Sex mit Ann hat? Und wozu brauchen wir die Adresse? Gibt es Psyhiater oder Gedankenleser unter Euch die mir erklären können, was der Kerl damit beabsichtigt?

Tja, und viel schlimmer, für mich, Ted. Er hat sich entschieden, in seinem Haus zu bleiben. Angesichts der immer schlechter werdenden Prognosen hat Delilah entschieden, mit den Kids ein Hurricane Shelter aufzusuchen. Teds Erklärung dafür, dass er im Haus verblieben ist, beschränkt sich darauf, dass er „die Dinge im Auge behalten“ will. Welche bitte? Will er auf den Sturm schließen, wenn er die Fenster zum Bersten bringt? Er beharrt darauf, dass er im Haus sicher ist, und vielleicht hat er auch Recht, aber ich verstehe nicht, warum er die zusätzliche Sicherheit nicht annimmt und in ein Shelter geht. Was ist so schlimm daran? „Gibt es dort kein Bier?“, habe ich ihn im Scherz gefragt. Er begründet seine Entscheidung auch damit, dass Delilah sich von jetzt auf gleich entschieden habe, ins Shelter zu fahren, aber auch das ist für mich kein Grund. Kann ja ärgerlich sein, aber als wir vor 2 Stunden telefonierten war immer noch Zeit, loszufahren. In seinem Haus ist er ganz allein. Die Fenster sind, wie gesagt, ungesichert und das Haus liegt praktisch ganz genau auf dem Weg von Irma. Wenn er „Glück“ hat, kann er zum Höhepunkt des Sturms aus dem Haus gehen und die Sterne sehen. Sollte er aber nicht tun.

Der Sturm wird ihn irgendwann nach Mitternacht seine Zeit (also nach 6 Uhr morgens hier) treffen. Neben seinem Haus steht ein Baum, der ihm Sorgen macht. Zurzeit fallen einzelne Äste ab. Wenn der ganze Baum kippt, dann fällt er ins Schlafzimmer. Gott sei Dank weiß er das wenigstens. Das Dach kann wegfliegen. Die Fenster können brechen. Der Strom wird ausfallen, wahrscheinlich wird es auch kein fließendes Wasser geben. Wir werden irgendwann nicht mehr per Internet oder normale Telefonverbindung sprechen können. Und dann heißt es für mich warten. Ich weiß dann nicht, was mit ihm los ist. Wäre er in einem Shelter, könnte ich davon ausgehen, dass ihm im Notfall geholfen wird. So ist er jetzt allein. Selbst wenn er in seinem Haus „relativ“ sicher ist, so wäre es doch nett seinen Angehörigen gegenüber, wenn er sich unter Menschen begeben würde. Es würde uns viel Sorgen sparen. Und deshalb finde ich, dass er egoistisch ist.

Mein Vater meinte, er hätte vielleicht Schwierigkeiten, mir gegenüber zuzugeben, dass er sich z.B. als Alkoholiker in einem Shelter nicht wohlfühlen würde. Das halte ich für sehr wahrscheinlich. Ich würde auch alles vermeiden, um mein Haus zu verlassen. Das, was ich im Fernsehen zu den Hurricane Shelters gesehen habe schreckt mich auch ab, da will ich auch nicht sein. Ich will aber auch nicht tot sein, und ich will auch nicht, dass sich meine Angehörgen Sorgen um mich machen.

Nun ja. Vielleicht ist es auch egoistisch zu verlangen, dass er meine Angst berücksichtigt. Ich kann sicher nicht verlangen dass er das tut, was ich für richtig erachte. Ich bin erschöpft. So komisch wie das ist, in diesen Situationen schlafe ich meist recht gut.